Besonders live entfaltet die 30jährige mit ihrer erstklassigen Band, bestehend aus Hardy Kayser (Git.), Christoph Buhse (Dr.), Olaf Casimir (Kontrab.), Friedrich Paravicini (Wurlitzer, Akk., Mundharm., Cello), Jürgen Kumlehn (Git.) und Mirko Michalzik (Git.), eine Präsenz, der man sich nur schwer entziehen kann.
Höchste Zeit, die vielschichtigen Chansons der aparten Wahlhamburgerin für den heimischen Fernseher zu konservieren: Mit Veröffentlichung der ?Das Optimale Leben? Live- und Tour-Edition 2007/2008 feiern die Fans der blonden Chanteuse bereits am 23. November Weihnachten. Der Mitschnitt des diesjährigen 3sat-Festivals, ergänzt durch lange Ausschnitte der gemeinsamen Konzerte mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg und der renommierten Jazz-Bigband des Hessischen Rundfunks, liefert einen stimmungsvollen Querschnitt von Annetts Bühnenschaffen.
Bevor die Louisan ab Dezember für rund drei Monate ihr Deutsches-, Österreichisches- und Schweizer-Publikum mit beinahe 50 Konzerten erfreut, plagen die hübsche Ausnahmekünstlerin ganz alltägliche Sorgen - denn auch vor einer vielbeschäftigten Musikerin macht das Weihnachtsfest nicht halt: "Dieses Jahr kann ich mich nicht entscheiden, wie ich das Fest verbringen soll. Auf der einen Seite wären Sonne, Palmen, Meer und Massagen super, allerdings ist es auch schön, Familie und Freunde wiederzusehen...", verrät die zierliche Blonde im Gespräch mit OXMOX. "Ich werde meine Weihnachtseinkäufe auf jeden Fall mit einem Besuch auf dem Hamburger-Weihnachtsmarkt verbinden. Die Hälfte des Dezembers bin ich auf Tour. Aber dann können die Weihnachtsferien beginnen!", lacht Annett.
Bleibt die Frage, wie sich die rar gesäte Freizeit des - seit 2004 mit Gazi Isikatli verheirateten ? Männerschwarms gestaltet? "Wenn ich Freizeit habe, versuche ich diese zu nutzen, um Stress abzubauen. Sport, Wellness und Bücher wirken wahre Wunder. Leider komme ich viel zu selten dazu, Ausstellungen zu besuchen. Die letzte war in den Hamburger Deichtorhallen von Erwin Wurm. Besonders gefallen hat mir der "fette Porsche" - ein Auto mit Übergewicht!?, lacht die ehemalige Kunststudentin. Als Auto mit Übergewicht könnte man auch den Tourbus bezeichnen, der die Hamburgerin und ihre Band in wenigen Wochen durch ganz Deutschland führt. "Auf Tour zu sein ist eine sehr besondere Zeit. Alltagsgefühle kommen selten auf. Jeden Tag eine andere Stadt zu erleben und am Abend auf der Bühne zu stehen ist das Schönste! Allerdings müssen wir zum Teil weite Strecken mit dem Bus zurücklegen, was sehr anstrengend sein kann. Wenn man sich von Ort zu Ort beamen könnte, wäre eine Tour perfekt!" Gegen die Langeweile im Bus haben die Louisan (ihren Künstlernamen leitete Annett vom Vornamen ihrer Großmutter Louise ab) und ihre Begleiter ein Rezept: Musik-DVDs vertreiben die Zeit zwischen München, Berlin, Wien und Co. "Für den Tourbus wird fleißig untereinander getauscht. Im Zeitalter der DVD ist das Musik-Angebot größer denn je. Auch seltene ältere Aufnahmen von Otis Redding, Brel oder Sinatra wurden konserviert und dem Publikum zugänglich gemacht - diese faszinieren mich besonders! Im Allgemeinen interessieren mich weniger Spielereien im Menü, sondern vielmehr die Qualität und der Charme der Aufnahmen. Bei meiner eigenen DVD war es mir wichtig, ganz viel Musik hineinzupacken. Drei sehr verschiedene Konzerte mit unterschiedlicher Instrumentierung und Umsetzung, die zum Teil gleiche Songs ganz anders wirken lassen."
Angesprochen auf den Abwechslungsreichtum ihrer Konzerte fällt auf, dass sich auch die Louisan weiterentwickelt hat. Scheint, als hätte das anfängliche Lolita-Image der Präsenz einer selbstbewussten Künstlerin Platz gemacht, die nicht mehr nur noch "spielen" will: "Ich habe nie ein solches Image forciert und auch nicht bewusst versucht, mich davon zu befreien. Jeder Mensch hat eine bestimmte Ausstrahlung, gegen die er nichts tun kann. Ich bin mir sicher, dass auch mit einem anderen Song als "Das Spiel" ähnliche Assoziationen beschrieben worden wären. Aber die Zeit bleibt nicht stehen, und ich möchte mich nicht wiederholen. Diese gewisse Naivität, die ich bei meinem ersten Album auch persönlich noch besaß, verschwindet mit der Zeit, und das macht sich auch in meiner Musik, in meinen Texten und in meiner Performance bemerkbar."
Keine Frage, in ihrem 30ten Lebensjahr steht Annett selbstbewusster und ausgeglichener denn je im Leben: "Ich habe das Gefühl, dass sich in den letzten Jahren etwas verschoben hat: 40-jährige Frauen sind die gefühlten 30-jährigen von heute, und wir 30-jährigen können noch zehn Jahre länger 30 sein als früher. Es ist ein tolles Alter, obwohl ich mit 25 glaubte, ich möchte ewig so jung bleiben... ein großer Irrtum. Es wird nämlich immer besser!" Wie ordentlich gefeiert wird, scheint die sympathische Sängerin ebenfalls noch nicht verlernt zu haben ? gute Vorsätze für's neue Jahr werden erst gar nicht gefasst. Aus gutem Grund: "Das mit den guten Vorsätzen habe ich schon lange aufgegeben. Das funktioniert nicht bei mir, weil der Kater am nächsten Tag viel zu groß ist" (lacht) Stefanie Ohl

