?Frauen sind uns Männern vielfach überlegen"

Danny Boyle. Vor kurzem spielte er an der Seite von Christian Bale und Katie Holmes in ?Batman Begins" den Dr.Crane, zuvor den Liebhaber von Scarlett Johansson in ?Das Mädchen mit dem Perlenohrring" oder den bösen Buben in ?Red Eye". Nun präsentiert sich Cillian Murphy von einer ganz anderen Seite: Im Auftrag des irischen Kino-Poeten Neil Jordan spielt er den Transsexuellen Patrick ?Kitten" Brady, der sich in den Swinging Sixties weder von der IRA noch von homophoben Pöbeleien seinen Weg zum Glück versperren lässt. Gael Garcia Bernal, über die besten Möglichkeiten der Haarentfernung unterhalten haben?Pedro Almodóvar präsentierte. Darin spielt er ja ebenfalls einen Transvestiten und er empfahl mir, sich die Haare am besten mit Wachs zu entfernen. Ich haben mich nach einigen Versuchen dann allerdings doch für das Rasieren entschieden ? es ist eine fürchterliche Prozedur. Fast so schlimm wie das Zupfen der Augenbrauen!Ken Loach vor der Kamera ? gibt es so etwas wie einen Karriereplan für Sie?Colin Farrell?Dieter Oßwald

Bekannt wurde er durch den futuristischen Thriller ?28 Days Later" von ?Beach"-Macher

 

Wie weit ist diese Geschichte als Märchen zu verstehen?

Für mich ist das definitiv ein Märchen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Held, der verzweifelt nach seiner Mutter sucht. Eine Figur, die geliebt werden möchte, die schön aussehen will. Dieses Schicksal gerät zur großen Reise von meiner Rolle des Kitten. Im Grunde ist das sehr simpel ? aber gleichwohl bewegend.

Stimmt es, dass Sie sich mit

Ich traf Gael in Cannes, wo er gerade seinen Film ?Bad Education" von

Haben Sie sich nach der Verwandlung wohl gefühlt?

Ich fühlte mich absolut wohl nach der Verwandlung. Zum einen würde ich alles tun, wenn damit die Geschichte besser vorangebracht werden kann. Zum anderen liebt es jeder Schauspieler, wenn er sich verkleiden und verändern kann. Die spannendsten Rollen sind für immer jene, die möglichst weit weg von mir selbst sind ? denn dort kann sich völlig fallen lassen.

Ist die Gefahr der Übertreibung ist bei solch einer Figur nicht besonders groß?

Allerdings, deswegen war es mir sehr wichtig, die Figur nicht tuntig oder affektiert zu spielen. Es gibt eine lange Geschichte des Kinos, wo sich Männer als Frauen präsentieren. Mir lag viel daran, dass ich meine Rolle sehr feminin präsentierte. Es sollte mehr sein als ein Transvestit, mehr als ein Mann im Fummel. Kitten sollte nicht nur so tun, als wäre er eine Frau. Er sollte so sein wie eine Frau.

Wie sehr waren Sie dieser Figur emotional verbunden?

Manche Rollen absolviert man als Schauspieler einfach technisch, in andere Figuren verliebt man sich regelrecht. Und für Kitten empfand ich diese tiefe Zuneigung. Sie ist aus ganzem Herzen ein guter Mensch - selbst nach den Dreharbeiten hatte ich noch sehr lange das Gefühl, ich müsste diese arme Kreatur doch beschützen.

Wie sah Ihre Vorbereitung denn aus?

Ich bin in London oft mit Transvestiten ausgegangen. Diese Abende waren überaus lustig. Diese Typen sind clever, sehr schlagfertig und sie gehen sehr solidarisch miteinander um. Für sie ist es vor allem wichtig, dass sie sich schön finden ? und dafür hören sie sich so manch blöden Bemerkungen auf der Straße an. Diese positive Haltung zu sich selbst und zum Leben fand ich ganz bewundernswert.

Hat sich durch diesen Film Ihre Sicht auf die Geschlechter verändert? Haben Sie sich verändert?

Jeder Mann hat eine weibliche Seite. Und ich fand es sehr spannend, diese Seiten bei mir näher kennen zu lernen ? das sage ich Ihnen als verheirateter Mann und frischgebackener Vater! Die Sache ist gar nicht kompliziert, man muss einfach bereit sein, seine weichen Punkte an sich entdecken. Wobei ich überzeugt bin, dass die Frauen uns Männern in vielen Aspekten überlegen sind.

Wie ist Ihr Verhältnis zu den 70er Jahren, in denen der Film spielt?

Ich wurde 1976 geboren und kenne diese Zeit nur aus Erzählungen und Filmen. In Irland war das politisch und wirtschaftlich eine sehr harte Ära. Von Selbsterfahrung wollte man dort damals nicht viel wissen. London war der ideale Fluchtort, die Stadt stand für Freiheit, Sex und Rock?n Roll ? für alles, was man in Irland nicht finden konnte.

Hätte es Kitten heute leichter in Irland?

Das ist schwer zu sagen. Auch wenn man sich heute in Irland gerne als offenen Gesellschaft versteht, gibt es doch ziemlich rechte Tendenzen bei uns. Und die Perspektiven erscheinen mir pessimistischer als sie in den 70er Jahren mit ihrer ganzen Aufbruchstimmung wohl gewesen sind. Heute werden Schwule oder Transvestiten vielleicht eher akzeptiert. Eine Ende von Vorurteilen ist aber längst nicht abzusehen, man muss sich nur unser Verhältnis zu Flüchtlingen betrachten.

Sie haben vor kurzem in ?Batman" gespielt und stehen demnächst bei Kunstfilmer

Wenngleich ?Batman" ein Blockbuster ist, sehe ich ihn als sehr gut gemachten Film mit einer ausgezeichneten Besetzung. Für mich besteht der Unterscheid zu einem Film von Ken Loach eigentlich nur im Budget. Für mich verfügen beide über die gleiche künstlerische Wahrhaftigkeit. Das schöne an meinem Beruf ist, dass man als Schauspieler die Freiheit hat, überall arbeiten zu können ? ob in Hollywood oder in Island. Ich kann als Hauptdarsteller einen Film alleine tragen, so wie hier. Oder ich kann mich in ein Ensemble einfügen, wie bei meinem neuen Projekt mit Danny Boyle.

Wie wird man vom Jura-Studenten zum Schauspieler?

Ich wollte nie Jura studieren, das tat ich nur deshalb, weil meine Eltern unbedingt wollten, dass ich zunächst etwas Anständiges lernen sollte. Wäre es nach mir gegangen, hätte ich von Anfang an Kunst studiert. Jura hat ja auch nicht geklappt. Ich war mehr mit Freunden unterwegs als an der Uni. Schon bei meiner ersten Prüfung bin ich durchgefallen.

Wie gefallen Ihnen die Vergleiche mit

Wir sind beide Iren. Wir sind beide im gleichen Alter. Wir sind beide Schauspieler. Sonst sehe ich wirklich keine Ähnlichkeiten und finde diese Vergleiche albern. Colin ist ein Freund von mir, er ist ein großartiger Schauspieler - aber wir sind auch als Schauspieler völlig verschieden!

Viele bewundern Ihre Augen?

Ich benutze sie vor allem, um damit zu sehen.

Sehen Sie sich gerne auf der Leinwand?

Bisweilen ist es ganz angenehm. Manchmal ist es allerdings auch ganz schön kompliziert...

Sehen Sie sich gerne auf den Titelblättern von Illustrierten?

Alle Schauspieler sind zu einem gewissen Grad eitel, so wie alle anderen Menschen doch wohl auch. Ich glaube, meine Familie sorgt schon dafür, dass ich die Bodenhaftung nicht verliere.

 

 
 
 






Tweet