Kaum war im Vorjahr in Cannes für "Die fetten Jahre sind vorbei" über den roten Teppich gelaufen, schüttelte er der britischen Königen bei der Royal Premiere von "Der Duft von Lavendel" die Hand. Daniel Brühl, der mit "Good bye, Lenin!" seinen großen Durchbruch hatte, stolperte schon wieder über den Teppich von Cannes um sein Kriegsdrama "Merry Christmas" zu präsentieren. Bevor dieser Film Weihnachten in die Kinos kommt, erlebt man Brühl zunächst im "Duft von Lavendel" an der Seite der Schauspiellegenden Judy Dench und Maggie Smith - zwei ältere Damen, die sich in den angeschwemmten Schiffbrüchigen verlieben. Mit dem Schauspieler unterhielt sich unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.

OXMOX: Wie wars mit der englischen Queen?
Brühl: Ich war total nervös. Ich bekam vorab ein Fax mit Hinweisen, wie man sich zu verhalten hat: Man darf ihr nicht die Hand reichen, bevor sie es getan hat. Man muss einen Knicks machen. Und sollte hinter jedem Satz "Your Majesty" sagen - all das habe ich wohl falsch gemacht. Aber die Queen hat auch Unsinn geredet. Sie hat von Düsseldorf erzählt und behauptet, das wäre doch die deutsche Medienstadt schlechthin - in dem Glauben habe ich sie gelassen, wer will der Königin schon widersprechen?

OXMOX: Wie war es mit Ihren Partnerinnen, den Schauspiel-Ikonen Judy Dench und Maggie Smith?
Brühl: Ich bin absolut begeistert von beiden. Unser reales Verhältnis war so entspannt, wie es im Film zu erleben ist. Die beiden kennen sich bereits seit Ewigkeiten und haben herumgealbert wie Schulmädchen. Ich war verblüfft über die Technik der beiden. Und darüber, dass sie nach dieser langen Karriere noch immer mit einer Frische an ihre Rollen gehen, die keinerlei Routine spüren lässt. Gerade bei älteren Schauspielern ist das ja nicht immer so. Diese Haltung würde ich mir für mich später auch einmal wünschen. Besonders charmant fand ich, dass beide am letzten Drehtag jedem ein Geschenk machten - das habe ich auch noch nie erlebt.

OXMOX: Was haben Sie denn geschenkt bekommen?
Brühl: Eine Flasche Champagner und eine sehr schöne Widmung in ihre Biografien - aber die bleibt mein Geheimnis. (lacht)

OXMOX: War die Arbeit in England anders als in Deutschland?
Brühl: Meine größte Sorge war das englische Essen. Ich hatte mir eigens ein Care-Paket aus Deutschland mitgenommen mit Pasta und Soßen. Aber dann war die Verpflegung die beste, die ich je beim Film bekommen habe.

OXMOX: Sie haben für die Rolle eigens Geige spielen gelernt - könnten Sie jetzt etwas vorfideln?
Brühl: Das war tatsächlich heftig und hat Monate gedauert, bis es glaubhaft ausgesehen hat. Ich hatte vorab Geigenstunden und beim Dreh einen weiteren Lehrer. Eigentlich war ein Double vorgesehen, das wir allerdings nicht benötigt haben. Ich kann die Stücke jetzt optisch spielen, aber der Klang ist natürlich grauenhaft. Zum Glück hat mir mein Lehrer den Tipp gegeben, den Bogen mit Seife zu behandeln, damit man keine Töne mehr hört. Das war vor allem für meine Partner ein Segen, denn sie mussten ja so tun, als würden sie gerade virtuose Musik hören.

OXMOX: Bislang hatten Sie in den meisten Rollen einen kleinen Nacktauftritt. Inzwischen fällt auf, dass Sie häufiger mit Bart auftreten - hat sich das Markenzeichen gewandelt?
Brühl: Klar, ich versuche krampfhaft ein bisschen älter auszusehen....

OXMOX: Wäre ein Bart bisweilen nicht auch eine gute Tarnung im Privatleben?
Brühl: Ich habe eine lustige Anekdote zum Thema Eitelkeit oder zum Denken, man wäre berühmt. In Barcelona kam ein junges Pärchen auf mich zu. Es waren offensichtlich Touristen, ich hielt sie für Deutsche. Die beiden kamen mit einem Fotoapparat auf mich zu und ich dachte, klar, die wollen ein Bild mit mir. Automatisch hab? ich das Mädchen in den Arm genommen - sehr zum Ärger von ihrem Freund: Die beiden wollten lediglich, dass ich ein Bildchen von ihnen mache. Ich bin total rot geworden und habe mich möglichst schnell aus dem Staub gemacht...

OXMOX: Mit "Salvador" drehen Sie gerade Ihren ersten Film auf spanisch - wie läufts?
Brühl: Das ist sehr lustig. Es ist natürlich etwas Anderes, ob man zu Hause mit seiner Mutter spanisch redet oder eine ganze Rolle in spanisch hat. Ich fühle mich dabei noch nicht so sicher wie im Deutschen. Das ist eine sehr spannende Geschichte, durch die ich ganz neue Dinge über Barcelona und Spanien erfahren habe: Es geht um einen der letzten Spanier, die hingerichtet wurden.

OXMOX: Wann haben Sie zum letzten Mal im Kino geheult?
Brühl: Bei "Million Dollar Baby" von Clint Eastwood und "Das Meer in Mir" von Amenabár habe ich schon sehr mit den Tränen gekämpft.

OXMOX: Was halten Sie von "24"?
Brühl: Offen gestanden habe ich das noch nie gesehen, ich hören nur ständig von Leuten, die offensichtlich völlig süchtig danach sind. Meine Lieblings-Serie derzeit ist "The Office", von der ich mir alle Folgen unbedingt komplett auf DVD kaufen mussten.

OXMOX: Was gefiel Ihnen die Geschichte, dass in Hamburg, als eine Gruppe von Vermummten das Büffet ein Luxusrestaurant plündert und Zettel verteilte "Die fetten Jahre sind vorbei"....
Brühl: Das finde ich toll. Wobei ich damit allerdings absolut nichts zu tun hatte - wahrscheinlich steckte der Regisseur Hans Weingarten dahinter, um die DVD zu promoten! (lacht)

 
 
 






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