Es gibt Spielformen in der Sprache der modernen Musik, die ihren Eingang in den deutschen Pop nie so richtig gefunden haben. Das war lange Zeit so - bis der deutsch-französische Songschreiber und Komponist Frank Ramond für unterschiedliche (Hamburger) Interpreten kleine, musikalische Geschichten zu erzählen begann: Von der Kunst, nicht Hiebe und Triebe und Liebe aufeinander zu reimen, profitieren eine Annett Louisan (Teilzeithippie), ein Roger Cicero (Artgerecht), eine Ina Müller (Liebe Macht Taub) und eine Barbara Schöneberger (Nochmal, Nur Anders)...

Nun wagt Ramond den Paradigmenwechsel, um seine augenzwinkernden Alltags-Geschichten als Sänger selbst zu interpretieren. Mit einer unverwechselbaren Stimme und musikalischen Einflüssen - von großen Chansons bis zu lateinamerikanischen Melodiesprengseln - liefert der aschblonde Komponist mit seinem Debütalbum `Große Jungs` ein kleines Meisterwerk ab. Dabei geht es ihm nicht um den Ruhm im Rampenlicht. Im Gegenteil - schon der Gedanke daran macht ihm Angst. Es ist etwas anderes, das den sympathischen Wahl-Hamburger dazu bewogen hat, die eigenen Texte mit in die Aufnahmekabine zu nehmen und mit sanfter Stimme seine Geschichten zu erzählen. Um es platt zu sagen: Selbstverwirklichung im besten Sinne des Wortes!

`Frank Sinatra, Elvis und Marlene Dietrich haben in ihrem Leben keinen einzigen Song selbst geschrieben und waren dennoch große Künstler.`

In dreizehn knackigen Storys erzählt der Echo-Preisträger (Bester Produzent 2007) aus seinem Leben. Von der ersten Single-Auskopplung `Ich Zähl Bis Drei` (Genau so haben meine Frau und ich unsere Kinder immer angezählt, weil das die einzig funktionierende Methode war, sie zum Handeln zu bewegen. Irgendwann hab ich meine Frau gefragt: Was machen wir eigentlich bei drei? und sie sagte: Keine Ahnung...), bis zum mit südamerikanischen Rhythmen angereicherten `Dämliche Fraugen`. `Ich bin in Mexiko aufgewachsen - inmitten von Franzosen. Die einzige Musik die mich damals umgab, waren Chansons von Georges Brassens (Anm.: Ein französischer Dichter und Schriftsteller; in den 50er-70ern ein berühmter Chansonnier) und mexikanische Folklore: `La Bamba` rauf und runter! (lacht) Mein Vater nahm Gitarren-Unterricht bei einem der Los Paraguayos (Guantanamera). Als ich nach Deutschland kam, hörte meine Mutter Reinhard Mey (Bunter Hund) und Hannes Wader (Heute Hier, Morgen Dort). In der Oberstufe habe ich eine eigene Band gegründet und versucht, Funk und Soul zu spielen...`

`Das einzige Lied, das meine Mitschüler begeistert hat, war das, was ich über unseren Direktor geschrieben hatte.`

Wo wir schon mitten in der ungewöhnlichen und abenteuerlichen Vita des 45jährigen wären. Frank ist Sohn eines Franzosen und einer Deutschen: `Ich bin in Istanbul geboren. Mein Vater war Lehrer im Auslandsdienst für Frankreich. Als ich drei Jahre alt war, zogen meine Eltern nach Mexiko City. Da blieb ich bis ich sieben war - meine Eltern ließen sich scheiden, und meine Mutter ging mit mir nach Hamburg.` Auf dem Weg zum Mann hatte der angehende Musikproduzent einige Klippen zu umschiffen: kaufmännische Lehre, Bundeswehr, elf Semester Jura - und sogar ein Engagement als Live-Musiker bei Lotto King Karl & den Barmbek Dreamboys. Geld kam ins Haus, indem er in seinem Kellerstudio, das er mit billigem Computerequipment eingerichtet hatte, Jingles für Privatradios produzierte.

Die Quintessenz des Abenteuers, das sich Frank Ramonds Leben nennt, findet sich auf `Große Jungs` wieder: `Ich versuche, in allem was ich oder andere Menschen machen, einen Sinn zu erkennen. Wenn ich keinen erkenne, mach` ich mich darüber lustig. Selbstironie ist ein hervorragender Einstand bei Anderen. (lacht) Ich bin einerseits selbstbewusst - andererseits rechne ich immer mit dem Schlimmsten. Ich nehme mir gerne Zeit, um mein Gegenüber einzuschätzen.` Die typischen Cocktailgespräche mag er nicht. Zu dem ironischen Song `Prenzlauer Zwerg` sagt der ehemalige Werbesprecher: `In einem Spielfilm fiel der Satz: Weißt du, was du bist? Du bist der größte Zwerg! Dazu kam ich auf den Prenzlauer Berg, weil Ironie und Protzigkeit nirgendwo so dicht beieinander liegen, wie in Berlin. `

`Leben ist für mich erleben! Wenn ich das Gefühl habe, dass nichts passiert, stelle ich mich neuen Herausforderungen.`

Frank Ramond lebt mit seiner Frau Janine und den zwei Kindern Joel (geb. 1999) und Renée (geb. 2001) in der Nähe von Hamburg. Auf den ersten Blick ist er ein MannMann: Aschblondes Haar fällt in die Stirn, skeptisches Grünauge, der Mund verschlossen wie der des erfahrenen Käptn`s, der gelernt hat, auf langen Seereisen mit sich selbst im Reinen zu sein. Stoppeliges Kinn, zwei tiefe Skepsis-Falten über der Nasenwurzel, legere Klamotten. Dazu kommt die Liebe zu Individualsportarten: `Laufen, Fitness, Windsurfen`, und die Bekenntnis: `Einmal im Monat findet bei mir in der Kellerbar der sogenannte Harry Gondi-Abend statt. (Anm.: Theater- und Stummfilm-Schauspieler der 30er Jahre) Dort darf jeder erscheinen, der einen angewachsenen Penis besitzt. Und dann wird gesoffen... Ist Ramond also ein großer Junge? Ja. Und nein. `Ich bin froh in einer Beziehung zu sein. Das Leben als Single kann sehr einsam werden - gerade in einem Alter, in dem alle um einen herum Familie haben.` Frauen sind für den charmanten Singer/Songwriter ohnehin das spannendste Thema: ?Die Beziehung zwischen Mann und Frau beherrscht unser ganzes Leben. Erst muss man(n) mit seiner Mutter klarkommen, dann mit seiner Freundin/Frau - und mit ihrer Mutter - und dann mit seiner Tochter? Alles, was Männer tun, dient dazu, Frauen zu beeindrucken oder zu versorgen. Alles, was Frauen machen, dient dazu, Männer dazu zu bringen, sie zu versorgen - oder ihnen sonst wie behilflich zu sein.` Schon mal neugierig drauf gewesen, einen Tag lang eine Frau zu sein? `Ich würde meine Manolos dafür hergeben!`

www.frankramond.de