"Die Zigaretten sind nur der Aufhänger"
Interview mit Jason Reitman  zu "Thank You For Smoking"    Start: 31.8.

Papa Ivan wurde mit "Ghostbusters" und Schwarzenegger-Komödien populär. Nun macht Sohn Jason gleichfalls Comedy-Versuche. Und präsentiert mit der Raucher-Satire "Thank You For Smoking" einen Volltreffer mit Starbesetzung von Rob Lowe bis Robert Duvall, der auf dem Münchner Filmfest mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Mit dem 30jährigen Regisseur  sprach unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.

OXMOX: Wie lustig ist es, in einer Komödianten-Familie aufzuwachsen?

Reitman: Meine Eltern sind seit über 30 Jahren verheiratet und haben mich in einer sehr liebevollen Atmosphäre erzogen. Mein Vater ist mein Vorbild und mein Held. Wenn ich ein Talent zum Geschichtenerzählen habe, dann habe ich es von ihm bekommen. Ohne dass ich ihn als Kind oft bei Dreharbeiten begleitet habe, wäre ich sicher kein Regisseur geworden.

OXMOX: Wir groß war der Einfluss von Ihrem Vater bei diesem Projekt?

Reitman: Ich habe ihm das Drehbuch gezeigt und nahm ihn bisweilen mit in den Schneideraum. E stand mir immer mit sehr guten Ratschlägen zur Seite, denen mein Film tatsächlich auch viel zu verdanken hat.

OXMOX: Manche Promi-Kinder wählen lieber einen anderen Namen, wenn sie Karriere machen. War das nie eine Überlegung für Sie?

Reitman: Man sollte sich nicht verstecken, sondern stolz auf seine Herkunft sein. Ich jedenfalls bin stolz, der Sohn meines Vaters zu sein und bin gerne ein Reitman. Nicolas Cage mag seinen Namen geändert haben, aber jeder weiß doch, dass Francis Coppola sein Onkel ist. Seine Karriere verdankt er nicht irgendwelcher Verwandtschaft, sondern er ist ein Star, weil er ein brillanter Schauspieler ist.

OXMOX: Die Vorlage war ein Bestseller – doch der Autor Christopher Buckley war zugleich Redenschreiber von George Bush – kann man solchen Leuten trauen?

Reitman: Buckley war Redenschreiber für George Bush, senior, als dieser noch Vize-Präsident war. Ich glaube dadurch bekam er einen enorm guten Einblick hinter die Kulissen der Macht. Bei ihm bekommen alle ihr Fett weg. Nicht umsonst gehört er im Augenblick zu den populärsten Satirikern von Amerika.

OXMOX: Wie entspannt kann man heute in Washington einen Film drehen?

Reitman: Wir hatten nur wenige Tage in Washington gedreht, aber dort einen Film zu machen ist sehr aufregend. An jeder Ecke trifft man auf Sicherheitsmassnahmen, man muss sich also immer sehr vorsichtig mit seinem ganzen Team bewegen und fast wären wir sogar einmal verhaftet worden.

OXMOX: Warum raucht überhaupt niemand in Ihrem Film über das Rauchen?

Reitman: Hätte ich jemanden beim Rauchen gezeigt, hätte man mir sofort vorgeworfen, ich würde das Rauchen glorifizieren. Aber mir geht es ja gar nicht um das Rauchen. Mein Film handelt von der Freiheit des Willens, von Mobbing, vom Manipulieren und Schönreden – die Zigaretten sind da nur der Aufhänger.

OXMOX: Früher war ein Film wie "Insider" allein auf weiter Flur. Heute gibt es "Fahrenheit", "Supersize Me", "Inconvenient Truth", "American Dreamz", "Syriana" oder "Good Night and good luck"  woher kommt der Boom des politischen Kinos?

Reitman: Wir leben in sehr politischen Zeiten. Amerika befindet sich im Krieg. Aber diese Art von kritischem Kino erlebte schon Mitte der 90er Jahre einen großen Auftrieb, vor allem auch durch das Sundance Filmfestival. Früher waren das unabhängige Produktionen, heute entstehen solche Filme auch in den Studios.

OXMOX: Welchen Einfluss hatte Tom Cruise auf die Dreharbeiten – immerhin tritt Katie Holmes in freizügigen Szenen auf…

Reitmann: Die Sex-Szene mit Katie ist sehr lustig. Ausgerechnet beim Festival von Sundance hat ein Vorführer genau diese Sequenz, die sich am Ende einer Filmrolle befindet, versehentlich abgeschnitten. Sofort stand in der Los Angeles Times ein Artikel, dass Mormonen oder Scientology-Mitglieder für das Fehlen der Sexszene verantwortlich waren - das war alles nur ironisch gemeint, aber viele Leute haben es ernst genommen und die Sache dann so einfach weitererzählt.
(Dieter Oßwald)

 
 
 






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