Die Industrial-Götter Ministry nehmen mit dem dieser Tage veröffentlichten und passend betitelten Album "The Last Sucker" ihren endgültigen Abschied. Die Band war einer der visionärsten und einflussreichsten Acts der Achtziger und Neunziger. Neben Nine Inch Nails gilt das aus Chicago stammende, mittlerweile in Texas ansässige Projekt als Ur-Gestein des Industrial-Sounds. Doch Band-Boss Al Jourgensen gibt sich im Interview alles andere als traurig oder wehmütig. Vielmehr blickt er voller Pläne und Tatendrang in die Zukunft.
OXMOX: Hallo Al, sei ehrlich, ist "The last sucker" wirklich das letzte Ministry-Album oder behauptet ihr das nur, um mal wieder ein wenig die Werbetrommel zu rühren?
Al Jourgensen: Nein, das hier ist definitiv das Ende von Ministry. Ich habe die Band 25 Jahre betrieben und will nicht so wie die Stones oder Aerosmith enden. Die müssen mit über 60 Jahren immer noch die gleichen alten Nummern spielen. Aber mir sind Ruhm, Groupies und der ganze Quatsch völlig egal. Ich habe genug Geld, um davon prima leben und arbeiten zu können. Das ist alles, was ich brauche.
OXMOX: Bist du denn besonders sorgfältig bei Songauswahl und Produktion von "The Last Sucker" vorgegangen? Wie fühlt man sich, wenn man weiß, dass es das letzte Album seiner Band wird?
Jourgensen: Bis zur letzten Woche des Abmischens habe ich die Platte wie jede andere behandelt. Erst da habe ich auf einmal das realisiert, was ich während des Schreibens und Aufnehmens immer schön verdrängt hatte. Nämlich, dass es sich hier um die letzten Töne handeln wird, die die Welt von dem Projekt hört, mit dem ich exakt die Hälfte meines Lebens verbracht habe und das diese Nummern besser verdammt geil werden sollten. (lacht)
OXMOX: Das hat ja zum Glück geklappt. Aber was kommt jetzt? Ziehst du dich aufs Altenteil zurück und verbringst die Tage mit einem Cocktail in der Hand auf der Veranda deiner Ranch vor den Toren von Austin?
Jourgensen: Niemals, das könnte ich gar nicht. Ich würde nach zwei Tagen an Langeweile zu Grunde gehen. Zunächst einmal kommt die letzte Ministry-Tour, die sehr lang sein wird. Allein zehn Wochen verbringen wir davon in Europa; soviel wie nie zuvor. Und dann geht?s erst richtig los. Das ist ja der Hauptgrund, weshalb ich die Band beende - ich will endlich Zeit für all die anderen Dinge haben, die ich immer beiseite schieben musste.
OXMOX: Die da wären?
Jourgensen: Nun, erst einmal werde ich endlich mein Label 13th Planet Records richtig nach vorne bringen. Sämtliche Rechte an unseren alten Alben fallen in Kürze von Warner Brothers an mich zurück. Die Aufnahmen werde ich dann sämtlichst remastern, mit haufenweise Bonustracks versehen usw. In etwa zwei Jahren wird es dann ein großes Boxset mit jeder Menge unveröffentlichter Nummern, Coverversionen, Outtakes und weiteren Raritäten geben. Außerdem beginne ich jetzt ernsthaft damit, andere Künstler unter Vertrag zu nehmen. So haben beispielsweise gerade Prong ihr erstes Album für meine Firma fertig gestellt, das ich zum Teil mitproduziert habe. Außerdem sitze ich bei ein paar Nummern für meine Jugendhelden Cheap Trick hinterm Mischpult. Dann werde ich noch ein letztes Album mit meiner Zweitband Revolting Cocks machen und endlich auch mein den Fans bereits seit Jahren versprochenes Country-Album unter dem Pseudonym Buck Satan & the 666 Shooters veröffentlichen. Du siehst, ich bin für die nächsten sieben bis acht Jahre ausgebucht.
OXMOX: Entgegen anders lautenden Gerüchten hörst du also doch nicht damit auf, selbst Musik zu machen?
Jourgensen: Nein, erst dann wenn ich tot vom Stuhl falle. Ein neues Projekt von mir und Burton C. Bell, dem Fear Factory-Frontmann, der ja auch an "The Last Sucker" beteiligt ist, befindet sich bereits in der Vorbereitungs-Phase. Wir nennen uns Vimana, was das indische Wort für UFO ist. Wer Ministry und Fear Factory kennt, weiß, wie schwer es sein wird, dieses Vorhaben zu realisieren, aber wir haben uns vorgenommen, noch tausend Mal heavier und metallischer zu sein, als mit all unseren Bands zuvor ...

