"In New York auf Gold gestoßen."
Interview mit Mignon Remé Film-, Fernseh- und Theaterschauspielerin aus Hamburg.
Seit 13 Jahren leitet Mignon Remé gemeinsam mit Kirsten Sprick die Improvisationstheatergruppe hidden shakespeare, die erste Theatergruppe, die abendfüllende Stücke unter Einbeziehung des Publikums auf der Bühne erfindet. Nicht nur auf den Hamburger Bühnen fühlt sich hidden shakespeare zu Haus. Nein, die Gruppe bereist die ganze Welt und sucht die Herausforderung auf internationalen Improvisationsfestivals in Berlin, Amsterdam, Kopenhagen, Seattle und Simbabwe.
Aktuell steht Mignon Remé beim Hamburger Jedermann auf der Bühne und spielt eine Hauptrolle in der Sat.1 Serie "Unter Den Linden". 

OXMOX:Wie sind Sie zum Schauspielern gekommen?
Mignon Remé: Oh, ich bin schon sehr früh zum Theater gekommen. Mit sechs Jahren habe ich in einem Kindertheater begonnen und eine klassische Ballettausbildung habe ich auch gemacht. Für mich war also immer klar, dass ich auf der Bühne stehen möchte. Nach dem Abitur bin ich dann in Hamburg auf die "Stage School of Musical and Drama" gegangen. Bis ich Knieprobleme bekam.
OXMOX: Oh je, wie tragisch, wenn das der absolute Lebenstraum ist...
Mignon Remé: Zunächst ja, aber dann  bin ich nach New York gekommen, wo ich 5 Jahre lebte und auch meine Ausbildung abgeschlossen habe. Das war eine wilde Zeit und ich habe dort unglaublich viel gelernt bzw. kennengelernt. So zum Beispiel das Improvisationstheater. Das war dort sehr verbreitet und hat mich von Anfang an total fasziniert. Ich sage immer, in New York bin ich auf Gold gestoßen. Ich wusste einfach, dass ich dieses Geschenk mit zurück nach Deutschland bringen möchte.
OXMOX: Und wie kam es dann schließlich zur Gründung von hidden shakespeare?
Mignon Remé: Als ich aus New York zurückkam zog ich bei meiner Freundin Kirsten Sprick ein. Sie hatte mich in New York besucht und eine Improvisationstheatervorstellung gesehen und war vollkommen begeistert. Später in ihrer Hamburger Wohnung haben wir zusammen in ihrem Wohnzimmer experimentiert und beschlossen unsere eigene Gruppe zu gründen. Das war 1993 und praktisch die Geburtsstunde von hidden shakespeare.

OXMOX: Du spielst Film, Fernsehen, aber auch konventionelles Theater. Was macht für dich den besonderen Reiz am Improvisationstheater aus?
Mignon Remé: Ich bezeichne das Improvisationstheater immer als einen guten Virus. Wir Schauspieler die auf der Bühne stehen infizieren uns praktisch gegenseitig mit Ideen und so wächst man gemeinsam über sich hinaus, genauso wie man auch gemeinsam scheitern kann. Da es kein Drehbuch oder keine Stückvorlage gibt, ist es immer eine ganz besondere künstlerische Herausforderung. Wir verzichten  ganz auf Bühnenbilder und Kostüme. Alles was wir haben, ist unsere schauspielerische Fähigkeit, das Talent zu improvisieren und die Unterstützung der Kollegen. 
OXMOX: Und was stellt den besonderen Reiz für das Publikum dar?
Mignon Remé: Das Publikum liebt besonders die Tatsache das praktisch jeden Abend eine Premiere stattfindet. Und natürlich, dass es unmittelbar Einfluss auf das Vorgehen auf der Bühne nehmen kann. Es fungiert sozusagen als Autor. Immer wieder stoppen wir mitten in unserem Stück und fragen, wie soll es weitergehen, an welchem Ort sind wir oder reagiert sie jetzt erfreut oder verzweifelt? Das ist immer unglaublich spannend für das Publikum. Außerdem kann es natürlich jeden Zeit passieren, dass wir kläglich scheitern. Wir wissen ja vorher selbst nicht, wie es weitergehen wird und da kann natürlich ein großartiger Witz genauso entstehen, wie ein völlig missglückter.
OXMOX: Ihr steht nicht nur in Deutschland auf der Bühne, sondern auf der ganzen Welt. Wie kann das funktionieren, schließlich sprechen die anderen Schauspieler eine völlig andere Sprache?
Mignon Remé: Das ist das großartige an dieser Theaterform, wir brauchen keine gemeinsame Sprache. Ich vergleiche das immer gerne mit Musikern. Die verabreden sich beim Improvisieren ja auch auf eine Tonart, genau wie wir. Eine gemeinsame Sprache brauchen wir nicht immer. Ab und an einigt man sich auf Englisch oder aber wir spielen alle in unserer Muttersprache. Auch wenn Letten, Slowenen und Deutsche auf einer Bühne stehen.
OXMOX: Ihr seid ja schon ziemlich weit gereist, was war denn der ausgefallenste Auftritt bisher?
Mignon Remé: Am exotischsten war sicherlich unser Ausflug nach Simbabwe, das war für uns sehr aufregend.
OXMOX: Wird dort politischeres Theater gespielt?
Mignon Remé: Ja, man kann schon sagen, dass die Afrikaner ein viel politischeres Theater spielen. Das ist aber auch ganz klar, denn schließlich ist es in einem solchen Land sehr gefährlich bestimmte Äußerungen zu tun. Da haben wir hier natürlich viel mehr Freiheiten.
OXMOX: Ihr wart schon in Seattle, in Simbabwe. Da frage ich mich, wie finanziert ihr euch?
Mignon Remé: Das ist eine gute Frage.  Subventionen bekommen wir nicht. Zunächst arbeiten wir alle auch für Film und Fernsehen bzw. stehen auf der Theaterbühne. Darüberhinaus sind in den letzten Jahren viele Möglichkeiten dazu gekommen. Wir werden zum Beispiel von Firmen gebuch, treten dort bei Abendveranstaltungen auf und geben zunehmend auch Workshops und Seminare. Oder wir werden als Abendprogramm für Kreuzfahrten engagiert. Kürzlich waren wir mit einem Schiff im mittleren Osten unterwegs - davon wird man zwar nicht reich, macht aber fantastische Erfahrungen.   
OXMOX: Welchen Stellenwert hat das Improvisationstheater?
Mignon Remé: Das ist auf jeden Fall mein Herzblut, aber auch das Drehen hat seinen Reiz. Dabei arbeitet man viel subtiler. Nehmen wir z.B. die Variation eines Gesichtsausdrucks. Im Close up einer Kamera erkennt man weit mehr, als auf der Bühne. Es ist schön beides machen zu dürfen, weil es unterschiedliche Fähigkeiten in mir hervorruft und ich finde, dass Kino lebt und es die Menschen immer faszinieren wird. Ich bin mit Herz und Seele Schaupieler und deshalb bin ich dankbar, beides machen zu dürfen.

Nehle Mallasch

 
 
 






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