Otto und die Märchen

Exclusiv-Interview mit Otto Walkes zu "7 Zwerge - Der Wald Ist Nicht Genug" Der erste "Otto"-Film gehört mit über 14 Millionen Zuschauer zu den erfolgreichsten deutschen Streifen überhaupt. Das war vor gut zwanzig Jahren. Die Comedy-Szene hat sich inzwischen stark verändert. Doch Ur-Ulknudel Otto Waalkes hat sich angepasst, in seinem Märchen-Klamauk "7 Zwerge - Männer Allein Im Wald" populären TV-Komödianten Zipfelmützen aufgesetzt - und wieder strömten die Massen. Nun folgt die Fortsetzung.


OXMOX: Stell dir vor, es ist Zwerge, und keiner geht hin - haben Sie solche Albträume bisweilen?


Otto: Das kann auch passieren! Selbstverständlich gibt es Albträume, wir wollen schließlich, dass alle diesen Märchenfilm sehen und davon lernen! (lacht) Solche Albträume gibt es bei jeder Produktion: Stell dir vor, es gibt eine Fernsehshow und keiner schaut zu! Ich bin ja noch immer häufig live unterwegs. Oft ist es mir ein Rätsel, ob mich Leute lieber im Kino oder auf der Bühne sehen wollen. Es gibt durchaus gewisse Erschöpfungsphasen. Dann braucht man neue Konzepte, neue Leute. So entstand ja auch der erste Zwergen-Film, der ganz gut angekommen ist.


OXMOX: Was war der Grund für den enormen Erfolg der Zwerge?


Otto: Vielleicht mögen die Menschen ganz einfach Märchen. Meine Eltern haben mir damals auch immer Märchen erzählt. Das Besondere an diesen Geschichten sind ihre Lücken und die vielen Freiräume, die es dabei gibt. Die Zwerge haben zum Beispiel Särge herumstehen, sind aber charakterlos und ohne Eigenschaften. Diese Lücke wollte ich einfach füllen. Zudem sind Märchen für mich eine ideale Basis für Parodien.


OXMOX: Wie komisch ist die Witz-Arbeit?

Otto: Das ist eine ernsthafte Angelegenheit. Man muss sich in das Scherzbergwerk zurückziehen und sich die Sachen ausdenken - bei sieben Komödianten ist das ganz schön kompliziert! Schließlich muss man jedem von ihnen bestimmte Freiräume bieten. Und nebenbei muss ja auch noch die Geschichte selbst funktionieren. Eine bloße Gag-Parade würde im Kino schnell ermüden.

OXMOX: Sie waren schon immer ein großer Fan von Loriot - hätten Sie ihn nicht gerne für einen Gastauftritt verpflichtet?

Otto: Loriot hätten wir auf alle Fälle gerne dabei gehabt. Aber mit 85 Jahren ist man eben einfach nicht mehr ganz so einsetzbar, Dreharbeiten bedeuten ja immer einen enormen zeitlichen Aufwand. Ich bin noch heute stolz darauf, dass Loriot damals bei "Otto - Der Außerfriesische" mitgespielt hatte.

OXMOX: Angeblich soll die "New York Times" den ersten "Zwergen"-Film mit den legendären Monty Python-Truppe verglichen haben - oder ist das nur ein Werbemärchen?

Otto: Der Vergleich stammt vom Branchenblatt "Variety". Wir haben bei Robert De Niros Tribeca-Festival in New York den Film vorgeführt, und die Amerikaner sind im Dreieck gesprungen. Über diesen Vergleich mit Monty Python haben wir uns natürlich wahnsinnig gefreut. Derzeit läuft der erste Teil übrigens in Polen und liegt in der Hitparade vor "Fluch Der Karibik" und "Miami Vice".

OXMOX: Otto kennt jeder. Und er wird wohl von jedem erkannt. Geht Ihnen der ständige Rummel bisweilen auf die Nerven?

Otto: Keineswegs, ich brauche diese Anerkennung. Ich war neulich auf dem Marktplatz in Hamburg. In der Menschenmenge rief einer plötzlich ganz laut: 'Da ist Otto'. Alle drehten sich um und ich wurde ganz verlegen - vielleicht hätte ich doch nicht ganz so laut rufen sollen!

OXMOX: Wie bestehen Sie Situationen beim Arzt oder den Lehrern Ihrer Kinder? Wer nimmt Sie überhaupt noch ernst?

Otto: Stimmt schon, wenn ich mich verfahre und nach dem Weg frage kommt immer nur: "Otto, bekomme ich ein Autogramm?". Oder als ich auf dem Friedhof am Grab meines Vaters war, sprang eine Horde Kinder über den Zaun und ich musste allen Autogramme geben ? da kann ich ja auch nicht einfach sagen: 'Haut ab, ich trauere gerade'. Aber mit solchen Sachen kann ich ganz gut umgehen.

OXMOX: War das Witzemachen früher leichter?

Otto: Wenn ich früher einen Sketch wie "Gute Nacht Senorita" brachte hagelte es Proteste. Da sagt der Typ nach der Liebesnacht: 'mach doch mal Kaffee oder kannst du das auch nicht?'. Damals hieß es, 'Otto, das kannst du doch nicht machen, das ist frauenfeindlich'. Heute sind solche Sachen salonfähig, es gibt heute kaum noch Tabus.

OXMOX: Gibt es für Otto Tabus?

Otto: Roberto Begnini hat ja sogar einen komischenFilm über Konzentrationslager gemacht, den ich wunderbar fand. Es kommt immer darauf an, was der Humor zu einem Thema hergibt. Und gegen eine gepflegte Sauerei habe ich auch nichts einzuwenden?

OXMOX: Würden Sie auch Scherze über den Islam machen?

Otto: Das überlassen wir dem Papst?(lacht)

OXMOX: Was machen Sie denn, wenn Sie traurig sind und deprimiert?

Otto: Dann schreibe ich die besten Gags. (lacht)Traurig bin ich so selten, dass ich mich gar nicht daran erinnern kann. Vielleicht war ich auch immer frustriert ? aber ich werde ja gar nicht ernstgenommen: 'Kuck? mal, der Otto ist traurig. Wie lustig!'

OXMOX: Woher nehmen Sie Ihre Energie?

Otto: Ich stehe um 8.30 Uhr auf. Ich lebe ziemlich gesund, ich treibe viel Sport und spiele zwei Stunden Tennis jeden Tag. Vielleicht ist das ja der Motor, der mich antreibt. Natürlich ist der Erfolg auch sehr stimulierend.

OXMOX: Muss man zum Komiker geboren sein?

Otto: Das kommt darauf an, welche Art von Komik man präsentieren will. Komik ist ein sehr dehnbarer Begriff, von Wortwitz bis zu Artistik. Eine gewisse Mentalität muss man schon mitbringen, alles kann man nicht in einer Comedy-Schule lernen. Es gibt Witze, die bei dem einen funktionieren und beim anderen lacht kein Mensch darüber.

OXMOX: Hätten Sie keine Ambitionen auf einen Ausflug in ernsthafte Rollen wie Woody Allen?

Otto: Dazu fehlt mir das Talent. Ich bin nicht Woody, sondern Waalkes. Ich möchte Otto sein und Otto-Produkte herstellen. Bisweilen bekomme ich Angebote vom Fernsehen, einen Kommissar zu spielen. Aber den würde keiner ernstnehmen.

OXMOX: Allen Besuchermassen zum Trotz meinen manche, der Film wäre einfach nur blöde. Was sagen Sie zu solchen Miesepetern?

Otto: Wie in der Demokratie gibt es große Parteien und extreme Randgruppen. Es gibt Leute, die stört auch die Kopfbedeckung beim Bild "Der Mann mit dem Helm". Man kann es nicht allen recht machen. Und dieses Konzept gefällt einigen und anderen gefällt es eben nicht.

OXMOX: Dieter Hallervorden hat sich eine Insel in Frankreich gekauft als Rückzugsgebiet. Wäre das nicht reizvoll für Sie? Vom Geld müsste es ja wohl reichen?

Otto: Was soll ich auf der Insel mit Dieter Hallervorden? Was soll meine Frau dazu sagen?

OXMOX: Wissen Sie, was ein Autogramm von Ihnen bei Ebay kostet?

 
Otto: Wenn es mit einem Ottifanten versehen ist, kann es schon 1.750 Euro kosten?


OXMOX: Was war das Schönste, was Sie in Ihrem Leben gesehen haben?


Otto: Das Schönste? Oder die Schönste? Das Schönste war ein Auftritt in der vollen Olympiahalle in München. So viele Bayern auf einem Haufen...

 
 
 






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