PETER MAFFAY
Genug gehetzt, die Zeit ist jetzt- Leb dein Leben!
Der 1,68 kleine Mann mit kantigem Gesicht und pfenniggroßem Muttermal links oberhalb der Lippe, ist aus der deutschen Musiklandschaft nicht wegzudenken. Selbst wer ihn noch nicht live auf der Bühne oder im Berliner Wachsfigurenkabinett gesehen hat, kam mit Klassikern wie "Und Es War Sommer"oder "Über Sieben Brücken" in Berührung. Maffays aktuelles Nummer Eins-Album "Ewig" geht mit geradlinigem Rock "back to the roots". Diesem Beispiel folgen wir:
Als Sohn einer deutschen Mutter und eines rumänischen Vaters wagt Peter Alexander Makkay am 30. August 1949 den Sprung ins weltliche Planschbecken, und findet sich im rumänischen Brasov (Kronstadt) wieder. Seine markant raue Stimme und der unverwechselbare Akzent dürfen noch ein ganzes Weilchen auf ihren Einsatz warten. Vorher muss Maffay im zarten Alter von sieben Jahren mit der Geige Vorlieb nehmen. Um den einfachen Verhältnissen und politischen Bedrohungen zu entfliehen, siedelt Familie Makkay 1963 nach Waldkraiburg bei München über. "Zu der Zeit war alles neu für mich. Die Autos, die Kleidung, die Geschäfte." Vor allem aber faszinieren den 14jährigen die Stars, ihr ausschweifendes Leben und die Frauen, die sie umschwirren und anhimmeln. Noch im selben Jahr gründet Maffay seine erste Band The Dukes. Nachdem er das Gymnasium nach zweimaligem Sitzenbleiben verlassen muss, beginnt der angehende Rockstar eine Lehre als Chemigraf (Anm. d. Red.: ein seit 1998 ausgestorbener Fachberuf aus dem grafischen Gewerbe). Seiner Schulfreundin Margit Praus zufolge, lag die Ursache des schulischen Scheiterns an der Tatsache, dass Peter- inspiriert von der Fernsehsendung Beat Club- nichts anderes, als Musik machen wollte. Ernsthafte Gehversuche startet er mit Margit und einer gebrauchten Gitarre aus dem Polizei-Fundus. Als Duo spielen sie Stücke von Bob Dylan und Donovan. Musikproduzent Michael Kunze wird auf die beiden Aufmerksam, und winkt mit einem Plattenvertrag. Weil Maffay zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig ist, muss sein wenig begeisterter Vater Wilhelm stellvertretend unterschreiben. "Wenn er das nicht getan hätte, hätte ich gefälscht!" Maffay ist dem Rockn'Roll verfallen und nicht mehr aufzuhalten: Der Vater kapituliert und kauft seinem talentierten Sprößling einen Verstärker. Einzige Bedingung: Am Ende von der Musik leben zu können. Gesagt, getan- Peters erste Single "Du" vom Debüt-Album "Für Das Mädchen, Das Ich Liebe" wird zum größten Hit des Jahres 1970 und macht Maffay über Nacht zum Star! Keines seiner Lieder vom zweiten Album "Du Bist Wie Ein Lied" kann an diesen Erfolg anknüpfen. Seine Platte "Samstag Abend In Unserer Strasse" verabschiedet sich 1974 treffsicher vom Schlager. Ein neuer Maffay ist geboren: knackiger, rauer, mit einem Schuss mehr Härte. Das Ergebnis sind unvergessliche Tracks wie "Einer Muss Gehen", "Sandy" oder "Samstag Abend". Nach seinem Top-10-Erfolg mit "Josie" geht Maffay konsequenter denn je den Weg gen Richtung Rockstar. Sein unbändiger Schreibdrang nimmt derweil überdimensionale Formen an. Allein im Jahre 1976 veröffentlicht er vier EPs, darunter den Superseller "Und Es War Sommer", produziert von Joachim Heider. Die gleichnamige Single belegt Platz fünf der deutschen Charts. Trotz der überaus positiven Resonanz hat Maffay ein Problem: Er bewegt sich zwischen allen Fronten, wird von keinem richtig abgelehnt, aber auch von niemandem so richtig akzeptiert. Aus keinem geringeren Grund entfernt sich die 1977 erscheinende Langspielplatte "Dein Gesicht" vom breiten Massengeschmack und wirft vielleicht auch deshalb keinen einzigen Hit ab. Es wird gemunkelt, Maffays Texte seien für die aktuelle Hitparade ein wenig zu anspruchsvoll.
Kaum geschieden von seiner ersten Frau Petra Küfner, schnappt er sich 1979 mit "Steppenwolf" endlich die Poleposition der deutschen Albumcharts. Maffay bricht alle Rekorde: Mit fünfzehn Platz-Eins-Alben in den Verkaufscharts und Tourneen, die teilweise über 700.000 Besucher anziehen, lässt er andere deutsche Künstler weit hinter sich. Doch wie in jeder steilen Karriere gibt es auch Tiefpunkte: Allen voran Peters unbeliebte Auftritte im Vorprogramm der Rolling Stones oder beim Tourauftakt von Peter Wolf (Sänger der J. Geils Band), bei denen er mit Eiern und Tomaten beworfen wird.
Der stilistische Wandel vom Schlagersänger zum Deutschrocker geht am Ende aber doch recht reibungslos über die Bühne. Die erste Veröffentlichung seiner Tabaluga-Reihe - die inzwischen vier Alben umfasst- steht dem in Nichts nach. Aufgenommen im hauseigenen Studio in Tutzig, mutiert das Rockmärchen um den kleinen grünen Drachen vom Experiment zu einer der erfolgreichsten deutschen Konzeptideen. 1986 gibt Maffay seine ersten zwei Konzerte in der DDR, bei denen sich 400.000 Menschen um die 10.000 verfügbaren Karten bemühen. Fast zeitgleich schafft er sich mit seiner Hauptrolle im Peter Patzak Film "Der Joker" ein zweites Standbein, und gründet sein eigenes Label Red Rooster Records. Mit "Kein Weg Zu Weit" zeigt er 1989 soviel Rockappeal wie zuletzt auf "Steppenwolf". Das Album ist frei von Klimper-Balladen und überzeugt stattdessen mit dem düsteren "Es Wird Zeit" und dem wiederum motivierenden "Steh Auf". Anfang der Neunziger bietet der Sänger mit der harten Schale und dem weichen Kern auf seinem Album "Liebe" wieder die gewohnte Mischung. Die hieraus stammenden Balladen "Ich Will Bei Dir Sein" und "Zwei In Einem Boot" gehören zu seinen besten überhaupt. Auffällig sind zunehmend politisch orientierte Songs wie das ernsthafte Golfkriegslied "Wie Viele Jahre". Auf seiner nächsten Platte "Freunde Und Propheten" versucht Peter nochmals seine musikalischen Möglichkeiten auszuloten und beweist, dass er nicht zu der Sorte Musiker gehört, die sich bis zum Erbrechen wiederholen.
Fragt man Maffay nach seinem Geheimrezept, warnt er davor, Erfolg als Kalkül oder Rechenaufgabe zu degradieren. Das Einzige, woran man sich halten könne, ist wahre Haltung, "die einem nicht immer gelingt, weil man stolz wird und sich phasenweise von seiner eigenen Person entfernt." Maffay selbst war nie frei von Fehlern. Seine furiose Zeit, in der er Alkohol mit Wasser verwechselte und 80 Zigaretten pro Tag rauchte, ist kein Geheimnis. Eines Tages, als er einer Erkältung wegen den Hausarzt aufsucht, entdeckt dieser einen großen schwarzen Schatten auf Maffays Lunge. Das Ergebnis gibt Entwarnung, dennoch quittiert er den Glimmstängel und geht von der Whiskeyflasche zum Weinglas über. Für Jahrzehnte seines Privatlebens kommt dieser Sinneswandel zu spät: Fehlende Zuwendung und beruflicher Egoismus brachten drei Scheidungen (1979 von Lehrerin Petra Küfner, 1986 von Musikerin Chris Heinze und 2000 von Michaela Herzeg) mit sich.
Heute ist der Deutschrocker mit Tanja Spengler (34) verheiratet, und lebt mit ihr und Sohn Yaris (5) auf einer Finca bei Pollenca, dem nördlichsten Punkt Mallorcas. Auf dem Geländer der Finca gibt es einen Bio-Hofladen, eine kostenlose Ferienunterkunft für bedürftige Kinder und eine kleine selbstgebaute Kapelle. Man könnte meinen, solche exotischen Einfälle würden Maffay vom Sieben-Tage-Rockerleben in zerschlissener Lederjacke entfernen, dabei überlegt er immer noch ganz genau, wie er vor einer Bar gekonnt nonchalant von seiner Harley steigt: "Man kann sich eigentlich nicht erlauben, die Karre abzuwürgen, aber wenn es trotzdem passiert, dann lacht man." Wenn er nicht Gedanken und Ideen in seinem Notizbuch verewigt, setzt sich Maffay mit seiner drahtigen Gestalt auseinander: "Sind noch genügend Konturen da? Was bedeuten die hinzugekommenen Falten?" Es handelt sich hier nicht um einen schweren Fall von Eitelkeit. Maffay übt sich lediglich in Reflexion, lässt seine Selbsterkenntnis ins Songwriting einfließen und kommt zu dem Schluss: "Heutzutage betont über Sex zu singen, ist einfach nicht mehr cool." Maffay spuken ohnehin ganz andere Dinge im Kopf herum. Zum Beispiel Gedanken über die Vergänglichkeit, die mit der Ewigkeit hinters Licht geführt werden kann. "Wir Menschen sind nicht gut genug, um etwas für immer zu versprechen. Aber etwas, das man empfindet für ewig zu versprechen, über die eigene Existenz hinaus, das geht." Der Tabaluga-Erfinder lässt sein Image des Berufsjugendlichen in der hintersten Schrankecke, und kleidet seine Worte in altersgerechte Sprachgewänder: "Wir sollten die Augen hin und wieder auch abseits des Wettbewerbs richten, der nur auf young and beautiful getrimmt ist." Obwohl beim Thema Fan-Kontakt noch immer ein übriggebliebenes Stück Nervosität da ist, geht Maffay mit seinen Sympathisanten offener um denn je. Er weiß, wie wichtig es ist, sich nicht abzukapseln, und auf Leute zuzugehen: "Andernfalls findest du in einer großen Entfernung zum Publikum statt. Das kann nicht lange gut gehen." Maffay lässt seine Antenne nicht auf Halbmast, sondern zieht sie bis zum Anschlag heraus. Bereits Anfang der Neunziger gründet er die gemeinnützige Organisation Horizont e.V. und kämpft gegen die aufkeimende Ausländerfeindlichkeit an. Seine berufliche Karriere läuft neben dem Sozialen Engagement schon fast von alleine: Aus seiner Tabaluga-Reihe wird ein Musical konzipiert, das in den 90 Jahren erfolgreich als Tourneetheater und von 1999 bis 2001 fest in Oberhausen aufgeführt wird. Frühe Ehrungen wie 1996 das Bundesverdienstkreuz, 2001 die Goldene Henne oder zuletzt 2006 der World Vision Charity Award konterkarieren seine häufig durchscheinende Bescheidenheit. Maffay ist in der Friedensbewegung aktiv, bringt die Völkerverständigung voran, spielt 2005 für deutsche ISAF-Truppen in Afghanistan und stellt die Gelder seiner Tabaluga-Stiftung traumatisierten Kindern zur Verfügung. Er geht sogar soweit, seine Musik "nur" als Mittel zum Zweck einzusetzen, um eine weltweite Plattform für die Belange der Notleidenden zu schaffen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die von ihm initiierten Projekte "Begegnungen I" und "II". Zusammen mit Künstlern aus aller Welt, von denen jeder eine nationale Berühmtheit im eigenen Heimatland ist, baut er ein internationales Netzwerk, das sich in den Dienst vernachlässigter Kinder und humanitärer sowie ökologischer Brennpunkte stellt. Zu den internationalen Stars, die Maffay 1998 und 2006 zusammentrommelt, gehören unter anderem Zola, der Superstar der südafrikanischen Kwaito-Szene, der Apache-Musiker, Sänger und UNO-Botschafter Robby Romero, Cesaria Evora- ein Weltstar auf der kleinen und armen Inselwelt der Kapverden- und die aus der Ukraine stammende Eurovisions-Gewinnerin Ruslana.
Die neuste LP "Ewig" ist drei Jahre nach ?Laut Und Leise? wieder ein Maffay-Album, das nicht primär einem Charity-Zweck dient. Neben der Rückkehr zur Basis überrascht der notorische Perfektionist mit seiner neu gemischten Band, bestehend aus Mister Rockn'Roll Carl Carlton (Git.), Bertram Engel (Dr.), Peter Keller (Git.), Pascal Kravetz (Key.), Ken Taylor (B.), Jean-Jaques Kravetz (Key.) und der Sängerin Tryna Loules, die bei der "Popstars"-Castingshow entdeckt wurde. Die 13 neuen Songs beherbergen neben typischem Stadion-Rock auch sensible Klangbilder. Für die modernen Soundkompositionen und wirkungsvollen Texte konsultierte Maffay bewährte Leute wie den schwedischen Erfolgsproduzenten Patrick Berger (Hilary Duff, Robyn) und den Hamburger Texter Lukas Hilbert. Das Ergebnis ist rotziger und lauter, nachdenklicher und ehrlicher als alles bisher Dagewesene und folgt keiner anderen Devise als "Genug gehetzt, die Zeit ist jetzt - Leb dein Leben!" Theresa Senk
Wie der Makkay zum Maffay wurde:
Der Name Peter Maffay ist im Wortsinn einmalig! Makkay ist der Familienname des ungarischen Vaters Wilhelm (ungarisch Makk.: Eichel). 1963 siedelte die Familie nach Bayern. Aus den beiden kk wurden zwei ff, und Makkay wurde zu Maffay. Der in Italien häufige Name Maffei, der in Deutschland etwa 140 Mal vorkommt, ist ein Vatername von Matthias. Maffay ist also weder eine Eichel noch ein Matthias (hebräisch.: Geschenk Gottes), sondern ein kunstvolles Dazwischen!
Maffay & Band Live 2009:
OXMOX präsentiert den Deutschrocker und seine Band am 30. & 31. März, sowie am 1. April im CCH 1! Maffay & Band in Zahlen: 1,2t Brot, 0,6t Butter, 0,9t Wurst, 1,5t Fisch & Fleisch, 1,2t Gemüse, 2,1t Obst, 7200 Eier, 3000l Milch, 4200l Wasser, 2400l Softdrinks und 1500l frische Säfte. Fazit: Musik macht hungrig!
Diskografie:
Für das Mädchen das ich Liebe 1970
Du bist wie ein Lied 1971
It's you I want to live with 1972
Omen 1973
Samstag Abend in unserer Strasse 1974
Meine Freiheit 1975
Josie englisch 1975
Peter Maffay 1976
Und es war Sommer 1976
Profile 1976
Die großen Erfolge 1976
Tame und Maffay 1 1977
Dein Gesicht 1977
Live 1978
Liebeslieder 1978
Steppenwolf 1979
Tame und Maffay 2 1979
Frei sein 1979
Revanche 1980
Ich will Leben 1982
Live 82 1982
Tabaluga, oder die Reise zur Vernunft 1983
Carambolage 1984
80-83
Tausend Träume weit 1984
Sonne in der Nacht 1985
80-85
Stationen 1986
Tabaluga und das leuchtende Schweigen 1986
Tabaluga Promo 1986
Tabaluga englisch 1988
Lange Schatten CD 1 1988
Lange Schatten CD 2 1988
Lange Schatten live 1988
Die Story 1 1989
Die Story 2 1989
Die Story 3 1989
Die Story 4 1989
Die Story 5 1989
Die Story 6 1989
Kein Weg zu weit 1989
Leipzig 90 live 1990
Liebe 1991
Freunde und Propheten 1992
Tabaluga und Lilli 1993
Tabaluga und Lilli live CD 1 1994
Tabaluga und Lilli live CD 2 1994
Der Weg 79 - 93 1994
Maffay 96 1996
Maffay 96 live 1996
Freiheit die ich meine Maxi CD 1996
Sonne in der Nacht Maxi CD 1996
Weil es Dich gibt 1997
Begegnungen 1998
Begegnungen live 1999
Wie Feuer und Eis 1999
Maffay X 2000
Heute vor 30 Jahren 2001
Rilke Projekt Menschen bei Nacht 2001
Tabaluga Das verschenkte Glück 2002
Laut und Leise 2005
Begegnungen II 2006
Weihnachten mit Tabaluga 2007
Ewig 2008
Surftipps:
www.maffay.de
www.petermaffaystiftung.de
www.peter-maffay-fanclub.de
www.tabalugastiftung.de
www.tabaluga.com

