Ernste Thematik verschmitzt verpackt ? Ruben Cossani auf der Überholspur...
Was ist Gefühl? Eine einfache Frage, über die sich unzählige Philosophen, Psychologen, Autoren und Künstler schon den Kopf zerbrochen haben und viele komplizierte Antworten lieferten. Erfrischend leicht macht es sich dagegen Hamburgs neuer musikalischer Hoffnungsträger Ruben Cossani. Auf ihrem Debüt-Album "Die tägliche Landschaft" steigen die Newcomer tief in die Fragestellung ein und geben mit jedem einzelnen ihrer 12 emotionsgeladenen Songs eine unmittelbar verständliche Antwort: Gefühl ist alles. Dabei startete die Geschichte eher sportlich, als musikalisch...
Bevor sie sich entschlossen, eine musikalische Beziehung einzugehen, trafen sich Michel van Dyke (46) und die beiden Newcomer Leonard Valentin Lazar (22) und Konrad Wissmann (23) auf dem Fußballplatz! Beim wöchentlichen Freizeitkicken Hamburger Musiker und Ärzte lernte der Komponist, Produzent und Musiker van Dyke den Linksaußen Konrad Wissmann kennen. "Wir treffen uns in einer losen Gemeinschaft - zu der u.a. Sasha, der Bassist von Wir Sind Helden und der Gitarrist von Juli gehören - jeden Dienstag auf der Finkenwerder Halbinsel zum Kicken. ...ein bisschen Promi-Fußball ist das schon!", lacht Michel. Beim Flanken und Grätschen stellten der Holländische Libero - mit guter Torqualität - und der Hamburger Linksaußen fest, dass sie auch greifen und drücken können - nämlich Akkorde und Tasten. Komplettiert wurde die Band durch den quirligen Mittelfeldspieler Leo Lazar, mit dem man sich fortan nicht mehr nur auf dem Rasen, sondern auch im Studio traf.
Sowohl Konrad als auch Leonard sind hervorragende Sänger. Beide sind Multiinstrumentalisten, und beide sind rund zwei Jahrzehnte jünger als Michel. Der gebürtige Niederländer gehört seit Jahren zu den profiliertesten deutschen Songschreibern und Produzenten. Seit den späten 80ern veröffentlicht der Wahl-Hamburger international Platten als Solokünstler, tourte mit Oasis und den Simple Minds und arbeitete als Texter, Komponist, Arrangeur und Produzent für diverse Stars. So bescherte er der Band Echt Hits wie "Wo Bist Du Jetzt?" oder "Du Trägst Keine Liebe In Dir" und komponierte für die Kinofilme "Anatomie" und "Crazy". Bei allem, was er tat, war Michel immer Einzelgänger: "In meiner gesamten Karriere hatte ich bis dato nie dieses Band-Gefühl. Ich war im Grunde immer eine Art musikalischer Eremit. Das ist jetzt vorbei." Mit dem temperamentvollen Lazar hat das Trio einen fähigen Sänger und Schlagzeuger, der mit seiner aufgeweckten Art wie gemacht ist, für die Bühne: "Ich habe mit sechs Jahren Klavierunterricht genommen, dann kamen in der Grundschule Bongos dazu ? die sind für mich ein bisschen das Porno-Instrument (lacht) ? und später das Schlagzeug. Nach der zehnten Klasse habe ich für die Musik die Schule abgebrochen ? kein gutes Beispiel, aber es hatte für mich seinen Sinn. Ich habe zwei Jahre in Berlin gelebt, und kam völlig zerrüttelt nach Hamburg zurück, wo ich 36 Schüler die Woche unterrichtet habe", erklärt Leo seine musikalischen Wurzeln. Auch der in Hamburg geborene Konrad sammelte schon früh Erfahrungen mit Text und Melodie: "Ich habe mit zwölf angefangen Songs zu schreiben ? aus heutiger Sicht sind die natürlich geil! (lacht) Mit Anfang zwanzig habe ich in meiner ersten Band gespielt", erklärt der Gitarrist. "Ich wollte schon immer etwas in Richtung Musik der 60er Jahre machen. Für mich stammen aus dieser Zeit einige der schönsten Melodien!"
Was diese drei Künstlerpersönlichkeiten also verbindet, ist nicht das Geburtsdatum, sondern die Liebe zur Musik. Die Botschaft jedes einzelnen Titels wird gemeinsam transportiert: "Michel hat die Songs geschrieben und produziert, und dann haben wir gemeinsam die Stimmen arrangiert und die Instrumente eingespielt. Dadurch hatten wir alle das Gefühl, dass wir auf einem musikalischen Level arbeiten. Wir sind eine Band und nicht der Mann und die Zwei!", erklärt Konrad. Zum Ruben Cossani-Prinzip gehört auch, dass alle Bandmitglieder singen. Sogar innerhalb einzelner Songs wechseln die Lead-Stimmen, um sich schließlich im gemeinsam erarbeiteten Satzgesang zu treffen. "Bevor ich Konrad und Leo kennen lernte, habe ich zusammen mit einem anderen Sänger an einem Stück gearbeitet, und er fand Harmoniegesänge von mehreren Männern schwul! Zugegeben, es war ein Experiment - aber wer wäre denn auf die Idee gekommen, zu sagen die Beatles wären schwul?! (lacht) Ich war einfach gespannt, wie es klingen würde, wenn wir drei uns mit den Leadstimmen abwechseln", so van Dyke. "Es ist ja auch so, dass zwei Stimmen zusammen eine ganz eigene Farbe erzeugen. Da haben wir nahezu unbegrenzte Möglichkeiten - theoretisch könnte jeder in einem Satz ein Wort singen! Und wenn wir uns alle drei zusammen treffen, ist das halt die Stimme von Ruben Cossani!", erklärt Leo.
Welche fiktive Person verbirgt sich denn genau hinter dem ominösen Herrn Cossani, dessen Gesang uns momentan aufhorchen lässt? "Ruben Cossani ist ein Sinnbild für einen Mann, der in den 60er Jahren gelebt und das auch voll ausgeschöpft hat. Also gut gekleidet, viele Frauen, früh gestorben!", lacht Lazar. Als musikalische Inspirationsquelle dienen die kompositorischen und klanglichen Ideale der 60er - Bands wie die Beatles, die Walker Brothers oder die Beach Boys. Letztere haben es Wissmann besonders angetan: "Die hatten wahnsinnig schöne Melodien, aber auch Titel wie "Surfin USÄÄÄÄÄ.." (beginnt zu singen) Es kommt natürlich immer auf die jeweilige Stimmung und Tageszeit an, zu der man die Songs hört."
Auf ihrem Debüt-Album "Tägliche Landschaft" haben Michel, Konrad und Leo große Gefühle auf zeitgemäße Art und Weise in Musik übersetzt. Dass ihnen diese Aufgabe mit Bravour gelungen ist, zeigt die Band in jedem einzelnen Song - vom grandiosen Opener "Sinnloses Leiden", über das witzige "Besser Jetzt" bis hin zum melancholischen Schluss-Chanson "Ausgerechnet Annika". Hier treten drei Musikerpersönlichkeiten auf, die den Zuhörer mitfühlen lassen. "Unsere Musik ist super zum Abschalten und gleichzeitigen Hinhören. Einem Freund von mir hat die Platte zum Beispiel sehr geholfen, als er in einer Beziehungskrise steckte. Er fand es toll, Sachen so klar und direkt zu hören.", erklärt Konrad. "Was mir daran so gefällt, ist die Art, wie ernste Themen mit dieser verschmitzten und beschwingten Melodie verschmelzen", trifft es Leo auf den Punkt. "Viele Menschen denken, dass wir auf der Bühne eine Rolle einnehmen, wenn wir in unser Sixties-Outfit schlüpfen, aber das gehört einfach zum Paket dazu. Die Musik und ihre Aussage, dass sind zu einhundert Prozent wir!", so Michel. "...wäre ja auch komisch, wenn wir diese Art Musik machen und in HipHop-Klamotten auf der Bühne stehen würden!", lacht Konrad. "Das könnte man aber mal ausprobieren...", beendet Michel mit einem verschmitzten Grinsen das Gespräch. Keine Frage, von diesen Dreien werden wir noch hören! www.rubencossani.de

