Das Zitat des AC/DC-Klassikers ist Motto und Sinnbild zugleich, denn die Story von Revolverheld beginnt dort, wo die meisten Bios von jungen Gitarrenbands ihren Anfang nehmen - in einem abgerockten Proberaum mit zunächst nur einer passablen Ausstattung: dem Strom aus der Steckdose. Die zweite Energiequelle ist die Band selbst, die erstmalig im Jahr 2003, kurz nach Bandgründung, beim 18. OXMOX-Bandcontest, damals noch unter dem Namen Manga, für einiges Aufsehen in Hamburg sorgte.
"Auf jeden Fall haben wir Einiges aus dem Bandcontest mitgenommen!", resümieren die Jungs im Gespräch mit OXMOX in einer gemütlichen Bar in der Schanze. "Unter anderem haben wir Limbogott kennengelernt, die ja mittlerweile auch einen Plattenvertrag haben, und den Livemischer der Jungs abgegriffen. (lachen) Der ist jetzt mit uns unterwegs, arbeitet aber natürlich auch noch für Limbogott. Der Contest im Allgemeinen war über Jahre hinweg eine Motivation für uns weiter zu machen und voranzukommen. Die Veranstaltung ist eine gute Sprungschanze, um auf das nächste Level zu kommen. Letztenendes ist es gar nicht so wichtig zu gewinnen. Man bekommt eine Chance, und was man daraus macht liegt an jedem selbst. Im Endeffekt ist jede Band für ihr Schicksal selbst verantwortlich."
Revolverheld haben ihre Chance genutzt und sich nach einem erfolgreichen dritten Platz schnell in der lokalen Live-Szene etabliert.
"Nach dem Bandcontest haben wir viele weitere Gigs gespielt.", erklärt Sänger Johannes. "Jakob, unser Schlagzeuger, hat eine Booking-Sensation geschafft und hat uns auf jedem kleinsten Festival und in jedem Club untergebracht. Nebenbei haben wir im Studio von Niels (Git./Ges.) und Kristoffer (Git./Ges.) weiter Demos aufgenommen. Kurze Zeit darauf kam der Kontakt zu unserem Manager zustande. Und nach einigen weiteren Gigs sind wir an die SonyBMG geraten. So kam es zustande, dass wir um den Jahreswechsel dort unter Vertrag kamen." Ein kleines Hindernis galt es allerdings noch zu überwinden: "Manga war ein geschützter, markenrechtlich eingetragener Name.", begründet Jakob den Namenswechsel der Band. "Da war leider nichts zu machen." Revolverheld klingt nach Duell, Konfrontation, Übermut und Abenteuerlust. "Das passt zu uns!"
Also, Abfahrt: Im Horus Studio in Hannover arbeiten die Jungs gemeinsam mit Clemens Matznick (Produzent der Guano Apes und Donots) an den zwölf Songs ihres gleichnamigen Debüt-Albums. Produziert wurde es ? und das ist ungewöhnlich für einen Newcomer-Act - von den beiden Gitarristen Niels und Kristoffer. "Wir wollten die Fäden einfach nicht aus der Hand geben, weil wir uns bei dem Sound sicher sein wollten, dass er so klingt, wie wir es uns vorstellen. Wir wollten sichergehen, dass es unser Album und unser Herzblut ist und bleibt.", erklärt Johannes den Entschluss der Band. "Wir haben insgesamt zwei Monate aufgenommen. Der Vorteil an dem Studio ist, dass es dort eine integrierte Wohnung gibt. Wir konnten uns also den ganzen Tag auf die Musik konzentrieren. Abgesehen davon haben uns die Aufnahmen tierisch zusammengeschweißt, weil wir Tag und Nacht zusammen waren und alles gemeinsam beschlossen und umgesetzt haben." "Die Songs sind in den letzten drei Jahren entstanden. Es sind sogar zwei Stücke ("Freunde Bleiben", "Wenn Du Sagst"), die wir damals beim OXMOX-Bandcontest gespielt haben, mit auf der Platte!", fährt Kristoffer fort. "Es kam auch bei den Songtexten für uns überhaupt nicht in Frage irgendjemand anderen da mit reinzunehmen. Es sind unsere Inhalte, die wir transportieren, und da geht es nicht, dass du Texte von jemand anderem singst, die nicht aus deinem Herzen kommen."
Eine Einstellung, die von Mut zeugt, und sich doch auszahlt: Im Juni diesen Jahres gab die Band ihr Single-Debüt, und es war nicht verwunderlich, dass sie mit "Generation Rock" gleich einen Rock-Kracher mit Signalwirkung auswählten. " "Generation Rock" wollten wir unbedingt als erste Single rausbringen, um klarzustellen, dass wir eine Rockband sind. Der Titel ist mittlerweile die neunte Woche in den Charts, was viel mehr ist, als wir uns jemals erträumt haben. Wir dachten, na gut, schauen wir mal zwei bis drei Wochen in den Charts vorbei...", strahlt Johannes. "Momentan sind wir mitten in den Vorbereitungen zur zweiten Single ("Die Welt Steht Still") und sind gespannt, wie das Album läuft, das Ende September rauskommt."
Für Jakob und Flo (Bass) ist es "ein unfassbarer Moment, das erste eigene Album in Händen zu halten und es demnächst vorstellen zu können." Einen ersten Eindruck, von dem, was in Zukunft auf sie wartet, konnten die Fünf im Rahmen der zurückliegenden Support-Tour für Silbermond gewinnen: "Die zehn gemeinsamen Termine waren unfassbar! Wir haben fast jeden Abend vor 3000-4000 Menschen gespielt. Es war einfach sensationell! Wir sind rausgegangen und bereits nach dem ersten Song sind die Leute derart abgegangen! Wir waren echt verwöhnt, als wir danach wieder auf kleineren Festivals gespielt haben und echt kämpfen mussten. Im Herbst gehen wir über vier Wochen als Support für Die Happy auf Tour und spielen dann auch zum ersten Mal in Österreich. Wir sind momentan extrem in Vorfreude. Auch weil Die Happy eine Band ist, die wir schon immer gut fanden!"
Stellt sich die Frage, wann wir die Fünf in ihrer eigentlichen Heimat Hamburg mal wieder zu Gesicht bekommen... "Wir spielen in nächster Zeit ganz viel in Hamburg", freuen sich Revolverheld. "Unter anderem am 1. September beim Alstervergnügen, am 8. September bei "Laut gegen Nazis" im Docks und auf der Die Happy-Tour in der Grossen Freiheit. Wir freuen uns tierisch, denn wir haben in letzter Zeit nur sehr selten in Hamburg gespielt und fanden das echt schade. Es wird Zeit, dass wir wieder hier sind!" (lachen) Auch um zur Ruhe zu kommen, die Batterien wieder aufzuladen und die Ereignisse um sich herum zu verarbeiten, zieht es die Jungs zurück in die Hansestadt.
"Momentan können wir das alles noch gar nicht so richtig realisieren.", erklärt Kristoffer. "Wenn du morgens gleich nach dem aufwachen dein Video im Fernsehen siehst, dann ist das eine total komische Situation. Wir finden das natürlich unglaublich toll, sind aber jeder einzelne auch schon durch so musikalisch-entmutigende Zeiten gegangen, dass wir im Moment jeden Tag den wir erleben, zu würdigen wissen, und dadurch auch so realistisch bleiben, dass wir wissen, dass wir jetzt Vollgas geben müssen. Musik ist halt eine ganz kurzweilige Geschichte, wenn du Pech hast. Und auch, wenn du heute noch auf MTV läufst, kannst du morgen schon wieder von der Bildfläche verschwunden sein." "Wir haben vorher studiert oder gearbeitet", ergänzt Johannes. "Momentan sind wir im Urlaubssemester oder machen Pause vom Job. Wir haben jetzt eine Chance, und wissen, dass diese Möglichkeit nicht oft im Leben kommt. Daher wollen wir hundert Prozent unserer Energie da rein stecken und schauen, wie weit wir kommen. Grundsätzlich hat sich bei uns einfach bewahrheitet, so wahnsinnig es auch klingen mag: Wenn man einen Traum hat, sollte man daran festhalten. Die Zeit ist da, um ein bisschen größenwahnsinnig zu sein!"
Stefanie Ohl

