ROCKLADIES 30 JAHRE IN DEUTSCHLAND

 

Rocken In Röcken Teil 2

 

Die First Lady of Soul, Aretha Frank­lin (*25. März 1942, Respect), nimmt ab 1956 als eine der ersten Frau­en in der Musikindustrie den Kampf ge­gen die Vor­ur­teile auf­, und wird zur Ikone der schwarzen Musik. Am 20. Janu­ar 2009 sang sie anlässlich der Inauguration von Barack Obama vor über 2 Mio. Menschen. In die direkten Fußstapfen der 1987 als erste Frau in die (im Vorjahr begrün­dete) Rock and Roll Hall of Fame auf­genommen Soul-Sän­ger­in und Pianisten tritt 1959 das aus den Primettes (Tears Of Sorrow) her­vorgegangene Motown-Gesangstrio The Surpremes. In der Ur-Besetzung bestehend aus  Florence Ballard, Mary Wilson und Diane Ernestine Ear­le Ross. Mit Hits wie Baby Love und Stop! In The Name Of Love setzen die hübschen Sängerinnen nicht nur auf ihre außergewöhnlichen Stimmen, sondern auch auf weiblichen Charme und er­spiel­en sich 1988 ebenfalls ihren Platz in der Rock and Roll Hall of Fame. Bekannte Motown-Konkur­ren­tin­nen wa­r­en zu der Zeit Martha (Reeves) & the Vandellas, die vor allem in den 60ern mit Hits wie Nowhere To Run oder I'm Ready for Love Erfolge fei­ern, bis sie sich 1972 auflösen. Am 12. Juni 1977 geben auch die - diverse Male umbesetzten - Surpremes ihr Abschiedskonzert, und die damals mit Motown-Mitbegründer Berry Gordy liierte Diana Ross (* 26. März 1944, Ain`t No Mountain High Enough) setzt zu einer bis heute andauernden, vom Erfolg gekrönten Solo-Karriere an. In dem vor zwei Jahren veröffentlichten Kinofilm Dreamgirls, der zum Teil auf der Geschichte der Supremes basiert, wird die Ross von der aktuellen R&B-Prinzessin Beyoncé Knowles ver­körpert.

 

Anfang der 60er schlägt ebenfalls die Geburtsstunde für den Hit Be My Baby, der unter die 500 einflussreichs­ten Rocksongs in die Rock and Roll Hall of Fame aufge­nom­men wird. Ver­antwortlich für die astreine Pop-Num­mer sind die New Yorker Ronettes, bestehend aus den Schwes­tern Ronnie und Estelle Bennett (Anm.: Sie starb 67jährig am 11. Februar 2009) sowie ihrer Cousine Nedra Talley, die als Gesangs-Trio Anfangs unter dem Na­men Darling Sis­ters auf sich auf­merk­sam machten. Die Zu­sam­menarbeit mit dem da­ma­li­gen Ausnah­me-Produzenten Phil Spec­tor (u.a. Beatles, Ra­mo­nes; Anm.: Aktuell wurde die Mu­sik­legende des Mordes an Schauspielerin Lana Clarkson mit bedingtem Vorsatz schuldig gesprochen.) bringt nicht nur den internationalen Erfolg. 1968 hei­ra­tet die hübsche Ronnie den Musik-Maniac - auch wenn die Ehe nur sechs Jahre hielt. Die talentierte Sängerin set­zt ihre Karriere mit wech­sel­­haftem Er­folg fort, spielt u.a. 1986 mit Eddie Money des­sen größten Hit Take Me Home To­night ein, und veröffentlicht 2007 mit Last Of The Rockstars ein fu­rioses Comeback-Album mit Gastauf­trit­ten von Keith Richards, Patti Smi­th und Joey Ra­mone.

 

Mitte der schillernden 70er macht eine weitere Rocklady auf sich auf­merk­sam: Wayne County & The Electric Chairs finden 1977 - ge­grün­det vom amerikanischen Travestiekünstler  Way­ne County - zusammen, und machen mit ihrer schräg kostümierten Glam­rock-Show auf sich aufmerksam. Mit Songs wie Fuck Off oder Eddie And Sheena gehört die Band zu den Vete­ra­nen des Punkrock. Als der gebürtige Wayne Rogers 1980 nach Berlin zieht, ändert er seinen Vornamen in Jay­ne und tritt hauptsächlich als Solo­künstler auf. Auch die deutsche Rock-Gitarristin Carola Kretschmer (*10. August 1948 in Fulda) war zu Be­ginn ihrer Karriere mit Udo Linden­bergs` Panikorchester noch als Tho­mas un­ter­wegs, bis sie vor genau zehn Jahren zur Carola wurde. Kretschmer wirkte 1972 als Gitarristin an der ersten Lin­den­­berg-LP Daumen Im Wind mit, und war kurzzeitig Mit­glied der Ham­bur­ger Band Frumpy um Sängerin In­ga Rumpf. Nachdem die­se sich im selben Jahr auf­gelöst hatte, wurde Ca­rola Gitarristin im Panikorchester - dem sie zunächst bis 1980 an­gehörte. In den folgenden Jahren be­gleitete sie auf mehreren Tourneen Stefan Waggershausen (Verzeih'n Sie Madame) und war in den 90ern Gitarristin der Münchener Band Central Park. Seit 2003 arbeitet Carola wieder verstärkt mit Udo Lindenberg zusammen und beglei­tet ihn aktuell auf der Stark Wie Zwei-Tour. Ich habe 1964, auf dem Höhe­punkt der Beat-Zeit, die Musik und die Gitarre für mich entdeckt, und damals in meiner ersten Band Stake gespielt, erin­nert sich die Musikerin beim Treffen mit OXMOX im Hotel Atlantic. 1972 bin ich von Jean-Jacques Kravetz nach Hamburg gerufen worden. Der kannte eigentlich meine Schwester und hat sich über sie irgendwie an mich erinnert. (lacht) Damals saß Udo noch am Schlag­­zeug, Steffi Stephan spielte Bass, Jean-Jacques Piano, ich Gitarre und Hanne Mogler sang. (Anm.: Hanne Mog­ler betreibt noch heute mit viel Liebe und einem abwechslungsreichen Live-Programm das Foolsgarden The­a­ter in der Schanze.) Nachdem ich fast zehn Jahr­e mit dem Panikorchester und über zehn Jahren mit anderen Künst­lern gearbeitet hatte, feierte das Panikor­ches­ter 2004 sein 30jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass fanden Udo und ich wieder zu­sam­men. Seit dem bin ich als seine weiße Tigerin von Eschnapur wieder dabei! (lacht) Der Name kommt von meinem düsteren Tiger-Blick, den ich auflege wenn ich in mein Gitarren­spiel versunken bin. Und wahrschein­lich auch von der inneren Unruhe, die mich über Jahre begleitet hat. Ich hatte lange mit meiner Identität zu kämpfen, weil ich mich nie als Junge gefühlt habe. Meine Situation war der Öffentlichkeit zur da­maligen Zeit gänzlich unbekannt, und die Angelegenheit war natürlich doppelt schwer, wenn man gemeinsam mit lauter Männern in einer Band spielt. Die Gi­tar­re ist als männliches Instru­ment ver­kannt - dabei gibt es einzigartige Gitar­ristinnen, von Joan Jett bis hin zu Suzie Quatro.  

 

Künstlerische Mitarbeit

1972 Daumen im Wind (Udo Lindenberg)

1973 Alles klar auf der Andrea Doria (Udo Lindenberg & Das Panikorchester)

1974 Ball Pompös (Udo Lindenberg & Das Panikorchester)

1977 No Panic (Udo Lindenberg & Das Panikorchester)

1977 Panische Nächte (Udo Lindenberg & Das Panikorchester)

1977 Von Toten Tigern und Nassen Katzen (Ulla Meinecke)

1978 Dröhnland Symphonie (Udo Lindenberg & Das Panikorchester)

1978 Lindenbergs Rock Revue (Udo Lindenberg & Das Panikorchester)

2006 Klassik für E-Gitarren (Quartetto, mit Paul Vincent)

2008 Stark wie Zwei (Udo Lindenberg)

www.carola-kretschmer.de

Die Amerikanische Sängerin und Bass­is­­tin mit der italienisch-ungarischen Her­­­kunft, Susanna (Suzi) Kay Quat­ro­cchi (Quatro) (*3. Juni 1950), ge­hört zu den er­folg­reich­sten Rockmu­si­ker­­innen der 70er. Mit Can The Can landet Suzi Soul ihren ersten Num­mer 1 Hit. Als sie eine Version von Elvis Presleys All Shook Up auf­nim­mt, lädt der King sie nach Graceland ein. Quatro lehnt ab, was sie bis heute bereut: I turned him down like an idiot because I was nervous to meet my he­ro. Im Oktober 1993 heiratet Quatro den deutschen Tour-Promoter Rainer Haas. Seit 2000 moderiert das blonde Energiebündel auf BBC 2 die Radio­sen­dung Rocking With Suzi Q. 2006 veröffentlicht die in Hamburg-Sasel le­ben­de 80er-Ikone ihr aktuelles Album Back To The Drive. Zum Kreis der großen 80er Rockladies gehört auch die Amerikanerin Joan Marie Jett (*22. September 1958), die erste Aufmerk­sam­­keit als Gitarristin und Sängerin der Hard-Rock--Frauen-Band The Runawas (Queens Of Noise) erlangt, und später mit I Love Rock And Roll einen zeitlosen Hit landet. In­zwischen wurde sogar vom Amerika­nischen Gitarren­her­steller Gibson ein Signatur Modell ihrer E-Gitarre Gibson Melody Maker auf­gelegt. Die Ge­schichte von The Runa­ways soll 2009 unter dem gleichna­mi­gen Titel verfilmt werden. Die Rolle Joans` wird Twi­light-Star Kirsten Stewart über­neh­men. Weniger film­trächtig, aber den­noch wichtig für den Fem-Rock der 80er sind die Walisische Bonnie Tyler (*8. Juni 1951) mit ihren Hits Lost In France, It's A Heartache oder Total Eclipse Of The Heart, und die blonde Britin Kim Wilde (*18. November 1960), die mit Kids In America und You Keep Me Hangin? On in­ter­na­tional erfolg­reich war. Seit Mitte der 90er tritt sie als Land­schafts­gärtnerin im britischen Fern­seh­en auf und ist als Autorin für Zei­tungs­­kolumnen tätig.

Als erste deutsche rockende Frontfrau der 90er tritt Energiebündel Sandra Nasić (*25. Mai 1976 in Göttingen,) 1990 mit ihren Guano Apes ins Ram­penlicht. Mit Lords Of The Boards, Rain oder Pretty In Scarlett landen die kroa­tisch-stäm­mi­ge Sängerin und ihre Band auf den vordersten Chart-Plätzen, bis sich die Affen 2005 vor­über­gehend auf­lös­en. Zur Trennung gab Drummer Dennis Poschwatta da­mals folgendes zu Protokoll: Grund­sätzlich gings um den schnöden Mam­mon - ums Geld. Wenn einer meint, er ist der geborene Rock­star... Es war auch nicht möglich, San­dra wieder auf den Boden der Tatsachen zurück­zu­bringen. Neben zahlreichen Projekten - u.a. mit Apocalyptica (Path Vol. II) oder den H-Blockx (Heal Yourself), ver­öf­fent­licht Nasić 2007 ihr Solo­album The Signal - das mehr oder weniger klang­los im Main­stream untergeht. 2009 dann die Sen­sa­tion: Die Guano Apes kündi­gen ver­schiedene Comeback-Konzerte im Rah­men der Festivalsaison an! Die­sen Som­mer spielen die stimmgewaltige Front­frau und ihre Jungs u.a. bei Rock Im Park und Rock Am Ring. In einer Reihe mit den Apes stehen die deutsch-tsch­ech­ische Sänger­in Marta Jandová (*13. April 1974 in Prag) und ihre Alternative Rock-Formation Die Hap­py (z.dt. stirb glücklich). Ihren großen Karriereschub erfährt die 1993 gegrün­de­te Ulmer Band mit der Single Super­sonic Speed, der sich im Laufe der Jahre Hits vom Schlage Big Big Trou­ble oder Wanna Be Your Girl an­schliessen. Neben ihrer Band ist die hübsche Brünette auch als Solokünst­ler­in aktiv. So trat Marta 2005 bei Stefan Raabs` Bundesvision Song Contest ge­meinsam mit den finnischen Metal-Cellisten Apocalyptica an und belegte den fünften Platz. Beim Bundesvision Song Contest 2007 nahm sie erneut teil und gewann, dieses Mal gemeinsam mit Oomph! und dem Titel Träumst du?, den ersten Platz für Niedersachsen. Darüber hinaus ist sie auf dem Album Kalter Glanz von Letzte Instanz zu hören. 2008 ver­öf­fentlichten Die Happy ihr sechstes Stu­dioalbum Six. Im sel­ben Jahr gaben Marta und Popstar Sasha (This Is My Time) - die bis dato gemeinsam in der Hamburger Schanze lebten - ihre Trennung bekannt.

Zur jungen Generation deut­scher Front­frauen gehört Eva Briegel von Juli. Nach zwei Alben und Hits wie Die Perfekte Welle oder Regen Und Meer ist es aktuell still geworden, um die 2001 in Hessen gegründete Band. Eva trat zu letzt mit der Titelrolle im Musikvideo Trauriges Mädchen des Ber­liner Musikers Sven van Thom in Erscheinung. (Anm.: Die hübsche Sän­ger­in ist übrigens mit dem Gitarristen der Berliner Rockband MIA. liiert.) Auch die Bautzener Silber­mo­nd, um Frontfrau Stefanie Kloß, sind seit ihrer Gründung vor zehn Jahren nicht mehr aus den deutschen Charts wegzudenken. Mit ihrem dritten Album Nichts Pas­siert befinden sich die Deutschrock-Youngster momentan auf aus­verkaufter Tournee. Das Erfolgs­ge­heim­nis? Wir sind tat­sächlich alles andere als wild, verriet Stefanie OXMOX beim Inter­view im April. Wenn wir auf der Bühne stehen ist das der einzige Ort, an dem wir unserer Energie frei­en Lauf las­sen. Die Kraft, Leidenschaft und Intensität, die man mit dem Publikum aus­tauscht, ist un­vergleichlich. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Studio ist die hübsche Sängerin mit den unwahr­schein­­lich großen braunen Augen ein gern gesehener Gast, und lieh zuletzt Udo Lindenberg (Der Deal) und Rapper Curse (Bis Zum Schluss) ihre Stimme.

Von Frauenpower der besonderen Art kann Peaches ein Lied singen. Die 40jährige Electroclash-Göttin ist seit ihrem ersten Album The Teaches Of Peaches (2000) ein Garant für ener­gie­geladene Live-Shows. Die in Berlin be­heimatete Kanadierin schwim­mt allzu gern gegen den Strom: Merrill Beth Nisker startete ihre Karriere mit The Shit, einem Quartett, welches das Pub­li­kum bei Auftritten mit pro­vo­kativen und äußerst anzüglichen Sprüchen anbrüllte. Anschließend be­gann sie eigene Musik unter dem Namen Peaches zu pro­du­zieren. Ihre Bühnenshows, eine Misch­ung aus Punk-Konzert und Sexshow, gel­ten als weg­be­reitend für die Elec­tro­clash-Bewegung. Aktuell tourt Peaches mit ihrem fünften Album I Feel Cre­am durch Europa und die USA. In die Reihe der Pro­vokateurinnen des neuen Jahr­tau­sends gesellt sich auch die pfun­di­ge Beth Ditto von The Gossip (Standing In The Way Of Control) - einer 1999 gegründeten amerikanischen Post-Punk-Gruppe. Die Band wurde von der Riot Grrrl-Bewegung stark be­ein­flusst, und lebt von der Präsenz ihrer charis­ma­tischen Sän­gerin, die trotz ihrer Kilos bei Konzerten des Öfteren bis auf die Unterwäsche strippt. Mit dieser Ein­stellung ist die Ditto der neue schwer­ge­wichtige Liebling der Modebranche. Karl Lagerfeld oder Stella McCartney sind bekennende Fans der üppigen Lady.

Es könnte ewig so wei­ter­gehen - von The Asteroids Galaxy Tour (Arou­nd The Bend) und dem hübschen Front­fräulein Mette Lindberg, über die schwedischen The Sounds, die mit Maja Ivarsson und dem neuen Album Crossing The Rubicon in den Start­löchern stehen. Von Chart-Stürmerinnen wie Pink! (So What) oder Katy Per­ry (I Kissed A Girl) mal ganz zu schweigen. Die Rockladies toben sich auf der schier unendlichen Spielwiese des Stiletto-Sound aus. Was vor 30 Jahren seinen Anfang nahm, nähert sich aktuell einem neuen Höhe­punkt: Noch nie waren so viele Frauen so erfolgreich im Rock­zirkus, wie heute. Viva Rock Divas!

 
 
 






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