OXMOX traf Sänger Eased und Bassist Tobsen in der sonnigen Speicherstadt und plauderte mit den gut gelaunten Musikern über Festivalerfahrungen, das Leben in einer elfköpfigen Band und heiße Tänzerinnen...

Euer letzter Hamburg-Besuch liegt nicht weit zurück - ihr habt den Massen gewaltig eingeheizt...

Das Konzert ist auf jeden Fall abgegangen und die Kulisse am Hafen war echt schön! Es gab einen Zeitpukt, da war der ganze Himmel voller Ballons - das war einzigartig!

Dasselbe kann man von eurer Performance behaupten - mit den Bühnenoutfits und den Tänzerinnen hat sich Einiges getan...

Der optische Effekt ist bei uns genauso wichtig, wie der asmusikalische. Zu einer guten Show gehört es nicht einfach nur auf die Bühne zu gehen und abgefahrene Musik zu spielen, sondern auch, sich zu überlegen, wie man das Ganze präsentiert. Wir  versuchen mit einfachen Mitteln eine große Wirkung zu erzielen. Wie man an unseren Tanzschritten sieht, sind das alles Sachen, die jeder nachmachen kann. Aber wie und zu welchem Zeitpunkt man sie bringt, ist ungeheuer wichtig! Das ist bei unserer Musik genau dasselbe: Es ist keine Zauberei, sondern die Kunst mit wenig an der richtigen Stelle Energie zu erzeugen. Verschiedene Outfits waren schon immer wichtig für uns. In unserem ersten Video hatten wir 20er Jahre Klamotten an, dann waren wir Neandertaler, Cowboys und in Mönchskutten gekleidet. Als Band uniformiert zu sein hat in erster Linie einen großen Showeffekt und auf der anderen Seite den Vorteil, dass man sich unter dem Outfit verstecken kann. Das heißt man behält seine Freiheit als Privatmensch - ich kann durch die Straßen laufen, ohne das mich jemand erkennt. Du wirst mehr über dein Bühnenoutfit identifiziert, als durch dein Gesicht. Elf Leute in grünen Anzügen, das sind Seeed!

Seit einiger Zeit gehören außerdem auch noch drei Tänzerinnen zur Truppe...

Stimmt! Irgendwann waren wir soweit, dass wir uns die Tänzerinnen leisten konnten und haben dann nochmal ordentlich eins draufgesetzt! (lacht) Es ist sehr schön, dass es nach der ganzen HipHop-Ära, wo es nur noch um die Coolness ging, jetzt darum geht, zu tanzen und derbe Moves zu machen.

Wie konstant ist eure Besetzung?

Wir sind dieselben elf Leute wie vor sieben Jahren! Lediglich unser DJ Illvibe hat sich aus dem Live-Business zurückgezogen, um an seinen eigenen Projekten zu arbeiten. Dafür ist DJ Luke eingesprungen. Illvibe ist nach wie vor im Produktions-Team mit dabei.

Wie stark sind die einzelnen Bandmitglieder an der Entstehung der Songs beteiligt?

Auf dieser Platte war die ganze Band in die Produktion einbezogen. Wir haben jetzt erst realisiert, welches Produzenten-Potential in unseren Musikern steckt! Um Pierre zu entlasten haben wir die Arbeit an den Songs auf alle Mitglieder aufgeteilt und auf einmal hatten wir 40 Songs und Beats am Start! Mittlerweile hat jeder von uns sein eigenes kleines Studio - auch wenn es nur ein Laptop auf dem Wohnzimmertisch ist. Das konnten wir uns früher nicht leisten! Gegen Ende haben wir die vierzig Songs abgearbeitet, bis letztendlich 15 Stücke auf der Platte gelandet sind. Das Album ist also, wenn man so will, ein Abbild der gesamten Band. Bei "Music Monks" haben wir stark versucht zu perfektionieren - "Next!" hingegen kommt total locker aus der Hüfte!

Locker ist das passende Stichwort für "Aufstehn'", eure erste Single. Wie konntet ihr Cee-Lo Green für die Zusammenarbeit gewinnen?

Cee-Lo war ein Favorite von Pierre. Und genau wie bei unseren Tänzerinnen konnten wir uns seine Arbeit endlich leisten. Gute Leute kosten halt gutes Geld. Wir haben ihm vier Beats gegeben - damals wussten wir noch nicht, dass "Aufstehn'" die erste Single wird - und er hat in relativ kurzer Zeit etwas Großartiges daraus gemacht! Auf dem Albumcover sieht man ihn von hinten mit seinem Stiernacken und den Tattos. Mein erster Gedanke war: "Alter, gehen wir jetzt in die Hardcore-Fraktion?" (lacht) Im Nachhinein ist er ein total netter Typ, und "Aufstehn'" ist momentan mein Favorite auf dem Album!

Wen habt ihr außerhalb der Seeed-Crew noch auf dem Album dabei?

Maya de la Garda, eine unserer früheren Tänzerinnen von der Badabash -Crew, die das jamaikanische toasten beherrscht sowie Lady Saw sind auf diesem Album vertreten.

Wie sieht's mit eurem Erfolg auf internationaler Ebene aus? Ihr wart dieses Jahr unter anderem beim Glastonbury-Festival in England mit dabei...

Glastonbury war wirklich etwas Besonderes. Es ist das größte Festival, das du dir vorstellen kannst - da sind 250. 000 Leute! Wir haben auf der drittgrößten Bühne den Hauptact gemacht und dachten uns: "Wow, in England, wo uns keiner kennt, zu dieser Zeit zu spielen ist ein wahnsinnig toller Startschuss!" Das Glastonbury zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass es das Größte für jemanden ist, wenn man sagen kann ich  hab den unbekannten Act auf der Bühne soundso entdeckt! Eben weil den sonst keiner in England kennt. Dementsprechend rennen die Leute ständig von einer Bühne zu anderen und gehen nicht unbedingt zu Coldplay, sondern suchen sich die unbekannteren Acts aus. Als es schließlich soweit war, hat Roisin Murphy vor uns, vor zehntausend Leuten gespielt. Als wir auf die Bühne kamen, waren nicht mehr zehntausend Menschen da, sondern lediglich vierzig! (lacht) Wir dachten uns: "Egal, für die vierzig Leute werden wir so dermaßen rocken, dass sie ihr größtes Konzert erleben!" Nach sechs, sieben Songs standen glücklicherweise wieder zehntausend Leute vor der Bühne und haben zu deutschsprachigen Songs, wie "Dickes B", die ja kaum jemand dort versteht, ordentlich abgerockt. Das ist für eine Band eine mega Bestätigung, wenn dich keine Sau kennt und du es schaffst, mit einem Konzert soviele Leute vor die Bühne zu kriegen! Wir werden im Ausland weiterhin die Trommel rühren und abwarten, was so geschieht!

Da wünschen wir euch alles Gute! Obwohl ihr mit den sommerlichen Tunes dieses Jahr etwas spät dran seid...    

Schon, aber im Winter kann man auch geil Seeed hören - gerade wenn man Sonne braucht! Jeder sollte zwischen "Süßer Die Glocken Nie Klingen" mal einen Seeed-Track einfahren! (lachen)
        Stefanie Ohl

 
 
 






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