SPORTFREUNDE STILLER - Drei Bayern Unplugged

 

Wir haben uns Millionen Sachen an­gesehen - vom Bergwerk bis zum Atomkraftwerk und vom Flugzeug bis zum Frachter. Letztendlich sind wir an einem Ort gelandet, an dem wir nie sein wollten: im Studio! Am 17. Januar schreiben die Sportfreunde Stiller ein klei­nes Kapitel Musikgeschichte, und ziehen als sechste deutsche Künstler nach Herbert Grönemeyer, Die Fantastischen Vier, Die Ärzte, Söhne Mannheims und Die Toten Hosen für die legen­däre MTV Unplugged-Serie den Stecker aus der Dose.  

 

Die Sendung und die Platte heißen ,Un­plugged In New York´ - letztendlich aber hatten wir in einem Studio nur die Spar­version des Big Apple aufgebaut, grinst Rüde und blin­zelt entspannt Richtung Alster. Ein Kompli­ment vor der Brooklyn Bridge, Alles Roger auf der Block Party oder Siehst Du Das Genauso? unter den Sky­skrapern. Die Sportis kommen in 25 Songs ohne technischen Schnickschnack aus. Wir haben Musik bisher immer ab­gefeiert, auf den Verzerrer getreten und laut und schnell gespielt. Als MTV anfragte, war das eine große Ehre, aber gleichzeitig mussten wir uns die Frage stellen: Können wir das über­haupt? Eine Woche lang haben wir uns in einer Berghütte verkrochen, um neue Ideen zu spinnen und die Songs neu zu arrangieren. Das hat uns persönlich als auch als Musiker bereichert. Rüde hat zum Bei­spiel innerhalb kürzester Zeit den Kontrabass gelernt, erklärt Flo (35), der als leiden­schaft­­lich­er Drummer die größten ­Schwier­­igkeiten hatte: Es ist inte­res­sant, wenn man plötzlich merkt, dass man jahre­lang nur auf Lautstärke ge­spielt hat. Ich habe mir neue Sticks gekauft, um etwas Wucht raus­zu­nehmen - aber da war erst mal nix zu machen.

Unsere An­sagen haben auch nicht viel geholfen, bis eines Tages vier grazile Sym­pho­nik­er­innen bei uns im Pro­beraum saßen. Die Cellistin ist immer ganz doll zusammen­gezuckt, was Flo aus Mitgefühl dazu veran­lasst hat, ein wenig sensibler mit seiner ,Alten´ - wie er sein Schlagzeug nennt - umzugehen, lacht Rüde.

 

                Neben hübschen Symphonikerinn­en und ausgefallenem Instrumen­ta­ri­um - von Vogelpfeiffen über Gieskannen bis zur Na­sen­­flöte - luden sich der voll­bär­tige Sänger Peter (36), Bass-Klampfer Rüde und TSV 1860 München-Fan Flo für ihr Unplugged-Abenteuer Gaststars ein. Ange­fangen mit Billy Lunn (Ges., Git.) und Charlotte Cooper (B., Ges.) vom bri­tischen Export-Schlager The Subways. Wir wollten unbe­dingt Rock`n`Roll Queen spielen - also habe ich die Subways nach einem Konzert besucht. Die beiden waren begeis­tert von der Idee und haben sofort alles in die Wege geleitet, um dabei zu sein, erklärt Flo, der sich als glühender Verehrer der zweiten Subways-Platte All Or Nothing outet. Der zweite Gastmusiker, ein alter Hase im Showgeschäft, schaffte es über Umwege auf die MTV-Leinwand. Wir wollten Ich War Noch Niemals In New York als Anspielung an den Titel covern - was natürlich saumäßig um die Ecke gedacht ist!, lacht Rüde. Für den Song ist die Idealbesetzung natürlich nur Udo Jürgens himself! Allerdings war er aus­ge­rech­net zum Zeitpunkt der Aufzeichnungen selber auf Tour. Deshalb haben wir ihn währ­­end seines München-Aufent­hal­ts im Ho­tel besucht. Hier haben wir Udo gefilmt, während er den Titel eingesungen hat. Später wurde er via Blue Screen in die MTV-Kulisse reingeschnitten. Was ein echt wit­zi­ger Effekt geworden ist.

 

Bei den Aufnahmen war uns der Bogen zwischen Musik und Bild besonders wichtig. Wir haben uns das Nirvana- und das Ärzte-Unplugged angesehen, und versucht ein Mittelding zu finden. Nirvana waren sehr reduziert, während die Ärzte pompös mit Orchester ans Werk gegangen sind. Jede Version hat ihren Reiz. Wir haben drei ver­schie­dene Sets aufgebaut. Das war spannend für uns und für die Kameraleute, die schauen mussten, wie sie hinterher kommen!, freut sich Rüde und nippt an seiner Apfel-Schorle. Am ersten Tag hatten wir unsere Freunde und Familien zur Unterstützung im Studio. Am zweiten Tag dann überwiegend Fans - weil wir auch ein paar Aufnahmen mit App­laus brauchten. Das ist lustig - auf Konzerten weiß man immer sofort, wo die Kumpel-Ecke ist. Da geht es nämlich nach dem Motto: Schon fünfzig Mal gehört, das Zeug. Wo gibt`s das Bier?

 

Zeit für Kumpels und Familie haben die fleißigen Münchener in Zukunft öfter. Die MTV-Anfrage kam genau zu dem Zeitpunkt als wir beschlossen hatten, eine Pause einzulegen. Getreu Ich War Noch Niemals In New York..., möchte doch jeder mal seine Sachen packen und abhauen. Das Leben als Musiker ist oftmals wie ein Rausch, von dem man mitgerissen wird. Die Erfahr­ung in einer bekannten Band zu spielen, beinhaltet so vieles und es gibt so wenig Momente, in denen man da mal raus kann. Es ist ein Geschenk so ein Leben zu führen und dann passiert es doch, dass man anfängt Dinge für selbstver­ständ­lich zu erachtet. Das ist beschissen, weil unser Leben in so einer Freiheit stattfindet und so viele großartige, schöne Momente hat. Das Unplugged-Konzert ist uns auf wunder­volle Weise dazwisch­en gefahren und war zugleich der perfekte Moment um den Kreis zu schließen, erklärt Rüde fast ein wenig melancholisch. Aber nur bis 2010!, rüttelt Flo am Arm des Band­kollegen. Dann ist unsere große Chan­ce, mal einen richtigen Fußball-Hit zu lan­den. Mit dem möchte ich dann durch alle Sendungen und beim Musikantenstadl im Chor mit den Wildecker Herzbuben, Mireille Mathieu und Helmut Kohl singen... Na dann, Servus!                                           

Stefanie Ohl

 

 

*Am 21. Mai feiert Unplugged In New York Premiere auf MTV - Weitere Infos unter www.sportfreunde-stiller.de*

 
 
 






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