Steven Tyler ist eine Legende: Seit über dreißig Jahren ist der Mitgründer und Leadsänger der Rockband Aerosmith im Geschäft. Seine Songs, seine Affären, seine Drogenexzesse sind legendär. Seine Musik hat Generationen geprägt. Seine Tochter Liv Tyler ist eine höchst erfolgreiche Schauspielerin geworden
Bei einem Gespräch an einem regnerischen Nachmittag Century Plaza Hotel in Los Angeles, zeigte sich die Hardrock-Ikone von einer überraschend soften Seite. Tyler ist ein schmächtiger, fragiler Typ, dem man die Rockstar-Gebärden nicht so recht abnehmen will. Ein wortwitziger, charmanter und intelligenter Gesprächspartner...
OXMOX: Die erste Frage...
Tyler: (imitiert Bill Clinton) Ich hatte keinen Sex mit dieser Frau.
(lacht)
Man hat oft das Gefühl, das es in beim Erfolg in den Medien nur um Coolheit geht, und nicht um Talent.
Man muss sich selbst treu bleiben. Die Leute sehen das. Und sie sehen es insbesondere dann, wenn man es ihnen vorlebt, statt wie nach einem Lehrbuch zum Thema Coolheit vorzugehen. Wer sich selbst treu bleibt, der sticht hervor, wissen Sie?
Du gilst als ein Frauenschwarm. Aber wann ist eine Frau cool?
Wenn sie mir sagt, dass sie es liebt, wie ich den letzten Song gesungen habe. Und ob ich der Vater ihres Kindes sein will. (lacht) Nachdem ich etwas angefasst haben sollte, was ich eigentlich nicht hätte anfassen dürfen. (lacht) Ich schweife ab.
Wann ist eine Frau cool?
Wenn sie sagt: ?Nicht heute Nacht. Ich seh dich dann morgen.? (lacht)
Deine Tochter ist Schauspielerin, Du hast es im letzten Jahr auch mal mit Schauspielerei versucht. Sind das ernsthafte Ambitionen, ins Filmgeschäft einzusteigen?
Ich kann nur mich selbst spielen, was ich ohnehin schon tue. Ich darf mich nur nicht allzu ernst nehmen. Ich bin seit dreißig Jahren im Musikgeschäft. Seit dreißig Jahren versuchen mich die Leute nun schon zu verarschen, Produzenten, Manager, wer auch immer. Eine echte Mafia. Ich bewundere Künstler wie Alicia Keys, die innere Darmstärke haben.
Ist das Musikgeschäft wirklich so knallhart wie Sie sagen?
Man muss schon ganz schön gewitzt sein, um in dem Business zu überleben. Immer, wenn man jemandem einen guten Song vorspielt, kriegt man zu hören: ?Haben Sie neun mehr davon?? Das habe ich schon zwanzig Mal gehört im Lauf meiner Karriere. Wenn man den Leuten ?Janey?s Got A Gun? vorspielt, wollen Sie nur wissen, ob man mehr davon hat.
Hat man Dir schon mal gute Songs vermasselt?
Songs vermasselt? So einfach ist das nicht. Da schreibt man eine schöne Ballade und plötzlich sagt einer: ?Die braucht mehr Streicher?. Es sind meist Kleinigkeiten dieser Art. ?So machen wir einen Hit.? Irgendjemand in der Chefetage will das so und drängt es einem dann auf.
Es muss doch schlimmere Beispiele geben...
Klar gibt es die. Aber ich will nicht verklagt werden.
Wie hat sich das Business verändert? Haben Sie das Gefühl, dass sich Rock und Hiphop aufeinander zubewegen?
Es geht immer um den Beat. Früher sind die Leute ums Feuer getanzt und haben Geister angebetet. Rock?N?Roll ist genauso, auf einem sehr fundamentalen Level. Man danke nur an Elvis. Und beim Hiphop geht es eigentlich um die Essenz des Beats. Ich selbst habe als Drummer angefangen. Hiphop ist eine sehr lebendige Musik. Man kann ihn lieben oder hassen, aber es geht um den Beat. Es ist ansteckend. Man kann nicht nicht tanzen. Man kann einfach nicht still sitzen. Vermisse ich gute Melodien? Manchmal schon. Ich bin ein Melody-Freak. Ich liebe Riffs wie die von Led Zeppelin. Total groovy. Hiphop geht einfach nur einen Schritt weiter.
Emanuel Bergman

