1978 brachte OXMOX als erstes Deutsches Magazin eine Titelstory zum ersten Konzert von Dire Straits, Mark Knopflers früherer Erfolgsband. Wir trafen Knopfler (60) im Londoner Bluebird Café.
Wie steht es um die Wiedervereinigung der Dire Straits?
Denkbar schlecht. Ich brauchte das Geld nicht. Ich habe genug. (schmunzelt)
Ist es dir schwer gefallen, in den Achtzigern mit Money for Nothing oder Walk of Life so sehr Star zu sein?
Du gewöhnst dich irgendwann daran. Ich meine, es ist großartig, erfolgreich zu sein, und ich hatte auch sehr viel Spaß mit der Band. Aber mir kam das alles eine Nummer zu groß vor, was mit uns passierte. Ich musste mich selbst und meine Welt wieder stärker unter Kontrolle bekommen. Das ist mir gelungen, und jetzt habe ich wieder das Ausmaß an Zuspruch, bei dem ich mich wohlfühle. Ich schreibe Songs, nehme sie auf und verkaufe immer noch genug Karten, um in schönen großen Hallen spielen zu können. Was will ich mehr? Mir geht es wunderbar dabei, dieses kleine Schiff zu steuern.
Bist du gleichgültig gegenüber deinen eigenen Liedern?
Nein, so harsch sehe ich das nicht. Für mich sind die Songs wie Kinder. Wenn ich sie aufgenommen und quasi großgezogen habe, verlassen sie das Haus. So wie Kinder. Sie haben dann ein eigenes Leben. Und ich weiß es sehr zu schätzen, dass sie einer Menge Menschen sehr viel zu bedeuten scheinen.
Überrascht dich das?
Ja, sehr. Wobei ich es sehr schön finde, dass meine Songs den Leuten Wohlbefinden verursachen. Offenbar helfen sie vielen hart arbeitenden Menschen zu leben und auszuruhen. Oder aber sie nutzen sie, um zu feiern. Um Hochzeiten, Beerdigungen, Parties oder gemütliche Abendessen zu beschallen.
Deine Zwillinge Benji und Joseph sind 21, Isabella wird 12 und Katya Ruby ist 6. Hältst du mit den Kindern als Vater noch mit?
Oh nein. Vier Kinder in solch unterschiedlichem Alter sind ein Taubenschlag. Ich weiß nicht immer, was die so treiben. Aber mir macht das sehr viel Freude mit denen. Sie spielen Gitarre, Schlagzeug, und die Kleine lernt gerade Violine.
Wirst du deine Kinder unterstützen, eine Karriere im Musikgeschäft zu versuchen?
Oh, einer meiner Jungs ist Drummer, der probiert es gerade. Aber der macht furchtbar lautes Zeug. Keine Songs, keine Melodien, sondern Lärm. Aber dieser Monstersound ist sein Ding, ich rede ihm da nicht rein. Er spielt ja schon seit er 6 ist, seit 15 Jahren nun, da muss er selbst wissen, was er spielen will.
Wie alt warst du, als du angefangen hast, Gitarre zu spielen?
Ich war schon 15. Ein Instrument zu lernen, das ist eine schwierige Sache. Bis heute versuche ich, mich zu verbessern. Ich übe zum Beispiel mit sehr komplizierten Jazzstücken, um meinen Fingern neue Akkorde beizubringen. Beim Gitarrespiel geht es viel um das Erinnerungsvermögen deiner Muskeln, das meiste ist wirklich Übung. Als ich etwa 30 war, hatte ich das Gefühl, nichts mehr zu lernen. Aber dann versuchte ich mich an den Fortgeschrittenen-Stücken. Das ist ähnlich, als wenn du im Fitnessstudio langsam immer mehr Gewicht auflegst bei deinen Übungen. Wenn du einmal wirklich verinnerlicht hast, wie bestimmte Griffe gehen, dann spielst du automatisch. Manchmal so automatisch, dass ich einfach einschlafe, während die Finger noch umherschwirren. Das war mir anfangs peinlich, aber dann erzählte mir Chet Atkins, dass ihm häufig dasselbe passiert. Glücklicherweise sind die meisten der Songs, die ich schreibe, sehr einfach. Die überfordern mich nicht. Aber um gut schreiben zu können, spiele ich nebenher sehr anspruchsvolle Musik. Um halt in Form zu sein und selbst ein bisschen weiterzuforschen.
Die komplette Story im aktuellen OXMOX!
Steffen Rüth





