Die meisten FC St. Pauli-Hitlisten führt Marius Ebbers an. Bei dem 32jährigen Blondschopf gilt das Motto: je oller, je doller. Bislang 12 Tore gehen in der aktuellen Saison auf Ebbes Konto. Dazu kommen neun Vorlagen, kein Mannschaftskollege hat mehr Schüsse (39) abgegeben und keiner hat eine bessere Tor-Quote (3,9), als der gebürtige Essener. Der Kiezclub blickt von der Tabellenspitze auf die Konkurrenz - und verdankt dies unter anderem dem sympathischen Torjäger, der seit Sommer 2008 unter der Piraten-Flagge kickt.

Im Kreis der recht jungen FC St. Pauli-Mannschaft nimmt der Angreifer die Rolle des erfahrenen Profis ein.

 

Als Aufstiegskandidat gehandelt zu werden, macht mich nicht nervös. Wir stehen zu Recht oben in der Tabelle und da wollen wir auch bleiben. Bisher geht die Mannschaft mit der Situation richtig gut um. Wenn wir so weitermachen, wird das zwangsläufig zum Aufstieg führen.

Ein Gefühl, das Ebbelix schon zwei Mal erlebt hat: Mit dem 1. FC Köln gelang ihm 2005 der Aufstieg ins Fußball-Oberhaus und zwölf Monate später auch mit Alemannia Aachen. Die erste Bundesliga-Luft durfte er allerdings schon viel früher schnuppern. Nach seinem Wechsel vom Jugendverein Schwarz-Weiß Essen zum MSV Duisburg debütierte Marius 1998 gegen den VfL Bochum. In der Folgezeit zog es den damals 20jährigen Nachwuchs-Profi zur SG Wattenscheid 09, wieder zurück zum MSV Duisburg, von dort zum 1. FC Köln, weiter zu Alemannia Aachen und schließlich in den hohen Norden zum FC St. Pauli.

Als ich den Anruf von Sportchef Helmut Schulte erhielt, wollte ich eigentlich nicht aus dem Westen weg. Aber als sich abgezeichnet hat, dass es mit Aachen nicht weitergeht, habe ich mich schnell entschieden - und das bis heute nicht bereut. (lacht)

Mit seiner kleinen Familie - Frau, Kind und ein Labrador - lebt Ebbers in Winterhude.

Die meiste Freizeit verbringe ich momentan zu Hause. Mein Sohn ist gerade ein Jahr alt und lernt laufen - davon möchte ich so viel wie möglich mitbekommen. Wenn sich die Möglichkeit bietet, geh ich Abends auch mal mit den Mannschaftskollegen Florian Bruns, Matze Lehmann und Carsten Rothenbach auf die Piste. Wir starten in der O-Feuer-Bar auf der Schanze und enden dann irgendwo auf dem Kiez. Es passiert allerdings nicht häufig, dass wir am Wochenende weggehen. Wenn für Sonntag ein Spiel ansteht, ist spätestens Mittwoch Schluss. Na gut, so als 19jähriger bin ich auch noch drei Tage vor einem Spiel rausgegangen - da war ich aber auch noch nicht im Profi-Bereich und nebenbei Sänger einer englischsprachigen Punkrock-Band namens Hunchback (lacht)

Jetzt ist das Millerntor die Bühne des blonden Knipsers, der die Fans und den Trainer mit seinem spektakulären Offensivfußball begeistert. Als alter Punk-Rocker ist sich Ebbers dennoch nicht zu schade, den Ball flach zu halten.

Abgerechnet wird erst am Ende der Saison - und bis dahin haben wir noch viel Arbeit vor uns!

 

Stefanie Ohl

 

 

1978 brachte OXMOX als erstes Deutsches Magazin eine Titelstory zum ersten Konzert von Dire Straits, Mark Knopflers früherer Erfolgsband. Wir trafen Knopfler (60) im Londoner Bluebird Café.

Wie steht es um die Wiedervereinigung der Dire Straits?

Denkbar schlecht. Ich brauchte das Geld nicht. Ich habe genug. (schmunzelt)

Ist es dir schwer gefallen, in den Achtzigern mit Money for Nothing oder Walk of Life so sehr Star zu sein?

Du gewöhnst dich irgendwann daran. Ich meine, es ist großartig, erfolgreich zu sein, und ich hatte auch sehr viel Spaß mit der Band. Aber mir kam das alles eine Nummer zu groß vor, was mit uns passierte. Ich musste mich selbst und meine Welt wieder stärker unter Kontrolle bekommen. Das ist mir gelungen, und jetzt habe ich wieder das Ausmaß an Zuspruch, bei dem ich mich wohlfühle. Ich schreibe Songs, nehme sie auf und verkaufe immer noch genug Karten, um in schönen großen Hallen spielen zu können. Was will ich mehr? Mir geht es wunderbar dabei, dieses kleine Schiff zu steuern.

Bist du gleichgültig gegenüber deinen eigenen Liedern?

Nein, so harsch sehe ich das nicht. Für mich sind die Songs wie Kinder. Wenn ich sie aufgenommen und quasi großgezogen habe, verlassen sie das Haus. So wie Kinder. Sie haben dann ein eigenes Leben. Und ich weiß es sehr zu schätzen, dass sie einer Menge Menschen sehr viel zu bedeuten scheinen.

Überrascht dich das?

Ja, sehr. Wobei ich es sehr schön finde, dass meine Songs den Leuten Wohlbefinden verursachen. Offenbar helfen sie vielen hart arbeitenden Menschen zu leben und auszuruhen. Oder aber sie nutzen sie, um zu feiern. Um Hochzeiten, Beerdigungen, Parties oder gemütliche Abendessen zu beschallen.

Deine Zwillinge Benji und Joseph sind 21, Isabella wird 12 und Katya Ruby ist 6. Hältst du mit den Kindern als Vater noch mit?

Oh nein. Vier Kinder in solch unterschiedlichem Alter sind ein Taubenschlag. Ich weiß nicht immer, was die so treiben. Aber mir macht das sehr viel Freude mit denen. Sie spielen Gitarre, Schlagzeug, und die Kleine lernt gerade Violine.

Wirst du deine Kinder unterstützen, eine Karriere im Musikgeschäft zu versuchen?

Oh, einer meiner Jungs ist Drummer, der probiert es gerade. Aber der macht furchtbar lautes Zeug. Keine Songs, keine Melodien, sondern Lärm. Aber dieser Monstersound ist sein Ding, ich rede ihm da nicht rein. Er spielt ja schon seit er 6 ist, seit 15 Jahren nun, da muss er selbst wissen, was er spielen will.

Wie alt warst du, als du angefangen hast, Gitarre zu spielen?

Ich war schon 15. Ein Instrument zu lernen, das ist eine schwierige Sache. Bis heute versuche ich, mich zu verbessern. Ich übe zum Beispiel mit sehr komplizierten Jazzstücken, um meinen Fingern neue Akkorde beizubringen. Beim Gitarrespiel geht es viel um das Erinnerungsvermögen deiner Muskeln, das meiste ist wirklich Übung. Als ich etwa 30 war, hatte ich das Gefühl, nichts mehr zu lernen. Aber dann versuchte ich mich an den Fortgeschrittenen-Stücken. Das ist ähnlich, als wenn du im Fitnessstudio langsam immer mehr Gewicht auflegst bei deinen Übungen. Wenn du einmal wirklich verinnerlicht hast, wie bestimmte Griffe gehen, dann spielst du automatisch. Manchmal so automatisch, dass ich einfach einschlafe, während die Finger noch umherschwirren. Das war mir anfangs peinlich, aber dann erzählte mir Chet Atkins, dass ihm häufig dasselbe passiert. Glücklicherweise sind die meisten der Songs, die ich schreibe, sehr einfach. Die überfordern mich nicht. Aber um gut schreiben zu können, spiele ich nebenher sehr anspruchsvolle Musik. Um halt in Form zu sein und selbst ein bisschen weiterzuforschen.

Die komplette Story im aktuellen OXMOX!

Steffen Rüth

 

Man sagt, Was dich nicht umbringt, macht dich stärker, und 30 Seconds To Mars wissen das. 2008 begann für die Band eine auszehrende Schlacht mit ihrer Plattenfirma EMI von der sie auf Grund eines angeblichen Vertragsbruchs auf die wahnsinnige Summe von 30 Millionen Dollar verklagt wurden. Für einen Moment sah es so aus, als würde das heiß erwartete dritte Album niemals zustande kommen, aber wie Frontmann und Stehauf-Männchen Jared Leto schon zuvor erklärt hat, liegt es nicht in der Natur des Trios, sich still und leise zu verdrücken. Auch wenn dies sicherlich einfacherer gewesen wäre. 30 Seconds To Mars, die zu dieser schweren Zeit von bösen Zungen auch 30 Millions To Mars genannt wurden, waren bereit, sich ihren Weg zu erkämpfen.

Jared: Es hat uns noch weiter angetrieben und uns enger miteinander und der Musik verschweißt. Wenn du in eine Ecke gedrängt bist, kämpfst Du umso stärker. Und so haben wir uns tatsächlich oft gefühlt. Es gab Tage an denen wir gar nicht an den drohenden EMI Prozess gedacht haben und dann wieder solche, an denen uns das Ganze total ausgezehrt hat. Es war ein langer Prozess und wir hatten noch nie zuvor so eine Schlacht zu kämpfen.

Glücklicherweise wurde der Konflikt gelöst und sie blieben ein Teil der Virgin/EMI Familie.

Wir waren als Band an einen Punkt gelangt, an dem wir das Gefühl hatten, dass sie unsere Bedenken genug ausgeräumt hatten, so dass wir weitermachen konnten. Wir haben um Gerechtigkeit gekämpft und fest an das geglaubt, für das wir gekämpft haben. Ich denke, dass sie das letztendlich verstanden und eingesehen haben. Es gibt Zeiten, in denen man Krieg führen muss und Zeiten, in denen es Frieden geben muss und wir befinden uns nun in einer Zeit des Friedens. Zeitweise wussten wir nicht, ob das Album überhaupt erscheinen wird. Wir dachten: Werden wir jetzt gestoppt? Wird es eine Art Unterlassungsverfügung geben? Was wäre, wenn wir verloren hätten? Wir hätten denen 30 Millionen Dollar geschuldet. Was wäre dann passiert? All diese Sachen schwirrten in unseren Köpfen herum, aber wir blieben fest dabei für das zu kämpfen, an das wir glauben und ich denke, das ist ein wichtiger Bestandteil dieses Albums, so der 38-jährige Sänger und Gitarrist, der sich mit Bruder/ 30STM-Schlagzeuger Shannon ein Haus in den Hollywood Hills teilt. Das erste, das er je gekauft hat. Denn auch hier setzen die, seit 2005 fast durchgehen tourenden, Letos auf Beständigkeit. Vielleicht gerade, weil sie mit Mutter Constance, die sie schon früh zu Rockkonzerten und künstlerischen Vorführungen mitnahm, eine herumreisende Kindheit durchlebten. Von Lousiana zu einen Kommune in Colorade, nach Brazilien und Alaska. Ihr Vater fehlte und sie waren essensmarken-arm, so Jared. Wir sind nicht mit G.I. Joe im Fernsehen aufgewachsen, wir trommelten auf Töpfen und Dosen und spielten auf Gitarren, die den Hippie-Freunden unserer Mutter gehörten. Wir sind in dem Glauben aufgewachsen, Künstler zu sein, ergänzt Shannon.

Da Jared, Shannon, und Gitarrist Tomo Milicevic trotz allem stets aufs Schärfste entschlossen waren, scheint es, als habe ihr Kampf aus dem wirklichen Leben sie in ihrer Kreativität nur noch bestärkt.

 

Die komplette Story im OXMOX 02/10!

 

OXMOX-Exclusiv: Bundesvorsitzender Jens Seipenbusch

 

Es ist besser, ein Pirat zu sein, als der Navy beizutreten, wusste schon Apple-Gründer Steve Jobs (54), als eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Computerindustrie. Informationelle Selbstbestimmung, freier Zugang zu Wissen und Kultur, sowie die Wahrung der Privatsphäre als Grundpfeiler der zukünftigen Informationsgesellschaft, hat sich auch die junge Piratenpartei auf die Fahnen geschrieben. Mit weltweit wachsendem Erfolg: Aktuell erzielte die schwedische Piratpartiet - die früheste der sogenannten Piratenparteien - bei der Europawahl 7,1 Prozent der Stimmen und stellt einen Abgeordneten (Spitzenkandidat und stellvertretender Vorsitzender Christian Engström, 49) im Europaparlament. Auch die vor drei Jahren gegründete deutsche Piratenpartei feierte bei der Bundestagswahl 2009 einen spektakulären Erfolg: Die Politik-Neulinge kamen auf rund 2 Prozent der Stimmen - bei den Erstwählern sogar auf 13 Prozent! In der OXMOX-Redaktion schildert der Piraten-Bundesvorsitzende Jens Seipenbusch (41) die politischen Aufgaben und Ziele seiner Erfolgs-Partei.

 

Ich vermute die meisten Wähler hat uns die Zugangs-Erschwerungsgesetz-Debatte zugetrieben. Zensursula (Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, 51, CDU) war eine gute Wahlhelferin. Ich habe nie verstanden, warum die CDU so agiert hat. Als Dr. Wolfgang Schäuble (67, CDU) auf der Innenministerkonferenz verkündet hat, dass die sogenannten Killer-Spiele generell verboten werden sollen, haben bei jedem 18jährigen die Ohren geklingelt. Entweder ist es der CDU egal, dass sie mit solchen Aussagen die jungen Wähler verprellt, oder sie braucht als Rentnerpartei die junge Generation nicht. Bei der Bundestagswahl 2009 haben die PIRATEN ca. 850 000 Stimmen deutschlandweit erhalten. Es gibt Statistiken die belegen, dass wir bei den 18-24jährigen bei ca. 9 Prozent liegen - was beweist, dass wir insbesondere bei den jüngeren Wählern stark punkten, erklärt der beruflich stellvertretende Leiter der Informationsverarbeitungs-Versorgungseinheit der Rechtswissenschaftlichen Fakultät an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.

 

Wir bearbeiten den Wandel zur Informationsgesellschaft - das ist ein brandaktuelles, großes Thema. Die Veränderungen im Zuge der Digitalen Revolution haben zahlreiche Aspekte. Noch viel mehr sogar, als die Themen, die wir bis jetzt im Programm haben. Das Spektrum reicht vom Privatleben über die Arbeitswelt bis hin zur Globalisierung. Es geht uns nicht darum, Staatssekretärposten zu ergattern, sondern es geht um die Sache. Die PIRATEN möchten vernünftige Lösungen für ein Thema anbieten, bei dem noch viel zu häufig versucht wird, es mit alten Rezepten in den Griff zu kriegen. Leider wird Internetgesetzgebung heutzutage nach altherkömmlicher Art betrieben - ohne zu berücksichtigen, um was für ein Medium es sich überhaupt handelt. Das klassische Beispiel sind Rundfunkgebühren für internetfähige Geräte. Einige Leute scheinen den Unterschied zwischen Rundfunk und Internet überhaupt nicht zu kennen. Oder er interessiert sie einfach nicht - nach dem Motto: Hauptsache wir können noch `ne Gebühr draufschlagen. Die von der GEZ denken sicherlich so. Nur leider sind die Politiker, die sich mit der Thematik auseinandersetzen müssen, größtenteils relativ unwissend. Hans-Christian Ströbele (70, Bündnis 90/Die Grünen) zum Beispiel ist jemand, der Bürgerrechtlich sehr engagiert ist. Was er dann aber teilweise noch von irgendwelchen Telefondrähten erzählt - da wäre mal eine kleine Schulung angebracht. (lacht)

 

Die komplette Story im OXMOX 01/10!

 

 

Zivilcourage

`Sag mal Pape, was denkst du über Zivilcourage?` -`Ganz ehrlich, Fred? Die muss natürlich sein!` -`Aber was ist n? das nun genau?` Eine sehr gute Frage. Wenn man sich irgendwo dazwischen steckt, was einen aber selbst gar nichts angeht? Falsch! Wenn man jemandem hilft, der wirklich in Bedrängnis ist, ohne dass man von jemandem dazu aufgefordert wird? Na, das ist das vielleicht schon eher! Aber geht Zivilcourage nicht noch viel weiter, als einer Frau zu helfen, die von drei Scheiß-Typen in der U-Bahn bedrängt wird? Das halte ich nämlich nicht für Zivilcourage, sondern für eine Selbstverständlichkeit. Weil ich ein Held bin?

Nein, das bin ich ganz bestimmt nicht. Ich könnte nur nicht mit diesen Bildern in meinem Kopf herum laufen, wie drei Arschgeigen eine Frau verprügeln und dann auch noch vergewaltigen, während ich mich in meine Zeitung vertiefe oder so tue, als würde ich das alles gar nicht mitkriegen. Mit anderen Worten: Ich würde das in erster Linie für mich selbst tun, damit ich noch meinen Kindern und meinem Spiegelbild ins Gesicht sehen könnte. Dafür muss man dann schon mal seine Vorderzähne spendieren. Lieber ein lebendiger Feigling, als ein toter Held? Diese Auffassung teile ich nicht!

Aber wäre es nicht auch Zivilcourage, wenn man den ganzen idiotischen Religionen mal die Meinung geigen würde. Indem man diesen Vollpfosten mal klar machen würde... Ja, was eigentlich? `Wir sind Papst` meinetwegen gerne, aber so lange dieser Volltrottel den Afrikanern erzählt, dass es eine Sünde sei mit Gummi zu Bumsen, könnt ihr ja meinetwegen gerne alle Papst sein. Ich möchte das nicht!

Wie ist das mit der Zivilcourage in der Politik? Findet die eigentlich irgendwo statt? Ich spüre überhaupt nichts davon. Mich geht das natürlich auch gar nichts an, denn ich habe ja nicht gewählt! Was??? Das geht ja nun gar nicht, werden jetzt einige von ihnen meine lieben Leser und Leserinnen denken. Denn wenn wir alle nicht mehr wählen gehen würden, würden wir früher oder später wieder im Mittelalter landen. Ist das so? Wie wäre es denn damit, wenn wir, also alle Nichtwähler, eine eigene Partei gründen würden, und zwar die Nichtwähler-Partei! Dazu bedarf es nicht mal eines Parteibuches, keiner Wahlversprechen, keiner Plakate und keiner Fernsehwerbung! Wir sind nämlich schon 25%! Diese Prozentzahl hat die FDP, trotz aller Wahlversprechungen, nicht ein einziges Mal in ihrer ganzen Geschichte geschafft! Das Einzige was wir dafür bräuchten, ist das auf den Wahlzetteln einfach noch eine Sparte eingeführt wird, wo keine Partei aufgeführt ist, sondern einfach nur steht: ?Ich habe nicht gewählt? und schon müssten unsere Stimmen mitgezählt werden! Dann wären wir jetzt schon die zweitstärkste Fraktion im Parlament! Nur das da eben Keiner sitzen würde und wenn irgendeine Partei die Mehrheit haben will, müssten die uns immer über eine Volksabstimmung fragen!

Das wäre für mich die Zivilcourage des Vol¬kes! Doch das ist natürlich Quatsch, denn wir brauchen doch einen Kanzler oder eine Kanzlerin. Wirklich? Ist das so? Aber was soll?s, meine lieben Leser und Leserinnen, wir werden weiter feige unsere Miete bezahlen und uns beim Einkaufen beschweren, wie teuer alles geworden ist. Na denn, fröhliche Weihnachten! Carsten Pape

 

Die Musik der britischen Elektro-Punk-Pio¬niere ist wie die Mutter aller Drogenkicks. Nach fünf Jahren im Rave-Exil melden sich Liam Howlett (DJ), Keith Flint (Ges.) und Maxim Reality (Ges.) zurück und verkünden: `Invaders Must Die`!

Statt krampfhaft Innovation zu suchen, besinnen sich The Prodigy (z.dt.das Wunder) in bewährter Dreierkonstellation auf ihre einstigen Stärken. Das Ergebnis ist eine Hommage an Vergangenes - progressiv und massenkompatibel zugleich. Knarzende Gi¬tarren treffen auf hochgepitchte Vocals, wirre E-Pianos und Computerspielen entliehene Digital-Melodien kämpfen mit klassischen Beats. Seit Bandgründung 1990 haben die rockenden Raver eine Tour de Force durch zwei Jahrzehnte Musikkultur hinter sich: Gegründet von Mastermind Liam Howlett (38), der in der Grundschule gegen seinen Willen zum Klavierunterricht geschickt wur¬de, geht es zusammen mit den muskelbepack¬ten MCs Keith Flint (40) und Maxim Reali-ty (42) um das bis zum Anschlag durchge¬tretene Gaspedal.

Benannt nach dem Moog-Prodigy-Synthesizer, liefern die Briten mit ihrem kantigen Debütalbum `Experience` (`92) den Soundtrack zur Acid und Rave Glanzzeit. Die Nachfolge LP `Music For The Jilted Generation` (`94) bedient sich bei satten Gitarrensounds und sorgt dafür, dass The Prodigy auf die Rockbühnen stürmt. Als 1998 `The Fat Of The Land` erscheint, und die dazugehörigen Singles `Firestarter`, ´Smack My Bitch Up` und `Breathe` bei MTV auf Heavy Rotation gehen, spielen die britischen Elektro-Punks weltweit als Head¬liner auf Bühnen, die eigentlich für Rockacts vorgesehen sind. Die Greatest Hits Scheibe `Their Law´ ist nicht nur eine Erinnerung daran, wie sehr die Band die Musikepoche der Gegenwart definiert hat, sondern stellt sie der Welt als eine der besten Livebands vor. Es heißt, dass The Prodigy seit 1991 nie wieder geprobt haben! `Wenn wir Songs schreiben, denken wir immer daran, wie viel Damage die Stücke live anrichten können` - Liam Howlett

Nach furiosen Konzerten (u.a. vor 250.000 Menschen auf dem Roten Platz in Moskau), einhergehend mit harscher Kritik am Video zu `Smack My Bitch Up` (Regie: Jonas Åkerlund), das Drogen-, Sex- und Gewalt-Exzesse visualisiert, verkündet Howlett, dass es kein viertes Album geben wird. In den folgenden fünf Jahren veröffentlichen The Prodigy keinen einzigen Track, bis Liam die Band 2004 mit `Always Outnumbered, Never Outgunned` neu erfindet - und scheitert. Das Missglückte belehrt ihn eines Besseren: Wiedervereint mit Keith (der ursprünglich als Tänzer in die Band einstieg) und Maxim hauchen The Prodigy Anfang 2009 mit dem fünften Studioalbum `Invaders Must Die` den Sounds der Acid- und Rave-Ära neues Leben ein. Exemplarisch ist die erste Single `Take Me To The Hospital`, auf der Keith und Maxim ihre Texte keifen, fauchen und grollen, während sich ein klassisches Mickey Mouse-Sample hinzugesellt. Diese Mischung, eingebettet in ein treibendes Beat-Gerüst, ergibt ein schizophrenes aber clubtaugliches Ganzes. Mit zehn weiteren, brodelnden Tanzflächen-Hymnen ist die Reminiszenz an die Party-Generation der frühen 90er endgültig geglückt. theprodigy.com

 

`Über die Jahre hätte man den anderen gern mal eine reingehauen` - Tom Araya

Nach neun Studioalben, tausenden Konzerten und fast drei Jahrzehnten im Musikgeschäft, sind die Kalifornischen Trash-Metaller Slayer eine der wichtigsten Bands des Genres. Wenn derart kreative Köpfe zusammenarbeiten, bleiben Meinungsverschiedenheiten nicht aus. `Geschlagen haben wir uns nie - das sind nur Gerüchte. Jeder hat seine Meinung, und jeder darf sagen was er denkt`, erklärt Sänger und Bassist Tom Araya die Zusammenarbeit mit Kerry King (Git.), Jeff Hannemann (Git.) und Dave Lombardo (Dr.) für das neue Album `World Painted Blood`.

`Unser Zusammenspiel auf dieser Platte war einzigartig! Statt etwas zu erledigen, hatten wir einfach Spaß miteinander. Wir diskutierten alles und probierten alles`, ergänzt Hannemann. Zum ersten Mal in ihrer Bandgeschichte gingen Slayer ins Studio, ohne vorher Material für ein ganzes Album geschrieben zu haben. Für die vorangegangenen Platten hatten Hanneman und King jeweils eigene Songs beigesteuert und diese im Anschluss mit dem Rest der Band zusammengefügt. `Dieses Mal`, so King, `redeten wir über das, was wir taten. Jeder hatte Mitspracherecht und brachte sich ein.` Die Auswirkungen dieser kreativen Freiheit sind auf `World Painted Blood` durchgehend zu hören. Lombardo sagt, dass sich das Album in eine Reihe mit Slayer-Klassikern wie `Reign In Blood` und `Seasons In The Abyss` stellen lässt. `Bei den Rhythmus-Riffs stellen sich mir die Nackenhaare hoch!`, schmunzelt der kubanische Schlagzeuger. Hat dieser erneuerte Enthusiasmus Slayers Weltanschauung erweitert? Eher nicht. `Es geht um die gewohnten Themen wie Tod, Mord und Serienkiller`, erklärt der bekennende Katholik Araya. Eine brisante Mischung, die ein breitgefächertes Publikum anspricht: `Mittlerweile haben wir drei Generationen vor uns. Wir sehen ganze Familien zusammen abgehen - das ist cool!` slayer.net

 
 
 






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