Henning Wehland

DER LETZTE AN DER BAR – VON HENNING WEHLAND

13. Oktober 2017

DER LETZTE AN DER BAR

 Gedanken am Tresen des Lebens

von Henning Wehland

#7 – Panzer

 

„…ich bin ein Panzer – und ich kämpfe mit Gefühlen…“ (aus dem Song „Panzer“)

 

Freundschaft ist eines dieser Wörter, das man leicht auf der Zunge trägt. Auch wenn ich ohne Freunde nicht leben könnte, ist mir oft nicht bewusst, wie zerbrechlich eine Freundschaft sein kann.

 

Es gibt in meinem engsten Freundeskreis nie­manden, mit dem ich mich nicht mindestens einmal so richtig gestritten hätte. Das führte teilweise dazu, dass wir monatelang nicht mit­einander gesprochen haben. Ich war meistens ganz verzweifelt, weil ich den Ursprung der Auseinandersetzung nicht verstehen konnte.

 

Ich war immer fest davon überzeugt, dass ich es mit allen gut meine. Oft führte dieser En­thusiasmus dazu, dass ich diesen Menschen dann aber über „die Füße gefahren“ bin. Ich habe nicht verstanden, dass meine Energie Menschen auch bevormunden oder verletzten konnte. Das habe ich aber nicht bemerkt und dachte immer, ich werde missverstanden, was logischerweise zu Konflikten führte.

 

Jetzt könnte man behaupten, das Problem sei durch ein Gespräch ganz einfach zu lösen. In der Theorie ist das so. In meinem Falle hatten einige das Problem, dass sie mit ihren Gefühlen gar nicht an mich herankamen. Ich glaube, ich habe das Talent, Menschen zu motivieren. Aber jedes Talent kommt natürlich auch mit einem Nachteil. Wenn ich einmal anfange zu argumentieren, dann kann es passieren, dass ich meinem Gesprächspartner so lange das Wort im Munde herumdrehe, dass aus dem Gespräch eher ein Monolog wird. Und das kann auch sehr demotivierend sein.

 

Das Bild von einem Panzer, der mit Gefühlen kämpft, hat mir sehr dabei geholfen zu ver­stehen, dass auf der Reise zu meinem Ziel auch Füße im Weg stehen können, von Menschen, die mir sehr wichtig sind. Aber ein Panzer be­sitzt halt nicht immer das gewisse Finger­spitzengefühl.

 

Durch das Schreiben von deutschen Texten ist mir sehr bewusst geworden, dass Authentizität für mich ganz wichtig ist. Dafür muss ich aber auch in der Lage sein, ehrliche Geschichten über mich zu schreiben.

 

Ein Teil meiner Geschichte ist es, dass mir oft das gewisse Fingerspitzengefühl fehlt. Ich be­stehe für mein Umfeld bestimmt auch aus eini­gen Gegensätzen. Eben wie ein Panzer, der mit Gefühlen kämpft. Aber in den allermeisten Fällen meine ich es immer gut. Ich lerne jeden Tag, dass ich das meinem Umfeld verständlich machen muss. Ich kann nicht verhindern, dass ich mal wieder Menschen über die Füße fahre, so bin ich. Aber ich bin auf jeden Fall sensibler dafür geworden, wenn ich darauf angesprochen werde.

 

Wichtig ist, was ich aus Kritik mache. Denn:

 

„…es kommt immer darauf an, wer hinter dem Zielrohr sitzt, über Gut oder Böse entscheidet nie das Geschütz…“ (aus dem Song „Panzer“)

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