Interview mit Rote Flora-Sprecher Andreas Blechschmidt

16. November 2017

Interview mit Rote Flora-Sprecher Andreas Blechschmidt

 

Neben St. Georg und St. Pauli gilt auch das Schanzenviertel als absolut bunt gemischter Lebensraum. Die Rote Flora ist hieraus nicht wegzudenken und deren Sprecher Andreas Blechschmidt ist zum Beispiel auch Sprecher und Anmelder für Demonstrationen aus dem Viertel. Wer ist das? Wie denkt er? OXMOX zitiert wichtige Sätze aus dem Interview, das zwar einige Wochen alt aber noch gültig ist, und dass uns Autor Max Bryan freundlicherweise zur Verfügung stellte.

 

Für oder gegen Gewalt? Interview mit Rote Flora-Sprecher Andreas Blechschmidt

 

Einige Medien machten ihn verantwortlich für die Ausschreitungen vom 6. und 7. Juli diesen Jahres. Wichtigste Frage daher: „Sind Sie für oder gegen Gewalt?“

 

REPORTER: Herr Blechschmidt, … Der Verfassungsschutz erwähnt Sie namentlich, der Polizeipräsident warnt auch vor Ihnen – tragen Sie die Gewalt nach Hamburg?

 

Der G20 ist kein legitimer Vertreter. Über 170 Staaten dieser Welt sind ausgeschlossen. Die Kampagne des Verfassungsschutzes und auch die Äußerung des Polizeipräsidenten, verstehe ich als Versuch, entschlossene Proteste zu diskreditieren, die breite Protestbewegung auch zu spalten. Die Behauptung des Polizeipräsidenten hier würden Gewaltexzesse geplant, spiegelt sich überhaupt nicht wieder in der Versammlungsbehördlichen Bestätigung – es gibt keinerlei Gefahren beschränkende Auflagen. Insofern gibt es für mich keine Veranlassung mich an den Gewaltphantasien des Polizeipräsidenten abzuarbeiten. Es gab die gewalttätigen Polizeieinsätze gegen Menschen, die versucht haben, die letztlich von den Gerichten bestätigten Camps durchzusetzen. Es gab dort Pfefferspray-Einsätze, Schlagstock-Einsätze, es gab die völlig unnötige Auflösung der großen G20 Corner Aktion.

 

REPORTER: Sie selbst haben angeblich aufgerufen, ein möglichst großer schwarzer Block soll vorne vorangehen, mit wievielen Teilnehmern rechnen Sie da?

 

Blechschmidt: Wir haben nur gesagt, dass wir mit einem möglicherweise sehr großen schwarzen Block rechnen, das ist Teil unserer über 30 jährigen Protestkultur und das ist nicht völlig abwegig, dass der hier heute auch auf die Straße kommt, aber wir haben nicht zu schwarzen Blöcken aufgerufen, das ist nicht richtig.

Es ist das originäre Geschäft der Polizei auch bei Regelverstößen zunächst erst mal mit der Versammlungsleitung zu kooperieren. Es ist das originäre Geschäft der Polizei verhältnismäßig vorzugehen.

 

Und endlich bin ich dran.

 

Max Bryan: Herr Blechschmidt – Erinnern Sie sich an die Demo am 21.12.2013 in der Schanze? Da war eine ähnliche Situation, dass die Demo sehr früh aufgestoppt wurde. Glauben Sie, dass das zu einer gewissen Taktik der Polizei gehört, vielleicht möglicherweise kleinste Vergehen als Anlaß zu nehmen eine Demo aufzustoppen …

 

Bryan: Nun gab es ja im Vorfeld der Demonstration eine sehr ungewöhnliche Veröffentlichung, dass sich der Geheimdienst einschaltete und Sie quasi an den Pranger stellte, als Rädelsführer der Krawallmacher. Was glauben Sie, warum wird sowas in dieser Form veröffentlicht?

 

Blechschmidt: Ich sehe darin den Versuch – und das auch ganz generell – da geht es noch nichtmal um mich als Person – sondern da geht es darum Protest gegen den G20 zu kriminalisieren – auch zu stigmatisieren – dafür zu sorgen, dass Menschen das Gefühl haben, dass man sich mit den Veranstaltern der Proteste nicht gemein machen darf bis hin zum wegbleiben von der Demo. Ich halte das für einen Versuch der Spaltung der Protestbewegung. Den sind wir sehr deutlich entgegengetreten und haben gesagt, dass wir diese Versuche als untauglich zurückweisen …

 

Klare Kante – Für oder gegen Gewalt?

 

Max Bryan: Da war ja ein großer Mopo Artikel veröffentlicht worden, wo es darum geht, dass Sie sich nicht genügend von Gewalt distanzieren. Deshalb ganz klare Kante: Sind sie für oder gegen Gewalt?

 

Blechschmidt: Also da kann ich mehr als klare Kante zeigen. Wir sind Teil einer Protestbewegung die seit über 40 Jahren ganz deutlich sagt, wir distanzieren uns nicht im Grundsatz von militanten Aktionsformen und auch nicht von bewußten Regelübertretungen. Das ist in der Geschichte der Protestbewegung ein Mittel der 68-iger Studentenbewegung gewesen. Das war ein politisches Mittel der Anti-AKW Bewegung der 70iger Jahre – mit dem Ziel des Ausstiegs aus der Atomkraft – da herrscht mittlerweile Regierungskonsens.

 

Es ist die militante Hausbesetzer-Bewegung der 80iger Jahre gewesen, die Hamburg Wochenzeitung die ZEIT hat erst letztens diese Bewegung mit dem Hinweis geadelt, dass einer überhitzten Stadtteilpolitik damals auch ein wichtiger Riegel vorgeschoben wurde – in diesem politischen Kontext distanziere ich mich NICHT von politischer Gewalt, gleichwohl sage ich auch ganz klar, es gibt in der politischen, autonomen Bewegung kein Konsens dafür, Menschen mit Vorsatz an ihrer Physis zu schädigen, das sage ich auch in Hinblick auf die Behauptung des Polizeipräsidenten …, der behauptet hat, es gäbe hier Pläne, Beamte mit Bitumen zu präparieren, um sie danach zu brennenden menschlichen Fackeln zu machen. Das sind Gewalt-Fantasien, die nicht den politischen Inhalten der Autonomen Bewegung entsprechen, sondern offenbar eher den Gedankenwelten eines Polizeipräsidenten.

 

Max Bryan: Wir kommt er da drauf? Denkt sich der Polizeipräsident sowas aus um Sie ins schlechte Licht zu rücken?

 

Blechschmidt: Wie ich schon sagte, es ist der Versuch politischen Protest zu stigmatisieren und mit aus meiner Sicht untauglichen Mitteln zu diskreditieren und wir versuchen einfach, indem wir es hier heute anders machen, zu zeigen, dass dies untaugliche Versuche sind die Protestbewegung zu kriminalisieren und im Endeffekt auch zu spalten.

 

Das wohl berühmteste Bild eines Freiheitskämpfers – mit einem Blumenstrauß anstelle eines Molotow-Cocktails in der Hand

 

Hier mein vollständiger Bericht zu den Ereignissen des 6. Juli.

http://m.huffpost.com/de/entry/17848600

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