Bindungsangst erkennen und mit ihr umgehen

Bindungsangst erkennen und mit ihr umgehen

12. August 2016

Der Himmel hing noch vor kurzem voller Geigen, doch plötzlich herrscht distanziertes Schweigen zwischen den Liebenden. Gibt es hierfür keinen erkennbaren Anlass, kann Beziehungsangst hinter dem kühlen Verhalten des Partners stecken. Doch wie erkennt man diese und ist es möglich, mit einem bindungsphobischen Menschen eine erfüllte Partnerschaft zu führen?

Den typischen Bindungsphobiker gibt es nicht

Beziehungsangst hat viele Gesichter. Wer bei diesem Begriff zunächst an den Dauersingle und Einsiedler denkt, liegt zwar nicht falsch, doch beschreibt dies nicht in vollem Umfang das Phänomen der Bindungsphobie. Nicht selten wagen sich nämlich bindungsängstliche Menschen in eine Beziehung, auch sie sehnen sich nach Nähe. Dass sie diese dennoch nicht zulassen können und die Flucht ergreifen, sobald es ernst wird, sorgt bei ihren Partnern für Verunsicherung und Unverständnis.

Um Beziehungsangst zu verstehen, muss zunächst die Dynamik hinter dem Verhalten betrachtet werden. Meist gehen die Ursachen dafür weit zurück, bis in die Kindheit der Betroffenen. Wer selber keinen sicheren Beziehungsstil erlebt hat oder durch schlimme Verlusterfahrungen gehen musste, lernt nicht, auf die Zuneigung eines anderen Menschen zu vertrauen. Die Angst vor Verlust und dem damit verbundenen Schmerz bestimmt dann – oft unbewusst – den eigenen Beziehungsstil.

Symptome der Beziehungsangst

Die Folge ist ein ständiges Hin und Her zwischen Annäherung und Wegstoßen. Da wäre der Partner, mit dem eine jahrelange Fernbeziehung endlich in einer ersten gemeinsamen Wohnung eine Heimat finden sollte und der plötzlich, kurz vorher, die Beziehung beendet. Oder derjenige, der zwar gerne flirtet, auch nichts anbrennen lässt, nach eigener Angabe aber „noch nicht für eine neue Beziehung bereit“ ist. Abwechselnd sucht er Nähe und gibt sich romantisch, dann wieder geht er auf Abstand, festlegen will er sich nicht.

Gerät der Beziehungsphobiker unter Druck, reagiert er abweisend und kalt, manchmal sogar aggressiv. Der Versuch, die Probleme im Gespräch zu lösen, werden als einengend empfunden. Erwartungen sind für ihn gleichbedeutend mit Freiheitsentzug. Schließlich könnte der enttäuschte Partner den Ängstlichen verlassen, wenn er die Erwartungen nicht erfüllen kann.

Trennung oder Lösung?

Um eine Beziehung mit einem solchen Menschen zu führen, braucht es vor allem eines: Geduld und Gelassenheit. Denn Beziehungsangst kann überwunden werden. Allerdings ist hierfür auch die Einsicht des Betroffenen notwendig und an der fehlt es oft. Stattdessen fühlt er sich als Opfer und nutzt seine Schutzmechanismen, um sich immer wieder „in Sicherheit“ zu bringen, wenn man ihm „zu nah“ kommt.

Eine Beziehungsberatung oder ein Coaching können helfen, um herauszufinden, ob eine auf diese Weise gestörte Beziehung noch eine Chance hat oder ob eine Neuorientierung den Weg zum Glück ebnen könnte. Oft bestimmen die Verhaltensmuster des vermeintlich nicht gestörten Partners die Dynamik in der Beziehung stärker als ihm bewusst ist. Den anderen ändern zu wollen, hat noch selten zum Erfolg geführt.

Bild: © istock.com/pixdeluxe

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