OXMOX – Exklusiv – Interview: EISBRECHER

21. Oktober 2017

Eisbrecher – Stürmische James Bond-Inszenierung

 

Die erfolgreichen Vertreter der neuen deutsch­en Härte finden ihren Ursprung im Jahre 2003, wo sie von Alexander „Alexx“ Wesselsky (48) und Jochen „Noel Pix“ Seibert (45) gegründet wurden. Von Album zu Album wächst der Erfolg – das aktuelle „Sturmfahrt“ eroberte zum ersten Mal der Band-Geschichte die Spi­tze der Charts. Um über die neuen Songs sowie schauspielerisches Talent zu sprechen, traf OXMOXAlexx“ zum Interview …

 

Eisbrecher – Foto: Severin Schweiger

 

Welcher Song kommt dir in den Kopf, wenn du an das neue Album denkst?

Ganz klar „Sturmfahrt“! Zum einen weil das Album so heißt, zum anderen, weil der Track extrem schnell nach vorne marschiert. Ich mag es gerne hart, ich mag es gerne schnell … da kann man jetzt herein interpretieren, was man will (lacht). Am spannendsten ist die Ge­schichte hinter „In Einem Boot“: Hier haben wir die Grundmelodie vom Klassiker „Das Boot“ verwendet und einen eigenen Text sowie eigene Melodien hinzugefügt. Da der Rahmen aber aus dem Doldinger-Klassiker besteht, brauchten wir diverse Freigaben. In diesem Fall waren das u. a. Klaus Doldinger und Bavaria Film. Wir haben den Song verschickt und warteten auf das „Go!“. Gleichzeitig hatten wir eine Anfrage beim französischen Marine-Ministerium laufen, um das U-Boot Le Redou­table (das erste Atom-U-Boot der franzö­sischen Marine – wurde 1991 außer Dienst ge­stellt und ist inzwischen das größte öffentlich ausgestellte Museums-U-Boot der Welt) in Cherbourg fotografieren zu dürfen – das U-Boot sollte unbedingt aufs Plattencover! Währ­end wir auf die Zusage für den Song gewartet haben, erhielten wir das „Go!“ vom franzö­sischen Ministerium. Wir sind im April 2017 losgefahren. 1.200 KM entlang der At­lantik­küste und innerhalb von zwei Tagen wie­der zu­rück. Das Wetter war anfangs schön, am Ende gab es Schnee und Hagel … aber die Fo­tos waren im Kasten! Wir alle waren glücklich, was gibt es schöneres, als ein von Charles de Gaulle persönlich getauftes Atom-U-Boot auf dem Cover des eigenen Albums zu haben? (lacht) Zum Glück kam anschließend die Freigabe von Bavaria Film und Klaus Dol­dinger, was die Sache Rund gemacht hat.

Woher kommt dein Faible für Schauspiel­erei?

Mein schauspielerisches Talent ist vielleicht ein wenig auf meine Jugend zurückzuführen. Ich habe Theater in München gespielt und mich an der Otto-Falckenberg-Schule beworben und mich vorgestellt. Dieses Unterfangen habe ich genauso ernst genommen wie die Schule – also konnte ich da nur kläglich scheitern. (lacht) Aber ich schauspielere gerne und bin ein Büh­nenmensch. Die Eisbrecher-Show ist auch immer ein wenig die Alexx-Show und in den Videos haue ich dann gerne mal auf den Putz. Wir erfinden da nichts neu, sondern nehmen aktuelle Themen und verarbeiten diese best­möglich.

Wieso singt ihr auf Deutsch?

Mir ist erst 1993/94 aufgefallen, wie dünn die Themen in der englisch gesungene Rockmusik sind – vorher war‘s mir egal, Hauptsache es rockt und knallt. Dann habe ich mich immer mehr auf die Texte konzentriert und es geht bei den großen Bands in der Regel fast ausschließ­lich um Beischlaf (lacht). In den 70ern und 80ern wurde das Thema besonders großge­schrieben. Whitesnake sind da Vor­reiter. Dann kam der Grunge auf, die Grup­pen dieser Richt­ung haben sich Gedanken um das Innen­leben des Menschen gemacht und dieses thematisiert. Darüber hinaus gab es Bands, die mit der Faust nach oben ge­richtet voran­schritten, wie zum Beispiel Ra­ge Ag­ainst The Machine, Clawfinger oder Pub­lic Enemy. Genau das ist auch unser Ding – es sollte im Rock schon ein wenig mehr sein, als Heroismus. Wir sind sowieso schon aus dem Alter raus, in wel­chem man aus­schließ­lich auf die Bühne geht, um die weiblichen Zuschauer mit seinem Sixpack zu betören (lacht) … Aber es war auch nie unser Bestre­ben, wir sehen das Ganze ein wenig anders: Wenn man nichts zu sagen hat, sollte man auch nicht auf der Bühne stehen.

 

Was liegt vor Euch?

Hoffentlich viel! Es gibt immer zwei Richt­ung­en. Eine, aus der man kommt und die andere, die noch vor einem liegt – ich bevor­zuge die zweite. Alleine die Hallen, welche wir noch erobern wollen … Olympiahalle in München, Dortmunder Westfalenhalle, Ba­rclaycard Arena, … Ich bin letztes Jahr mit Peter Maffay während der Tabaluga-Tour in diesen Hallen gewesen, da ich als Spre­cher fungierte. Als nächstes würde ich dort gern meine Musik auf die Bühne bringen und ich glaube, dass das mit Eisbrecher möglich ist.

Was machst du, wenn du nicht auf der Bühne stehst?

Wenn der ganze Musiker-Trubel vorbei ist, genieße ich die Ruhe im Grünen. Ich bin gerne am Fluss, welcher Lech heißt und setzte mich dort auf die Bank – ich liebe es, wenn ich den Reiher vorbei flattern sehe. Wenn da mal nichts flattert, lese ich gerne, dabei schmeckt die Zigarre besonders gut. Nebenbei: Tretbootfahren auf dem Lech ist ein absoluter Geheim-Tipp, da ist ein Mann noch Mann! (lacht)

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