OXMOX – Exklusiv – Interview: Fünf Sterne Deluxe

5. Oktober 2017

Fünf Sterne Deluxe – „Wir können nicht singen!“

 

Lange war es ruhig um die Hamburger Hip-Hopper: Nachdem Das Bo (41, Rap), Tobi Tobsen (Rap), und DJ Coolman um die Jahrtausendwende mit Krachern wie „Ja Ja … Deine Mudder“ oder „Die Leude“ auf sich aufmerksam machten und so die Karriere-Leiter emporstiegen, war nach zwei Alben plötzlich wieder Schluss. Nun sind die Jungs nach 17 Jahren wieder energiegeladen mit der neuen Platte „Flash“ am Start – alles, was darüber hinaus passiert, hat Tobi dem OX­MOX im Interview verraten …

 

Fünf Sterne Deluxe – Credit: David Königsmann

 

Wieso habt ihr nach zwei erfolgreichen Al­ben wieder aufgehört?

Das Bo und ich haben vor 5 Sterne deluxe ja schon zehn Jahre gemeinsam Musik gemacht, weshalb wir schnell an einen Punkt gekommen sind, an dem wir uns zu sehr auseinander be­wegt haben – gar nicht persönlich, sondern tatsächlich bloß musikalisch. Wir fingen sogar noch an, an einem dritten Album zu arbeiten aber währen der Produktion merkten wir, dass wir leer sind und so keinen würdigen Nach­folger produzieren können. Daraufhin haben wir beschlossen, dass jeder „kurz“ sein eigenes Ding machen muss. Das „kurz“ hat sich dann ziemlich ausgedehnt, weil keiner von uns die Initiative ergriffen hat, dem Rest der Gruppe in den Arsch zu treten … (lacht)

Und dann?

2013 haben wir auf der Trabrennbahn Bahr­enfeld den ersten Gig seit zehn Jahren gespielt, woraufhin wir uns gemeinsam ins Studio, wel­ches sich übrigens bei mir Zuhause befindet, gesetzt haben. Die Magie war sofort wieder da – das war so krass, dass wir den neuen Ideen­fluss unbedingt einfangen mussten. Wir hatten nicht sofort die Intention, ein neues Album zu machen, sondern wollten uns anfangs bloß ganz sporadisch alle zwei, drei Tage zum „los­flashen“ treffen. Da wir dann allerdings wieder anfingen, mehrere Konzerte zu spielen, stellen wir fest, dass wir dem Publikum unbedingt neues Material liefern müssen – also fingen wir an, beinahe täglich ernsthaft an neuen Tracks zu arbeiten.

Bestand schon vor dem Konzert 2013 wieder Kontakt?

Wir hatten zwar Kontakt, fühlten uns als Band aber nicht mehr zusammengehörig. Wir haben uns zwar noch gegenseitig zu den Geburtstagen gratuliert aber mehr ist da nicht gelaufen …

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um wieder gemeinsam durchzustarten?

Für uns auf jeden Fall! Wir haben uns so viel Zeit gelassen, dass keiner von uns einen Ruck­sack aus der Vergangenheit mit sich trug – im Prinzip sind wir genau so frei aufein­anderge­troffen, wie beim allerersten Mal. In der Zwi­schenzeit hat jeder individuell an sein­em per­sönlichen und musikalischen Werde­gang gear­beitet. So konnten wir besser aus den Vollen schöpfen und diese individuellen Welt­en für noch mehr Input zusammenbringen. Die Pro­duktion lief deshalb auch harmonischer, denn je, weil wir uns in unserem Können ge­genseitig zu 100 % akzeptierten.

Wollt ihr euch mal in einem anderen Gen­re ausprobieren?

Für den Pop/Rock-Kram können wir alle nicht gut genug singen, fürchte ich … (lacht) Wir lassen heutzutage allerdings mehr Ein­flüsse zu und sind nicht mehr so engstirnig unterwegs. Dadurch, dass wir uns in den letzten 15 Jahr­en nicht bloß ausschließlich mit Hip-Hop be­schäftigen, hatten wir Zeit, uns mit anderer Musik zu auseinanderzusetzen, was unseren Backround enorm erweitert hat. Das Grund­thema wird aber immer Rap und Hip-Hop bleiben.

Welcher Song kommt dir in den Sinn, wenn du an die neue Platte denkst?

SMS“. Den Track haben wir erst auf den letzten Drücker fertiggemacht. Vorher hat die Nummer ganz lange rumgelegen – wir haben immer wieder versucht daran zu ar­beiten, haben viele Texte geschrieben … Aber letztendlich landete alles wieder im Mülleimer. Am letzten Studiotag haben wir uns dem Song nochmal final zugewandt und wir sind unheimlich stolz, dass wir noch so ein geiles Ding produzieren konnten! (lacht)

 

Fünf Sterne Deluxe – Credit: David Königsmann

 

Ist eine Tour geplant?

Ja, die geht im November los und dauert bis Ende des Jahres an. Am 19. & 20.12. spielen wir im Docks, weil das erste Konzert inner­halb eines halben Tages schon ausverkauft war …

Ist es euer Ziel die ganz großen Hallen zu füllen?

Ab einer bestimmten Größe kann man das ja eh nicht mehr aufhalten – da wäre es quatsch zehn Mal in Folge das Docks zu bespielen! (lacht) Aber solange es noch möglich ist, freuen wir uns darüber, dass wir in kleineren Clubs spielen können, weil die Atmosphäre viel intimer ist. Wobei es auch krass ist, auf einer großen Festival-Bühne zu stehen, wo man von 20.000 Leuten gefeiert wird. Das Gefühl, welches du dadurch bekommst, hat mir während meiner Moonbootica-Tour als DJ auch wahnsinnig gefehlt.

Welcher ist dein prägnantester Live-Mo­ment?

Wir haben am Anfang unserer Karriere mal als Vorband der Ärzte gespielt und unser Selbstwertgefühl ist danach in den Keller gesunken – jeder hat uns gehasst! Da wir ein Überraschungsgast waren, wurden wir nir­gendwo angekündigt, sodass dort aus­schl­ießlich Rock-Fans anzutreffen waren. Unser Rap hat also niemanden überzeugt. Irgend­wann hat uns das gesamte Publikum den Rücken zugedreht und uns den Mittelfinger gezeigt … Als Profis haben wir das Konzert natürlich trotzdem bis zum bitteren Ende durchgezogen! (lacht)

Sind für die Zukunft besondere Kolla­bora­tionen geplant?

Generell sind wir für sowas offen und haben da auch ziemlich Bock drauf! In Zukunft wollen wir z. B. mit zwei Kabarett-Künstlern namens Simon und Jan kollaborieren, die dann auch richtig singen – das soll dann an Simon & Garfunkel inkl. Akustik-Gitarre erinnern.

 

 

Foto-Credit Beitragsbild: David Königsmann

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