OXMOX Report: „Summ, summ, summ …“ HAMBURGS STADTBIENEN

8. Juli 2016

Imkern ist DER Stadttrend 2016 – aus gutem Grund: Die fleißigen, schwarz-gelben Insek­ten sind wichtig für unsere Nahrung und Um­welt, doch durch das Bienensterben aktuell weltweit bedroht. Der gemeinnützige Verein Stadtbienen bietet Interessierten die Mög­lichkeit, Honigbienen an ihrem Balkon, auf der Dachterrasse oder im eigenen Garten zu halten und damit einen wertvollen Beitrag zu leisten. OXMOX ist ausgeschwirrt und hat herausgefunden, wie man seinen eigenen Sta­dthonig produziert – und wo die prominentes­ten Majas und Willis Hamburgs wohnen …

Warum sind Bienen so wichtig für unsere Umwelt und Nahrung?

Stadtbienen e.V.: Bienen bringen viel mehr, als nur Honig! Ihre Wichtigkeit für unser Ökosystem wird oft unterschätzt, dabei be­stäuben sie nicht nur landwirtschaftliche Pflanzen sondern auch viele weitere Blüten, die andere Tiere zum Überleben benötigen.

Was hat es mit dem „Bienensterben“ auf sich?

Experten warnen, dass einzelne Bienenarten in den nächsten zehn Jahren ausgestorben sein könnten – was für uns zu gewaltigen Ernteausfällen führen würde. Für die Honig­biene stellen aktuell die Monokultur, Pesti­zidbelastung sowie die Varroamilbe die größte Gefahr dar.

Was können wir dagegen tun?

Zunächst ist es wichtig, die Rückzugsorte der Bienen zu schützen – und auch neue Orte zu schaffen. Die Stadt bietet sich hierfür an, da die Bienen von Monokultur und Pestizidbe­lastung verschont sind. Wichtig ist, für aus­reichend Nahrung zu sorgen. Menschen kön­nen ihren Balkon oder Garten z. B. bienen­freundlich bepflanzen.

Ist es tatsächlich möglich, Bienen in einer Großstadt auf dem Balkon zu halten?

Ja, das ist es! Die Haltung der Bienen wird im Sommer natürlich für regelmäßige Be­schäftigung sorgen. Wir empfehlen zur Vor­bereitung Kurse, die wir in großen Städten bundesweit organisieren. Eine handgefertigte Box verkaufen wir ab 240 €, ein Imkerkurs kostet bei uns ebenfalls 240 €, das Bienen­volk bekommt man unter 100 €. Wir bieten auch eine Anleitung zum Selbstbauen einer „BienenBox“ an …

Wie groß ist ein Balkon-Bienenvolk und wieviel Honig liefert es?

Die Meisten halten ihre Bienen nicht primär zur Honiggewinnung, sondern sind fasziniert von den kleinen Tieren und wollen zu ihrem Erhalt beitragen. Abhängig vom Zeitpunkt kann ein „BienenBox“-Volk um die 40.000 Tiere beheimaten. Wenn man den Bienen wie von uns empfohlen genügend Honig zum Überwintern lässt, beträgt der Ertrag durch­schnittlich ca. 15 kg im Jahr.

Was kann man außer Honig und Kerzen noch aus „Bienenprodukten“ herstellen?

Propolis zum Beispiel – ein Kittharz, welches die Bienen produzieren und das antiviral bzw. antibakteriell wirkt.

Muss man Angst haben, von seinem Bie­nenvolk gestochen zu werden?

In der Regel passiert nichts, aber für alle Fäl­le empfehlen wir einen Schleier zu tragen.

Wieviele Bienenarten gibt es ca. in Deut­schland?

Es gibt sehr viele (Wild-)Bienenarten, mehr als 500 allein in Deutschland! Die am häu­figsten in der Haltung vorkommenden sind Carnica und Buckfast-Bienen – diese lieben eine Sortenvielfalt an heimischen Blühpflan­zen – perfekt für die Übergangszeiten sind Efeu und Kräuter wie Thymian, Minze oder Basilikum.

Bietet Stadtbienen e.V. wieder Kurse in Hamburg an?

Ja, es gibt Schnupperkurse im September. Wer ernsthaftes Interesse hat, kann sich auch gleich für die umfassenden Imkerkurse im nächsten Jahr vormerken lassen. (bienenbox.de/kurse/)

Welche Pläne hat der Stadtbienen e.V. für die Zukunft?

Wichtig für uns ist, mehr Menschen über die Bienenthematik zu informieren und Fachwis­sen durch Kurse zu verbreiten – dies soll da­zu führen, dass sich die Situation der Bienen merklich verbessert. Bienen sind weniger ge­fährlich als allgemein angenommen: Die meisten Besitzer einer „BienenBox“ berich­ten von regelrecht freundschaftlichen Verhält­nissen zu ihren neuen Haustieren!

Weitere Infos: www.stadtbienen.org

Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“ – Albert Einstein

Bienenvölker am Hamburg Airport geben Auskunft über die Luftqualität

Bis
zu 200.000 Bienen starten täglich im Frühjahr und Sommer am
Hamburger Flug­hafen, um aus Millionen von Blüten Nektar
und Pollen zu sammeln. Das sind mehr Flug­bewegungen, als sie der
Hamburg Airport im ganzen Jahr verzeichnet! „Bio-Monitor­ing“
nennen Experten diesen Einsatz. In un­abhängigen
Laboruntersuchungen wird die Qualität von Honig und Bienenwachs
unter­sucht, um Rückschlüsse auf die Qualität der Luft am
Flughafen zu geben. Schon seit 1999 liefern die „Biodetektive“
jährlich rund 150 Kilogramm einwandfreien Honig. „Wir sind
immer wieder zuversichtlich, dass unsere Bie­nen nur beste
Qualität nach Hause bringen“, sagt Axel Schmidt, Leiter
der Umweltabtei­lung am Hamburg Airport. Insgesamt deck­en
die summenden Völker ein Gebiet von rund 12 Quadratkilometern ab,
„damit wird die gesamte Vegetation bei uns und in der
Nachbarschaft erfasst“. Betreut wird das Projekt von Ingo
Fehr, Umweltingenieur und Imker am Hamburg Airport, der u.
a. auch die Gesundheit der Insekten kontrolliert. „Übermäßige
Schadstoffe in der Luft würden die Bienen töten“, erklärt
der Imker. Übri­gens unternimmt eine Biene täglich rund 40
Ausflüge und besucht dabei ca. 4.000 Blüten!


Ewaldbienenhonig – das Bienenprojekt des FC St. Pauli

Um auf das weltweit fortschreitende Bienen­sterben aufmerksam zu machen, siedeln seit April zwei Bienenvölker auf dem Balkon der Südtribüne im Millerntor-Stadion. „Die hier angesiedelten Stadtbienen ernähren sich von Blüten im Umkreis von ca. drei Kilome­tern. Wir sind glücklich, mit dieser Maßnah­me einen Teil zur ökologischen Vielfalt des Stadtteils beitragen zu können und würden uns freuen, wenn Fans und Anwohner ihre Balkonkästen besonders bienenfreundlich aufblühen lassen“, so Andreas Rettig, kauf­männischer Geschäftsleiter des FC St. Pauli. Mitte Juni konnte das erste Mal Honig ge­wonnen werden, dazu waren auch Kinder aus dem Stadtteil eingeladen. Mittlerweile kann man im Fanshop des FC St. Pauli eine ei­gene Blumenmischung für daheim erwerben, um den Bienen Futter für ihren „Ewaldbie­nenhonig“ bereitzustellen – den ersten Stadi­onhonig der Bundesliga!

Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene.“ Muhammad Ali



Wildbienen auf der Elbinsel Kaltehofe

Auf Kaltehofe bleibt die größte Fläche des ehemaligen Wasserwerks weitgehend sich selbst überlassen. Mindestens zwei Dutzend Wildbienenarten wurden bereits auf der Elb­insel beobachtet! Damit dies so bleibt, wurde auf dem öffentlich zugänglichen Stiftungsge­lände zusätzlich eine Fläche von rund 600 Quadratmetern mit geeigneten Sämereien als Wildbienenbeet angelegt. „Honig ist das Sau­berste, was in Hamburg hergestellt wird“, lautet die These von Imker Stephan Iblher, der seit 2009 Hamburger Lagenhonig produ­ziert. Auf der Elbinsel betreut er mehrere Bie­nenvölker. Der „Kaltehofer Sommertracht“ Honig wird u. a. im Museumsshop verkauft. Am 16. Juli findet passend dazu die dritte Veranstaltung aus der Reihe „Stadtimkerei“ der Wasserkunst Kaltehofe statt: Bei dieser Bienenführung gibt es Grundsätzliches über Bienen zu lernen, den Imker-Schleier aufzu­setzen sowie Vor- und Nachteile der Stadtim­kerei zu erfahren. Die Kosten betragen 12 Euro pro Person. Anmeldungen nimmt die Wasserkunst bis fünf Tage vor Veranstal­tungsbeginn unter 040-7888 4999 0 entgegen.

Brecht-Bienen in St. Georg

Seit Mai beherbergt auch die Brecht-Schule in Sankt Georg zwei Bienenstöcke mit insge­samt ca. 30.000 Bienen auf dem Schuldach. Initiiert von Lehrerin Isabella Weschkan lernten die Schüler bereits den Winter über die Aufgaben eines Imkers kennen und be­fassten sich mit dem theoretischen Wissen zur Bienenhaltung. Im Unterricht wurden u. a. in liebevoller Handarbeit Rähmchen aus Holz gefertigt, die als Halterung der Bienen­waben dienen. Wie hat sich die Schulimkerei entwickelt? „Die Schüler sind begeistert da­von, theoretisches Wissen nun praktisch an­wenden zu können … Die leidenschaftliche Imker-Lehrerin Isabella Weschka freut sich ebenfalls, ihren Schülern den praktischen Be­zug zu biologischen Prozessen näher zu brin­gen und sie für die große ökologische Bedeu­tung der Bienen zu sensibilisieren.“ Dass in der Natur nicht alles planbar ist, mussten die Nachwuchs-Imker auch bereits erfahren: „Die Frühjahrsernte fiel in diesem Jahr lei­der aus, weil es im April so kalt gewesen ist und die Bienen sich erst an ihren neuen Standort gewöhnen mussten. Nun geht aber bald die Linde auf und wir denken, dass wir Anfang Juli eine gute Sommerernte haben werden“, erklärt Projektleiterin Weschka. „Die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Kultur förderte mit finanziellen Mitteln den Start des Imker-Projekts. Auf lange Sicht wird eine Eigenfinanzierung durch den Ho­nigverkauf angestrebt. Um den Absatz anzu­kurbeln, entwerfen die Schüler bereits in ei­nem Wettbewerb Etiketten und Markenlogos, die die Honiggläser zieren werden.

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