OXMOX Interview: REA GARVEY – Regenbogen Rebellion

20. Juli 2016

Die schönste Jahreszeit wirft erste Sonnen­strahlen voraus – auch in Bezug auf den Hamburger Kultursommer. Nach Star-DJ David Guetta (23.07.) zaubert am 03.09. Rea Garvey mit „Prisma“ einen musikali­schen Regenbogen über die Trabrennbahn. OXMOX präsentiert das Open-Air-Konzert und machte sich mit dem sympathischen Iren (43) Gedanken über die Farben der Musik …

Wie bist du auf den Namen „Prisma“ ge­kommen?

Ich hatte eine Liste mit ca. sieben Ideen, und habe mich sofort in „Prisma“ verliebt. Die Bedeutung davon ist für mich eine Person, die Farbe in unsere Welt bringt. Ich liebe Deutschland dafür, dass man hier seine Mei­nung frei aussprechen kann. Man hat das Ge­fühl der „Speekers´ Corner“ – wie man sie in London nennt – an jeder Ecke. Es ist nicht unbedingt so, dass jeder die geäußerte Mei­nung gut findet, sie muss auch nicht richtig sein, aber die Freiheit sich mitteilen zu kön­nen, darauf stehe ich. Und das ist es, was ich mit diesem Album unterstützen will, dass je­der als Individuum sagen kann: So denke ich! Es gibt heutzutage leider viel zu wenige Län­der, in denen das möglich ist …

Wie klingt dein neues Album?

Meine erste Solo-Platte „Can’t Stand The Silence“ (2011) hat tolle Elektro-Einflüsse. Bei „Pride“ (2014) wollte ich eher meine Wurzeln präsentieren. Jetzt kommt ein Al­bum, das sehr viel im Moment ist – da wo es passt haben wir, inspiriert von beiden Vorgän­gern, organische Elemente oder Synth-Soun­ds dazugenommen. Wir haben uns nicht zu­rückgehalten, sondern gesagt: Wichtig ist, dass es echt ist und dass wir es bedenkenlos präsentieren können!

Welche Songs sind charakteristisch?

Armour“, „I’m All About You“ und „War“ haben diesen Regenbogen-Effekt: „Armour“ ist Pop-tastic und hat trotzdem eine Message – es geht um Stärke und Individualismus. „I’m All About You“ ist sehr persönlich und die musikalische Stilrichtung ist sehr leicht. Bei „War“ geht es so richtig „in your face“, mit einem Klang der fast schon aggressiv ist.

Was treibt dich an?

Ich finde, Musiker zu sein besteht aus einer Art Energiewellen. An einem Tag sagst du: Okay, das war´s, ich bin fertig … Aber der schönste Moment ist immer wieder wenn du eine Gitarre in die Hand nimmst und spürst, die Reise geht wieder los! Diese Aufregung, das eine Lied zu finden … Es ist immer ein langer Weg und ich hoffe, dass es in meinem Leben nie den Punkt geben wird, an dem ich das nicht mehr machen will. Weil es das ist, was mich am meisten erfüllt.

Was ist deine Hauptinspirationsquelle?

Inspiration findet man überall. Meine aktuelle war der Kampf um Individualismus. Ich habe mich schon als Kind immer als Insel gefühlt – ich bin nicht so der Cliquen-Typ, ich mag in­dividuelle Menschen.

Wie sieht ein Studio-Tag bei dir aus?

Das Studio ist für mich ein heiliger Ort. Wenn ich dort bin, will ich einfach nur über Musik denken und reden. Für mich ist das echter Luxus, wenn du dich nur auf die Mu­sik konzentrieren kannst. Ich bin meist der Erste im Studio, normalerweise gehe ich mit dem Hausmeister rein … Ich habe ein altes Motorrad, mit dem ich oft zum Studio fahre – das liebe ich! Ich cruise durch die Stadt und komme irgendwann an. Das habe ich bisher überall so gemacht – in LA und aktuell auch in Berlin. Beim Ankommen zittere ich, weil ich entweder zu schnell gefahren bin oder der Motor so stark vibriert hat. (lacht) Im Studio setzte ich mich dann erstmal mit einem Kaf­fee und dem Produzenten Andy Chatterley zusammen, und wir schmieden Pläne für den Tag. Mit der Musik geht es dann so gegen 11 oder 12 Uhr los … Am Ende des Tages willst du eigentlich immer das Gefühl haben, dass du etwas Magisches geschaffen hast.

Wo stehst du jetzt?

Von da wo ich angefangen habe, bis dahin wo ich jetzt stehe, war es ein langer Weg: Ich wollte Musik machen, also habe ich ange­fangen in Irland Straßenmusik zu spielen. Dann ging ich nach Deutschland und musste Miete zahlen, also begann ich Konzerte in Kneipen zu geben und gründete eine Band … Das Leben als Musiker ist eine ständige Ent­wicklung. Hinzu kommt, dass Musik heute allgemein nur von kurzer Dauer ist. Ein Hit ist plötzlich ganz oben, und auf einmal schon wieder weg. Ich habe das früher anders erlebt – ich habe mit Musik sehr viel Zeit verbracht und es war insgesamt viel weniger und viel intensivere Musik. Wenn man z. B. von Nir­vana gesprochen hat, dann war gefühlt die ganze Welt damit beschäftigt. Die Entwick­lung solcher Bands war wirklich interessant. Aktuell geht es bei vielen Bands leider weni­ger um die Entwicklung – in erster Linie sind sie Lieferanten: Wann kommt das nächste Al­bum? Wir kennen dieses jetzt ja schon seit drei Monaten! Ich habe das Gefühl, dass man sich durch solche Schnellschüsse nicht mehr wirklich mit der Musik beschäftigt. Ich war auf diesem Weg ursprünglich auch in meinem eigenen Tempo unterwegs, dann hatte ich das Gefühl mich in dem Tempo von anderen be­wegen zu müssen. Diese Gedanken beschäfti­gen mich im Moment sehr viel …

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