Bravalla Festival

OXMOX Interview: SABATON – Sportunterricht mit historischem Hintergrund

25. Oktober 2016

Nach einer erfolgreichen Festival-Saison (u. a. Elbriot) eroberte „The Last Stand“, die achte Platte der Power-Metaller, Platz 2 der deutschen Charts. Der Ausstieg des lang­jährigen Gitarristen Thobbe Englund (37) wurde erfolgreich kompensiert – mit Tommy Johansson (28). Zusammen mit Joakim Brodén (36, Ges.), Pär Sundström (35, B.), Chris Rörland (29, Git.) und Hannes Van Dahl (26, Dr.) geht es ab Anfang 2017 auf die Bühnen Europas – am 06.01. verschlägt es die Schweden in die Sporthalle. Bevor der Tournee-Alltag beginnt, nahm sich Joakim Zeit für ein Gespräch mit OXMOX

Ihr seid mit euren Alben beständig erfolg­reich – setzt euch das unter Druck?

Natürlich will man mit einer neuen Platte jedem beweisen, dass man es noch besser kann – ich denke, das liegt in der Natur des Menschen. Aus diesem Grund werden wir immer kritischer, wenn es um die Song-Auswahl geht – ganz viel Material haben wir weggeworfen. Unsere Chart-Positionen ma­chen deutlich, dass vor allem Metal-Fans sehr loyal sind und beständig CDs kaufen – dafür sind wir sehr dankbar!

Woher kommen die Text-Ideen?

Wir haben ziemlich früh entschieden, dass wir hauptsächlich Lieder über den Krieg schreiben wollen – nicht, um zu propagieren, sondern um die Geschehnisse wahrheitsge­treu und wertfrei wiederzugeben. Inzwischen ist es so, dass wir historische Bücher oder DVDs von Fans geschickt bekommen mit dem Hinweis, dass diese und jene Geschichte vielleicht etwas für uns wäre. Bei „The Last Stand“ geht es um berühmte letzte Gefechte, wie Sparta oder den letzten Samurai …

Gibt es noch Themen, die aufgegriffen werden können?

Selbst wenn es in Zukunft keine Kriege mehr geben würde, was sehr schön wäre, ist in der Geschichte so viel passiert, dass wir mit dem Stoff noch 30 Alben produzieren könnten! Themen wie z. B. Napoleon, Alexander der Große oder Dschingis Khan haben wir bisher außer Acht gelassen.

Achtet ihr bei der Produktion darauf, dass geeignete Live-Versionen auf der Platte sind?

Nein, mit diesem Vorsatz gehen wir nicht ans Songwriting. Erst währenddessen realisieren wir, dass dieser und jener Song live richtig gut abgehen würde – so wie aktuell z. B. „Shiroyama“. Unangefochten bleibt natürlich „Primo Victoria“! (lacht)

Wie legt ihr fest, welche Songs bei einem Auftritt gespielt werden?

In erster Linie achten wir darauf, dass die Mischung stimmt: Schnelle und langsame sowie neue und alte Songs müssen sich z. B. im gesunden Maße abwechseln. Des Weiteren könnten wir ein Stück wie „Night Witches“ aufgrund seiner Höhen nicht direkt am An­fang spielen, da meine Stimme dann noch nicht richtig warm ist. Wichtig ist auch, dass wir keine drei Stücke hintereinander spielen, bei denen man rumspringen kann – dann wäre es kein Konzert mehr sondern eine Sportstunde. (lacht)

Der orchestrale Sound kommt bei euren Gigs vom Band – warum?

Bei einigen Liedern ist es so, dass ein einzel­nes Keyboard niemals den Sound so bom­bastisch wiedergeben könnte, wie er auf CD zu hören ist. Bei unseren Auftritten ist alles auf die Sekunde genau geplant: Die Pyro­technik läuft über einen Timer und stimmt sich mit dem orchestralen Sound ab – da darf man sich keinen Fehler erlauben.

Von welchen Künstlern konntet ihr am meisten lernen?

Wenn es um organisatorisches Talent geht von Iron Maiden. Wir supporteten Bruce & Co. 2013 auf ihrer Stadion-Tour durch Euro­pa – die jahrzehntelange Erfahrung merkt man den Jungs deutlich an! Was den Gesang angeht, konnte ich am meisten von Bob Catley (Magnum) lernen – er brachte mir bei, wie ich selbst mit einer Erkältung klar singen kann. Und wenn es um Bühnenprä­senz geht, nehme ich mir ganz klar Dee Snider (Twisted Sister) als Vorbild – der Kerl ist eine absolute Rampensau! (lacht)

Wie fühlt es sich an, eine der erfolg­reichsten Metal-Bands der Welt zu sein?

Es fällt uns schwer zu realisieren, was wir bisher schon geschafft haben … Wir sind nahezu täglich unterwegs – entweder spielen wir Konzerte oder arbeiten an neuem Ma­terial. Da bleibt kaum Zeit, um die Gescheh­nisse zu reflektieren … Als ich 2013 nach einer langen Tour nach Hause kam, sagte ein Freund zu mir, dass wir ein großartiges Jahr gehabt hätten, da wir ja u. a. mit Iron Maiden und den Scorpions unterwegs gewe­sen sind … Da ist mir das alles erstmals bewusst geworden.

Welche Musik hört ihr privat?

Wenn wir auf Tour sind, lassen wir es bei Rainbow, Deep Purple, Dire Straits, ABBA oder Twisted Sister gern etwas ruhiger an­gehen! (lacht)

Justine Stock

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