Sven Rosé – Verrückter Vogel mit Herz

9. Februar 2017

Er malt bunt, lebendig und vor allem: mit dem Herzen. Das darf man genau so verstehen, denn der Hamburger Künstler und Straßen­händler leidet unter einer psychischen Er­krankung. Wenn Sven malt, kann er gedank­lich abschalten und legt den Fokus auf sein Innerstes. Aktuell stellt Sven Rosé neue Wer­ke unter dem Titel „Crazy Birds“ im Eppen­dorfer Café Hegeperle aus (bis 03.03., Mi-So, 11-18 Uhr, Hegestr. 68), wo OXMOX den Künstler zum Frühstück traf …

Am liebsten male ich die Augen“, wenn der 49-Jährige von seiner Leidenschaft spricht, leuchten nicht nur die seiner Tiermotive. Letz­tere machen einen Großteil der Werke aus und das schon seit seinen Anfängen im Rahmen ei­ner Maltherapie. Zu Beginn der 2000er starte­te Sven, Tiere mit Wachsmalstiften zu zeich­nen. Dabei ist ihm wichtig, dass man die je­weiligen Wesen auch klar erkennt. Weil diese Motive so gut ankamen, blieb Rosé bei Koala, Kakadu und Co. Heute malt der St. Paulianer an einem großen Tisch bei sich zuhause, im betreuten Wohnen. Der 80%-Schwerbehinder­te leidet an einer psychischen Erkrankung, die sich u. a. durch starke Konzentrationsschwier­igkeiten bemerkbar macht. Das Malen hilft ihm, damit umzugehen. Seine Kunst gibt ihm eine Aufgabe, der er nachgehen kann und „die Möglichkeit, den Menschen ein Stück Liebe zu geben und selbst Anerkennung zu finden“.

Fragt man Rosé, woher die Idee zu den neuen „Crazy Birds“ kommt, schmunzelt er und antwortet, dass er ja selbst ein bisschen crazy sei. Neue Ideen hat der kreative Kopf ständig: So gab es z. B. schon eine Rosa-Edition oder Bilder auf Aluminium-Untergrund. Was die Basis seiner Werke angeht, ist er unkonventio­nell – aus Dingen, die andere wegwerfen, wird unter seinen Händen Kunst. Hauptsächlich be­malt er alte Obstkisten und Kaffeesäcke aus Jute. Dies gibt dem Ganzen, neben dem Re­cycling Aspekt, einen gewissen Charme und eine gesunde Portion norddeutsches Flair. Ro­sé, selbst Wahlhamburger, malt neben Tiermo­tiven außerdem maritimes wie Leuchttürme und Schiffe. Die Hansestadt hat es ihm ange­tan. So hat er vor kurzem begonnen, selbst ge­knipste Bilder vom Hafen und St. Pauli, um­rahmt von Rettungsringen, auf ausgediente Schallplatten zu drucken. „Ich hatte vorher noch nie einen Fotoapparat in der Hand und habe einfach drauflosgeknipst …“

Das Leben in der Hansestadt bedeutet für Sven auch Straßenhandel. Erfahrung auf die­sem Gebiet hat der gebürtige Wilhelmshavener einige, denn in seiner Jugend war Rosé deutschlandweit als fliegender Händler unterwegs. Später zog es ihn, um der Wehrpflicht zu entgehen, nach Berlin. Dort hatte er eines Tages eine merkwürdige Eingebung: Er marschierte von West- nach Ostberlin über die Grenze. „Ich fühlte mich, als würde Raumschiff En­terprise mich hochbeamen wollen.“ Rosé grinst, als wenig später ein Alien-Klingelton aus seiner Manteltasche ertönt. „Ich glaube, ich wurde dann im Osten einer Gehirnwä­sche unterzogen“. Er findet sich über Bahn­gleise kletternd auf dem Weg zurück nach Westberlin wieder. Von der Polizei aufge­griffen, blieb ihm die Wahl zwischen Ge­fängnis und Psychiatrie. Er verbrachte drei schreckliche Jahre in einer ostdeutschen Psychiatrie. Danach verschlug es ihn ins betreute Wohnen nach Hamburg St. Pauli, wo ihn sein Schicksal zur Kunst führte.

Und seine Werke produziert er nicht nur, er vermarktet sie auch selbst. Einen echten Rosé bekommt man schon ab 20-30 €, grö­ßere Exemplare kosten um die 80 €. Mittler­weile hat Sven einen Online-Shop, eigene Flyer, eine Facebook-Seite und verkauft seine Kunst weiterhin auf der Straße und auf Flohmärkten. „Crazy Birds“ ist nicht seine erste Ausstellung, dennoch würde der ehrgeizige Maler seine Werke gern noch mehr öffentlich präsentieren. „Mein Ziel ist es, einen Fuß in Galerien zu bekommen.“ Mit seinen originellen Zeichnungen und seiner zielstrebigen Art geht es für den Hamburger Paradiesvogel immer weiter, in eine rosige Zukunft …

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