REVIEWS DER WOCHE

12. Dezember 2017

Nasty + Lionheart, 30.11., Knust
Hardcore ist, wenn Lionheart und Nasty die Bühne betreten. So schleuderten im Knust die Gliedmaßen nur so durch die Luft, hangelten sich die Fans an den Traversen rum und schmissen sich Körper von der Bühne in die Menge. Das ist immer großes Kino. Klare Ansagen, deutliche Texte, Beatdowns und Tattoos und Tunnel soweit das Auge reicht. Das Knust war rappelvoll und keiner ging enttäuscht nach Hause. Super, dass sich Lionheart zu einer Reunion entschlossen haben.
T. Guner

Guano Apes, 21.10., Grosse Freiheit 36
Zu Beginn des Konzert gleicht die Bühne einem kleinen Raum mit Stickern und Graffiti an den Wänden. Die Frontsängerin Sandra Nasic (41) sitzt lässig in einem Sessel und erzählt von der Anfangsgeschichte der Band, die sich in Göttingen gegründet hat. Die kleine, dem Proberaum nachempfundene Bühne verändert sich nach den ersten Songs zu einer großen Stage. Viele alte Hits wie “Rain“, “Open Your Eyes” oder “Big in Japan” hörten sich leicht aufgepeppt an, verloren dadurch jedoch nicht an Charme. Mit der Coverversion “Precious” von Depeche Mode zeigt die Band ihr vielseitiges Talent. Weniger gelungen präsentierte sich das Cover des Hip-Hop Klassikers “Lose Yourself” von Eminem. Vielleicht kam dies einfach zu überraschend. Nichtsdestotrotz: die Guano Apes rocken, und das auch noch nach zwanzig Jahren!
M. Blandon

King Krule, 03.12., Uebel & Gefährlich
King Krule
– Einer der vielen Namen, in denen der 23-jährige Londoner Archy Marshalls seit seiner frühen Jugend Zuflucht sucht, um an aufregenden Musikprojekten herumzubasteln, die irgendwo auf dem unwirklichen Grad zwischen Jazz, Hip-Hop, Punk, Dub und Pop spazieren gehen. 
King Krule ist Marshalls größtes Projekt, mit dem er uns im Herbst dieses Jahres ein neues Album bescherte: The OOZ. Ein Album, noch depressiver, introvertierter und experimenteller als sein Vorgänger. Doch wer jetzt denkt, dass King Krules Musik live gar nicht funktionieren kann, liegt falsch! Er nimmt ein paar gute Musiker zur Hand, stellt das Schlagzeug in den Vordergrund und kürzt ruhige, jazzig-experimentelle Parts weg oder macht sie mit auffälligen und gut platzierten Bläsereinsätzen interessant. Mit diesen Zutaten gestaltet King Krule den Abend zu einem furiosen Akt, der in den vorderen Reihen des ausverkaufen Übel & Gefährlich zum Tanzen und Pogen veranlasst. Grandios! Und dann Krules unglaubliches Erscheinungsbild: Mit seinem fragilen, schlaksigen Körper, der Gitarre in der Hand und der Lippe am Mikro, durchführt er einen willkürlichen, wilden Tanz, gespickt von ruckartigen und zuckenden Bewegungen, die an den Konsum von Drogen erinnern. Nicht zu vergessen seine einzigartige Stimme! Diese raue, jauchzende Stimme, mit der er regelmäßig in leidendes und wütendes Geschrei ausbricht. Da vergisst man glatt die eher chaotische Vorband Horsey, die zwar mit ein paar schönen Passagen glänzt, aber eher mit dem Prädikat „anstrengend“ zu versehen ist. Eingeheizt wird von Krule mit „Has This Hit?“ und „Dum Surfer“, die den punkigen Takt des Konzertes vorgeben, wobei in der Mitte des Gigs vor allem sein Song „The Ooz“ auffällt, der anders als die anderen Lieder in die Länge gezogen ist und mit einem virtuosen Klarinettensolo endet. Der Knaller jedoch ist der vermeidlich letzte Song, Easy Easy“, den King Krule so mitreißend in das Mikro schreit, dass es einem die Augenbraue gen Stirn reißt und die Beine zur Bewegung zwingt. Nach zwei weiteren Songs als Zugabe, unter anderem „Out Getting Ribs“, endet die Show in einem wütenden Zusammenspiel, das ruckartig von King Krule unterbrochen wird, indem er mit voller Wucht seine Gitarre auf den Boden wirft – ganz so, als würde er eine überflüssige Last abschütteln. Daraufhin verschwindet er in der nebligen, kurz rot aufleuchtenden Dunkelheit, untermalt von tosendem Jubel.
B. Böhner

Weitere Reviews gibt’s hier.


 

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