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GEORGE R. ROMERO

"Zombies wären keine guten Banker"
Er ist der Ur-Vater der Zombies. Anno ’68 schockierte George Romero die Welt mit seiner „Nacht der lebenden Toten“. Zehn Jahre später folgte „Zombie – Dawn of the Dead“, fast eben so lange dauerte es bis „Zombie 2“ in die Kinos kam. Nach zwanzig Jahren Gruselpause feierte der Kultfilmer mit „Land of the Dead“ und Dennis Hopper ein Comeback. Mit seinem jüngsten Zombie-Streich „Survival of the Dead“ war er sogar auf dem Festival von Venedig. Mit dem 70jährigen Regisseur unterhielt sich OXMOX-Mitarbeiter Dieter Oßwald.
Mr. Romero, anders als in jüngeren Zombie-Varianten wie „Dawn of the Dead“ oder „28 Days later“ sind Ihre Untoten noch immer auffallend langsam, fast gemütlich unterwegs – weshalb?
Romero: Meine Zombies sind ja auch schon tot – ganz im Unterschied zu „28 Days later“. Und von „Dawn of the Dead“, dem Remake meines „Zombie“-Films halte ich nicht besonders viel…(lacht)
Mit welchen Anweisungen mutiert ein Darsteller am besten zum Zombies?
Romero: Am besten gibt man gar keine Anweisungen. Wenn ich als Regisseur nur einmal eine Geste vorgebe, werden alle genau diese Geste ständig nachmachen. Mir ist es lieber, wenn jeder seine eigenen Ideen umsetzt. Das macht mehr Spaß und die Leute sind wirklich sehr einfallsreich, wenn es um das richtige Verhalten eines Zombies geht. Wenngleich manche bisweilen übertreiben, sind die Ergebnisse echt überraschend.
Manche Zombies benötigen mittlerweile überhaupt keinen Romero mehr für ihren Einsatz…
Romero: Allerdings! (lacht). In etlichen Städten gibt es schon solche Zombie-Paraden von Fans. In Toronto kamen über 3.000 Leute als Zombies zusammen und marschierten verkleidet durch die Straßen. Ich finde dieses Phänomen unglaublich und ich habe gar keine richtige Erklärung dafür. Es ist ein bisschen wie Halloween, wo Leute sich gerne verkleiden und Schabernack machen.
Haben Sie sich an Halloween schon einmal als Zombie verkleidet?
Romero: Nein, ich habe mich noch nie verkleidet. Zum einen bin ich nicht der Typ dafür, zum anderen habe ich gerade an Halloween häufig Verpflichtungen zu Auftritten.
Sie wurden streng katholisch erzogen, hat dieser Hintergrund etwas mit Ihren Zombies zu tun?
Romero: Ich glaube nicht, dass es da Zusammenhänge gibt. Bei meiner Erziehung haben Comics eine sehr viel größere Rolle gespielt als die Religion, die ich nie wirklich ernst genommen habe. Ich mochte das Horror-Genre schon immer, weil es so wunderbare Möglichkeiten bieten. Leider hat das Horror-Genre längst nicht die Anerkennung, die es verdient.
Immerhin waren Sie mit „Survival of the Dead“ auf dem ehrwürdigen Festival von Venedig…
Romero: Auch da haben etliche Leute die Nase gerümpft und gemeint, dass ein Romero einfach nicht nach Venedig passt. (lacht) Aber für mich war diese Einladung eine große Ehre und ich hatte eine sehr angenehme Zeit dort.
Es gibt wissenschaftliche Arbeiten über Ihre Untoten und fleißige Interpretationen über deren Bedeutung – wie wichtig sollte man nach Ihrer Meinung die Zombies denn nehmen?
Romero: Ich finde es für jeden Film wichtig, dass ein Regisseur seine Meinung ausdrückt - ein bisschen Gesellschaftskritik kann dabei nicht schaden. In einigen Fällen sind meine Filme allerdings schon überinterpretiert worden. Manche Analysen klingen so ernsthaft, dass man offensichtlich ganz vergaß, dass Kino auch Spaß machen soll. Unterhaltung und politische Satire schließen sich schließlich nicht aus.
Wie sehen Sie selbst Zombies als Botschaftsträger?
Romero: Für mich waren Zombies immer eine Metapher. In den späten 60er Jahren hatten alle die Hoffnung, dass sich die Welt zum Guten verändert - da haben sich viele getäuscht. Für mich sind Zombies eine Art Revolution, eine Macht von außen. Meine Geschichten handeln von Figuren, die gar nicht wahrnehmen, wie sehr sich ihre Umwelt verändert. Erst die Zombies zwingen sie aus dieser Trägheit. Mir waren meine Zombies immer sympathisch. Schon deshalb, weil sie nie lügen.
Was macht den perfekten Horrorfilm? Bekommen Sie bisweilen selbst Gänsehaut im Kino?
Romero: Als Kind hatte ich durchaus Angst im Kino, vor allem an „Das Ding aus einer anderen Welt“ von Christian Nyby erinnere ich mich noch gut. Auch die berühmten Monsterfilme von „Frankenstein“ bis „Dracula“ haben mich als Teenager im Kino ziemlich erschreckt.
Was halten Sie von der Theorie, dass Horrorfilme die besten Filme für ein Date sind?
Romero: Ich weiß nicht. Als Katholik hatte ich damals nicht viel damit zu tun. (lacht) Außerdem gab es in der Bronx, wo ich aufwuchs, überhaupt nicht die Gelegenheiten dazu, Autokinos waren Fehlanzeige. Meine frühen Kinoerfahrungen waren Filmpaläste mit reservierten Plätzen und Zuschauern, die sich für diesen besonderen Anlass feierlich gekleidet haben. Dieses Event-Erlebnis gibt es heute nicht mehr.
Frauen sind beliebte Opfer im Horrorfilm, warum werden die so selten von Frauen inszeniert?
Romero: Dafür habe ich auch keine Erklärung. Vermutlich liegt es am grundlegenden Unterschied der Geschlechter. Mädchen werden schon früh in Richtung romantisch und gefühlvoll erzogen – aber das ist nur eine spontane These, darüber müsste man sich einmal gründlichere Gedanken machen.
Dies ist Ihr sechster Zombie-Streich – hätten Sie Angst vor einer romantischen Komödie?
Romero: Ich hätte überhaupt keine Angst vor einer Komödie und würde das auf alle Fälle gerne einmal ausprobieren. Allerdings dürfte das wohl an der Finanzierung scheitern, kein Mensch würde mir Geld für eine Komödie geben. Die Romero-Komödie wird es also nie geben.
Hier verbinden Sie den Horrorfilm mit dem Western – wie wäre es einmal mit Zombies in der Wallstreet?
Romero: Über einen Zombiefilm und die Wirtschaftskrise habe ich mich tatsächlich neulich erst unterhalten. Aber dazu müssten sich die Zombies sehr viel weiter entwickeln. Sie müssten Buchhalter und Banker werden – und ich glaube, Zombies sind nicht besonders gut im Umgang mit Bleistiften und sie wären keine guten Banker.
Was halten Sie von der Idee, Zombies in 3-D?
Romero: Das würde mir gut gefallen. Mein Ex-Partner Richard Rubinstein arbeitet ja gerade an einer 3-D Version von „Dawn of the Dead“, ich weiß allerdings nicht, was daraus wird. Mit der heutigen Technologie kann man alte Filme ja gut in 3-D Versionen verwandeln.
Wie weit sind die Zombies Ihre Altersversorgung?
Romero: Überhaupt nicht. Die Rechte gehören anderen Leuten, ich verdiene bei Wiederaufführungen gar nichts. Bei der „Nacht der lebenden Toten“ hatten wir zudem einen dummen Fehler beim Copyright gemacht. Unser Titel hieß ursprünglich „Night of the Flesh-Eaters“, an diesem Schriftzug hatten wir das ©-Zeichen angebracht. Später wurde daraus „Night of the Living Dead“ – und da fehlt dieses ©-Logo am Titel.
Kreativ könnten Sie immerhin zufrieden sein mit Ihrer Karriere als Horror-Hohepriester?
Romero: Abgesehen von einigen Stephen King-Vorlagen, konnte ich fast immer meine eigenen Stoffe entwickeln und umsetzen. Für mich ist das fantastisch. Ich bin kein Hollywood-Typ, ich lebe bescheiden und mache lieber meine 2 Dollar-Filme als mit astronomischen Budgets zu drehen.
Bescheren Ihnen die Zombies bisweilen Albträume?
Romero: Nein, Albträume mit Zombies hatte ich noch nie – dazu kenne ich die Typen schließlich zu gut!
Dieter Oßwald

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