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OXMOX EXKLUSIV: JASON REITMAN



"Ich bin ein ziemlich kontroverser Typ"

Sein Vater Ivan Reitman wurde mit „Ghostbusters“ und Schwarzenegger-Komödien populär. Der erste Comedy-Versuch von Sohn Jason fiel gleichfalls erfolgreich aus: Die Raucher-Satire „Thank You For Smoking“ geriet zum Volltreffer bei Presse und Publikum. Noch populärer fiel „Juno“ aus, eine freche Komödie, die 230 Millionen Dollar Einnahmen und vier Oscar-Nominierungen verbuchte. Nun der dritte Streich, und wieder ein heißer Oscar-Favorit. In „Up in the Air“ gibt George Clooney einen eiskalten Geschäftsmann, der die Liebe entdeckt. Mit dem 34jährigen kanadischen Regisseur sprach OXMOX-Mitarbeiter Dieter Oßwald.

Mr. Reitman, Ihr Hauptdarsteller George Clooney gilt als der perfekte Hollywood-Liebling - könnten Sie zur Abwechslung einmal wenigstens ein bisschen an seinem Lack kratzen?
Reitman: Klatsch gibt es von mir garantiert nicht zu hören. Aber: Niemand ist perfekt – das gilt natürlich auch für George. (lacht)
Wobei ist Clooney nicht perfekt?
Reitman: Na gut: Das Schlimmste an Clooney ist, dass man sich bei ihm ganz einfach unterlegen fühlt - allerdings tut er alles dafür, dass sich wirklich jeder in seiner Umgebung wohl fühlen kann. Ich verrate nun auch gleich das Beste an Clooney: Er ist ein Schauspieler, der wie ein Regisseur denkt. Er hilft dir immer genau das zu bekommen, was du möchtest.
Sie haben schon das Thema Rauchen behandelt, diesmal geht es  um  Arbeitslosigkeit. Das sind nicht gerade typische Themen der Traumfabrik. Sind Sie der Außenseiter von Hollywood?
Reitman: „Außenseiter“ steht zwar nicht auf meiner Visitenkarte, aber ich bin schon ein ziemlich kontroverser Typ. Für mich sind solche Themen aus dem realen Leben sehr spannend. In „Smoking“ gibt es einen Dialog, der auch für mich als Regisseur als Motto gilt: ‚Für das Rote Kreuz zu arbeiten ist einfach. Die große Herausforderung ist ein Job als Lobbyist der Tabakindustrie.’
Neben Superstar Clooney engagierten Sie auch Laien – aus welchem Grund?
Reitman: Wir haben für die Entlassungsszenen per Inserat echte Arbeitslose gesucht, denen es ähnlich erging. Diese Wahrhaftigkeit war mir für diese Szenen sehr wichtig. Nur wer dieses Schicksal am eigenen Leib erlebt hat, kann es derart eindrucksvoll und realistisch darstellen. Man liest täglich über Entlassungen, aber das sind immer nur Zahlen. Man vergisst, dass sich dahinter Menschen und ihre Schicksale verbergen. Ich bin stolz, dass wir diesen Zahlen ein Gesicht verleihen.
Haben Sie nicht auch schon selbst einmal jemanden entlassen?
Reitman: Das stimmt, ich habe bei einem Werbefilm einmal ein siebenjähriges Mädchen gefeuert – aber nur, weil sie einen schlechten Einfluss auf die anderen Kinder hatte.
Ähnlich untypisch wie die Arbeitslosen ist das Fehlen von einem Happy End…
Reitman: Für mich hat der Film durchaus ein Happy End – ich gebe allerdings zu, dass diese Haltung von der Sichtweise des Betrachters abhängt. Das Ende spiegelt den Zuschauer wider: Die einen finden den Schluss sehr hoffnungsvoll, die anderen nur pessimistisch. Aber solche gemischten Reaktionen auf meine Filme gefallen mir ganz besonders gut.
Ihr Held Ryan ist komplett vernetzt, dennoch wirkt er etwas einsam… 
Reitman: Dank Handy, Twitter und SMS hat es den Anschein, als hätten wir mehr Kontakt zu anderen Menschen als je zuvor. Tatsächlich ist es so, dass sich die Menschen nicht mehr in die Augen sehen, wir haben weniger richtige Beziehungen als früher. Ryans Leben in den Flughäfen sehe ich als Metapher dafür. Für mich ist das die Geschichte eines Mannes, der damit umgehen muss, dass er zwar glaubt, sein Leben sei komplett, dabei aber etwas Wichtiges völlig ignoriert, nämlich die Verantwortung, Teil eines größeren Ganzen zu sein.
Haben Sie diese Kritik moderner Kommunikation Ihren über 15.000 Followern auch so getwittert?
Reitman: Zugegeben: Auch ich schreibe bisweilen nur Quatsch und Banalitäten auf Twitter. Wenn ich an einem Projekt arbeite, benutze ich dieses Medium allerdings dafür, anderen Filmemachern mit meinen Erfahrungen weiter zu helfen und sie zu ermutigen. Und sei es nur mit der Mitteilung, wie sich ein scheinbar großes Problem ganz einfach hat lösen lassen.
Luis Bunuel sagte einmal, Musik im Film wäre Betrug – was sagen Sie?
Reitman: Für mich ist der Soundtrack die Seele des Films. Ich mache mir sehr früh Gedanken über die Musik. Schon während der Arbeit am Drehbuch lege ich eine Songliste auf iTunes an mit all den Liedern, die für mich in Frage kommen. Schließlich entschied ich mich für zehn Lieder, die für sich genommen bereits sehr viel über den Film erzählen.
Auf den Festivals wurde Ihr Film einmal mehr von Publikum und Presse bejubelt – wird so viel Zuneigung nicht langsam zur Last?
Reitman: Für mich ist jeder Film nach wie vor ein Kampf, da kann etwas Zuneigung wirklich nicht schaden. (lacht)
Dieter Oßwald

 


 



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