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KLITSCHKO-BRÜDER

Foto: Majestic/Oliver Mark

Ihre Mutter erzählt im Film, dass sie immer Angst habe, wenn Sie in den Ring steigen. Wie geht es Ihnen? Wie groß ist die Angst des Boxers vor Schlägen und Schmerzen?
Wladimir Klitschko: ‚Angst‘ ist für mich eine falsche Beschreibung für das Gefühl, ich würde lieber sagen Sorgen und Nervosität. Es geht zum Beispiel um Fragen, ob man sich körperlich ausreichend fit gemacht hat. Und ob man mental richtig vorbereitet und dem Gegner gewachsen ist. Dieses Gefühl der Nervosität macht zugleich sehr wach und motiviert dich unglaublich.

Copyright: Majestic
Wenn Sie im Film das blutende Auge in Großaufnahme sehen, tut das beim Anschauen nicht nochmals weh?
Vitali Klitschko: Wenn man im Kampf steht, achtet man nicht auf Verletzungen, man konzentriert sich voll und ganz auf den Erfolg. Angst vor Schmerzen gibt es nicht. Man spürt auch den Schmerz nicht, weil man so viel Adrenalin im Blut hat. Als ich mir die Bilder später angeschaut habe, dachte ich natürlich schon: ‚Wow, das sieht schrecklich aus.’
Im Film erzählt Ihr Vater, wie er als Soldat in Tschernobyl verstrahlt wurde. Sie selbst haben in der Kaserne in dem versuchten Wasser gespielt, mit dem die Einsatzfahrzeuge aus Tschernobyl gewaschen wurde – wie ist Ihre Haltung zur Atomkraft?
Vitali Klitschko: Ob und wie stark das Wasser verstrahlt war, weiß ich nicht, das hat damals niemand gemessen. Das Heimtückische an dieser Strahlung ist ja, dass der Mensch sie nicht wahrnehmen kann.
Wladimir Klitschko: Atomkraft ist eine Medaille mit zwei Seiten. Die Weltwirtschaft benötigt Elektrizität, mit alternativer Energie kann der Bedarf im Moment noch nicht gedeckt werden. Langfristig muss Atomkraft definitiv abgeschafft werden. Aber kurzfristig sehe ich leider keinen sofortigen Ersatz für die Atomenergie. Die Ereignisse von Japan führen hoffentlich dazu, dass die Menschheit jetzt intensiv über den Einsatz von alternativer Energie nachdenkt.

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Angeblich kennen 99 Prozent der Deutschen Ihren Namen, haben Sie Ihren Namen als Markenzeichen eingetragen?
Vitali Klitschko: Klar, Klitschko ist als Marke geschützt! (lacht)

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Woher rührt diese enorme Popularität? Boxer als Popstars waren früher eher die Ausnahme?
Wladimir Klitschko: Darauf habe ich selber keine eindeutige Antwort. Ein Teil des Erfolges liegt sicher auch darin begründet, dass wir uns als Ausländer in diesem Land integriert haben. Wir fühlen uns in Deutschland zu Hause. Wir haben die Sprache gelernt, wenngleich wir noch lange kein perfektes Deutsch sprechen.
Vitali Klitschko: Neben dem rein sportlichen Erfolg gibt es eben noch viel mehr, was die Popularität ausmacht. Zu Zeiten von Mohammed Ali wurde der Ausdruck ‚Peoples Champion’ geprägt. Vergleichbar sagt in dem Film der Kommentator nach dem Lewis-Kampf: ‚Klitschko hat den Kampf verloren, aber das Event gewonnen.’

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Wird dieser Ruhm bisweilen nicht zum Fluch?
Vitali Klitschko: Irgendwann hat Wladimir mich angerufen und gesagt: ‚Es ist der Wahnsinn! Ich kann mich überhaupt nicht mehr bewegen, ohne sofort erkannt zu werden.’ Und er fügte hinzu: ‚Deutschland liebt uns wirklich.’
Unlängst haben Sie bei „Ein Herz für Kinder“ eine dreiviertel Million Euro gespendet – solche Summen kommen auch bei Champions kaum aus der Portokasse. Welche Bedeutung hat soziales Engagement für Sie?
Wladimir Klitschko: Die Summe teilt sich durch zwei, das macht den Betrag etwas erträglicher. (lacht) Aber ehrlich, wir glauben, dass ‚Ein Herz für Kinder’ ein ideales Projekt für uns ist. Es ist nachhaltig, es ist glaubwürdig und es lindert die Not der schwächsten Glieder einer Gesellschaft: der Kinder.
Sie beherrschen das Spiel mit den Medien wie nur wenige Sportler. Wie authentisch ist die Bruder-Liebe, die man auf der Leinwand sieht?
Vitali Klitschko: Wir spielen in diesem Film kein Image vor, sondern wir sind so wie wir sind. Es würde sich sicher besser verkaufen, wenn man einen Streit zwischen uns suchen würde. Aber das wäre vergeblich, denn dieses Drama gibt es bei uns einfach nicht: Wir ziehen beide am selben Strang. Wir sind ein Team, das sich gegenseitig unterstützt und gemeinsam eine Karriere meistert.

Foto: Majestic/Oliver Mark
Wir groß war die Freiheit des Regisseurs, welche Dinge waren für Sie tabu? Wladimirs Freundin ist beispielsweise kaum im Bild…
Vitali Klitschko: Ich habe festgestellt, dass ich im Film meine Frau gar nicht küsse, aber Waldimirs Freundin küsse ich dafür zigmal…
Wladimir Klitschko: Wo? Wann?
Vitali Klitschko: Na im Film, hast du das nicht gesehen, wie ich Hayden nach dem Kampf küsse?
Wladimir Klitschko: Wirklich? Das habe ich nicht bemerkt! Für den Regisseur war es keine leichte Aufgabe, aus der ersten Version von mehr als drei Stunden Material einen Film zu schaffen, in dem der rote Faden nicht verloren geht, der eine Struktur bekommt und spannend bleibt.
( Dieter Oßwald )

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