Lupe
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DER TISCH-KNIGGE
BENIMM IST WIEDER IN!

Nicht erst seit Adolf Freiherr von Knigges 1788 erschienenem, gesell­schaftsethischem Traktat nimmt gute Etikette einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft ein - heutzutage mehr denn je! Doch was ist nun eigentlich erlaubt, und was nicht? Und wer hat schon Zeit und Lust, trockene Bücher über gute Manieren zu wälzen? Wir nicht, deshalb gibt es hier die kompakte Hilfestellung für gutes Benehmen von A bis Z:

Just-In-Time
Nicht nur für die Deutsche Bahn ist 2004 „Das Jahr der Pünktlichkeit“. Auch zu einer Einladung zum Essen sollte der Gast immer rechtzeitig erscheinen. Ist allerdings vorhersehbar, dass der vereinbarte Zeitpunkt nicht eingehalten werden kann, ist es Pflicht, den Gastgeber frühzeitig darüber zu informieren. Wird der Gast zu einem warmen Essen eingeladen, so muss er auf die Minute pünktlich sein. Bei einer Abendeinladung kann man bis zu einer Viertelstunde, dem so genannten akademischen Viertel, früher oder später erscheinen. Bei Cocktailpartys legt der Gastgeber eine Anfangszeit fest, die aber für das Erscheinen der Gäste keineswegs bindend ist.


Ladies first?
Wenn die Dame zum Essen eingeladen, bereits einen Tisch bestellt hat oder das Restaurant gut kennt, ist es völlig normal, wenn sie vorangeht. Führt ein Mitarbeiter des Hauses die Gäste zum Tisch, so geht die Frau immer vor ihrem Begleiter. Und, viele Damen wissen es zu schätzen, wenn „Mann“ ihnen die Tür zum Restaurant aufhält.


An der Garderobe...
Bevor am Tisch Platz genommen wird, hilft der Mann zuerst seiner Begleiterin aus dem Mantel und bringt ihn zur Garderobe, wo er auch seinen eigenen ablegt. Vor dem Verlassen des Restaurants geht es in umgekehrter Reihenfolge: Der Mann zieht seinen Mantel an und geht mit dem der Begleitung zum Tisch zurück und hilft ihr dort hinein.


Der Tisch...
...wird von einem guten Gastgeber im ausgewählten Restaurant vorbestellt. Dabei ist es ratsam, Details wie einen Fensterplatz, Nichtraucherbereich usw. vorher abzuklären.


Haltung bewahren!
Eine der wichtigsten Voraussetzungen bei Tisch ist die richtige Sitzhaltung: Man sollte aufrecht, entspannt und etwa eine Handbreit vom Tisch sitzen. Die Arme werden während des Essens an den Körper angelehnt. Die Hände sind nur bis zu den Handgelenken auf den Tisch zu legen und können mit den Unterarmen (keinesfalls mit den Ellenbogen!) abgestützt werden. Wenn man die Sitzfläche des Stuhls vollständig ausnutzt und die Füße nebeneinander auf den Boden stellt, lässt sich auch ein mehrgängiges Menü locker überstehen!


Sekt oder Selters?
Bei einer Einladung kann es vorkommen, dass der Gastgeber Ratschläge bezüglich der Auswahl der Speisen gibt. Diese Hinweise können nicht nur gute Tipps sein, sondern auch Rückschlüsse darauf geben, wie viel er bereit ist, auszugeben. Beim Aufgeben der Bestellung kann Frau dem Ober durchaus selber sagen, welches Menü sie wünscht. Auch die Weinbestellung ist nicht länger ein Privileg der Männer.


Von außen nach innen
Das Messer wird immer in der rechten Hand gehalten, dies gilt auch für Linkshänder. Gabel und Löffel sollten so geführt werden, dass sie eine waagerechte Linie einhalten. Wichtig: Gabel oder Löffel werden immer zum Mund geführt, nicht umgekehrt! Beim Reichen der Getränke ist das Besteck ordentlich auf dem Teller abzulegen, d.h. es sollte nicht in die Speisen stechen. Stattdessen ist die Messerspitze in die Gabelmulde zu legen. Darüber hinaus gibt es folgende Bestecksprache: Ein mit den Spitzen gekreuztes Besteck bedeutet, dass der Gast noch nicht fertig ist oder gerne Nachschlag hätte. Liegen Messer und Gabel parallel nebeneinander, bedeutet dies, dass das Essen beendet ist. Die Anordnung rechts unten (fünf vor halb sechs) bedeutet, dass das Essen nicht den Erwartungen entsprach, links unten (fünf nach halb sieben) zeigt an, dass es geschmeckt hat.


Die Serviette...
...wird vor dem Essen zu einem Rechteck gefaltet und auf den Schoß gelegt. Allerdings erst dann, wenn der Gastgeber zu seiner Serviette greift und somit das Essen eröffnet. Nach der Mahlzeit wird die Serviette entgegen ihrem Originalkniff gefaltet und links neben den Teller gelegt. Achtung: Die Serviette auf den leeren Teller oder gar in die Reste legen, ist ein Fauxpas!


Prosit!
Zum ersten Schluck fordert immer derjenige auf, der eingeladen hat. Aperitifs, wie Portwein oder Sherry werden als Appetitanreger gereicht und nicht mehr getrunken, sobald das Essen begonnen hat. Das Glas ist stets am Stiel zu halten, um das Erwärmen des Getränks zu vermeiden. Beim Anstoßen sollte man sich in die Augen sehen, und ein „Zum Wohl“ ist angebracht.


Let`s talk about...
Als Gastgeber hat man die Möglichkeit, die Konversation zu lenken. So sollten Themen über Krankheit, Tod, Politik und Kirche möglichst Tabu bleiben. Dagegen basieren Bereiche wie Sport, Theater, Musik, Sendungen und Hobbys auf breitem Interesse und werden gerne als Gesprächsstoff angenommen.


Alte Bekannte...
Bemerkt man einen Bekannten im selben Lokal, reicht meist ein freundlicher Blickkontakt und ein Nicken mit dem Kopf. Wenn der Bekannte an den Tisch kommt, macht man alle miteinander bekannt. Sitzt man zu zweit oder dritt, stehen die Gäste kurz auf und begrüßen ihn oder sie mit Handschlag. Bei größeren Gesellschaften hingegen reicht es aus, den Namen des Bekannten zu nennen.


Lippenstift und Zigaretten...
Bei Tisch das Make-up aufzufrischen, gehört nicht zum guten Ton. Lediglich die Lippen dürfen nachgezogen werden. Diese sollten allerdings vor dem Trinken mit der Serviette abgetupft werden, da ein roter Abdruck am Glas unschön aussieht. Rauchen ist erst dann erlaubt, wenn alle anderen am Tisch ihr Essen beendet haben. Vorher zu fragen, ob jemand etwas dagegen hat, ist selbstverständlich.


„Nein, danke!“
Sollte etwas mit dem Essen nicht in Ordnung sein, ist eine sofortige Reklamation angebracht. Eine Beanstandung nach dem Essen ist sinnlos. Man sollte seine Beschwerde in ruhigem, angemessenen Ton vortragen und bedenken, dass der Kellner oftmals nicht für das verantwortlich ist, was er serviert.


„Die Rechnung, bitte!“
Mit einem Handzeichen macht man den Ober auf sich aufmerksam. Ist er am Tisch angelangt, folgt ein „Bitte zahlen!“. Neugierig auf die Rechnung zu starren, wenn der Gastgeber am Tisch bezahlt, ist äußerst taktlos. Stilvoller ist es vom Gastgeber, sich einen Moment zu entschuldigen und die Rechnung dann direkt zu bezahlen.


Andere Länder, andere Sitten ...

Frankreich: Auch im Restaurant werden Croissants und Baguettes mit der Hand gebrochen und gegessen. Der Käse muss in Scheiben geschnitten und dann verzehrt werden.

Türkei: Wird bei einer Einladung nach dem Essen ein Kaffee angeboten, sollte man es so verstehen, wie es gedacht ist: als freundliches Zeichen, dass es Zeit ist, aufzubrechen.

USA: Hier gilt es als rüpelhaft, ein Stück Fleisch abzuschneiden und gleich zu essen. Erst wird alles in kleine Stücke geschnitten, dann legt man das Messer zur Seite und isst mit der Gabel weiter. Während des Essens die Hand in den Schoß zu legen, empfinden die Amerikaner nicht als unhöflich.

Holland: Hier ist es üblich, dass man als Begrüßungsgetränk Genever, eine Art Nationalgetränk, gereicht bekommt. Lehnt man das angebotene Glas ab, gilt dies als Verletzung der Gastfreundschaft.

Ägypten: Wenn man in einem arabischen Land auf einem Kissen oder auf dem Boden sitzt, sollte man dies am besten im Schneidersitz tun. Seinem Gegenüber die blanken Fußsohlen entgegenzustrecken, gilt als unhöflich. Auch Ungeduld verstehen viele Araber nicht.

Russland: Hier besteht die Schwierigkeit darin, dass man in einem Restaurant gleichzeitig von einem Getränke- und einem Speisekellner bedient wird. Nur, wer hier energisch und selbstsicher auftritt, wird vom Kellner respektiert. Man sollte daher gleich beim Betreten des Restaurants nach dem Oberkellner verlangen.

Asien: Die Bedienung mag langsam erscheinen, ist jedoch stets höflich. Alle Gänge einer Mahlzeit werden gleichzeitig aufgetragen. 

Thailand: Hier sollte man es vermeiden, sich am Tisch die Nase zu putzen. Die Geräusche gelten als höchst unsittlich.





 




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