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KATZENJAMMER (0911)


Der gestohlene Bruce Springsteen und die Schuhe von Tom Waits

Katzenjammer aus Oslo sind einer der ak­tuell heißesten Live-Acts des Planeten. Egal ob im verschwitzten, engen Club oder auf der riesigen Festivalbühne - Katzenjammers Frauenpower ist unwiderstehlich und ihr Sound zwischen knackigem Pop, Balkan-Folklore und Bluegrass/Country einmalig. Am 09. September erscheint das von ihren in ganz Europa, aber speziell hierzulande immer zahlreicher werdenden Fans sehnsüchtig erwartete, zweite Album „A Kiss Before You Go“. OXMOX sprach exklusiv mit Band­grün­derin Anne-Marit Bergheim über die Entstehung der Band, über ihren einmaligen Stil und über ihre Liebe zu Hamburg…

Die norwegische Band besteht aus vier Mädchen und ist doch alles andere als eine typische Girl-Group. Denn anstatt ein­fach nur gut aussehen, etwas tanzen und viel­leicht bzw. im Idealfalle sogar noch ein wenig singen zu können, handelt es sich bei Anne-Marit, Solveig, Marianne und Tu­rid um lupenreine Musikerinnen. Kombiniert frau all ihre Talente - und das tun die jungen Damen nicht nur auf ihren Platten, sondern speziell auf der Bühne - dann beherrschen sie zusammen locker über 30 verschiedene Ins­tru­mente. Von Gitarre und Schlagzeug über Trompete und Akkordeon bis hin zu weit Exotischerem à la Balalaika, Banjo, Zither, Ukulele oder Melodica ist alles dabei und wird während einer der turbulenten Kat­zen­jammer-Shows fröhlich hin und her ge­tau­scht. Die Damen sind echte Multiinstrumen­ta­listinnen - im wahrsten Sinne des Wortes. Und begnadete Entertainerinnen dazu, die so kreativ sind, dass sie sich auch noch ihre extravagante Bühnenbekleidung selbst schnei­dern.

Gefunden hat sich die Gruppe be­reits vor sechs Jahren, als sich Anne-Marit Bergheim und Solveig Heilo auf einer privaten Musikhochschule ihrer Heimatstadt Oslo trafen. Da sie sich gleich sympathisch waren und offensichtlich das gleiche Hobby hatten, dauerte es nicht lange bis die beiden begannen zusammen zu spielen. Weil sie meist in den Schulräumen probten, standen ihnen schon damals jede Menge der un­ter­schiedlichsten Instrumente zur Verfügung. Bald holte Solveig Marianne Sveen dazu, mit der sie schon seit Grundschultagen be­freundet ist. Wenig später komplettiert Turid Jørgensen, eine weitere Kommilitonin, die bis heute gültige Besetzung.

Natürlich beeinflusst die viel­fäl­tige Ausbildung am Musikinstitut den eigen­ständigen, hochenergetischen Katzenjam­mer-Sound. Aber ebenso die vielfältigen Hörgewohnheiten der jungen Frauen. „Unse­re Musikgeschmäcker sind so unterschiedlich wie unsere Persönlichkeiten“, lacht Anne-Ma­rit. Die Skandinavierin selbst steht beson­ders auf Rockmusik: „Mein erster Lieblings­musiker war Bruce Springsteen“, gesteht sie. Lachend berichtet Bergheim, dass sie als Mädchen ihrem Bruder die „Born In The USA“-Platte gemopst und sie ihm bis heute nicht zurück gegeben hätte. Außerdem mag sie Bands wie Pearl Jam, Coldplay oder Snow Patrol. In den letzten Jahren hat sie dazu eine große Vorliebe für Singer / Song­writerinnen aus dem alternativen Country-Be­reich entwickelt. Künstlerinnen wie Gil­li­an Welch, Dixie Chicks, Alison Kraus oder die großartige Emmylou Harris neh­m­en einen immensen Anteil des Speicher­platz­es auf ihrem iPod ein.

Ihre Kolleginnen stehen auf alles Mögliche von barocker Klassik über Hard­core-Punk, progressivem House und argenti­nisch­em Tango bis zu mongolischer Steppen-Folklore und französischem HipHop. „Das macht es für uns so spannend, miteinander zu musizieren. Wir alle bringen laufend neue Einflüsse, andere Ideen und Ansätze in unse­r­en Stil ein. Wir überraschen uns ständig und befruchten gegenseitig unsere Kreativität und unseren Schaffenswillen.

Einen gemeinsamen Geschmacks­nen­ner hat das Quartett dann aber doch. Denn auf eine bestimmte Handvoll Künstler kön­nen sich die Vier immer einigen, wenn es darum geht welche CDs bei langen Strecken im Player des Tour-Buses laufen sollen. Allesamt lieben sie die Kino-Scores des Amerikaners Danny Elfman („Edward Mit Den Scherenhänden“, „Batman“, „Charlie Und Die Schokoladenfabrik“ etc.) und den legendären Jazz-Gitarristen Django Rein­hardt. Deutlich herauszuhören im Katzen­jam­mer-Sound sind aber vor allem der Ein­fluss des in Sarajewo geborenen Soundtrack-Komponisten („Arizona Dream“, „Die Zeit Der Zigeuner“) und Folklore-Bandleaders Go­ran Bregović sowie des US-Songwriter-Unikums Tom Waits. „Waits ist mein abso­lu­ter Liebling“, schwärmt Anne-Marit. „Er ist einfach der Größte.

Auch wenn Katzenjammer be­reits ausführlich und erfolgreich in den USA gespielt haben, hat Anne-Marit ihren großen Favoriten bisher noch nicht persönlich ge­troffen. Und sie ist sich auch gar nicht sicher, ob sie das überhaupt wollte: „Oh je, ich täte mich wahrscheinlich furchtbar blamieren, weil ich ihm vor Aufregung und Ehrfurcht auf die Schuhe kotzen würde“, lacht sie fröhlich.

Dabei sind Katzenjammer auf dem besten Wege, selbst große Stars zu wer­den. Ihr im letzten Jahr veröffentlichtes De­büt „Le Pop“ schlug hierzulande, bei der Kri­tik ebenso wie beim Publikum, auf Anhieb voll ein. Auch die hiesige Tournee der Da­men war gleich komplett ausverkauft. Ihre bril­lanten Shows hinterließen allerorten rest­los beseelten Fans, die sehnsüchtig auf eine schnelle Rückkehr der Ladys hofften.

Katzenjammer und Deutschland sind offenbar eine Kombination die hervor­ra­gend funktioniert“, freut sich Bergheim. „Wir haben uns sofort in Land und Leute verliebt.“ Besonders angetan hat es Anne-Marit, neben dem „niedlichen Heidelberg“ und der Nürnberger Bratwurst, vor allem un­sere Stadt. „Hamburg hat eine ganz beson­dere Atmosphäre“, gibt sie voller Begeis­terung zu Protokoll. „Durch das viele Wasser im Stadtzentrum ist es meinem geliebten Oslo nicht unähnlich, ist aber doch um einiges größer und hat viel mehr zu bieten. Es herrscht ein Flair, wie in einer der ganz großen Weltstädte. Und doch wirkt Hamburg übersichtlicher und irgendwie gemütlicher, wärmer als beispielsweise New York oder London. Auch die Leute hier waren unglaub­lich nett zu uns. Aber das sind sie überall in eurem Land. Wir können es jedenfalls kaum erwarten zurück zu kommen.

Schon am 31. August hat dieses Warten ein zumindest vorläufiges Ende. Im Rahmen des „Hamburger Kultursommer“ treten Katzenjammer zusammen mit ZAZ und Nneka auf der Trabrennbahn in Bahrenfeld auf, bevor es im November eine ausgedehnte Deutschlandtour geben wird. Am 21. November in der Grossen Freiheit 36!  

Bis dahin sollten sich alle Fans und solches, die es werden wollen, mit dem zweiten Album der Band bestens zu trösten wissen. „A Kiss Before You Go“ enthält elf exzellente, neue Katzenjammer-Songs plus eine wunderbar Coverversion des Genesis-Hits „Land Of Confusion“. Die ist so sympathisch abgefahren, dass sie sogar dem ollen Phil Collins (Tanz-)Beine machen dürfte.                                                 OLIVER KUBE

 

 



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