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KINGDOM COME (0411)
  
Shrimp Cocktails und Rock`n`Roll

 

Es ist weder der Erfolg der frühen Jahre, den Lenny Wolf heraufzubeschwören versucht, noch sind es die Hits seiner langen Karriere: Kingdom Come formierten sich 1982 in Los  Angeles, mit Lenny als einzigem Deutschen im Line-Up (zu dem auch der heutige Scorpions-Schlagzeuger James Kottak gehörte). In seinem Hamburger Two Square Noise Factory-Studio spielte der Sänger und Multi-Instrumentalist für sein neues Album „Rendered Waters“ jetzt acht bekannte und drei neue Songs ein. „Kingdom Come ist meine Berufung“, erklärt er beim Besuch in der OXMOX- Redaktion. „Mit ihr werde ich untergehen oder wieder auferstehen - von ein paar Ausrutschern abgesehen…“

Warum die bekannten Songs nochmal neu aufnehmen?
Ich hatte das Bedürfnis, die Lieder so zu verpacken, dass sie den Hörgewohnheiten - die sich im Laufe der Jahre geändert haben - gerecht werden. Was es nicht einfacher gemacht hat, denn ich hatte eine Vorlage durch die alten Songs. Einen Titel komplett neu aufzunehmen ist leichter. Es war eine Herausforderung, die mir Spaß gemacht hat. Und trotzdem: Ich bin der Weltmeister im Herzschmerz. Die Musik ist mein Leidensweg! Diese acht Songs bedeuten mir emotional sehr viel. Zum Beispiel „Seventeen“, einer der unkommerziellsten Songs überhaupt - kein Radio würde das jemals spielen. Ich habe es gemacht, weil ich Bock drauf hatte. Es gab keinen Masterplan. Da kam keiner, der vom Himmel herabstieg und sagte: „Du musst das jetzt machen!“

Außer den Gitarren hast du wieder alles in Eigenregie eingespielt und produziert.
Ich schäme mich, aber so ist es. Ich habe nie das Glück gehabt, dass ich meinen Match-Partner gefunden habe. Als ich in die Staaten gekommen bin, habe ich mit dem Gitarristen Bruce Gowdy meine erste US-Band Stone Fury („Burns Like A Star“) gegründet. Feiner Kerl, toller Songschreiber - aber er kam aus der Pop-Ecke. Das war gar nicht mein Ding. Im Laufe der Jahre wurde ich zwangsläufig immer selbstständiger. Dazu kommt, dass ich ein kleiner Kontrollfreak bin. Das eigenständige Arbeiten hat auch seine Vorteile - ich kann entspannt Gas geben, oder ich lass die Songs liegen und geh bei mir um die Ecke in der Schanze einen Cappuccino trinken. Ich habe eine feste Band, die mit mir auf Tour geht wenn es so weit ist. Eric Förster spielt die Gitarre, Frank Binke spielt den Bass und hat Nader Rahy als Schlagzeuger vorgeschlagen, der übrigens bei Nena die Gitarre spielt. Nader ist der schwer Tätowierte - aber es ist ja längst kein Geheimnis mehr: Je böser sie aussehen, desto herzlicher sind sie. Ich bin eigentlich das Mega- Arschloch und Nader ist ein ganz Lieber!

Dein Lebensmittelpunkt war jahrelang in Amerika…
Ganz ehrlich: Irgendwann werden die Palmen und die ewige Sonne langweilig. Kopfsteinpflaster und Elbluft haben was. Wenn du hier geboren bist, kommst du irgendwann zurück. Ich fliege immer noch oft in die Staaten. Gerade ist mein kleiner Bruder rüber gezogen - der Professor in der Familie. Es ist immer schön, in L.A. ein paar alte Freunde zu treffen. Als Zap Joseph Danner z.B. in die Staaten gegangen ist, hat er drei Monate bei mir gewohnt. Der Beitrag, den er als Miete geleistet hat, war dass er mir jeden Morgen Spiegelei gemacht hat. Wir hatten eine geile Zeit, waren andauernd unterwegs. 1980 war eine einzige Party! Ich habe so viel gefeiert, dass kannst du dir nicht vorstellen. Es gibt auf dem Sunset Boulevard einen Club, der heißt Rainbow Bar & Grill. Die haben da alle drin gewohnt - Lemmy von Motörhead wohnt da sicher immer noch. Gutes Restaurant - da träumst du von. Mehr geht nicht. Aber eben nur für die Rock’n’Roll-Abteilung. Da habe ich die ersten drei, vier Jahre auch gewohnt. Das war so üblich. Ich hab mich jede Viertelstunde neu verliebt und zwischendurch einen Shrimp-Cocktail gegessen. Das war das Leben! Ich war nie ein Drogen- Typ. Keine Drogen, kaum Alkohol. Mein Ding waren gutes Essen und Mädels. Mittlerweile bin ich ruhiger geworden. Ich definiere mich nicht mehr über Quantität. Ich bin aktuell leidender Single. Wenn ich jetzt jemanden kennenlernen würde und merke der Deckel passt, würde ich mich gerne binden, mich an die Elbe setzen und Enten zählen. Ich bin ein ganz konservativer, langweiliger  Knochen. Ich mache nur zufällig Musik.
www.lennywolf.com



 



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