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NNEKA (0911)

Zuhause zwischen den Welten

Mindestens so energisch wie zierlich sitzt uns die 30-jährige Nneka gegenüber. Die junge Sängerin kam vor mehr als zehn Jahren aus ihrer nigerianischen Heimat nach Hamburg, wo sie in einer Wohngruppe des Kinderheims Altona landete. Heute steht die hübsche Künst­­lerin auf den Bühnen der Welt, und hat neben ihrer künstlerischen auch ihre per­sön­liche Identität gefunden…

 Meine Ankunft in Hamburg war hart. Ich habe kein Wort Deutsch verstanden und hatte keine Verbindung zur westlichen Welt - auch wenn ich eine deutsche Mutter habe.Gebor­en und aufgewachsen ist Nne­ka Egbuna 1980 in der süd-nigerianischen Metropole Warri - der größten Stadt der erd­ölreichen Provinz Delta, deren Einwohner größtenteils ohne Perspektiven und in Armut leben. Nneka, die über einen Abschluss in An­thropologie (Wis­sen­schaft über den Men­schen) verfügt, zieht es  nach Europa - in un­sere Stadt an der Elbe, wo sie bald künst­ler­isch tätig wird. „Damals hatte ich meinen Sound noch nicht ge­fun­den. Ich war ein­fach nicht selbst­bewusst ge­nug, meine Vorstel­lung­en um­­zusetzen. Au­ßer­­dem fehlte mir die Band da­für. Ich habe sogar in der Rubrik „Musiker sucht Gruppeim OXMOX in­se­riert! (lacht) Dann traf ich Farhot, mit dem ich bis heute zusammenarbeite. Damals war er allerdings noch kein Produzent, sondern nur ein DJ, der mit wirklich schlechtem Equ­ip­ment gear­bei­tet hat - wir haben versucht, damit eine Art Mu­sik zu machen…“ Hip Hop-Beats, Reggae-Groo­ves, Bläser-Riffs und Af­ri­­ka-Pop bilden den Soundtrack für Nnekas Texte über Liebe, Schmerz, Politik und Gott. „Für mich ist es wichtig, als Musikerin auch politisch aktiv zu sein - das eine funktioniert ohne das andere nicht! Ich habe versucht, „Schön­wetter-Son­gs“ zu schreiben - oh ja, das ha­be ich! (lacht) Es gibt z.B. einen Titel, der heißt „Love“ und ist seeehr schmalzig! Du würdest ihn nicht mögen, weil man mir nicht abnimmt, was ich da singe - ich glaube es ja selbst nicht. Ich bin von Schmerz und Melancholie geprägt - ich glaube ich kann meine Gefühle am Besten rauslassen, wenn ich mich über irgendetwas beschwere…“ (lacht)

Zum Beispiel im Titeltrack zu Nne­kas neuer CD „Soul Is Heavy“, auf dem sie klar ihre Meinung zur Kritik an Shell und den wiederholten Öl-Unfällen vertritt. Ihre Al­ben „Victim Of Truth” (2005) und „No Lon­ger At Ease” (2008) werden als „21st  Century Soul” bezeichnet. Zu verdanken hat  sie das ihrer Ehrlichkeit und Direktheit.  Auf ihrem dritten Album hat Nneka mit Bla­ck Thought / The  Roots  („God  Knows  Why“) und Ms. Dynamite („Sleep“)  gear­bei­tet und unterstreicht damit ihren Status als aufsteigender Stern der Black-Con­sciousness-Musik. God Knows Why” hat einen dunklen Sound, der mich gut wi­der­spiegelt. Das bin ich, wie ich zu den Men­sch­en auf der Strasse spreche. Des­halb habe ich mir dafür eine Per­sön­lich­keit wie Black Thought gewünscht - niemanden, der eine Million Dollar verlan­gt, da­mit er auf meinem Album mitwirkt. Bla­ck ist einfach er selbst - auf und neben der Büh­ne“, erinnert sich Nneka. „Ms. Dynamite kam zu einem meiner Konzerte in London - von da an wollten wir zusammen arbeiten. Ihre Musik hat mich stark inspiriert - be­son­ders das erste Album „A Little Deeper“ (2002). Ich hät­te nie gedacht, dass ich jemals die Mög­lich­keit bekommen würde!

 
Nnekas natürliche Energie ka­na­lisiert Hoffnung und Optimismus. „Soul Is Heavy“ ist echt, ehrlich und platzt vor Ge­fühl. Die 15 Songs über harte Rea­li­täten  und  unbequeme Wahrheiten machen die viel zi­tier­ten Vergleiche mit Lauryn Hill oder Ery­kah Badu ein gutes Stück glaub­wür­di­ger. Das Album wurde zu großen Teilen in Ni­ge­ria aufgenommen und von Tom Elm­hirst und Philippe Weiss gemischt, zu  deren Arbeiten Amy Winehouse, Adele, CeeLo Green und Wyclef Jean gehören. Nnekas Band ist dabei genauso international, wie ihre Einflüsse: Ein Bassist (Gros Ngo­l­lé Pokossi) aus Kamerun, ein Gitarrist (Fon­­taine Burnett) aus Brasilien, der Drum­­mer (Kilian Soldat) kom­mt aus New York und der Keyboarder (Nils Kötting) aus Deutschland. Mit dieser Besetzung hat die junge Künstlerin seit der Veröffent­lich­ung ihres letzten Albums mehr als 150 Shows vor 500.000 Menschen gespielt. Dazu kom­men Support-Touren für Lenny Kravitz, Nas  &  Damian  MarleyThe  RootsGn­a­rls  Bark­­ley  und  eine Ein­la­dung in die Show von David Letterman. Am 31. Au­gust spielt Nneka zusammen mit der Franzö­sisch­en Durchstarterin ZAZ und den OX­MOX-Titelgirls Katzenjammer auf der Trab­renn­bahn 

 

                „Ich bin eigentlich ständig auf Tour und selten lange an einem Ort. Ich fühle mich aber nicht mehr so gefangen zwischen den Welten, wie es früher der Fall war. Ich habe akzeptiert, dass ich mich da zuhause fühlen muss, wo ich gerade bin. Das ist nicht das Leben, das ich mir ausgesucht habe, son­dern das Leben, für das ich bestimmt bin. Meine Heimat wird immer Nigeria sein - dort­hin zieht es mich immer wieder zurück. Wenn ich in Hamburg bin, ist das wie ein kleiner Urlaub für mich. Hier kann ich ent­spannen und mich treiben lassen. Dann fahre ich am Liebsten mit dem Fahrrad herum. So schöne Parks haben wir z.B. in Nigeria nicht. Das genieße ich hier sehr! In Hamburg er­ken­nt mich auch niemand, und ich werde nicht ständig angesprochen, wenn ich mal schnell im Supermarkt ein­kaufen möchte. Ich liebe es nämlich, in der Küche zu stehen! Ich koche traditionelle Ge­richte, aber mixe auch oft wild Zutaten durch­einander. Am Ende schmeckt es immer - sagen meine Freunde!“ (lacht)

          

www.nnekaworld.com

 

 



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