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Der unsterbliche „King Of Pop"
Für Fans wird dieses Weihnachten ein Fest - die zahlreichen postumen Veröffentlich-
ungen sind so bunt, wie das Leben des wohl „größten Künstlers der Welt“: Das neue Album „Michael“ wird..


OZZY OSBOURN (0810)

Fragen Sie Dr. Ozzy
Ozzy Osbourne ist der „Fürst der Finsternis“. Der bekannteste Heavy-Metal-Sänger der Welt überstand Flugzeugabstürze, Verkehrsunfälle, Drogenexzesse und Nervenzusammenbrüche. Jetzt schreibt der selbsternannte Experte für Hypochondrie und Pharmazeutik sogar eine Gesundheitskolumne für die Londoner Times. Olaf Neumann sprach für OXMOX mit John Michael „Ozzy“ Osbourne, 62, über sein neues Soloalbum „Scream“, die Wahrscheinlichkeit einer Black Sabbath-Wiedervereinigung und das Glück, noch am Leben zu sein
Mr. Osbourne, wie schwer ist es, Neues zu wagen, wenn man Ozzy Osbourne heißt?
Ozzy Osbourne: Die Erwartungen der Hörer an ein neues Ozzy-Album sind riesig, so dass Veränderungen unheimlich schwer durchzusetzen sind. Ich bin seit 42 Jahren im Geschäft. Da kann man mir ruhig erlauben, ein bisschen zu experimentieren. Ich hätte nichts dagegen, mal eine Platte zu machen, die in eine völlig andere Richtung geht. So wie Paul McCartney es mit seinem Elektronikprojekt Fireman getan hat. Ein Künstler muss unterschiedliche Dinge tun, damit seine kreative Flamme weiterbrennt.
Dein neues Album „Scream“ klingt nicht völlig anders, dafür sehr vital. Hast Du eine Frischzellenkur bekommen?
Osbourne: Nein. Der frische Energie-Kick war nicht bewusst geplant. Er ist einfach passiert. Als ich mit dem Album in meinem Heimstudio anfing, saß ich vor einem weißen Blatt. Die Musik, die ich dann mit meiner neuen Band machte, ist stark von Black Sabbath und meinen frühen Soloalben beeinflusst und klingt gleichzeitig sehr erwachsen.
Du hast einen neuen Gitarristen: Gus G. alias Kostas Karamitroudis. Der gebürtige Grieche ist Nachfolger Deines langjährigen Begleiters Zakk Wylde. Gab es Streit mit Wylde?
Osbourne: Nein. Nach 20 Jahren wird es selbst für gute Freunde Zeit, getrennte Wege zu gehen. Gus ist ein großartiger Ersatz für Zakk. Mir gefällt, dass Gus seinen eigenen Stil hat und nicht versucht, Zakk nachzuahmen. Er ist erst 29 und hatte anfangs ein bisschen Angst vor mir. Er wusste ja nicht, was ihn erwartet. Aber ich beiße nicht. (lacht)
In dem Song „Diggin‘ Me Down“ rufst Du nach Jesus Christus...
Osbourne: In dem Song bitte ich Jesus um Auferstehung. Er soll zurückkommen, um die Welt zu retten. Wie schlecht muss es um die Menschheit erst bestellt sein, dass dieser Typ sich endlich wieder bei uns meldet? Brauchen wir erst einen Atomkrieg? Ich will damit nicht sagen, dass es falsch ist, an Jesus zu glauben.
Wann hast Du zuletzt gebetet?
Osbourne: Puh… Ich kann mich nicht daran erinnern. Vielleicht vor einem Jahr oder so. Als mir der Arsch mal wieder auf Grundeis ging. Es gab immer wieder Situationen, in denen ich nach Gott gerufen habe. Aber ich praktiziere keinen bestimmten Glauben. Zu oft wurden Kriege im Namen der Religion geführt.
„Soul Sucker“ klingt streckenweise wie ein Mantra...
Osbourne: Dieser Song kam aus dem Nichts. Ich habe mich im Tourbus gelangweilt und einfach Stimmübungen gemacht. (beginnt zu singen): Soul, Soul, Soul, Soul Sucka! Als ich mit Black Sabbath damals das Album „Paranoid“ machte, nahmen wir einen säbelrasselnden Krieger aufs Cover. Sein Schild war Schweinchenrosa. Wir wollten die Platte deshalb „War Pigs“ nennen. Aber unser damaliger Produzent Rodger Bain meinte, das Album bräuchte unbedingt noch eine titelgebende Single. Also jammten wir noch ein bisschen und auf einmal hatten wir „Paranoid“ geschrieben – unseren größten Hit überhaupt. Rodger ließ uns unsere Platten live im Studio aufnehmen. Auf diese Weise entwickelten wir unsere Kreativität. Ich habe bis heute keine Ahnung, woher die Songs kommen.
Du beginnst demnächst eine 18-monatige Welttournee. Wie stehst Du sowas durch?
Osbourne: Indem ich immer wieder Pausen einlege. Ehrlich gesagt würde ich 18 Monate am Stück nicht überleben. Diesmal kommen wir zuerst nach Europa. Gut für euch, denn am Ende der Tournee werde ich sicher müde sein. (lacht) Wenn es nach mir ginge, würde ich gerne mehr Konzerte in Europa spielen. Aber für das Booking bin ich nicht zuständig. Das macht alles meine Frau.
Eine Wiedervereinigung von Black Sabbath... Wie stehst Du dazu?
Osbourne: Ich sage niemals nie. Als ich kürzlich in England war, unterhielt ich mich mit unserem Gitarristen Tony Iommi. Das Problem ist, die Welt hat sich weitergedreht. Wenn wir noch einmal ein Album machen würden, muss es den Standard unserer Klassiker erreichen. Alles andere wäre peinlich. Heutzutage ist es in Mode, dass Bands mit einem ihrer klassischen Alben auf Tournee gehen. Dazu hätte ich keine Lust.
Neuerdings schreibst Du eine Gesundheitskolumne für die Sonntagsausgabe der Londoner Times: „Ask Dr. Ozzy“. Wie seriös sind Deine Gesundheitstipps?
Osbourne: Ich bin kein verdammter Doktor. Man sollte meine Tipps also nicht zu ernst nehmen, wenn man gesund bleiben will. (lacht) Das Ganze ist nur eine Parodie.
Du überlebtest Flugzeugabstürze, Verkehrsunfälle, Drogen- und Alkoholexzesse und Nervenzusammenbrüche. Was ist das Geheimnis?
Osbourne: Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Ich habe so viele verrückte Sachen gemacht. Dass ich immer noch am Leben bin und mich gut fühle, ist einfach Glück. Eigentlich müsste ich längst tot sein. Viele meiner Kollegen und Freunde sind an Drogen- und Alkoholmissbrauch gestorben. Ich hingegen wache morgens wieder auf.
Deine Großmutter wurde 99 Jahre alt. Ist das Deine Zielmarke?
Osbourne: Als ich 22 war, sagte ich zu einem Freund, dass ich mit 40 tot sein werde. Damit konnte ich leben, bis ich 39 ½ war. Ich möchte jedenfalls noch ein bisschen bleiben. Ich habe bislang noch niemanden getroffen, der zurückkam und sagte: „Hey, Ozzy, es ist wirklich cool auf der anderen Seite!“
Glaubst Du als „Fürst der Finsternis“ an ein Leben nach dem Tod?
Osbourne: Kein Stück. Man endet als verrottendes Stück Fleisch unter der Erde. Das war‘s.
Wenn Du stirbst, willst Du Deinen Körper an das Natural History Museum spenden, sagtest Du kürzlich der ‚Sunday Times‘. Wie ernst war das gemeint?
Osbourne: Ich mache gerne makabre Witze. Dank meiner Frau Sharon bin ich inzwischen trocken und lebe sehr bewusst. Der einzige, der den Rock’n’Roll-Lifestyle länger zelebriert als ich, ist mein alter Freund Lemmy Kilmister. Niemand kann ihn bei seinem Tun aufhalten. Der Kerl ist ein anatomisches Wunder. Das einzige, was ich wirklich vermisse, ist deutsches Bier. Das Oktoberfest in München habe ich geliebt.
Wie ist es nach 42 Jahren im Heavy-Metal-Geschäft um Dein Gehör bestellt?
Osbourne: Waaas? Ich habe Sie nicht verstanden! Hohoho! Ich leide unter Tinnitus. Das ständige Klingeln in meinen Ohren ist mein bester Freund geworden. Anfangs habe ich mich immer gefragt, weshalb es dauernd an der Haustür bimmelt. Hohoho!
Was fasziniert Dich immer noch am Rock’n‘Roll?
Osbourne: Ich kann halt nichts anderes. Soll ich etwa aufhören und Gärtner werden. Okay, ich könnte vielleicht Marihuana anbauen…

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