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STEFAN GWILDIS - EXKLUSIV (1108)

 

 

Norddeutschlands Soul-Botschafter

 

 

 

Warum bitte setzt man sich im geschniegelten Anzug in eine Badewanne am dänischen Nordseestrand? "Ich mag es absurd", schmunzelt der Grauhaarige mit den braunen Augen. "Im Nachhinein hätte ich mir noch ein Goldfischglas dazu gewünscht. Dann wäre der Widerspruch perfekt! Aber hinterher ist man immer schlauer..."

 

 

 

Vor einem halben Jahrhundert erreicht der Soul die westliche Popmusik: 1958 begeistert Ray Charles mit "What Id Say" und Sam Cooke veröffentlicht das legendäre "Diamond"-Album. Im goldenen Oktober des selben Jahres kommt in Hamburg ein Junge auf die Welt, der dem Soul Jahrzehnte später eine authentische deutsche Stimme verleiht. Stefan Gwildis ist sicherlich nicht der erste einheimische Soul-Sänger, doch er ist der erste, dem es gelungen ist, die Klassiker von Otis Redding und Co. auf Augenhöhe mit seinem Publikum neu zu interpretieren. Dass der Soul des sanften Nordlichts mit der schwarzen Stimme verstanden wird, beweisen nicht zuletzt die Charts: "Neues Spiel" (2003) und "Nur Wegen Dir" (2005) landeten in den Top 20, gefolgt vom 2007er Album "Heut Ist Der Tag", das auf Platz 2 einstieg!

 

Nach fast zwei Jahren Wartezeit überrascht Hamburgs George Clooney seine Fans am 31. Oktober mit dem neuen Album „Wünscht Du Wärst Hier“: "Es ist das erste Mal für mich, dass die Fertigstellung einer Platte in die Weihnachtszeit und nicht ins Frühjahr fällt. Eine Begebenheit, die ich im Laufe des Jahres als sehr spannend empfunden habe. Es war, als würde man im Frühling die Saat in die Erde bringen, um im Herbst seine Arbeit zu ernten. Nun sind die Früchte reif!", lacht der Barmbeker im Gespräch mit OXMOX. Weiterhin fest im Soul verwurzelt, überschreitet Gwildis die Grenzen seiner bisherigen Aufnahmen, indem er sie selbstbewusst weiterentwickelt. "Ich greife zur Gitarre, um Dinge fließen zu lassen. Ich weiß oftmals nicht, was passieren kann und wird, wenn ich das Instrument zur Hand nehme." Neben kraftvollen Eigenkompositionen ("Wo Bist Du Grad", "Wenn Es Dich Glücklich Macht") reicht die Palette der Soul-Interpretationen dieses Mal von Juni Mitchells "Big Yellow Taxi" ("Wenn Es Weg Ist") und Marc Cohns "Walking In Memphis" ("Gestern War Gestern") bis zum Jazzrock-Klassiker "Spinning Wheel" ("Lass Den Dingen Ihren Lauf") von Blood, Sweat & Tears. "Meistens haben Michy Reincke und ich bereits feste Vorstellungen, mit welchen Originaltiteln wir arbeiten möchten- und dann geht die Reise los! Wir überlegen, welche Bilder die Künstler zur damaligen Zeit mit ihrer Musik hervorrufen wollten und schauen dann, wie wir die Texte in unseren heutigen Kulturkreis transportieren können." Bei "Regennacht In Hamburg", Tony Joe Whites "Rainy Night In Georgia", wird das Gwildis- Prinzip schon im Titel klar. Hier geht es nicht um philologische Genauigkeit, es geht um die Übersetzung eines Gefühls. "Es macht großen Spaß, mehr über die eigentliche Bedeutung der einzelnen Titel herauszufinden. Wobei Missverständnisse nicht ausbleiben: Bei Joni Mitchell zum Beispiel, einer Komponistin und Sängerin die ich seit Jahrzehnten verehre, heißt es in einer Songzeile "a dollar and a half...". Michy und ich haben die Passage wörtlich übersetzt, was gar keinen Sinn ergab, bis Joni uns erklärte, dass es sich im Englischen um eine geläufige Redewendung handelt. Solche Aufklärungsarbeiten sind sehr erfrischend!"

 

Als fulminanten Album-Auftakt treiben dynamische Akustikgitarren die Neuinterpretation der Mitchell-Perle aus den 70ern nach vorn. Martin Langer (Dr.), Regy Clasen (Ges.), Hagen Kuhr (Cello), Pablo Escayola (Perc.), Achim Rafain (B.), Julia Schilinski (Ges.), San Glaser (Ges.), Matze Kloppe (Key.), Marion Welch (Ges.), Jon Welch (Pos.), Tim Rodig (Sax.), Michael Leuschner (Tromp.), Ralf Schwarz (Tasten) und Mirko Michalzik (Git.) bilden das solide Fundament, auf dem Stefan Gwildis stimmgewaltig zwischen klassischem Reibeisen und samtweichem Einfühlungsvermögen wandelt. Dass er richtig rocken kann, beweist der Sänger, Musiker, Komponist, Performer und Entertainer mit der Eigenkomposition "Du Gehst Mir Nicht Mehr Aus Dem Sinn", einem Vollgas-Titel mit erdigen RocknRoll-Reminiszenzen. Demgegenüber steht das Titelstück "Wünscht Du Wärst Hier", in dem Gwildis seine Melancholie zu einer dunkel perlenden Klavierakkordfolge artikuliert, während Mirko Michalzik ein astreines Blues-Solo beisteuert. Wie persönlich die neuen Songs sein können, beweist der reale Hintergrund zur Eigenkomposition "Muhammad Ali". "Anfang der 70er hat mein Vater mich geweckt, damit wir uns in den Morgenstunden Alis Kämpfe im Fernsehen anschauen konnten. Ich wurde einmal gefragt, wen ich für den größten Tänzer halte und ich antwortete spontan Muhammad Ali. Er ist für mich bis heute einer der größten Sportler aller Zeiten! Außerdem ist er ein Mann des Souls. Hierbei handelt es sich neben der Musik um eine Einstellung. Es geht darum, dass man in aller Verantwortlichkeit zu den Dingen steht. Zu sich selbst und zu seinem Umfeld im sozialen, emotionalen und politischen Sinne. Ali ist ein menschliches, sportliches und musikalisches Vorbild für mich." Seit viereinhalb Jahren befindet sich Gwildis selbst in einer Vorbildfunktion für seinen kleinen Sohn, dem er den letzten Titel ("Wundervolles Wunder") widmet. "Ich wollte das großartige Ereignis der Geburt meines Sohnes schon immer thematisieren, hatte aber die Musik nicht dafür. Letztes Jahr zu Weihnachten habe ich ein Klavier geschenkt bekommen. Ich improvisierte darauf herum und zack, war die Musik da!", lacht der 50jährige und verrät, dass Gwildis Jr. musikalisch eigentlich viel Experimentelleres bevorzugt: "Der Kleine steht auf ganz verschrobene Beats. Afrikanische Trommeln stehen hoch im Kurs, und die Augsburger Puppenkiste. Die haben echt abgefahrene Polka-Rhythmen! Um eine Musikerlaufbahn muss ich mir bei ihm erst mal keine Gedanken machen- momentan will er Motorrad-Polizist werden." Auch der sympathische Soul-Chansionnier war sich schon in Kindheitstagen seiner späteren Laufbahn bewusst. "Zu meinem dreizehnten Geburtstag schenkte meine Mutter mir einen Kurs für klassische spanische Gitarre. Da war ich nur eine Stunde- es hat genervt, und ich wollte lieber Songs von den Beatles spielen."

 

 

 

Der trockene Humor des Nordens, die Gelassenheit der großen Soul-Legenden, die Offenheit für Neues und das sympathische Understatement- Stefan Gwildis ist mehr als ein Interpretator. Der Hamburger ist zu einem höchst eigenständigen Künstler gereift, der mit "Wünscht Du Wärst Hier" zum nächsten großen Wurf ausholt!

 

Stefanie Ohl

www.stefangwildis.de




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