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ULITA KNAUS (1010)

 

 

HAMBURGS JAZZ-SENSATION ENTDECKT DEN POP

 

Nach Fräuleinwunder Annett Louisan und Kodderschnauze Ina Müller, überrascht das Hamburger Erfolgs-Label 105 Music mit einer neuen Blonden. Obwohl, so richtig neu ist Ulita Knaus nicht: 2009 gewann sie den renommierten Hamburger Jazzpreis und legt nach vier englischsprachigen Soloalben jetzt ihr deutsches Debüt vor. In Zusammenarbeit mit Echo-Preisträger Frank Ramond (Udo Lindenberg, Roger Cicero), singt die hübsche Hamburgerin auf "Tambor" (z.dt. Trommel) zu Latinpop, Jazz, Folklore und Weltmusik..

 

 

 

Ulita Knaus kam 1969 als Tochter einer deutschen Auswandererfamilie zur Welt. Der Vater geboren in Bulgarien, die Mutter lebte in Venezuela. Die Wurzeln reichen mütterlicherseits bis in die Bukowina zurück - die Familie des Vaters kam zur Zeit von Katharina der Großen aus Deutschland nach Russland. Ulita wuchs in der Bundesrepublik auf. Ihr multikultureller Hintergrund hat sie dabei von Kindheit an geprägt. Und in Salzgitter, wo die Familie Knaus bis heute lebt, herrschte ohnehin eine ganz andere Leitkultur. "Zu Hause kamen rumänisches Essen oder Gerichte aus Österreich, Russland und Venezuela auf den Tisch. Es gab Galuschki - eine Art Kohlrouladen, oder Mamaliga - ähnlich wie Polenta. Die deutsche, bzw. norddeutsche Küche war mir teilweise komplett fremd", erinnert sich die hübsche Sängerin und Komponistin im Gespräch mit OXMOX. Auch die Musik, die gespielt wurde, kam aus aller Herren Länder. "Meine Mutter hat lateinamerikanische Musik gehört, venezuelanische und mexikanische, die habe ich als Kind geliebt! Es wurde auch viel Klassik gespielt, weil mein Vater Gesang studiert hat und als Chordirigent tätig gewesen ist. Ich war stets von Musik, Gesang und Rhythmen umgeben! Mit sechs Jahren habe ich Klavierunterricht genommen und mit dreizehn fing ich an, eigene Songs zu komponieren. Beeinflusst hat mich die Popmusik, die damals im Radio gespielt wurde. Das waren Gloria Estefan & Miami Sound Machine eher, als Depeche Mode und Co. Alles, was in Richtung Black Music ging, hat mich interessiert - bis ich mit 18 Jahren den Jazz für mich entdeckt habe. An der Musikschule in Salzgitter gab es einen Chor, der von einer Gesangslehrerin geführt wurde, die Ende der Achtziger / Anfang der Neunziger eine Art Pionierin war: Nanni Byl (www.nannibyl.de) war eine der ersten Absolventinnen des Jazz-Studiengangs in Hilversum / Holland - und hat diese Ausbildung erfolgreich zu ihrem Beruf gemacht. Ihren Lebens- und Ausbildungsweg fand ich so toll, dass ich ebenfalls zum Studieren in die Niederlande gegangen bin - Nanni hat mich quasi aus dem Dorf geholt", lacht Ulita und lässt ihre blauen Augen blitzen.

 

 

 

Die Eingewöhnungsphase am bekannten Konservatorium (das z.B. auch Roger Cicero besuchte) fiel der jungen Nachwuchssängerin nicht immer leicht. "Ich musste lernen wie es sich anfühlt, Ausländerin zu sein. Das war teilweise schmerzhaft - andererseits habe ich mich komplett in die Sache gestürzt. Ich war fünf Jahre weg vom Fenster, habe nur studiert und alles Wichtige gelernt, was ich über Musik wissen wollte", erinnert sich Ulita, die 1993 in Hamburg die Gesangsschule VokaLine gründete. "Amsterdam ist zwar viel kleiner als Hamburg - trotzdem gibt es unfassbar gute Musiker. Viel mehr als hier! Leider ist es dort aber auch verdammt schwer, mit Musik Geld zu verdienen. Ähnlich wie in New York, wo die besten Musiker für 50 Dollar am Abend auftreten!" Also zieht die ehrgeizige Blonde weiter. "Ich hatte spontan beschlossen, mein Auto vollzupacken und nach Hamburg zu kommen. Hier kannte ich bereits einige Sänger und Gesangslehrer, mit denen ich eine Schule eröffnete. Dann habe ich mir die lokale Jazz-Landschaft angeschaut - das Birdland war meine erste Anlaufstelle. Dort bin ich jeden Donnerstag auf die Jam-Session gegangen. Ich bin einfach mit meiner Notenmappe unter dem Arm losgezogen, um Leute kennenzulernen.."

 

 

 

Ulita experimentiert, gründet eine Band und veröffentlicht 2002 ihr erstes Album "Cuisa" - mit eigenen Songs und einer kongenialen Coverversion von "Baby Love" (Mother's Finest). Die Kritik ist begeistert und die Knaus tritt vor einer kleinen aber feinen, ständig wachsenden Fangemeinde auf. Zu den zahlreichen Konzerten im Rahmen von Tourneen und Festivals kommen drei weitere Alben: "So Lost Like Peace" (2004), "Sea Journey" (2005) und kurz nach der Geburt ihres Sohnes Jarle - mit dem Hamburger Jazzmusiker Tim Rodig (studierte ebenfalls in Hilversum) - "It's The City" (2007). Die Jazzmedien lieben die hübsche Wahl-Hamburgerin, die 2010 den nächsten Schritt in ihrer erfolgreichen Karriere wagt: "Mir war klar, dass etwas Neues passieren musste - deshalb trennte ich mich nach zehn Jahren von meiner alten Band. Ich wollte mich musikalisch entwickeln, entfalten und brauchte neue Impulse." Diese kamen in Form eines Anrufs und der Frage, Background-Gesänge für die aktuelle Frank Ramond-Platte "Große Jungs" (2009) aufzunehmen. "Nach dem Job fing es bei mir an zu rattern: Warum nicht mal etwas auf Deutsch machen - und warum nicht zusammen mit Frank, der so ein großartiger Texter ist! Ich rief ihn an - und er hatte keine Zeit. Ich blieb bei der Idee und begann selbst Texte und Musik zu schreiben. Ein halbes Jahr später hatte ich eines der letzten Konzerte mit meiner alten Band gegeben, da stand Frank plötzlich neben mir und sagte: "Los, lass es uns versuchen!" Wir hatten eine super Zusammenarbeit: Er hat die Texte auf meine Kompositionen geschrieben und auf jede Note die passende Silbe gepackt. Das große Thema war die Liebe in all ihren Facetten. Was lustig ist, denn auf meinen alten Platten kamen Liebeslieder eher selten vor..", grinst Ulita und nimmt einen großen Schluck von ihrem zwischenzeitlich fast kalt gewordenem Kaffee.

 

 

Ihr fünftes Album macht Ulita Knaus dabei nicht zur Renegatin des Jazz. Sie bleibt dieser Musik treu und öffnet weit die Tür zum Pop. Mit Tino Derado am Piano, Roland Cabezas an der Gitarre, Bassist Achim Rafain, Schlagzeuger Ole Seimetz und dem Perkussionisten Túpac Mantilla hat sie im Hamburger Peer Studio ihre musikalische Vision für das neuen Jahrzehnt umgesetzt. Als Komponistin fand die leidenschaftliche Köchin den Weg zurück zu ihren Wurzeln: Latinpop, lateinamerikanische Folklore und Weltmusik. Die Texte sind alltagstauglich, poetisch, witzig und wortgewandt. Vom lebenslustigen Opener "Eh Passiern" ("Eins wird zum andern führ'n / Kopf wird kapitulier'n / Es wird doch eh passier'n") zum treibenden Reggae-Groove "Bester Lover" - einem fiktiven Telefonat zwischen besten Freundinnen, mit dem nötigen Quäntchen dramatischer Ironie, das auch den Folgetitel "Marktwert" auszeichnet. Für die Knaus steht fest: Auch als erwachsene Frau kann man ziemlich viel Spaß haben! Dass die einfachen Fragen oft die schwierigsten sind, zeigt sich in dem afro-karibischen Kettenlied "Warum?" mit ganz konkreten Kinderfragen. Wie kompliziert die Antworten sein können, weiß Ulita genau. Schließlich hat sie zu Hause einen dreieinhalbjährigen Sohn. Diesem Thema widmet die sympathische Sängerin auch die Ballade "Du Bist Es Wert". Das Leben als Mutter - nachdenken im Dreivierteltakt - "kein Fun, kein Film, kein Flirt?" Zurück zum Jazz geht's mit "Später Ist Jetzt". Die kleinen Utopien, die großen Träume, die perfekten Pläne. Was passiert, wenn die Zukunft längst da ist, ohne dass sie stattgefunden hat? Ulita gibt in ihrem selbst komponierten und getexteten Stück Entwarnung. Über 13 Titel ist die charmante Ottensenerin eine Frau mitten im Leben: Musikerin, Mutter und Mensch.



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