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Gema am Ende? |
Exklusiv für OXMOX sprach Klaus Schulz zu diesem Thema mit Deutschlands renomiertesten Entertainment-Promoter: Marek Lieberberg ist wohl der Veranstalter, der hierzulande jährlich am meisten GEMA zahlt...

Frage: Wie kann man die neue GEMA-Erhöhung bewerten?
Das gleiche Szenario hat sich bereits im Live-Musikbereich abgespielt. Auch hier versucht die GEMA mit Brachialgewalt einzig auf der Grundlage ihres Machtmonopols, das Dogma einer zehnprozentigen Beteiligung fürs süsse Nichtstun durchzusetzen. Trotz eines geringen realen Verwaltungsaufwands besteht die GEMA auf Horror-Gebühren, die den Komponisten oft erst nach einer künstlichen Warteschleife von 6 – 12 Monaten sowie meist mit einem 15 – 25% Abschlag erstattet werden.
Großartige Leistung und ein atemberaubendes Geschäftsmodell. 15 – 25% für absolutes dolce far niente. Keinerlei Engagement für die Musik, keinerlei Investition, keinerlei Risiko!
Und in Deutschland wird mit besonders harten Bandagen gekämpft, weil hier Verlage und aus der Mode geratene Autoren eine unheilige Allianz bilden. Obsolete Schlagerfuzzis, die in den Gremien als Hardliner auftreten, profitieren durch die größeren Töpfe, schwarze Löcher, in denen ein Teil der Einnahmen verschwindet, um dann über ein Gießkannenprinzip an unbeteiligte Nutznießer des GEMA-Sumpfes ausgeschüttet zu werden. Das Ganze hat die Logik des Hexeneinmaleins. Ein Anachronismus, denn U2 oder die Toten Hosen wehen Unbeteiligten wie Unberechtigten „Windfall-Profite“ zu.
Ein Bruce Springsteen wird für die Aufführung seiner eigenen Musik durchschnittlich mit 150.000,-- € zwangsvereinnahmt, die in die GEMA-Töpfe wandern. Die GEMA leistet hierfür gar nichts. Sie nimmt die Anmeldung entgegen, schreibt eine Rechnung und parkt die Einnahmen erst einmal. Nach der besagten Karenzzeit, die durchaus bis zu einem Jahr dauern kann, werden die um den happigen Verwaltungsaufwand verminderten Beträge endlich an den Autor weitergeleitet.
FRAGE: Was passiert mit dem Rest?
Davon werden zwei mächtige GEMA-Zentralen in München und Berlin, sowie die Bezirksdirektionen finanziert. Ein Schlaraffenland auf Kosten der Musiker, die zu vertreten man vorgibt.Die GEMA hat sich metastasenartig ausgebreitet und vor allem ihr Selbstversorgungssystem perfektioniert. So lebt man fröhlichen Herzens auf Kosten der eigentlichen Protagonisten der Musikszene, die im wahrsten Sinne des Wortes zwangsvereinnahmt werden.
FRAGE: In Vorstand und Aufsichtsrat sitzen doch ehemalige Musiker wie Frank Dostal oder Stefan Waggershausen. Die müssten das doch eigentlich durchschauen?
Das tun sie auch, aber sie sind Teil eines gewinnbringenden Systems, von dem sie profitieren. Frank Dostal hat zwei Gesichter. Das eine ist der liebenswürdige, ehemalige Star der Beat-Generation, ein Hamburger Urgestein. Die andere Seite des Janus-Kopfes zeigt einen der härtesten Verfechter einer expansiven GEMA-Politik.
Ich zitiere Frank: „Wir wollen ja nichts Außerirdisches nur respektvolles Verhandeln.“
Er sagt 60% der Kleinen werden entlastet..
Das ist reine Propaganda! In den beiden Konzertverbänden kenne ich keinen, der entlastet worden wäre. Frank spielt hier den unschuldigen GEMA-Wolf im Schafspelz.
Das Gegenteil ist der Fall. Ohne Rücksicht auf Profitabilität, ohne selbst einen Pfennig zu investieren, reklamiert die GEMA 10 Prozent der Bruttoeinnahmen im Live-Musikgeschäft. Ein Anachronismus. Dennoch so und nicht anders ist diese Hydra. Schlägt man ihr einen Kopf ab, wachsen zwei neue nach oder übersetzt, widerlegt man ein fadenscheiniges Argument, werden zwei neue erfunden. Endergebnis ist dieser Big Brother, der das Musikgeschäft aussaugt und die Branche nach Gutsherrenart schikaniert.
FRAGE: Wie wirkt sich das auf große Konzerte aus? Ihr seid nun auch Spezialisten für Rockfestivals.
Nicht nur. Unsere Palette reicht von Clubkonzerten bis hin zum Stadionrock. Wir engagieren uns für Grassroot-Acts ebenso wie für die Protagonisten. Während wir uns in hohem Maße junger Themen annehmen, trägt die GEMA rein gar nichts zur Entwicklung neuer Künstler bei. Die GEMA-Strafzölle mindern die Einnahmen erheblich, wodurch der Verteilungskampf im Musikgeschäft unnötig verschärft wird. Denn die GEMA schöpft als Trittbrettfahrer die Sahne von oben ab, während alle anderen Beteiligten nur das erhalten, was unter dem Strich übrig bleibt.
Das schlägt im Endeffekt auf die Preise durch und die GEMA hat einen nicht unerheblichen Anteil an dieser Entwicklung.
Ein Ticket, das sonst also € 60,- kosten würde, kostet dann…
… 66,- bis 70,-- € und mehr, weil der inflationäre Bruttoanteil der GEMA berücksichtigt werden muss.
FRAGE: Und ist das ohne Weiteres auf den Konzertbesucher umzulegen, oder wird man eventuell auch einige Konzerte ober Tourneen absagen müssen?
Eine andere Möglichkeit gibt es leider nicht. Die GEMA greift als absolut Unbeteiligter am Live-Musikmix in die Kasse, während die wirklichen Partner sehen müssen, wo sie bleiben. Dennoch haben wir bisher nie mit dem Menetekel von Konzertabsagen gedroht.
FRAGE: Aus dem Bereich der kleinen Clubs kenne ich das, dass Leute sagen:“ Also für 8 Euro geh ich noch rein aber für 9 Euro nicht mehr“. Es ist ja schon bei Bier so, dass man sagt 3,- Euro zahle ich, aber 4,- Euro nicht.
Ja, das kann ich mir durchaus bei jungen Künstlern vorstellen. Da können einige Euros den Ausschlag geben. Und nun übertragen Sie das auf ein Open-Air Konzert mit Einnahmen im Millionenbereich, wo Künstler für die Aufführung ihres eigenen Materials dieser Zwangsabgabe unterliegen. Ein absurder Vorgang ohne demokratische Kontrolle und ohne jeden Wettbewerb. Lediglich Patentgerichte entscheiden über das Verfahren und die Höhe der Gebühren, wobei der GEMA-Mantra, angeblich die Interessen der Künstler zu vertreten, Glauben geschenkt wird.
In Amerika, dem größten Musikmarkt der Welt mit dem vielfältigsten Angebot, dem breitesten Spektren der Live-Musik, ist das ganz anders. Dort sind die pauschalen Aufführungstantiemen angemessen moderat. Der Konkurrenzkampf verschiedener privater Gesellschaften sorgt dafür, dass es so bleibt. Ergebnis ist eine blühende Musikszene und weder die US- Gesellschaften noch die Künstler kämen auf den Gedanken, höheren Live-Abgaben das Wort zu reden.
Ich veranstalte regelmäßig Konzerte in Hawaii. Die Gebühren für eine Show in der bis zu 9000 Besucher fassenden Blaisdell-Arena von Honolulu kosten bei ASCAP oder BMI, den beiden Organisationen, 500 $, während ich in Deutschland bei einer ähnlichen Größenordnung 30.000,-- bis 40.000,-- € berappen müßte.
Das verdeutlicht die Verhältnisse!
Die GEMA demgegenüber verweist immer wieder auf ähnlich restriktive Länder wie Österreich und die Schweiz. Als ob diese Märkte in den letzten Jahrzehnten wirkliche Weltstars oder relevante Musikentwicklung hervorgebracht hätten.
FRAGE: Was sagt man „kleineren“ Künstlern bei der GEMA, die einfach in Panik geraten und fürchten, sie kriegen demnächst gar nichts mehr?
Die Autoren, die nicht gefragt sind, erhalten natürlich keine Einnahmen und daran wird sich nichts Wesentliches durch die drastischen Gebührenerhöhungen ändern. Lediglich die Großen, die ohnehin genügend haben, profitieren von den Töpfen. Oder Wort- bzw. Rädelsführer wie beispielsweise Stefan Waggershausen, der im Aufsichtsrat einer noch härteren Gangart das Wort geredet hat.
FRAGE: Und wie wird man das lösen können?
Das kann man nur lösen, wenn endlich der Wettbewerb Einzug hält und die dringend erforderliche Konkurrenz entsteht. Das GEMA-Monopol muss auf europäischer Ebene endlich gebrochen werden. Nur mit einer De-Regulation lassen sich die Dinge zum Besseren wenden. Es kann und darf nicht sein, dass die GEMA auf alle Zeiten das Sagen hat. Irgendwann wird es zu einer marktwirtschaftlichen Regelung kommen, bei der der Künstler die Option hat, sich für eine Gesellschaft seiner Wahl zu entscheiden, die die Live-Rechte für ihn wahrnimmt.
FRAGE: Vielleicht war die GEMA nur ein Zeitfenster? Frank Dostal sagt: „Mach doch mal die Musik aus, dann merkst du es.“ Und ich denke: Gab es möglicherweise schon Musik vor Zeiten der GEMA und gibt es möglicherweise Musik weltweit außerhalb der GEMA?
Ich habe dies bereits aufgezeigt. Die GEMA muss sich von Grund auf reformieren, sonst geht sie den Weg aller Dinosaurier, selbst wenn das Monstrum derzeit unbesiegbar erscheint. Der richtige Shitstorm ist noch gar nicht losgebrochen.
Dabei gibt es innerhalb der GEMA, ins-besondere bei den Bezirksorganisationen, ver-ständnisvolle und vernünftige Repräsentanten, mit denen man zu guten Lösungen kommen könnte. Aber auf der regionalen Ebene zittern alle vor dem allmächtigen Vorstand, der Kadavergehorsam verlangt. So ist die GEMA ein Ministerium der Angst und in der Tat verbreitet ihre Politik in der Kreativwirtschaft Angst und Schrecken.
Wenn sich hier nicht Entscheidendes ändert, woran ich glaube, könnte die Textzeile von „The day the music died“ von der GEMA beansprucht werden.
Herzlichen Dank für das engagierte und informative Gespräch.
Viele Betroffene schickten uns ihre Kommentare, Stellungnahmen und mit einigen konnten wir fachkundige Gespräche führen. Besonders interessierte uns dabei, wie sich die neuen Gema-Gebühren auf die Entertainment-Branche und deren Preisgestaltung auswirken.

Ich finde die Erhöhung super schlecht kommuniziert und vorbereitet. Keiner weiß, was wirklich los ist und die GEMA macht sich immer mehr Feinde. Ich bin GEMA-Mitgied als Komponist und Texter seit mehr als 40 Jahren und fühle mich super schlecht vertreten. Es geht gar nicht, dass die GEMA so im Namen aller Autoren handelt!
Wolfgang Landt (Markthalle)
Für die Konzertveranstalter und Live-Musikclubs gilt seit dem 01.01.2012 der neue Tarif (U-K). Für Discotheken und Musikkneipen, Bierzelt, Schützenfest -etc-Veranstalter tritt der neue Tarif (U-V) am 01.01.2013 in Kraft. Der Tarif U-K ist vereinfacht, bedeutet aber für die Konzertveranstalter und die größeren Musikclubs eine deutliche Verteuerung der Gebühren. Für Musikclubs bis zu einer Kapazität bis ca. 300 Besucher wird es billiger.
Der Tarif U-V hat es allerdings in sich. Konnten die Discos bislang Jahrespauschalverträge abschließen die ihnen einen moderaten Beitrag garantierten, werden sie ab 01.01.2013 jede Veranstaltung einzeln abrechnen müssen. Basis hierfür ist die Brutto-Raumgröße inkl. aller Bereiche (Bühne, Tresenflächen Sitzbereiche etc). Beispiel:
Eine Disco mit 120 qm veranstaltet dreimal die Woche eine Party. Eintritt 6,00 €. Bei der alten Pauschalregelung betrug der Beitrag pro Veranstaltung ca. 45,00 €. Der gleiche Laden bezahlt nach dem neuen Tarif:
Basistarif:120,00 €; Zeitzuschlag: 50% 60,00 €;
26% GVL:31,20 €; 30% Vervielfältigung 36,00 € 8% GVL Vervielfältigung: 9,60 €
Also fällt eine GEMA Gebühr von ca.270,00 € an. Rund 500% Erhöhung!
Da die Markthalle nur etwa 14 mal im Jahr eine Discoveranstaltung durchführt ( das sind 5% des Veranstaltungsvolums) trifft sie der neue Tarif U-V kaum. Ob sie durch den Tarif U-K deutlich höhere Kosten haben wird, wird sich nach Ablauf von 2012 zeigen. Wird die Steigerung zu heftig sein, wird man vermutlich die Eintrittspreise neu überdenken müssen. Wir hoffen aber, dass wir darum herum kommen werden.
Jens Michow
Es wird bei aller Kritik an der GEMA immer wieder übersehen, dass die GEMA nicht im eigenen selbst gesetzten Auftrag tätig wird sondern als Verwertungsgesellschaft ausschließlich den Auftrag ihrer Mitglieder, nämlich der Urheber und der Musikverlage erfüllt. Meine Kritik fokussiert sich daher auf die Handvoll Entscheider unter den Rechteinhabern, die nach dem Wegbrechen der Einnahmen aus dem Tonträgergeschäft offenbar die Veranstalter von Musik als Melkkuh entdeckt haben und die GEMA als Melker vor sich hertreibt. Die Antreiber haben dabei jedes Augenmaß dafür verloren, welche Vergütung für ihre Leistung noch angemessen bzw. unangemessen weil weit überzogen ist. Natürlich ist niemand, der sich über den Preis einer Leistung beklagt, verpflichtet diese in Anspruch zu nehmen. Ich kann mich noch sehr gut an die Aussage eines Richters erinnern, der lapidar feststellte: „wenn Ihr Man-dant die Urheberrechte nicht bezahlen kann, darf er sie eben nicht nutzen“. Diese Ansicht hat nur einen Haken: sie übersieht den Erschöpfungsgrundsatz des deutschen Urheberrechts. Mit Veröffentlichung eines Werkes treten die Interessen des Urhebers hinter dem allgemeinen Interesse zurück, das betreffende Werk im Geschäftsverkehr ungehindert zirkulieren zu lassen. Mit der Veröffentlichung eines Werkes erlischt das Verbotsrecht des Autors und weicht dem Recht auf Zahlung einer angemessenen Vergütung für jeden Nutzungsvorgang. Die aktuellen Forderungen der Autoren verkehren den Erschöpfungsgrundsatz ins Gegenteil un
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