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Hang Loose in Hamburg |
| Veröffentlicht von Administrator (admin) am 13.01.2012 |
„Eigentlich wollte ich gar nicht Windsurfen“, erinnert sich der gebürtige Rostocker. „Über die Osterferien sind meine Eltern mit mir nach Dänemark an den Rinkjøbing Fjord gefahren. Ich habe mich auf`s Lego-Land gefreut und war ziemlich enttäuscht, als ich zu meinem sechsten Geburtstag ein kleines Kinderrig geschenkt bekommen habe. Dazu war es extrem kalt und ich hatte noch keinen Anzug. Eine Stunde nachdem ich zum ersten Mal auf dem Wasser war, standen wir schon im nächsten Surf-Shop, und ins Lego-Land wollte ich auch nicht mehr. Nachdem mein Vater mit dem Surfen kürzer getreten ist, habe ich mir Freunde in der Regatta-Szene gesucht, die einen Führerschein hatten und mich mitgenommen haben. Da war ich immer der Kleinste und ganz weit hinten, weil ich körperlich noch nicht in der Lage war, mit den Großen mitzuhalten“, schmunzelt das 1,82m große Mitglied der Deutschen Windsurf Nationalmannschaft. „Nach dem Abitur bin ich zum ersten Mal Deutscher Meister geworden und wurde von unterschiedlichen Sponsoren unterstützt. Mit 20 Jahren ging es dann so richtig los: Vom Deutschen Meister bin ich auf die internationale Ebene gewechselt. Zur gleichen Zeit wurde die Disziplin Freestyle erfunden, die ich hauptsächlich ausübe. Dazu gibt es eine Tour, die offiziell den europäischen Meistertitel ausschreiben darf. Die bin ich gefahren - habe zweimal gewonnen und bin zweimal Zweiter geworden. Dann bin ich in den World Cup eingestiegen und dort seit 5 Jahren in den Top Ten. Es gibt beim Windsurfen keine Meisterschaften, in denen es einen Wettkampf benötigt um Meister zu werden. Es gibt eine Jahreswertung aus verschiedenen Ranglisten. Dort bin ich aktuell Sechster“, freut sich Paskowski, der auf seine Erfolge am Liebsten mit Cuba Libre anstösst.
„Ich hatte nie Probleme, in der internationalen Szene aufgenommen zu werden. Als ich auf den World Cup umgestiegen bin, waren dort noch die ganzen alten Namen, wie zum Beispiel Björn Dunkerbeck, aktiv. Jetzt sind neue Jungs dabei, von denen die Meisten aus Venezuela, Brasilien und Hawaii kommen. Wir verstehen uns super! Die Südamerikaner haben natürlich deutliche Vorteile, was die sportliche Entwicklung betrifft. Jeder von denen wohnt 100 Meter vom Wasser entfernt, und ist mit einer ganz anderen Mentalität aufgewachsen. Ich war bis zu meinem Abitur zeitlich stark eingeschränkt - und gerade das sind die wichtigsten Jahre im Windsurfen. Die Top Ten der Welt haben ein Durchschnittsalter, das bei 21 liegt - da bin ich als Profi erst angefangen! Jetzt bin ich 27 und habe in der Weltrangliste die beste Platzierung erreicht, die ich je hatte. Dafür muss ich beide Touren gleichzeitig absolvieren - was ziemlich stressig ist. (Anm.: Paskowski fliegt mit rund 300 Kilo Gepäck!) Die World Tour-Events finden auf den Kanarischen Inseln statt, während die Europäischen Events auf den Griechischen Inseln ausgetragen werden. Das heißt, die Wind- und Wasserbedingungen sind unterschiedlich, und man muss extrem viel reisen: Griechenland-Gran Canaria-Fuerteventura-Lanzarote usw. Ein Pensum, das in 2-3 Monaten Hauptzeit bewältigt werden muss. Das von den Preisgeldern zu finanzieren, ist unmöglich. Jeder Profi-Surfer ist auf Sponsoren angewiesen, die für Flüge, Lebensunterhalt usw. aufkommen.“
„Viele Windsurfer machen sich über das Morgen keine Gedanken - diese Einstellung verkörpere ich nicht. Da bin ich typisch deutsch“, lacht der Beach-Boy, der in Hamburg-Langenhorn zu Hause ist. „Jede sportliche Karriere ist zeitlich begrenzt. Aus diesem Grund platziere ich schon seit längerer Zeit verschiedene Stories in Windsurf-Magazinen und habe gerade meine erste eigene DVD „Four Dimensions“ produziert. (Trailer und Infos auf fourdimensionsmovie.com). Hinzu kommt, dass ich aktuell drei Brasilianische Windsurf-Talente betreue. Ich begleite die Jungs auf Regatten und sorge dafür, dass sie gute Resultate einfahren. Wir waren vier Monate Non-Stop zusammen unterwegs. Gerade sind sie im Haus meiner Eltern und schlafen sich aus…“, lacht Andre und nippt an seiner Apfelsaft-Schorle. „Eine eigene Wohnung habe ich nicht. Ich kann mich auch nicht erinnern, wann ich zuletzt eine Woche am Stück in Hamburg war. Wenn der Weltcup auf Sylt vorbei ist, fliege ich nach Griechenland. Dann geht es zum Training nach Brasilien, kurz nach Weihnachten komme ich wieder und fliege eine Woche später nach Venezuela. Dann geht die neue Saison los! Dieses Leben führe ich seit sieben Jahren. Durch das Windsurfen habe ich eine Menge über mich selbst erfahren. Ich habe fast jeden Kontinent der Welt bereist, Sprachen gelernt und unzählige Eindrücke gewonnen. Die faszinierendsten Orte waren für mich bis jetzt Südafrika und Südamerika. Ich glaube, wenn ein Europäer zum ersten Mal nach Venezuela oder Brasilien fliegt, kann er sich nicht vorstellen, dass man in diesen Verhältnissen überhaupt ein „normales“ Leben führen kann. Die Menschen dort wohnen in Häusern, die nach Deutschen Baubedingungen sofort abgerissen werden würden. Und trotzdem wird dort so viel gefeiert und gelacht, wie kaum woanders auf der Welt. Man bekommt einen neuen Blickwinkel dafür, was wirklich wichtig ist, und dass es nicht unbedingt zählt, beispielsweise das beste Auto zu haben. Dort wo ich mich in Brasilien aufhalte, gibt es keine Autos - da gibt es noch nichtmal Straßen! In Caracas sind die Unterschiede besonders deutlich: In einer Straße siehst du die Villen der Millionäre, und eine Straße weiter haben die Leute nicht genug zu essen. Weil dort sehr viel Armut herrscht, gibt es viel Kriminalität. Das geht nicht spurlos an einem vorbei. Fünf Meter neben mir wurden mal zwei Leute erschossen… So etwas ist nicht nett zu sehen, aber es macht einen nachdenklich in Bezug auf die eigentlichen Prioritäten im Leben.“
Die sportlichen Prioritäten des blauäugigen - aber keineswegs blauäugigen! - Weltenbummlers liegen auf dem Brett. „Weil der Sport sich extrem schnell entwickelt, trainiere ich so viel es geht. Die Technik verändert sich ständig, und du musst pro Jahr ca. zehn neue Manöver lernen, um überhaupt noch aktuell zu sein. Windsurfen ist die schnellste Sportart auf dem Wasser, die ohne Motor betrieben wird. Der bisherige Rekordhalter ist der Franzose Antoine Albeau mit 49 Knoten (ca. 90 km/h). In der Freestyle-Disziplin gibt es kaum Grenzen. Du kannst alles machen - springen, Vorwärts- und Rückwärts-Saltos, das Board in der Luft und auf dem Wasser drehen. Ich kann aus der Fahrt auf dem flachen Wasser zwei Meter hoch springen - wenn ich eine Welle habe steigert sich das Ganze bis zu zwölf Metern!“
Der Applaus der Zuschauer ist dem mutigen Hanseaten dabei ebenso sicher, wie die ungläubigen Blicke, was er da auf dem Wasser vollbringt. „Ich glaube, wenn man erstmal ins Gleiten kommt, ist das die Schwelle auf der man zum richtigen Surfer wird. Wenn das Brett anfängt auf dem Wasser Geschwindigkeit zu entwickeln. Wo man das hier lernen kann? Es gibt beim Oortkatensee eine Surfschule - das passt, wenn du die ersten Schritte machen willst. Wer dann weiterkommen möchte, muss etwas mehr Windstärke haben. Da ist Fehmarn ideal! Früher bin ich nach der Schule oft Richung Heide gefahren. Kurz vor St. Peter-Ording gibt es einen Spot, der heißt Meldorf - da gibt es einen See, der ist ideal zum Surfen. Heute sind meine Lieblings-Spots Jeri in Brasilien und natürlich Maui!“, lacht Andre und lässt seinen Blick über die eindrucksvolle Hafen-Kulisse am Elbstrand schweifen. „Wobei, wenn ich mich später einmal festlegen müsste, würde ich auf jeden Fall in Hamburg leben - wenn meine Wahl denn auf Deutschland fällt!“ Stefanie Ohl
www.andrepaskowski.de
Zuletzt geändert am: 13.01.2012 um 13:13:51
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