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Mark Knopfler: „Ich bin kein Audiofreak!"

Veröffentlicht von Administrator (admin) am 13.01.2012
Story >>

Wie steht es um die Wiedervereinigung der Dire Straits?

Denkbar schlecht. Ich brauchte das Geld nicht. Ich habe genug. (schmunzelt)

 


Ist es dir schwer gefallen, in den Acht­zi­gern mit „Money for Nothing“ oder „Walk of Life“ so sehr Star zu sein?

Du gewöhnst dich irgendwann daran. Ich meine, es ist großartig, erfolgreich zu sein, und ich hatte auch sehr viel Spaß mit der Band. Aber mir kam das alles eine Nummer zu groß vor, was mit uns passierte. Ich musste mich selbst und meine Welt wieder stärker unter Kontrolle bekommen. Das ist mir gelungen, und jetzt habe ich wieder das Ausmaß an Zuspruch, bei dem ich mich wohlfühle. Ich schreibe Songs, nehme sie auf und verkaufe immer noch genug Karten, um in schönen großen Hallen spielen zu können. Was will ich mehr? Mir geht es wunderbar dabei, dieses kleine Schiff zu steuern.

 

Bist du gleichgültig gegenüber deinen eigenen Liedern?

  Nein, so harsch sehe ich das nicht. Für mich sind die Songs wie Kinder. Wenn ich sie aufgenommen und quasi großgezogen habe, verlassen sie das Haus. So wie Kinder. Sie haben dann ein eigenes Leben. Und ich weiß es sehr zu schätzen, dass sie einer Menge Menschen sehr viel zu bedeuten scheinen.

 

Überrascht dich das?

Ja, sehr. Wobei ich es sehr schön finde, dass meine Songs den Leuten Wohlbefinden verursachen. Offenbar helfen sie vielen hart arbeitenden Menschen zu leben und aus­zu­ruhen. Oder aber sie nutzen sie, um zu feiern. Um Hochzeiten, Beerdigungen, Parties oder gemütliche Abendessen zu beschallen.

 

Deine Zwillinge Benji und Joseph sind 21, Isabella wird 12 und Katya Ruby ist 6. Hältst du mit den Kindern als Vater noch mit?  

Oh nein. Vier Kinder in solch unterschied­lichem Alter sind ein Tauben­schlag. Ich weiß nicht immer, was die so treiben. Aber mir macht das sehr viel Freude mit denen. Sie spielen Gitarre, Schlagzeug, und die Kleine lernt gerade Violine.

 

Wirst du deine Kinder unterstützen, eine Karriere im Musikgeschäft zu versuchen?

  Oh, einer meiner Jungs ist Drummer, der probiert es gerade. Aber der macht furchtbar lautes Zeug. Keine Songs, keine Melodien, sondern Lärm. Aber dieser Monstersound ist sein Ding, ich rede ihm da nicht rein. Er spielt ja schon seit er 6 ist, seit 15 Jahren nun, da muss er selbst wissen, was er spielen will.

   

Wie alt warst du, als du angefangen hast, Gitarre zu spielen?

Ich war schon 15. Ein Instrument zu lernen, das ist eine schwierige Sache. Bis heute versuche ich, mich zu verbessern. Ich übe zum Beispiel mit sehr komplizierten Jazz­stücken, um meinen Fingern neue Akkorde beizubringen. Beim Gitarrespiel geht es viel um das Erinnerungsvermögen deiner Mus­keln, das meiste ist wirklich Übung. Als ich etwa 30 war, hatte ich das Gefühl, nichts mehr zu lernen. Aber dann versuchte ich mich an den Fortgeschrittenen-Stücken. Das ist ähnlich, als wenn du im Fitnessstudio langsam immer mehr Gewicht auflegst bei deinen Übungen. Wenn du einmal wirklich verinnerlicht hast, wie bestimmte Griffe gehen, dann spielst du automatisch. Manch­mal so automatisch, dass ich einfach ein­schlafe, während die Finger noch umher­schwirren. Das war mir anfangs peinlich, aber dann erzählte mir Chet Atkins, dass ihm häufig dasselbe passiert. Glück­licher­weise sind die meisten der Songs, die ich schreibe, sehr einfach. Die überfordern mich nicht. Aber um gut schreiben zu können, spiele ich nebenher sehr anspruchsvolle Musik. Um halt in Form zu sein und selbst ein bisschen weiterzuforschen.

 

Wieviel ist Training und wie viel Genie?

Sehr wenig Genie. Höchstens ein Prozent. Der Rest ist einfach: Die Gitarre aufs Knie legen und losspielen.

 

Wie erotisch ist deine Beziehung zur Gitarre?
 Ich sehe die Verbindung. Rock’n’Roll und Musik insgesamt dreht sich von vorne bis hinten um Sex. Gut, letztlich dreht sich das ganze Leben um Sex, aber Musik insbe­son­dere. Ich kenne die Antwort zwar nicht ge­nau, ich habe das nicht analysiert, aber so ganz ohne erotische Anziehungskraft hätte ich solch ein inniges Verhältnis zur Gitarre wohl niemals aufbauen können.

   

Möchtest du mit deiner neuen CD „Get Lucky” erreichen, dass sich die Menschen beim Hören wohlfühlen?

Ich stehe gerade in Verhandlungen mit dem britischen Gesundheitsministerium, die wol­len die Platte eventuell auf Rezept ver­schreiben (lacht). Aber im Ernst: Ich möchte niemandem vorgeben, wie er mit meiner Musik umgehen sollte. Ich kann nur sagen, dass sie klanglich liebevoll aufgenommen wurden. Ich fühle mich glücklich, dass ich ein eigenes Studio besitze und dort nach meinem Tempo und meinem Geschmack mich der Musik widmen kann. Ich weiß, dass die meisten Musiker diesen Luxus nicht haben. Und früher kannte ich es nicht anders, als nach ein paar Wochen rausgeworfen zu werden. Lange Aufnahmeperioden sind mein größter Genuss.


 

Lebst und arbeitest du unter einem Dach?
Nein. Vom Haus bis zum Studio fahre ich eine Viertelstunde mit dem Motorrad.


                                                                 Steffen Rüth

 

Zuletzt geändert am: 13.01.2012 um 14:55:19

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