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SOUL KITCHEN - Hamburgs neuer großer Heimatfilm

Veröffentlicht von Administrator (admin) am 13.01.2012
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Wen wir am Hafen trafen: FATIH AKIN

 

Ich hatte das Gefühl: Ich bin dieser Stadt noch einen Film schuldig“, so Fatih Akin („Gegen Die Wand“) über seinen neuen Regie-Streich „Soul Kit­chen“ (Start:25.12.). „Der Film trans­por­tiert ein besonderes Le­bens­gefühl, wie wir es selbst in Adam Bous­dou­kos (35, spielt Zinos Kazantsakis) Laden zelebriert haben: Anfang 2000 hatte er die Taverna Sotiris in der Barnerstraße in Otten­sen über­nommen - vorher hat er dort selbst gekel­l­nert. Ursprünglich wur­­de der Laden von Exil-Griechen, die auf der Flucht vor der Junta waren, in den 70er Jahren gegründet. Als das Res­taurant zum Verkauf stand, hat Adam das Geld zusammen gekratzt - er hatte noch etwas von der „Kurz Und Schmerz­los“-Gage übrig. Den Rest ha­ben seine Familie, Freunde und ich ihm geliehen. Erstmal blieb der Laden das, was er bis heute ist: Eine Griechische Taverne. Dann hat Adam irgend­wann zwei Turntables aufgestellt und Musik von Bob Marley über Soul bis hin zu HipHop gespielt. Die Gäste haben bis 23 Uhr geges­sen - ab dann wurde ausgeschenkt, gefeiert und getanzt. Später kam die Live-Musik hin­zu: Mittwochs spielten die Leute aus der benachbarten Flamenco-Tanzschule von Iris Caracol, Donnerstags war Jazz-Abend mit dem brasilianischen Kreuzfahrt-Pianisten Don Pi und Freitags war Bouzouki-Abend.“

 

„Das alles tauchte nie in der Tagespresse auf. Es war viel inoffizieller - obwohl wir zu Spitzen­zeiten mit rund 100 Leuten gefeiert haben. Auch Aftershow-Partys von Bands, die in der Fabrik gespielt haben. Zum Bei­spiel die Begleitgruppe von Maceo Parker. Da hat Keiner drüber geschrieben - aber wir haben es erlebt, und der Film gibt diese Atmosphäre wieder. Gut, manch­mal über­treibt er - aber teilweise war die Realität auch krasser. Ein Beispiel? Also, es kam schon vor, dass in dem Laden gevögelt wurde. Einer aus dem Bekannten­kreis, der leicht pornofixiert ist, musste einfach noch `ne Alte klar machen. (lacht) Nebenan gab es einen Imbiss, Babylon, und die müssen um den Müll rauszubringen an der Taverna vor­bei. Die standen an den Mülltonnen und haben große Augen gemacht, was da los war… (lacht) Ab und zu kamen auch die Leute vom Thalia Theater (Anm.: Hier war Akin Mitglied einer Off-Theatergruppe) nach Fei­er­abend vorbei. Klar, Adam ist Schau­spieler, ich hing da auch immer ab - das war schon ein Hauch Hollywood. (lacht) Eines Abends war ein bekannter Ham­burger Im­mobilien-Investor mit seiner Freun­din da. Die ist ein bisschen wie Kim Basinger in dem Film mit Bruce Willis („Blind Date“). Nach dem Motto: Ein Schluck Alkohol und durch­drehen! Was uns inspiriert hat, ihr den Auf­tritt in „Soul Kitchen“ zu geben. Diesen Life­style führten wir neun Jahre lang - dann waren wir zu alt. Die Gastronomie ist knall­hart und Adam hatte seinen Laden sieben Tage die Woche geöff­net. Das hat genug ein­gebracht, um davon zu leben - wenn auch nicht in Saus und Braus. Dazu kam das ganze Rauchen und Alk, Alk, Alk… Irgendwann machen Körper und Geist das nicht mehr mit. Wir sahen am Ende auch nicht mehr gut aus! (lacht) Eigentlich ist „Soul Kitchen“ ein Ab­schiedsfilm, von dem Laden und von dem Lebensgefühl.“

Akins neuestes Werk ist ein leb­hafter, schmutziger Heimatfilm. Zwar ist die Welt nicht heil, wie sonst im Genre üblich, aber auch hier geht es um Freund­schaft, Liebe und Gemein­schaft. „Wir haben „Soul Kitchen“ in An­lehnung an „Rocker“ (1971) und „Nordsee Ist Mordsee“ (1976) gedreht. Der Anspruch war, einen Film zu machen, der für Ham­bur­ger etwas Klassisch­es hat. Ge­ra­de weil es einige Drehorte schon nicht mehr gibt (z.B. das Mandarin Kasino oder die As­tra Stube). Wir wollten die Stim­mungen und Atmos­phären Ham­­­bur­gs ein­fangen. Dafür war ich mit meinem Aus­statter Tamo Kunz in mehreren Antiqua­ri­­a­ten. Wir haben versucht, an­hand von Bild­eindrücken einen Look zu kre­ieren. Schließ­lich haben wir uns an Fotos orientiert und die Kamera eins zu eins positioniert, um die Stimmung des Bildes ein­zufangen - zum Bei­spiel bei den Elbbrücken, oder der Kreuzung an der Sternbrücke. In vor­an­ge­gangenen Filmen haben wir immer sehr konzeptlos gearbeitet. Bei „Soul Kit­chen“ haben die Vorgaben einen größeren Raum ein­genom­men. Es kommt allerdings auch auf die Schau­spieler an: Moritz Bleib­treu (38, spielt Illias Kazantsakis) ist zum Beispiel ein Führunsspieler, wie Michael Bal­lack. Der weiß sehr viel. Ähnlich wie Wotan Wilke Möhring (42, spielt Thomas Neumann). Ein groß­artiger, sehr autarker Schauspieler!


Qualität, die ihren Preis hat: „Das war der teuerste Film von allen!“, erklärt Akins Partner und Produzent Klaus Maeck (die Beiden gründeten vor fünf Jahren mit Andreas Thiel († 2006) die Filmproduk­tionsfirma Cora­zón International). „Man benötigt gute 4 Millio­nen Euro - wir haben uns bei jedem Film um eine Million gestei­gert. Das liegt daran, dass wir „Soul Kit­chen“ nur in Hamburg gedreht haben - die anderen Filme sind zum Teil in der Türkei entstanden, das ist eine andere Preisklasse. Dann hatten wir zahl­reiche Darsteller und Statisten. Außer­dem haben wir viel Musik verwendet und die ist leider sehr teuer. Die benötigten Gelder finan­zieren sich durch die Filmförderung Hamburg und unseren Haus­sender NDR - die jeweils ein Viertel geben. Dann gibt es weitere lokale Förderungen, wenn wir außer­halb Hamburgs drehen, und nationale För­der­töpfe. Schließlich muss man noch eine ge­wisse Summe (ca. 10 %) eigenes Geld in das Projekt einbringen“, so der 55jährige Ham­burger. Und Akin? „Ich ar­bei­­te schon wie­der an drei Sachen gleich­zeitig  - aber an was, das wird noch nicht verra­ten!“ (lacht)

   

 

   Klaus M. Schulz / Stefanie Ohl

 


 

                   soul-kitchen-film.de

 

 

 

Soul Brothers - Fatih Akin & Klaus Maeck

 

 

 

 

Fatih Akin - 1973 in Hamburg als Sohn türkischer Ein­wanderer geboren, spielte (nach einem realen Gastspiel bei einer Teenager-Gang) in mehreren Fernsehfilmen den „Tür­ken vom Dienst [sic]. Nach zwei Kurzfilmen wurde er `98 mit seinem Spielfilmdebüt „Kurz Und Schmerzlos“ zum Shooting Star. Der internationale Durchbruch gelang mit dem Melodram „Gegen Die Wand“, für das er 2004 mit dem Goldenen Bären, dem Deutschen Filmpreis und dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet wurde. 2007 folgte sein fünfter Spielfilm „Auf Der Anderen Seite“, der zahl­reiche Preise gewann - u.a. auf dem Filmfestival Cannes. Fatih lebt in Ottensen und ist mit der Deutsch-Mexikanerin Monique Obermüller verheiratet. Seit 2005 ist Fatih Vati eines kleinen gemeinsamen Sohnes. In seiner Freizeit legt er u.a. als DJ Superdjango  Platten auf. Sein Lieblings-Soul-Song (zur Zeit) ist „Beat It“ von Michael Jackson.

  Klaus Maeck - 1954 in Hamburg geboren, gründete `79 im Karoviertel mit Rip Off einen der ersten Punk-Plattenläden Deutschlands und machte sich mit Super-8-Filmen einen Namen - darunter der Kultstreifen „Decoder“. Er war Mit­begründer des Independent-Musikverlages Freibank und ma­nagte die Einstürzenden Neubauten, über die er das Buch „Hör Mit Schmerzen/Listen With Pain“ und die Film­dokumentation „Liebeslieder“ veröffentlichte. Seit `95 gibt er jährlich CDs mit ausgewählter Musik „For Films“ heraus und ist Music Supervisor zahlreicher Fatih Akin-Filme. Seit 2004 ist er dessen Partner und Produzent bei allen Corazón International-Filmen. Sein Lieblings-Soul-Song ist „It’s A Man’s Man’s Man’s World“ von James Brown.

 

Zuletzt geändert am: 13.01.2012 um 14:01:20

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