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STANI & TRULSEN

Veröffentlicht von Administrator (admin) am 11.01.2012
FC St. Pauli >>

Ein bisschen wird es ihn schon gewurmt haben, als „seine Jungs“ vor dem Jahr100 Transparent niederknieten, und ihren „Fußballgott“ André Trulsen mit erhobenen Armen anbeteten. Auf die Frage, wie es sich mit einer Legende arbeitet, muss CheftrainerHolger Stanislawski (40) schmun­­zeln und zwinkert dem Mann zu seiner Linken aus stahlblauen Augen zu. „Gut! Man fühlt sich sicher. Es sei denn, wir stehen bei alt gegen jung gegeneinander auf dem Platz. Ansonsten ist es das, was knapp vier Jahre funktioniert und von einer beruflichen Partnerschaft zu einer privaten Freundschaft geworden ist. Auch wenn man als Spieler nicht unbedingt jeden Tag ein Bier miteinander getrunken hat, so ist doch ein großer gegen­seitiger Respekt gewachsen. Und das Truller der ewig einzige Fußballgott am Millerntor bleibt, das ist schon in Ordnung!“ 

Mit insgesamt 177 absolvierten Bundesligaspielen für die Kiez-Kicker hält der sym­pathische Co-Trainer bis heute den Vereins­re­kord - und macht bei aller Lob­hudelei gern ein bisschen Platz auf dem Thron, für seinen persönlichen „Pauli­gott“: „Stani hat jahre­lang aktiv für den Verein gespielt und danach zahlreiche Ämter beim FC St. Pauli bekleidet - vom Sportchef über den Manager bis zum Vizepräsident und aktuell als Chef­trainer. Auf dem Platz haben wir uns gegen­seitig unterstützt - was wir jetzt natürlich auch tun. Als aktiver Spieler hat man sich allerdings mehr mit sich selbst beschäftigt. Damals haben wir sicherlich nicht so viel vor und nach einem Spiel gesprochen, wie jetzt. Selbst an freien Tagen telefonieren wir. Man be­fin­det sich ständig in der Kommunikation, tüftelt neue Sachen aus oder entwickelt spezielle Trainingsein­heit­en“, erklärt der 1,91m große ehemalige Abwehr-Hühne, der am 28. Mai seinen 47. Geburtstag feiert.

Auch Ex-Libero Sta­nis­lawski hat nach 260 absolvierten Pflicht­­spielen - allein für den FC St. Pauli - reich­lich Trainings-Routine hinter sich, und weiß: „Es gibt nichts Schlimmeres, als Woche für Woche eintönig das Gleiche zu machen. Wir versuchen jeden Tag etwas Neues zu kre­ieren und die Jungs unterschied­lich zu for­dern - da muss man krea­tiv sein.“ Und da darf es schon mal ein Song der Ham­burger Techno-Veteranen Sco­­o­ter sein, oder ein selbst geschriebenes Gedicht von Stanis­laws­­ki, dem heimlichen Poeten. „Als Trainer ist man eben auch Entertainer. Truller und ich lassen uns ständig etwas einfallen, um die Mannschaft sinnvoll zu be­schäftigen. Da gibt es Möglich­keiten aus anderen Sportarten und über die Mu­sik, bis hin zu ausgedruckten Texten. Neben aller Ernsthaf­t­ig­keit soll das Training ja auch Spaß machen. Wir lachen schließ­lich selber ger­n! Das Gute bei André und mir ist, dass wir noch relativ frisch im Trainer­ge­schäft sind. Wir möchten uns diese Locker­heit, den Spaß und die Freude am Job so lange wie möglich erhalten.“

Seit der gelernte Mas­seur Holger Stanislawski im April 2009 seine Trainer-Lizenz als Jahrgangsbester er­hielt, werden allerdings auch die markanten Grübelfalten auf der Stirn tiefer. „Der Fuß­ball ist immer da, und der Kopf arbeitet bis du abends in`s Bett gehst: Was ist mit den verletzten Spiel­ern, neuen Spielern, alten Spiel­ern, was willst du nächste Woche trai­nier­en, welcher Geg­ner erwartet dich. Im Profi-Fußball ist eine 70-90 Stunden Woche nichts Ungewöhn­lich­es.“ Da hilft nur Kaffee, Stanis Lebens­elex­ier, und die verdiente Auszeit am Saisonende, die er mit Ehefrau Michelle und Labrador­hün­din Shi­la verbringen möchte. „Urlaub ist ein Fremd­wort für mich. Deshalb ist freie Zeit die größ­te Belohnung. Einfach mal nichts planen müs­sen, zu Hause im Garten sitzen und ein Buch lesen, oder durch die Stadt bummeln und sich ein Franzbrötchen kaufen. Das ist mit Geld nicht aufzuwiegen - ob man Auf­stiegs- oder Siegprämien kassiert, ist in dem Moment nebensächlich für mich“, verrät der ehrgeizige Coach, der aufgrund allzu lautstarker Kommentare schon einmal auf die Tribühne verbannt wurde.

 Auch Co-Trainer Trulsen freut sich auf die freien Som­merwochen - vor allem um Zeit mit „Sohne­mann“ Tobias zu verbringen. Der 15jährige ist selbst als Spieler aktiv und möchte, klar, in die Fußstapfen seines erfolg­reichen Vaters treten. „Erstmal ist die Schule wichtig“, erklärt Truller, der selbst eine Ausbildung zum Bürokaufmann absol­viert hat. Zuhause in Lurup ist der gebürtige Hamburger, der seit 18 Jahren mit Ehefrau Sabine glücklich verheiratet ist, für die Pflege des Rasens zu­ständig. „Darum kümmert er sich sogar auch hier“, lacht Holger Stanislawski und deutet auf die Fläche des weitläufigen Vereinsge­län­des an der Kollaustraße. „Auf dem Trai­n­ings­platz ist Truller der „Herr des Grüns“ - und selbst­verständlich immer präsent. „Unser Be­stre­ben ist es, erfolgreich zu sein. Dem­entsprechend muss man viel Zeit investieren und dies­be­züg­lich ein Vorbild für die Mann­schaft sein. Das der Fußball nicht auto­ma­tisch nach dem Trai­ning aufhört, und das man rund um die Uhr für seinen Erfolg arbeiten muss, ver­su­chen wir den Spielern so gut wie möglich vorzuleben“, erklärt der Mann, der auch unter dem Pseudonym Kuch­en bekannt ist. „Ich habe mal nach einem Spiel fünf Berliner auf einen Schlag ver­drückt. So entstand der Spitz­name“, schmun­zelt Truller, der privat leidenschaftlich Poker zockt. 

Dem Na­men der Sportbar Zügel­los auf dem Vereins­gelände entsprechend, geht es durchaus auch mal im Hause Stanislawski zu. Die wohl größte Schwäche des Cheftrainers ist eine treue Hündin, die er seine „kleine Prin­zes­sin“ nennt. „Meine Frau und ich haben sie schon sehr verwöhnt, und das lässt Shila uns auch spüren. Nach dem Motto „jetzt aber hoch mit euch, damit ich auf`s Sofa kann!“ Sie darf fast alles - wir sind nicht wirklich konsequente Hundehalter. Bei uns gibt`s schon mal ein Stück Pizza zwischendurch. Mittlerweile ist die alte Dame ein ordentlich­es Rubensmodell.“ Die zweite Marotte von dem Mann mit den raspelkurzen Haaren, sind Kugelschreiber, Edding und Co. „Generell brauche ich immer einen Stift in der Hand - dann kann ich einfach besser nachdenken. Truller hat mittlerweile die ganze Kulturtasche voll davon!“ (lacht„An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Hotels, die auswärts alle zwei Wochen Flipcharts und Stifte auf den Zimmern zur Verfügung stellen“, grinst der sonst eher ruhige Co-Trainer.

Jetzt aber ab auf den Trainings­platz, endlich - Stani knibbelt schon ganz unruhig am Etikett seiner Wasserflasche. Während die Beiden sich auf den Weg machen - und ihren Jungs wie jeden Tag Beine - bleiben wir zurück, und denken: „Nein, Bessere, die gab`s für St. Pauli tatsächlich nie.“ Zehntausende würden diese Be­haup­tung aus voller Kehle unter­strei­chen…                                                  Stefanie Ohl

 

Zuletzt geändert am: 12.01.2012 um 16:25:37

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