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OLAF SCHOLZ (52) - SPD

„Es gibt im Rathaus keinen Schatz, der bisher verborgen geblieben ist…“
Was hat Herr Ahlhaus falsch gemacht?
Ich glaube, dass die meisten Bürger sich wünschen, dass die Stadt wieder ordentlich regiert wird - und das insbesondere seit dem Wechsel von Herrn von Beust zu Herrn Ahlhaus vermisst haben. Was die Tätigkeit von Herrn Ahlhaus betrifft, hat es mit der Zusammensetzung des Senats begonnen. Da sind viele Senatoren ins Amt gekommen, bei denen man sich gefragt hat, wie das passieren konnte. Das gilt nicht nur für Kultursenator Stuth, der großes Unheil angerichtet hat, sondern auch für Finanzsenator Frigge, der niemals hätte in die Regierung eintreten dürfen.
Welche Ziele möchten Sie mit der SPD anpacken?
Zunächst mal, dass eine Art von Politik gemacht wird, die vernünftig ist und die Verantwortung widerspiegelt, die sich mit einem so hohen Amt verbindet. Dann geht es darum, den Haushalt zu konsolidieren. Nach Bekunden des Senats von CDU und GAL haben wir ein strukturelles Defizit von etwa 500 Millionen Euro. Deshalb muss es unser ganzer Ehrgeiz sein, bis 2020 so weit zu kommen, dass keine neuen Schulden gemacht werden. Außerdem werden wir uns um die Wirtschaft kümmern müssen, damit genügend Arbeitsplätze für alle Qualifikationsstufen zur Verfügung stehen.
Stichwort Bildungspolitik…
Das fängt mit den Kitas an - ich finde es schlimm, dass Hamburg eine Stadt ist, die deutschlandweit mit die höchsten Gebühren hat. Das muss zurückgenommen werden. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass wir als eine der reichsten Städte Europas ein Angebot haben, dass für alle erreichbar ist - und bei dem die Grundleistung von fünf Stunden nicht bezahlt werden muss. Wir möchten versuchen, das im Laufe dieser Legislaturperiode hinzubekommen. Das ist kein leeres Versprechen - ich glaube, dass wir viel bewirken können, wenn wir uns schon früh um die Entwicklung junger Menschen kümmern. In den Schulen soll es die nächsten Jahre nicht um neue Strukturreformen gehen, sondern darum, es besser zu machen.
Ist die Schulreform damit vom Tisch?
Die Bürger haben in einem Volksentscheid abgestimmt, wie die Hamburger Schulstruktur in Zukunft sein soll, und das gilt!
Darüber hinaus war es ein Fehler, Studiengebühren einzuführen - und deshalb werden wir sie noch in dieser Legislaturperiode wieder abschaffen!
Thema Kultur…
Die Institutionen müssen ausreichend finanziert werden, und sich auch darauf verlassen können. Außerdem geht es darum, dass wir eine andere Einstellung entwickeln. Kultur und Künste sind wichtig für die Freiheit und das Zusammenleben. Darüber hinaus habe ich mir fest vorgenommen ein Versprechen, das frühere Senate gegeben haben, einzuhalten. Nämlich, dass der Bau und Betrieb der Elbphilharmonie nicht zu Einschränkungen bei den anderen Kulturinstitutionen führt.
Was unternimmt die SPD gegen die Wohnungsnot?
In den letzten zehn Jahren sind nur halb so viele Wohnungen in Hamburg gebaut worden, wie in den zehn Jahren zuvor. Das ist kein Finanzproblem, sondern das Problem einer falschen politischen Orientierung. Man muss sich natürlich mit Vielen anlegen, damit bezahlbare Wohnungen stehen und Flächen baureif gemacht werden. Hierfür müssen städtische Grundstücke zu Preisen weitergegeben werden, die erlauben, dass hinterher Wohnungen für jedermann gebaut werden können.
Herr Ahlhaus hat behauptet: „Herr Scholz verspricht so viel - wenn ich die Kasse mitlaufen lasse, komme ich auf einen Betrag, der gar nicht bezahlbar ist…“
Er hatte aber gar keine Kasse dabei! Eine der wenigen teuren Sachen, die wir auf den Weg bringen wollen ist, dass es mit den Kitas besser läuft. Das ist aber auch unverzichtbar und dringend nötig! Leider gibt es im Rathaus keinen großen Schatz, der bisher verborgen geblieben ist. Aber man kann besser mit dem Geld umgehen, das man zur Verfügung hat. Da bin ich mit den meisten Hamburgern einer Meinung, dass die Prioritäten oft falsch gesetzt worden sind.
Stichwort Stadtbahn…
Ich wundere mich, wie schlank viele darüber hinweggehen, dass die Bürger dieser Stadt eine sehr eindeutige Meinung zum Thema haben. Die Mehrheit der Wähler aller Parteien - sogar der GAL - lehnen die Stadtbahn ab. Man kann ein solches Projekt auch nicht anfangen ohne zu wissen, ob man es sich insgesamt leisten kann (das Gesamtnetz kostet nach den Planungen der Behörde aktuell rund zwei Milliarden Euro). Ich möchte einen Investitionsrahmen für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs festlegen, und dafür Sorge tragen, dass wir im Rahmen dieses Investitionsplans über die nächsten Jahre Prioritätenentscheidungen treffen. Und dazu gehört sicherlich auch der weitere Ausbau des schienengebundenen Nahverkehrs.
Die Deckelung der A7…
…finde ich gut!
Warum sollte man die SPD wählen, und nicht etwa die GAL?
Nehmen wir zum Beispiel die Kitas. Man kann keine Erhöhung der Gebühren beschließen, wie es CDU und GAL getan haben, und sich anschließend in die Büsche schlagen - da hilft es auch nichts, dass die Büsche meistens grün sind! Ich werbe für ein starkes Votum der SPD, damit wieder vernünftige Politik gemacht werden kann. Politik kann nicht nach dem Maßstab erfolgen, dass sich die Funktionäre gut verstehen - sie muss immer aus Sicht der Bürger verantwortlich sein.
Wäre eine große Koalition für Sie denkbar?
Ich merke, dass die CDU auf die Juniorpartnerschaft in einer großen Koalition setzt - so lese ich jedenfalls die Äußerungen der letzten Tage und Wochen. Aber für mich ist ganz klar: Die Bürger dieser Stadt wollen die CDU abwählen und wenn das Wahlergebnis den Umfragewerten gerecht wird, wäre es falsch, einen Weg zu gehen, bei dem sich die CDU wieder in die Regierung reinmogeln kann. Wenn wir einen Koalitionspartner brauchen, fragen wir die GAL.
Wie entspannen Sie, wenn Sie mal Zeit für sich haben?
Ich gehe joggen. Das ist im Moment leider etwas eingeschränkt, weil ich mich beim Laufen auf dem Eis verletzt habe. Normalerweise laufe ich 2-3 Mal die Woche - dann bin ich entspannt und gucke alle freundlich an! (lacht)
www.cduhamburg.de
Anja Hajduk (47) - GAL (Bündnis 90/ Die Grünen)

„Hamburgs Bürger haben einen hohen Anspruch, sich einzumischen…“
Welche Gründe führten zum Ausstieg der GAL aus der schwarz-grünen Koalition?
Es war eine relativ ungewöhnliche Beendigung, weil es keinen inhaltlichen Streit gab, sondern die Situation, dass die CDU ihre eigenen personellen Wechsel nicht verkraftet hat. Es ist ja nicht nur Ole von Beust gegangen, sondern es gab einen Erosionsprozess der offenkundig nicht zum Stillstand kam. Das war der Grund, aus dem wir gesagt haben, dass wir diese Koalition nicht mehr sinnvoll für Hamburg weiterlaufen lassen können. Es gab nicht mehr die Verlässlichkeit in der Zusammenarbeit. Das Steuerungszentrum war stark geprägt durch von Beust. Die Figur, die die Koalition gut integrierte, hat auf Seiten der CDU seit Sommer gefehlt. Wir Grünen hatten natürlich auch die eine oder andere Niederlage in unserer Regierungszeit. Dazu gehört z.B., dass ich das Kraftwerk Moorburg genehmigen musste - das war allerdings ein juristisches Problem, das man politisch nicht mehr bremsen konnte.
Dafür haben die Bürger die Schulreform gebremst…
…und das akzeptieren wir auch. Trotzdem wird die Schulpolitik weiterhin wichtig sein. Die Themen mehr Ganztagsschulen, sowie die Stärkung von Stadtteilschulen bleiben aktuell. Eine gerechte Bildungspolitik kommt nicht automatisch, sondern die muss man entsprechend mit Inhalt füllen.
Stichwort Elbvertiefung…
Hier vertreten Die Grünen eine Minderheitenposition, was die bisherige politische Stimmung der Stadt angeht. Wir halten die Elbvertiefung für ökologisch sehr problematisch, sind aber realistisch genug, dass wir nicht versprechen können, die Elbvertiefung zu verhindern.
Wird die A7 „gedeckelt“?
Das Thema habe ich während meiner Zeit als Stadtentwicklungs- und Umweltsenatorin sehr weit voran gebracht. Die Menschen müssen vor dem Autobahnlärm geschützt werden, und der Deckel schafft die Möglichkeit, die Stadtteile im Westen Hamburgs wieder zusammen zu bringen. In diesem Punkt sehe ich Unterstützung von beiden großen Parteien. Für uns kommt es jetzt darauf an, stark genug zu werden, um mit der SPD eine Mehrheit zu schaffen.
Die CDU ist ausgeschlossen?
Ja, die CDU ist als Regierungspartner zu diesem Wahltermin definitiv ausgeschlossen.
Kommt die Stadtbahn?
Ich halte die Stadtbahn weiterhin für ein sinnvolles Instrument, um den öffentlichen Nahverkehr in Hamburg weiterzuentwickeln. Ich weiß, dass es innerhalb der Öffentlichkeit Widerstand und Skepsis gibt - damit muss man sich auseinander setzen. Aber das ist kein Grund, um von so einem sinnvollen Thema Abstand zu nehmen.
Eine weitere große Baustelle ist die Elbphilharmonie…
Die Elbphilharmonie hat durch die explosionsartigen Kostensteigerungen an Akzeptanz eingebüßt. Deshalb muss in Zukunft strikt darauf geachtet werden, dass bei der Auseinandersetzung zwischen Stadt und Bauunternehmen die Kosten eingehalten werden. Wenn man das ab jetzt verlässlich zu Ende bringt, wird sicherlich mit einigem Abstand gesagt werden können, dass es ein schönes Gebäude geworden ist.
Die GAL fordert „Hamburg soll Musikstadt werden“. U.a. zu diesem Zweck soll eine Kulturtaxe erhoben werden.
Kultur ist für die Ausstrahlungskraft einer Großstadt sehr wichtig. Wenn wir sagen, „Hamburg soll Musikstadt werden“, dann heißt es, dass die Politik sich kümmern und Voraussetzungen dafür schaffen muss. Weil es im Haushalt immer wieder Engpässe gibt und wir im Bereich der Kulturförderung Probleme der Unterfinanzierung haben, hat die GAL die Idee entwickelt, eine Kulturtaxe einzuführen, die dauerhaft der Kulturfinanzierung zu Gute kommt. Diese soll in einer Größenordnung von bis zu 10 Millionen Euro im Jahr eingerichtet werden.
…dann gibt es evtl. Probleme, diese Summe fair zu verteilen.
Ich glaube, dass die Kulturinstitutionen der Stadt eine auskömmliche Unterstützung brauchen. Dabei ist die Vielfalt wichtig, und dass man sich nicht nur auf etablierte große Unternehmen beschränkt, sondern auch Gelder für kleine Ateliers zur Verfügung stellt, in denen sich Künstler entwickeln können. Das macht für mich eine gute Kulturpolitik aus.
Wie nehmen sie privat an der Hamburger Kultur teil?
Ich bin geprägt durch Musik, weil ich selber im klassischen Bereich singe. Ich habe früher in Chören die Alt-Stimme übernommen - auch auf Konzerten. Heute gehe ich gern in die Oper, besuche aber auch die Hip Hop-Akademie, wenn sie mal wieder in den Fliegenden Bauten zu Gast ist.
Zum Thema Wohnungsnot in Hamburg…
Ich war in meiner Rolle als Senatorin auch mit diesem Bereich befasst. Wir haben an wichtigen Punkten entscheidend die Richtung geändert. U.a. haben wir gefordert, dass wir wieder mehr Geschoss- und Mietwohnungsbau brauchen, sowie mehr Sozialwohnungen - da haben wir die Zahl bereits von 600 auf ca. 1200 verdoppelt. Außerdem besitzt die Stadt sehr viele Flächen in Hamburg. Wenn diese verkauft werden, darf das nicht unter dem Gesichtspunkt geschehen, wie man den höchsten Preis dafür erzielt, sondern nach dem besten Baukonzept. Darüber hinaus muss man auch schauen, wo es ungenutzte Flächen - insbesondere leerstehende Gewerbeflächen - gibt, die man für Wohnungen bereithalten kann. Außerdem arbeiten wir an sozialen Erhaltungsverordnungen gegen die sogenannte Gentrifizierung (Immobilien sozial schwächerer Viertel werden zu (Luxus)- Eigentum umgewandelt). Das haben wir bereits in vier Quartieren - St. Pauli, St. Georg, sowie Teilen von Ottensen und der Schanze - erfolgreich umgesetzt.
2008 hat die Hamburger GAL 9,6 % erreicht. Was erhoffen Sie sich dieses Mal?
Wir haben mit dem Vorstand bislang gar keine Prozentzahl definiert. Ich glaube, die guten Umfragen dürfen wir noch nicht für bare Münze nehmen. Aber wir haben ein klares Wahlziel: Wir wollen so stark werden, dass wir mit der SPD eine Mehrheit haben. Das heißt umgekehrt aber auch, dass die SPD keine absolute Mehrheit erringt…
www.hamburg.gruene.de
DORA HEYENN (61) - DIE LINKE
Bei der letzten Wahl wollten Sie 8% erreichen und sind bei 6,4 % gelandet...
Tja, damals hat eine Landtagskandidatin aus Niedersachsen im Fernsehen ein bisschen mit Steinen geworfen... Aber mit 8 Abgeordneten zum ersten Mal in der Bürgerschaft zu sein, war für uns eigentlich ein ganz guter Start. Alle waren sehr fleißig, haben sich an der Sache orientiert, und obwohl wir so unterschiedlich sind, haben wir sehr einig nach außen agiert. Wenn wir wieder solch eine Fraktion hinkriegen, wäre das schön. Wir haben auch auf den ersten 10 Listenplätzen 7 der jetzigen Fraktion, was noch mal bestätigt, dass die Partei mit der Bürgerschaftsfraktion zufrieden war. 3 Neue haben wir auch: 2 ganz junge Frauen, davon eine mit Migrationshintergrund, und einen Mann aus dem Bankbereich. Insofern glaube ich, dass wir wieder mit einer ganz guten Fraktion zusammen finden.
Was waren denn bisher die schlimmen Stellen der Regierung?
Dass die Koalition so früh auseinander geflogen ist. Dass Hamburg die Drehscheibe für die Atomtransporte ist, obwohl eine Partei wie Die Grünen im Senat sitzt. Die haben sich nie mit der CDU einigen können und waren nicht mal dazu in der Lage, die Menschen in Hamburg dazu aufzurufen, sich an der Menschenkette zu beteiligen. Und dann gab es natürlich noch das Thema Elbphilharmonie, bei dem wir als einzige Partei gegen eine finanzielle Aufstockung waren. Wir waren auch die Einzigen, die dem Rettungsprojekt für die HSH Nordbank nicht zugestimmt haben. Und wir haben deutlich gemacht, dass Hamburg nicht die Stadt der 1-Euro-Jobber sein darf. Ein weiterer negativer Punkt ist die momentane Schwächung des öffentlichen Schulwesens. Mindestens 70% der Eltern melden ihr Kind am Gymnasium an. Dadurch wird die Stadtteilschule das, was früher die Hauptsschule war. Es gibt in Hamburg einfach eine extreme soziale Selektion: Trotz stetig steigender Anzahl an Privatschulen haben wir den größten Fördersatz für Privatschüler. Als Ole von Beust anfing, lag der bei 65%, heute sind es 85%. Darauf haben wir aufmerksam gemacht und erreicht, dass der Elternbeitrag auf € 200,- gedeckelt wurde und Privatschulen zum ersten Mal nach Kriegsende kontrolliert wurden. Wenn das bundesweit passieren würde, könnten wir jährlich ca. 20 Millionen fürs öffentliche Schulwesen sparen.
Wir steht die Linke zur Stadtbahn ?
Unser Parteitag hat beschlossen, dass abgeschnittene Stadtteile wie Bramfeld und Steilshoop besser in den öffentlichen Nachverkehr eingeschlossen werden müssen. Also im Prinzip befürworten wir die Stadtbahn, sofern genügend Zuschüsse auf Bundesebene gewährleistet sind.
Und die Deckelung der A7?
... ist unbedingt notwendig. Wir haben sowieso ein Problem damit, dass die Verkehrswege so ausgebaut werden sollen. Denn je mehr Straßen ich ausbaue und je mehr Autobahnen ich habe, umso mehr Verkehr kriege ich auf die Straße. Und eigentlich sollte es ja umgekehrt sein...
Die Stadtrad-Idee...
... ist gut, nur für die Fahrräder brauchen wir natürlich auch Fahrradwege und daran hapert es...
Die Kita-Gebührenerhöhung findet ja sicherlich keine Zustimmung bei den Linken...?
Wir sind für gebührenfreie Bildung von der Kita bis zur Hochschule. Als Erstes würden wir die Studiengebühren abschaffen. Ich selbst bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und habe von der Öffnung der Universitäten für andere soziale Schichten profitiert. Ich bin die Erste in unserer Familie, die Abitur gemacht hat. Damals war der Anteil an Arbeiterkindern an deutschen Hochschulen schon relativ gering, aber mittlerweile ist er erschreckend zurückgegangen.
Woher soll das Geld für die Gebührenabschaffung kommen?
Das nehmen wir uns einfach.
In der Bürgerschaftssitzung, in der wir die Abschaffung der Studiengebühren gefordert haben, wurden 120 Mio. für den Versorgungsfond geschlossen und 110 Mio. für ein neues System in der Sozialbehörde. Die langfristige Einstellung von 150 Steuerprüfern, die dafür sorgen, dass auch die Einkommensmillionäre geprüft werden, wurde hingegen abgelehnt. Dabei hätten diese Jobs 160 Mio. pro Jahr gebracht. Natürlich reicht das noch nicht - es muss auch auf Bundesebene eine Vermögenssteuer geben...
Was ist noch geplant?
Wir werden diese Woche beantragen, dass alle Parteien in der Bürgerschaft eine Zurücknahme der Kita-Gebühren erklären.
Und in der letzten Sitzung im Februar beantragen wir eine Erklärung aller Bürgerschaftsfraktionen, dass sie nicht ans Weihnachtsgeld rangehen.
Außerdem werden wir weiterhin klarmachen, dass Demonstration ein Grundrecht ist und man sich gegen Übergriffe von Polizisten wehren können muss.
Nichtwähler versuchen wir mit Hausbesuchen neu zu motivieren.
Thema Wohnungsknappheit...
Natürlich plädieren alle Bürgerschaftsparteien für mehr Wohnungen. Wir sagen konkret, dass wir 8000 bezahlbare Wohnungen pro Jahr brauchen. Denn es gibt unglaublich viele Menschen, die mit relativ normalem Gehalt keine Wohnung mehr in Hamburg finden.
Wir haben immer gefordert, dass man alle Ressourcen nutzen muss, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – nicht den in der Hafencity, den können wir vergessen...
Was macht Sie sonst noch aus?
Wir sind die Partei, die auf den ersten 10 Listenplätzen 2 Migranten hat. Wir sprechen auch ganz bewusst die entsprechenden Communities wie Türken, Araber, Kurden etc an. Wir haben auch die notwendigen Kontakte, da alle 8 Abgeordneten in den letzten Jahren nicht nur im Rathaus Politik gemacht haben, sondern auch mit Umweltbewegungen, Bürgerrechtsinitiativen und Migrantenorganisationen vernetzt waren. Wir treten für das kommunale Wahlrecht ein und möchten, dass die Hamburger Migranten gleichberechtigt werden.
Was machen Sie, wenn Sie mal Zeit für sich haben?
Bei diesem Wetter gehe ich in die Töpferwerkstatt oder schmeiß die Nähmaschine an. Im Sommer tobe ich im Garten rum.
Sind Sie auch viel in der Live-Szene unterwegs?
Nein, zu Hause fühle ich mich am wohlsten. Deshalb fahre ich auch kaum in Urlaub.
Aber je einmal im Monat geh ich mit Kollegen aus dem Parlament in eine Ausstellung und mache mit meiner Tochter einen Kulturabend, z. B. im Theater.
Gibt es ein Theater, das sie besonders gern mögen?
Ja, das Altonaer Theater, das Ernst Deutsch Theater und das Thalia Theater. Das Schauspielhaus ist nicht meine Welt, da laufen mir immer so viele nackte Leute über die Bühne, und ich weiß gar nicht warum...
www.die-linke-hh.de
CLAUDIUS HOLLER (33) - DIE PIRATEN
„Wir können die 5 % knacken…“
Die PIRATEN mussten 1000 Unterstützungsunterschriften für die Zulassung zur Landesliste sammeln…
…und um in allen mit Kandidaten besetzten Wahlkreisen und Bezirken antreten zu können, benötigten wir sogar mindestens 3750 verifizierte Unterschriften. Dieses Ziel in knapp viereinhalb Wochen bei Minustemperaturen und Feiertagstrubel zu erreichen, war hart. Glücklicherweise haben wir an Zuspruch gewonnen - in vielen Stadtteilen haben im Schnitt zwei von drei Bürgern unterschrieben. Viele Menschen kennen uns bereits - z.B. auch eine 80 Jahre alte Frau, die mich fragte, warum wir denn noch Unterschriften sammeln müssen, weil sie uns doch letztes Mal schon gewählt hat! (lacht)
Warum soll man statt den LINKEN oder den GRÜNEN die PIRATEN wählen?
Die GRÜNEN haben einen großen Netzpolitik-Beitrag in ihrem Wahlprogramm, der dem widerspricht, was sie in den letzten sechs Monaten abgestimmt haben. Für uns sind das Kernthemen, die nicht verhandelbar sind - bei den GRÜNEN ist das Verhandlungsmasse. In NRW haben sie u.a. für die Vorratsdatenspeicherung gestimmt! Bei uns würde so etwas nicht passieren - wenn einem ein Thema wichtig ist, kann man nur bei uns sicher sein, dass wir wirklich dafür fighten. Die GRÜNEN sind in diesem Punkt unglaubwürdig, und die FDP ist es auch.
Frau Leutheusser-Schnarrenberger hat allerdings ihre Meinung geändert…
Sie wird bei uns schon immer als verkapptes Piratenmitglied bezeichnet. (lacht) Was uns ganz klar unterscheidet ist, dass wir extrem basisdemokratisch arbeiten. Jedes von unseren 12.000 Mitgliedern hat das gleiche Stimmrecht und kann sich mit einbringen. Das geht natürlich nicht nur über das Internet: Wir treffen uns jeden Dienstag um 19 Uhr zum offenen Stammtisch im Haus III&70.
Wieviele Hamburger PIRATEN gibt es aktuell?
Zur Zeit gibt es hier 461 offizielle PIRATEN - wir haben uns seit der letzten Wahl knapp verzehnfacht. Das Thema Zensur im Internet hat uns einen Riesenschub gebracht.
Stichwort WikiLeaks.
Die Schweizer PIRATEN Partei war die erste, die einen Mirror (Inhalte sind komplett verfügbar) für WikiLeaks eingerichtet hat. Dem hat sich die deutsche Partei nach zwei Tagen angeschlossen. Mittlerweile gibt es ca. 500 Seiten, die WikiLeaks offiziell spiegeln, und damit dafür sorgen, dass die Inhalte nicht gelöscht werden können, weil dann müssten die Amis deutsches Recht brechen.
Zum Thema Datenschutz.
Unsere Zielgruppe hat sich durch das Thema massiv erweitert. Auch 40-, 50- und 60-jährige unterschreiben gern bei uns, weil sie mittlerweile verstehen, was wir mit Datenschutz meinen. Von Krankendaten und Arbeitsfehltagen auf einer Speicherkarte, bis zum neuen digitalen Personalausweis, fühlt sich jeder angesprochen. Man muss nichts Böses tun, um etwas zu verbergen zu haben. Entscheidend ist, dass der Staat mittlerweile Grenzen überschreitet. Die Vorratsdatenspeicherung ist rechtlich gesehen ziemlich unsauber…
Die Studien- und Kita-Gebühren…
…müssen weg! Wenn wir ein kinderfreundliches Land sein möchten, ist das Baustein Nummer Eins. Und wenn die SPD das wirklich umsetzen möchte, würden wir das mittragen.
Zur aktuellen Wohnungsnot-Debatte…
Die PIRATEN Partei fordert eine Neuorientierung der Wohnraumförderung. Die Vergabe von öffentlichen Bauaufträgen muss transparent und nachvollziehbar erfolgen. Des Weiteren setzen wir uns für die Ausweitung der Möglichkeiten von alternativen Wohnformen, z.B. dem Leben auf Bauwagenplätzen, ein.
Zur Stadtbahn…
Hier gilt: „ÖPNV für lau!“ - wir PIRATEN streben eine kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel für alle Bürger an. Außerdem setzt sich die Partei für den Bau der Stadtbahn als ökologisch sinnvolles Verkehrsmittel ein. Die Kapazitäten des öffentlichen Nahverkehrs sollen ausgebaut werden.
Die Elbvertiefung…
…möchten wir streichen. Das ist ein Wettkampf, den wir nicht gewinnen können - es sei denn, wir würden den Elbtunnel aufgraben. Wir wollen ein bundesweites Hafenkonzept mit Wilhelmshaven und Bremerhaven entwickeln, und versuchen, den Hamburger Hafen als Umschlagplatz anzubinden. Die Elbvertiefung würde 400 Millionen Euro kosten - dafür kann man eine ganze Menge Stadtbahn bauen und Kita-Plätze günstiger machen.
Was geht Hamburg sonst noch an?
Die PIRATEN fordern, die Kameraüberwachung im öffentlichen Raum einzustellen. Ebenso soll das Ganzkörperscanner-Projekt am Hamburger Flughafen beendet werden. Wir streben einen Ausstieg aus dem Kirchensteuersystem an - Hamburg soll keine Kirchensteuern mehr zahlen!
Wieviel Prozent erhoffen sich die PIRATEN?
Unsere Selbsteinschätzung ist FDP plus x. Nach dem, was wir aktuell auf der Straße erleben, - auch wenn die Umfragen noch anders aussehen - haben wir keinen grünen Wähler getroffen, der nicht angewidert ist von dem, was seitens der GAL in der letzten Regierung passiert ist. Deshalb schließen wir es nicht aus, dass wir die 5% knacken können.
Was machst du als PIRAT privat?
Um dem Vorwurf gegen illegales Filesharing entgegen zu wirken: Ich bin begeisterter Musiksammler und besitze 2000 CDs und 1000 LPs! (lacht)
www.piratenpartei-hamburg.de

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