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HAMBURGS WAKEBOARD WELTMEISTER (0811)
Fotos: Bernhard-Hinterberger.com & benjaminwiedenhofer.com

Fredy von Osten
Wind war gestern. „Da wird einem ja kalt!“, lacht Wakeboard-Ass Fredy von Osten. Der 18-jährige Hamburger gehört zur Weltelite der jungen Wassersportart, der Bernhard Hinterberger (28) ins Rampenlicht verhalf.

Bernhard Hinterberger
OXMOX traf die beiden Sunnyboys auf einen Eistee - hier darf man den Begriff Fun-Sportler gern wörtlich nehmen…
„Natürlich gehört das Feiern bei unserem Sport zum Lifestyle dazu. Da kann es schon mal heftig zugehen. Am Schlimmsten ist es im Winter, wenn fast 80 Prozent aller Rider an dieselben Spots nach Thailand oder Südafrika fahren. Da hast du dann 20-30 Profi-Wakeboarder, die 2-3 Monate lang Scheiße machen!“, lacht Bernhard. Das besondere Lebensgefühl ist sicherlich auch einer der Gründe, warum sich der Sport immer größerer Beliebtheit erfreut. Ende der 80er entstand Wakeboarden, als eine Mischung aus Wasserski und Wellenreiten. Wenn die Surfer an Kaliforniens Küste während einer Flaute auf passende Wellen warteten, ließen sie sich von einem Motorboot ziehen. An Wasserskiliften - auch Cables genannt - ist Wakeboarden ohne Boot möglich.

Bernhard Hinterberger
„Inzwischen gibt es in Deutschland mehr als 80 Wasserskilifte - in Amerika sind es nicht mal zehn! Die Anlagen haben sich in den letzten Jahren sehr verändert. Es gibt immer mehr Obstacles (Rampen, wie z.B. Kicker, Slider oder Funbox). Vorher gab es nur den leeren See, auf dem du deine Sprünge versucht hast. Das war relativ schwer und schmerzvoll“, erinnert sich Bernhard, der 1995 mit dem Wakeboarden begann, und in den zehn Jahren seiner Profi-Karriere fleißig Titel sammelte (u.a. 3x Weltmeister, 7x Europameister, 6x Deutscher Meister und 3x World Athlete of the Year). „Heute haben Neueinsteiger es wesentlich leichter - du fährst auf den Kicker, und Schwupps stehst du zwei Meter in der Luft!“ Die Seilbahn zieht einen Wakeboarder normalerweise mit 30 km/h.

Über einen Kicker kann man ca. 4 Meter Sprunghöhe erreichen - bei besonderen Tricks können es sogar bis zu 10 Meter werden. „Mein Dad hat sich mit 53 Jahren zum ersten Mal auf ein Wakeboard gestellt“, grinst Fredy. „Mir fällt auf, dass neben den Kids auch immer mehr Menschen kommen, die z.B. eine Alternative zum Fitnessstudio suchen. In Hamburg haben wir zwei tolle Bahnen in Harburg und Pinneberg. Dort kann man auch bei freiem Eintritt im Beach-Club chillen, und den Boardern zuschauen. Meistens stellt man sich dann früher oder später selber auf`s Brett, und holt sich als Nächstes eine Jahreskarte!“ (lacht)


Fredy von Osten Bernhard Hinterberger
Hält es einen erstmal auf dem Wakeboard, zieht es die Rider fast täglich ans Wasser - hier werden die waghalsigsten Sprünge trainiert. „Ich habe z.B. den Eastmobe erfunden. Ein Vorwärtssalto mit einer 180 Grad Drehung, gefolgt von einer 360 Grad Schraube in die entgegen gesetzte Richtung. Hört sich komisch an, ist aber so! Den fahren mittlerweile sogar die amerikanischen Rider, wie z.B. Tom Fooshee“, erklärt Fredy, der u.a. Telekom Extreme Playgrounds Winner 2010, Junior Weltmeister und Rider of The Year 2010 ist.

„Im Contest (Wettbewerb) zeigt man einen guten Mix aus coolen und anspruchsvolleren Tricks. Die müssen schön aussehen, hoch und weit sein. Die Sprungschanzen sind von Wettkampf zu Wettkampf unterschiedlich. Deshalb trainiert man schon ein paar Tage vorher auf der Anlage, und fährt den Run, den man sich im Kopf zurechtgelegt hat. Aber natürlich nicht zu offensichtlich, denn da lauern alle drauf!“ (lacht) Neben dem normalen Cable gibt es Disziplinen, wie Obstacles Only, oder die Rider springen in Schwimmbädern von einem Pool zum anderen. Und dann gibt es die Winch.

Eine kleine Seilwinde, mit der man direkt in die Natur gehen kann. „Das macht richtig Spaß, wenn es ein guter Spot direkt in der City oder in einem Wald ist. In Hamburg würde sich Planten un Blomen perfekt eignen - bis die Polizei kommt“, lacht Bernhard. „Das ist mir schon passiert, weil es illegal ist. Meistens finden die Polizisten es aber cool und sagen: Fahrt noch ein paar Runden, und dann haut ab. In Amerika ist das viel krasser - da werden sogar 13-jährige Skater verhaftet, wenn sie ihre Tricks an den falschen Plätzen machen!“

Fredy von Osten
Dafür gibt es auf der ganzen Welt eine Menge Spots, an denen Fun-Sportler richtig Spaß haben können: „Die Philippinen sind immer eine Reise wert, Thailand und Südafrika haben auch super Wake-Parks! Man wird nie ein Pro-Fahrer, wenn man nur zuhause bleibt - da kannst du noch so gut sein. Bisher ist das bei mir leider etwas zu kurz gekommen. Aber jetzt habe ich meinen Schulabschluss in der Tasche, und kann durchstarten!“, lacht Fredy, der Nenas` Neue Schule Hamburg besucht hat. „Der Sport und das Reisen haben mich tatsächlich geprägt“, erinnert sich Bernhard. „Wir lernen in den Ländern die Locals und ihre Familien kennen - teilweise kommen wir auch dort unter. Wenn man drei Monate in einem Land ist, bekommt man alle Facetten mit - von den Ladyboys in Bangkok, über Kinder, die auf den Philippinen im Dreck spielen müssen...“ Mindestens so schwer wie die Eindrücke, wiegt das Gepäck. „Wir reisen eigentlich immer mit Übergepäck. Generell gehen beim Wakeboarden die meisten Kosten für die Reisen drauf. Ich musste einmal 450 € auf ein 500 € Ticket von Johannesburg nach München zahlen!“

Hierfür braucht jeder Rider Sponsoren. Und die wollen Ergebnisse und Erfolge sehen. Es gibt z.B. die Wake Park World Series, ausgerichtet von der WWA (World Wakeboard Association). An diesem weltweiten Contest nimmt eigentlich jeder Profi teil. Der letzte Tourstopp für 2011 sind die Telekom Extreme Playgrounds am 28. August auf der Wasserski-Arena in Pinneberg.

Heimvorteil für Fredy, der in diesem Jahr seinen Titel gegen die internationale Elite verteidigt. Aufgeregt ist er schon, und schlafen wird er die Nacht vor`m Contest auch nicht können. Wer weiß, vielleicht siegt er am Ende ja doch wieder mit seinem Lieblingsmotto: „Lieber wiederlich, als wieder nicht!“ Stefanie Ohl

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