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WAHL-SPEZIAL
Die Qual der Wahl Bürgerschafts- und Bezirksversammlungswahlen am 20. Februar
Im Stadtstaat Hamburg wird zum 20. Mal eine neue Bürgerschaft gewählt - weil die GAL die bundesweit erste schwarz-grüne Koalition auf Landesebene am 28. November 2010 verlassen hat. Während die CDU Umfragen zufolge mit massiven Verlusten rechnen muss, dürften sich die GRÜNEN über Stimmzuwachs freuen. Doch „Vorsicht und Obacht“, warnt GAL-Parteivorsitzende Katharina Fegebank (33). „Da ist der Drops noch nicht gelutscht…“
Es ist ein kurzer aber heftiger Wahlkampf, in dem sich die Hamburger Parteien befinden. Und selbst der Wahlsieger scheint so gut wie sicher: Aktuelle Umfragen sehen eine klare Mehrheit über 40 % für die SPD. Die GRÜNEN kämen auf mindestens 20 % und die CDU nur wenig darüber. Die LINKEN würden die 5%-Hürde überspringen, während die FDP darunter bleibt… So weit, so spekulativ. Trotzdem wäre es eine Sensation, wenn die Sozialdemokraten demnächst nicht an Elbe und Alster regierten. Spitzenkandidat Olaf Scholz (52) hat bereits angekündigt, mit der GAL koalieren zu wollen. Diese hatte im Herbst die seit 2008 bestehende schwarz-grüne Koalition aufgekündigt und dem designierten Bürgermeister Christoph Ahlhaus (41) vorgeworfen, ihm sei der Neustart nicht gelungen. (OvB. 55, arbeitet mittlerweile wieder als Rechtsanwalt und in einer Unternehmensberatung) Ahlhaus warf daraufhin der GAL und dem CDU-Parteitag vor, aus reinem Machtkalkül gehandelt zu haben.
Die CDU wählte Ahlhaus mit 93,5 % der Stimmen zu ihrem Spitzenkandidaten. „Ich sage Ihnen, ich bin richtig gut drauf“, äußerte Ahlhaus und bemerkt über seinen Herausforderer von der SPD, „der verspricht jedem alles.“ Scholz kündigte an, die Bildungspolitik zu einem zentralen Punkt seiner Regierung zu machen - an der war schwarz-grün nämlich gescheitert. Die GAL schickt mit knapp 86 % der Stimmen die frühere Stadtentwicklungssenatorin Anja Hajduk (47) als Spitzenkandidatin ins Rennen. Ziel der GRÜNEN ist es, die Regierungsbeteiligung fortzusetzen - diesmal mit der SPD, denn „eine große Koalition würde Hamburg lahm legen und eine SPD-Alleinregierung bedeutet Stillstand.“
Eine große Koalition kann sich Ahlhaus hingegen vorstellen, denn es ist auch höchst unwahrscheinlich, dass die FDP um Katja Suding (35) ins Hamburger Rathaus einzieht, nachdem sie bereits bei den letzten beiden Wahlen an der 5%-Hürde scheiterte. Und es gibt ja auch noch die LINKE, die als erster Verband im Westen ihren Platz in einem Landesparlament zu verteidigen hat. Fraktionsvorsitzende Dora Heyenn (61) wurde mit 94 Stimmen zur Spitzenkandidatin gewählt. Das ist noch nicht alles - insgesamt wurden zwölf Parteien und eine Wählervereinigung mit 323 Personen zugelassen. Dazu gehören (in alphabetischer Reihenfolge):
1. Bündnis 90/DIE GRÜNEN (GRÜNE/GAL) als Partei
2. Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit (BIG Hamburg) als Partei
3. Bürgerliche Mitte (Bü-Mi) als Wählervereinigung
4. Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) als Partei
5. DIE LINKE (DIE LINKE) als Partei
6. Freie Demokratische Partei (FDP) als Partei
7. FREIE WÄHLER Hamburg (FREIE WÄHLER) als Partei
8. Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) als Partei
9. ÖKOLOGISCH-DEMOKRATISCHE PARTEI (ÖDP) als Partei
10. Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die PARTEI) als Partei
11. Piratenpartei Deutschland (PIRATEN) als Partei
12. Rentner Partei Deutschland (RENTNER) als Partei
13. Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) als Partei
Nicht zugelassen wurde die Landesliste der Wählervereinigung „Nordabgeordnete (WNA)“, weil sie nicht die erforderlichen 1.000 Unterstützungsunterschriften vorgelegt hatte. Der Antrag der „Sarazzistischen Partei - für Volksentscheide SPV Atom-Stuttgart21 (SPV)“ auf außerordentliche Zulassung wegen der verkürzten Vorlaufzeit dieser Wahl wurde vom Landeswahlausschuss abgelehnt. Unterschiedliche Einzelkandidaten haben es ebenfalls nicht auf den Wahlzettel geschafft: Ralf Apelt (Bildung sichert Rente), Michael Gerdes, Karl-Peter Grube (Für mehr Menschlichkeit), Detlef Grumann (Für eine faire Arbeitswelt), Margit Ricarda Rolf, Romuald Jasinski, Marouf Shadab (Für die Rechte und Pflichten der Minderheiten in Hamburg), Mustafa Mesut Yasar (Für ein besseres Miteinander).
Für die PIRATEN, die mit einem im Vergleich zu 2008 schätzungsweise nochmal deutlich verbesserten Ergebnis auf den Einzug in die Bürgerschaft hoffen, wird dies die Wahl der Qual: Den Steuerzahlern steht die teuerste Abstimmung aller Zeiten bevor! Wenn am 20. Februar gewählt wird, werden viele Bürger ratlos an den Urnen stehen, denn sie sollen 20 Kreuze auf mehrere hundert Politiker verteilen. Nach dem Volksbegehren im Sommer 2009 wurde das Wahlrecht noch komplizierter. Statt eine Partei zu wählen, können jetzt auch auf der Landesliste (entscheidet über die Sitzverteilung im Parlament) fünf Stimmen für Parteien und Kandidaten vergeben werden, von denen jede Partei bis zu 60 aufstellt. Dazu kommen die Wahlkreise: Hier kann man seine fünf Stimmen nicht mehr einer Partei geben, sondern muss sie auf Dutzende Kandidaten verteilen. Gleiches gilt für die parallele Bezirkswahl. Als Entscheidungshilfe sind auf dem Wahlzettel der Name, das Alter und der Beruf der jeweiligen Kandidaten angegeben. Deshalb ist für diese nur eins entscheidend: Sie müssen ihren Namen bekannt machen! „Viele Kandidaten investieren bis zu 10.000 €“, erklärt Robert Heinemann, Sprecher der CDU und Kandidat in Ottensen. „Damit entscheidet auch das private Vermögen darüber, ob jemand ins Parlament kommt.“ Die Wahl 2008 hatte 14,4 Millionen Euro gekostet. 2011 wird noch teurer, weil statt zwölf jetzt 20 Stimmen ausgezählt werden müssen. 15.000 Wahlhelfer sind dafür von Sonntag bis Mittwoch im Einsatz und erhalten dafür zwischen 400 - 480 € Entschädigung. Die Wahlbeteiligung lag 2008 bei 63,5 %. Die CDU lag mit 42,6 % an der Spitze, gefolgt von der SDP (34,1 %), den GRÜNEN (9,6 %), der LINKEN (6,4 %), der FDP (4,8 %) und den PIRATEN (0,2 %). Und jetzt, liebe Leser, habt ihr die Qual der Wahl…
ANJA HAJDUK (47)
- GAL (Bündnis 90 / Die Grünen)
„Hamburgs Bürger haben einen hohen Anspruch, sich einzumischen…“
Welche Gründe führten zum Ausstieg der GAL aus der schwarz-grünen Koalition?
Es war eine relativ ungewöhnliche Beendigung, weil es keinen inhaltlichen Streit gab, sondern die Situation, dass die CDU ihre eigenen personellen Wechsel nicht verkraftet hat. Es ist ja nicht nur Ole von Beust gegangen, sondern es gab einen Erosionsprozess der offenkundig nicht zum Stillstand kam. Das war der Grund, aus dem wir gesagt haben, dass wir diese Koalition nicht mehr sinnvoll für Hamburg weiterlaufen lassen können. Es gab nicht mehr die Verlässlichkeit in der Zusammenarbeit. Das Steuerungszentrum war stark geprägt durch von Beust. Die Figur, die die Koalition gut integrierte, hat auf Seiten der CDU seit Sommer gefehlt. Wir Grünen hatten natürlich auch die eine oder andere Niederlage in unserer Regierungszeit. Dazu gehört z.B., dass ich das Kraftwerk Moorburg genehmigen musste - das war allerdings ein juristisches Problem, das man politisch nicht mehr bremsen konnte.
Dafür haben die Bürger die Schulreform gebremst…
…und das akzeptieren wir auch. Trotzdem wird die Schulpolitik weiterhin wichtig sein. Die Themen mehr Ganztagsschulen, sowie die Stärkung von Stadtteilschulen bleiben aktuell. Eine gerechte Bildungspolitik kommt nicht automatisch, sondern die muss man entsprechend mit Inhalt füllen.
Stichwort Elbvertiefung…
Hier vertreten Die Grünen eine Minderheitenposition, was die bisherige politische Stimmung der Stadt angeht. Wir halten die Elbvertiefung für ökologisch sehr problematisch, sind aber realistisch genug, dass wir nicht versprechen können, die Elbvertiefung zu verhindern.
Wird die A7 „gedeckelt“?
Das Thema habe ich während meiner Zeit als Stadtentwicklungs- und Umweltsenatorin sehr weit voran gebracht. Die Menschen müssen vor dem Autobahnlärm geschützt werden, und der Deckel schafft die Möglichkeit, die Stadtteile im Westen Hamburgs wieder zusammen zu bringen. In diesem Punkt sehe ich Unterstützung von beiden großen Parteien. Für uns kommt es jetzt darauf an, stark genug zu werden, um mit der SPD eine Mehrheit zu schaffen.
Die CDU ist ausgeschlossen?
Ja, die CDU ist als Regierungspartner zu diesem Wahltermin definitiv ausgeschlossen.
Kommt die Stadtbahn?
Ich halte die Stadtbahn weiterhin für ein sinnvolles Instrument, um den öffentlichen Nahverkehr in Hamburg weiterzuentwickeln. Ich weiß, dass es innerhalb der Öffentlichkeit Widerstand und Skepsis gibt - damit muss man sich auseinander setzen. Aber das ist kein Grund, um von so einem sinnvollen Thema Abstand zu nehmen.
Eine weitere große Baustelle ist die Elbphilharmonie…
Die Elbphilharmonie hat durch die explosionsartigen Kostensteigerungen an Akzeptanz eingebüßt. Deshalb muss in Zukunft strikt darauf geachtet werden, dass bei der Auseinandersetzung zwischen Stadt und Bauunternehmen die Kosten eingehalten werden. Wenn man das ab jetzt verlässlich zu Ende bringt, wird sicherlich mit einigem Abstand gesagt werden können, dass es ein schönes Gebäude geworden ist.
Die GAL fordert „Hamburg soll Musikstadt werden“. U.a. zu diesem Zweck soll eine Kulturtaxe erhoben werden.
Kultur ist für die Ausstrahlungskraft einer Großstadt sehr wichtig. Wenn wir sagen, „Hamburg soll Musikstadt werden“, dann heißt es, dass die Politik sich kümmern und Voraussetzungen dafür schaffen muss. Weil es im Haushalt immer wieder Engpässe gibt und wir im Bereich der Kulturförderung Probleme der Unterfinanzierung haben, hat die GAL die Idee entwickelt, eine Kulturtaxe einzuführen, die dauerhaft der Kulturfinanzierung zu Gute kommt. Diese soll in einer Größenordnung von bis zu 10 Millionen Euro im Jahr eingerichtet werden.
…dann gibt es evtl. Probleme, diese Summe fair zu verteilen.
Ich glaube, dass die Kulturinstitutionen der Stadt eine auskömmliche Unterstützung brauchen. Dabei ist die Vielfalt wichtig, und dass man sich nicht nur auf etablierte große Unternehmen beschränkt, sondern auch Gelder für kleine Ateliers zur Verfügung stellt, in denen sich Künstler entwickeln können. Das macht für mich eine gute Kulturpolitik aus.
Wie nehmen sie privat an der Hamburger Kultur teil?
Ich bin geprägt durch Musik, weil ich selber im klassischen Bereich singe. Ich habe früher in Chören die Alt-Stimme übernommen - auch auf Konzerten. Heute gehe ich gern in die Oper, besuche aber auch die Hip Hop-Akademie, wenn sie mal wieder in den Fliegenden Bauten zu Gast ist.
Zum Thema Wohnungsnot in Hamburg…
Ich war in meiner Rolle als Senatorin auch mit diesem Bereich befasst. Wir haben an wichtigen Punkten entscheidend die Richtung geändert. U.a. haben wir gefordert, dass wir wieder mehr Geschoss- und Mietwohnungsbau brauchen, sowie mehr Sozialwohnungen - da haben wir die Zahl bereits von 600 auf ca. 1200 verdoppelt. Außerdem besitzt die Stadt sehr viele Flächen in Hamburg. Wenn diese verkauft werden, darf das nicht unter dem Gesichtspunkt geschehen, wie man den höchsten Preis dafür erzielt, sondern nach dem besten Baukonzept. Darüber hinaus muss man auch schauen, wo es ungenutzte Flächen - insbesondere leerstehende Gewerbeflächen - gibt, die man für Wohnungen bereithalten kann. Außerdem arbeiten wir an sozialen Erhaltungsverordnungen gegen die sogenannte Gentrifizierung (Immobilien sozial schwächerer Viertel werden zu (Luxus)- Eigentum umgewandelt). Das haben wir bereits in vier Quartieren - St. Pauli, St. Georg, sowie Teilen von Ottensen und der Schanze - erfolgreich umgesetzt.
2008 hat die Hamburger GAL 9,6 % erreicht. Was erhoffen Sie sich dieses Mal?
Wir haben mit dem Vorstand bislang gar keine Prozentzahl definiert. Ich glaube, die guten Umfragen dürfen wir noch nicht für bare Münze nehmen. Aber wir haben ein klares Wahlziel: Wir wollen so stark werden, dass wir mit der SPD eine Mehrheit haben. Das heißt umgekehrt aber auch, dass die SPD keine absolute Mehrheit erringt…
CLAUDIUS HOLLER (33)
- DIE PIRATEN
„Wir können die 5 % knacken…“
Die PIRATEN mussten 1000 Unterstützungsunterschriften für die Zulassung zur Landesliste sammeln…
…und um in allen mit Kandidaten besetzten Wahlkreisen und Bezirken antreten zu können, benötigten wir sogar mindestens 3750 verifizierte Unterschriften. Dieses Ziel in knapp viereinhalb Wochen bei Minustemperaturen und Feiertagstrubel zu erreichen, war hart. Glücklicherweise haben wir an Zuspruch gewonnen - in vielen Stadtteilen haben im Schnitt zwei von drei Bürgern unterschrieben. Viele Menschen kennen uns bereits - z.B. auch eine 80 Jahre alte Frau, die mich fragte, warum wir denn noch Unterschriften sammeln müssen, weil sie uns doch letztes Mal schon gewählt hat! (lacht)
Warum soll man statt den LINKEN oder den GRÜNEN die PIRATEN wählen?
Die GRÜNEN haben einen großen Netzpolitik-Beitrag in ihrem Wahlprogramm, der dem widerspricht, was sie in den letzten sechs Monaten abgestimmt haben. Für uns sind das Kernthemen, die nicht verhandelbar sind - bei den GRÜNEN ist das Verhandlungsmasse. In NRW haben sie u.a. für die Vorratsdatenspeicherung gestimmt! Bei uns würde so etwas nicht passieren - wenn einem ein Thema wichtig ist, kann man nur bei uns sicher sein, dass wir wirklich dafür fighten. Die GRÜNEN sind in diesem Punkt unglaubwürdig, und die FDP ist es auch.
Frau Leutheusser-Schnarrenberger hat allerdings ihre Meinung geändert…
Sie wird bei uns schon immer als verkapptes Piratenmitglied bezeichnet. (lacht) Was uns ganz klar unterscheidet ist, dass wir extrem basisdemokratisch arbeiten. Jedes von unseren 12.000 Mitgliedern hat das gleiche Stimmrecht und kann sich mit einbringen. Das geht natürlich nicht nur über das Internet: Wir treffen uns jeden Dienstag um 19 Uhr zum offenen Stammtisch im Haus III&70.
Wieviele Hamburger PIRATEN gibt es aktuell?
Zur Zeit gibt es hier 461 offizielle PIRATEN - wir haben uns seit der letzten Wahl knapp verzehnfacht. Das Thema Zensur im Internet hat uns einen Riesenschub gebracht.
Stichwort WikiLeaks.
Die Schweizer PIRATEN Partei war die erste, die einen Mirror (Inhalte sind komplett verfügbar) für WikiLeaks eingerichtet hat. Dem hat sich die deutsche Partei nach zwei Tagen angeschlossen. Mittlerweile gibt es ca. 500 Seiten, die WikiLeaks offiziell spiegeln, und damit dafür sorgen, dass die Inhalte nicht gelöscht werden können, weil dann müssten die Amis deutsches Recht brechen.
Zum Thema Datenschutz.
Unsere Zielgruppe hat sich durch das Thema massiv erweitert. Auch 40-, 50- und 60-jährige unterschreiben gern bei uns, weil sie mittlerweile verstehen, was wir mit Datenschutz meinen. Von Krankendaten und Arbeitsfehltagen auf einer Speicherkarte, bis zum neuen digitalen Personalausweis, fühlt sich jeder angesprochen. Man muss nichts Böses tun, um etwas zu verbergen zu haben. Entscheidend ist, dass der Staat mittlerweile Grenzen überschreitet. Die Vorratsdatenspeicherung ist rechtlich gesehen ziemlich unsauber…
Die Studien- und Kita-Gebühren…
…müssen weg! Wenn wir ein kinderfreundliches Land sein möchten, ist das Baustein Nummer Eins. Und wenn die SPD das wirklich umsetzen möchte, würden wir das mittragen.
Zur aktuellen Wohnungsnot-Debatte…
Die PIRATEN Partei fordert eine Neuorientierung der Wohnraumförderung. Die Vergabe von öffentlichen Bauaufträgen muss transparent und nachvollziehbar erfolgen. Des Weiteren setzen wir uns für die Ausweitung der Möglichkeiten von alternativen Wohnformen, z.B. dem Leben auf Bauwagenplätzen, ein.
Zur Stadtbahn…
Hier gilt: „ÖPNV für lau!“ - wir PIRATEN streben eine kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel für alle Bürger an. Außerdem setzt sich die Partei für den Bau der Stadtbahn als ökologisch sinnvolles Verkehrsmittel ein. Die Kapazitäten des öffentlichen Nahverkehrs sollen ausgebaut werden.
Die Elbvertiefung…
…möchten wir streichen. Das ist ein Wettkampf, den wir nicht gewinnen können - es sei denn, wir würden den Elbtunnel aufgraben. Wir wollen ein bundesweites Hafenkonzept mit Wilhelmshaven und Bremerhaven entwickeln, und versuchen, den Hamburger Hafen als Umschlagplatz anzubinden. Die Elbvertiefung würde 400 Millionen Euro kosten - dafür kann man eine ganze Menge Stadtbahn bauen und Kita-Plätze günstiger machen.
Was geht Hamburg sonst noch an?
Die PIRATEN fordern, die Kameraüberwachung im öffentlichen Raum einzustellen. Ebenso soll das Ganzkörperscanner-Projekt am Hamburger Flughafen beendet werden. Wir streben einen Ausstieg aus dem Kirchensteuersystem an - Hamburg soll keine Kirchensteuern mehr zahlen!
Wieviel Prozent erhoffen sich die PIRATEN?
Unsere Selbsteinschätzung ist FDP plus x. Nach dem, was wir aktuell auf der Straße erleben, - auch wenn die Umfragen noch anders aussehen - haben wir keinen grünen Wähler getroffen, der nicht angewidert ist von dem, was seitens der GAL in der letzten Regierung passiert ist. Deshalb schließen wir es nicht aus, dass wir die 5% knacken können.
Was machst du als PIRAT privat?
Um dem Vorwurf gegen illegales Filesharing entgegen zu wirken: Ich bin begeisterter Musiksammler und besitze 2000 CDs und 1000 LPs! (lacht)
OLAF SCHOLZ (52) - SPD
„Es gibt im Rathaus keinen Schatz, der bisher verborgen geblieben ist…“
Was hat Herr Ahlhaus falsch gemacht?
Ich glaube, dass die meisten Bürger sich wünschen, dass die Stadt wieder ordentlich regiert wird - und das insbesondere seit dem Wechsel von Herrn von Beust zu Herrn Ahlhaus vermisst haben. Was die Tätigkeit von Herrn Ahlhaus betrifft, hat es mit der Zusammensetzung des Senats begonnen. Da sind viele Senatoren ins Amt gekommen, bei denen man sich gefragt hat, wie das passieren konnte. Das gilt nicht nur für Kultursenator Stuth, der großes Unheil angerichtet hat, sondern auch für Finanzsenator Frigge, der niemals hätte in die Regierung eintreten dürfen.
Welche Ziele möchten Sie mit der SPD anpacken?
Zunächst mal, dass eine Art von Politik gemacht wird, die vernünftig ist und die Verantwortung widerspiegelt, die sich mit einem so hohen Amt verbindet. Dann geht es darum, den Haushalt zu konsolidieren. Nach Bekunden des Senats von CDU und GAL haben wir ein strukturelles Defizit von etwa 500 Millionen Euro. Deshalb muss es unser ganzer Ehrgeiz sein, bis 2020 so weit zu kommen, dass keine neuen Schulden gemacht werden. Außerdem werden wir uns um die Wirtschaft kümmern müssen, damit genügend Arbeitsplätze für alle Qualifikationsstufen zur Verfügung stehen.
Stichwort Bildungspolitik…
Das fängt mit den Kitas an - ich finde es schlimm, dass Hamburg eine Stadt ist, die deutschlandweit mit die höchsten Gebühren hat. Das muss zurückgenommen werden. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass wir als eine der reichsten Städte Europas ein Angebot haben, dass für alle erreichbar ist - und bei dem die Grundleistung von fünf Stunden nicht bezahlt werden muss. Wir möchten versuchen, das im Laufe dieser Legislaturperiode hinzubekommen. Das ist kein leeres Versprechen - ich glaube, dass wir viel bewirken können, wenn wir uns schon früh um die Entwicklung junger Menschen kümmern. In den Schulen soll es die nächsten Jahre nicht um neue Strukturreformen gehen, sondern darum, es besser zu machen.
Ist die Schulreform damit vom Tisch?
Die Bürger haben in einem Volksentscheid abgestimmt, wie die Hamburger Schulstruktur in Zukunft sein soll, und das gilt!
Darüber hinaus war es ein Fehler, Studiengebühren einzuführen - und deshalb werden wir sie noch in dieser Legislaturperiode wieder abschaffen!
Thema Kultur…
Die Institutionen müssen ausreichend finanziert werden, und sich auch darauf verlassen können. Außerdem geht es darum, dass wir eine andere Einstellung entwickeln. Kultur und Künste sind wichtig für die Freiheit und das Zusammenleben. Darüber hinaus habe ich mir fest vorgenommen ein Versprechen, das frühere Senate gegeben haben, einzuhalten. Nämlich, dass der Bau und Betrieb der Elbphilharmonie nicht zu Einschränkungen bei den anderen Kulturinstitutionen führt.
Was unternimmt die SPD gegen die Wohnungsnot?
In den letzten zehn Jahren sind nur halb so viele Wohnungen in Hamburg gebaut worden, wie in den zehn Jahren zuvor. Das ist kein Finanzproblem, sondern das Problem einer falschen politischen Orientierung. Man muss sich natürlich mit Vielen anlegen, damit bezahlbare Wohnungen stehen und Flächen baureif gemacht werden. Hierfür müssen städtische Grundstücke zu Preisen weitergegeben werden, die erlauben, dass hinterher Wohnungen für jedermann gebaut werden können.
Herr Ahlhaus hat behauptet: „Herr Scholz verspricht so viel - wenn ich die Kasse mitlaufen lasse, komme ich auf einen Betrag, der gar nicht bezahlbar ist…“
Er hatte aber gar keine Kasse dabei! Eine der wenigen teuren Sachen, die wir auf den Weg bringen wollen ist, dass es mit den Kitas besser läuft. Das ist aber auch unverzichtbar und dringend nötig! Leider gibt es im Rathaus keinen großen Schatz, der bisher verborgen geblieben ist. Aber man kann besser mit dem Geld umgehen, das man zur Verfügung hat. Da bin ich mit den meisten Hamburgern einer Meinung, dass die Prioritäten oft falsch gesetzt worden sind.
Stichwort Stadtbahn…
Ich wundere mich, wie schlank viele darüber hinweggehen, dass die Bürger dieser Stadt eine sehr eindeutige Meinung zum Thema haben. Die Mehrheit der Wähler aller Parteien - sogar der GAL - lehnen die Stadtbahn ab. Man kann ein solches Projekt auch nicht anfangen ohne zu wissen, ob man es sich insgesamt leisten kann (das Gesamtnetz kostet nach den Planungen der Behörde aktuell rund zwei Milliarden Euro). Ich möchte einen Investitionsrahmen für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs festlegen, und dafür Sorge tragen, dass wir im Rahmen dieses Investitionsplans über die nächsten Jahre Prioritätenentscheidungen treffen. Und dazu gehört sicherlich auch der weitere Ausbau des schienengebundenen Nahverkehrs.
Die Deckelung der A7…
…finde ich gut!
Warum sollte man die SPD wählen, und nicht etwa die GAL?
Nehmen wir zum Beispiel die Kitas. Man kann keine Erhöhung der Gebühren beschließen, wie es CDU und GAL getan haben, und sich anschließend in die Büsche schlagen - da hilft es auch nichts, dass die Büsche meistens grün sind! Ich werbe für ein starkes Votum der SPD, damit wieder vernünftige Politik gemacht werden kann. Politik kann nicht nach dem Maßstab erfolgen, dass sich die Funktionäre gut verstehen - sie muss immer aus Sicht der Bürger verantwortlich sein.
Wäre eine große Koalition für Sie denkbar?
Ich merke, dass die CDU auf die Juniorpartnerschaft in einer großen Koalition setzt - so lese ich jedenfalls die Äußerungen der letzten Tage und Wochen. Aber für mich ist ganz klar: Die Bürger dieser Stadt wollen die CDU abwählen und wenn das Wahlergebnis den Umfragewerten gerecht wird, wäre es falsch, einen Weg zu gehen, bei dem sich die CDU wieder in die Regierung reinmogeln kann. Wenn wir einen Koalitionspartner brauchen, fragen wir die GAL.
Wie entspannen Sie, wenn Sie mal Zeit für sich haben?
Ich gehe joggen. Das ist im Moment leider etwas eingeschränkt, weil ich mich beim Laufen auf dem Eis verletzt habe. Normalerweise laufe ich 2-3 Mal die Woche - dann bin ich entspannt und gucke alle freundlich an! (lacht)

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