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The English Theatre of Hamburg
(Ausgabe 05/10)


"Deutsche Zuschauer lachen immer"



Schon der Empfang ist very british. „Darf ich Ihnen eine Tasse Tee anbieten?“ fragt Clifford Dean höflich, der wie sein Partner Robert Rumpf paradoxerweise aus Amerika stammt.  Unbeholfen, aber freundlich lässt er uns auf einer gediegenen Sofalandschaft Platz nehmen. Die andere Hälfte des Direktoren-Zweiergespanns fehlt noch, deswegen ist Dean auch gleich nach Aufgabe unserer Bestellung (wir geben uns mit Wasser zufrieden), verschwunden, um seinen Kollegen zu suchen. Seit nunmehr 34 (!) Jahren betreiben die beiden Hand in Hand das älteste professionelle englischsprachige Theater Deutschlands, das im Norden der Bundesrepublik sogar Monopolstatus genießt. Lähmende Routine hat das Duo zum Glück noch immer nicht überkommen: „Wir brauchen ein größeres Messer“ lässt ein uns noch unbekannter Mann mit bedeutender und gleichzeitig kindlich-gespannter Miene beim Eintreten ins wohnliche Arbeitszimmer verlauten. Fast nebenbei stellt er sich als der offenbar aufgetauchte Robert Rumpf vor. In der Hand hält er ein bühnenübliches Plastikmesser, durch seine einziehbare Klinge ideal zum Vortäuschen einer Erstechungsszene. Zur Demonstration rammt sich Rumpf das gute Stück gleich mal in den eigenen Bauch. „Wir brauchen das Teil für unseren nächsten Thriller „Deadly Game“. Leider ist es ein bisschen zu klein. Leute, die etwas weiter hinten sitzen, können es vermutlich gar nicht als Messer identifizieren. Jetzt muss ich also möglichst schnell ein größeres auftreiben, das richtig Eindruck macht. Aber das schaffe ich schon – erst einmal danke dass Sie gekommen sind, Sie haben doch sicherlich einige Fragen“, bemerkt Rumpf dann doch noch grinsend und macht sich im Sessel plauderbereit. Kollege Dean schnappt sich währenddessen schon mal die mitgebrachte OXMOX-Ausgabe und erinnert sich: „Ich kenne diese Zeitschrift noch im DinA 5 Format. So lange sind wir schon in Hamburg. Kennengelernt haben wir uns aber noch in den USA, in der Nähe von San Francisco“, beantwortet er dann unsere erste Frage. „Dort haben wir gemeinsam an einem Stück gearbeitet“. „Bald darauf erzählte uns ein Freund dass es in Hamburg kein einziges englischsprachiges Profi-Theater gäbe.“, wirft Rumpf ein. „In diese Marktlücke sprangen wir direkt hinein. Natürlich dachten wir, dass wir damit nur in Hamburg eine Neuheit schufen. Tatsächlich aber waren wir damit die Ersten in ganz Deutschland. Das war uns anfangs gar nicht bewusst.“  3 Jahre lang bespielten die zwei frischgebackenen Wahlhamburger in der Folgezeit verschiedene Locations, bevor sie sich 1979 vorläufig in Altona niederließen. Ein endgültiges Theaterzuhause fand sich schließlich 1981 in Mundsburg. Verkehrgünstig direkt an der U-Bahn-Haltestelle gelegen, präsentieren die Theaterchefs seitdem Stücke britischer Autoren, auf die Bühne gebracht von englischen Muttersprachlern. Einen Thriller, eine Komödie und ein Drama gibt es pro Spielzeit zu sehen, die Besetzung wechselt mit jedem Stück. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Engländer – bei Amerikanern wäre der bürokratische Aufwand zu groß. „Clifford und ich reisen 4 Mal im Jahr nach London, um geeignete Talente für unsere Produktionen zu casten. Natürlich haben wir einen Casting-Director in London, der für uns den jeweiligen Stückkriterien entsprechend schon einmal vorsortiert. Wir sehen uns also nur noch die enge Auswahl an – das macht es uns leichter“, erklärt Rumpf. „Am liebsten würden wir natürlich alle Schauspieler, mit denen wir im Laufe der Jahre schon erfolgreich zusammengearbeitet haben, hier in Deutschland behalten, aber das lohnt sich nicht. Die Rollenstruktur variiert von Aufführung zu Aufführung einfach zu stark“, betont Dean und Rumpf ergänzt: „Unser letztes Stück „Quartet“ handelte ja beispielsweise von pensionierten Opernsänger, während in unserem aktuellen Projekt „The Subject was Roses“ ein aus dem Krieg heimgekehrter 21-jähriger Junge im Mittelpunkt steht. Ein gleicher Cast für beide Produktionen wäre unmöglich.“
Dean wirft ein: „Lustigerweise ist es aber auch schon vorgekommen, dass eine Schauspielerin vor Jahren ein junges Mädchen in einem unserer Stücke verkörpert hat und als erwachsene Frau für ein ganz anderes Projekt ans English Theatre zurückgekehrt ist. So etwas freut uns, ist aber natürlich völlig unplanbar.“
Bei all diesen personellen Wechseln ist es für Dean und Rumpf umso wichtiger, sich auf ihr festes Team hinter der Bühne und vor allem aufeinander verlassen zu können. „Wir sprechen alles miteinander ab.“, so Dean. „Ohne klar abgesteckte Tätigkeitsbereiche geht es aber auch nicht: Einer von uns kümmert sich immer um die Inszenierung, der andere um die Verwaltungsarbeit, wobei wir uns immer abwechseln.“ Auf die Frage hin, ob sie sich denn privat überhaupt noch sehen können, müssen beide lachen. „Ja, auch privat sehen wir uns regelmäßig“ ,erklärt Rumpf.  "Wir liegen einfach auf der gleichen Wellenlänge, anderenfalls hätten wir die gemeinsame Theaterarbeit in Hamburg nie über so viele Jahre hinweg gemeinsam stemmen können.“
34 Jahre English Theatre bedeuten für die beiden natürlich auch 34 Jahre Hamburg – die USA vermissen sie mittlerweile kaum noch: „Wir leben schon so lange hier, dass wir uns als Deutsche bezeichnen. Das hier ist unsere Heimat, auch wenn wir natürlich ab und an auch gern zum Besuch von Verwandten etc in die USA reisen. Aber schließlich kann man auch hier seine Freizeit gut verbringen. Das Schanzenviertel mit seiner pulsierenden Kultur finde ich sehr interessant, aber auch ein Bummel durch Blankenese, vorbei an den schönen Villen, ist etwas Herrliches“, schwärmt Dean
Die Mentalität des hiesigen Publikums hat es den beiden Gentlemen ebenfalls angetan: „Speziell bei englischen Komödien sind deutschen Zuschauer leicht einzuschätzen: Sie lachen einfach immer. Amerikaner oder Engländer sind mit Humoristen aus ihrem Heimatland viel schwerer zu beeindrucken.“
In puncto Altersstruktur widerum geben die Gäste des English Theatres ein heterogenes Bild ab, was Dean und Rumpf nur umso stolzer macht: „Ca. 90% unserer Zuschauer sind Deutsche, wobei Senioren ebenso gerne kommen wie Schulklassen – besonders zu unseren monatlichen Matineen “, erläutert Rumpf. Sprachbarrieren werden mit Hilfe von selbst angefertigtem Übersetzungs-/ Schulungsmaterial schnell ausgeräumt. „Auch Sie kommen doch zu unseren nächsten Vorstellungen, oder?“ wollen die beiden noch wissen, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Das Angebot nehmen wir gerne an – dann können wir bei Gelegenheit auch gleich mal das größere Messer begutachten...              
 Milena Rizo Blandon/ Jana Schiffers








 

 




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