Der Letzte an der Bar – Henning Wehland Kolumne

8. Dezember 2017

#10 – Zombie

..Du hast keinen Puls und Du weißt nicht wohin, bist weder tot, noch lebendig irgendwo zwischendrin, doch irgendwann findest Du jemanden, der Dich versteht, der Dich wiederbelebt…?“ (aus dem Song „Zombie “)

Die Anfangsjahre mit H-Blockx waren wie ein Tornado. Speziell von 1993-2000 konnte ich eigentlich nur reagieren. Von einer Kellerband in die Umlaufbahn des Musikbusiness ge­schossen, war es fast unmöglich die Ereignisse bewusst wahrzunehmen.

Wenn ich die Vergangenheit Revue passieren lasse, um eine neue Geschichte zu finden, kommt mir mein Leben manchmal vor, wie das eines Fremden.

Wie zum Beispiel 1995: wir hatten gerade zum ersten Mal Rock am Ring gespielt und waren für den European Music Award – in der Kategorie „Best Newcomer“ – nominiert.

Am Tag vor der Generalprobe, hatten wir noch eine Show mit Therapy? in Polen und kamen übermüdet in Paris an.

Wir hatten bei der Plattenfirma und MTV durchsetzen können, dass wir neben Oasis die einzige Band waren, die „live“ auftreten durft­en. Uns war klar, dass wir den Award niemals gewinnen würden, deshalb wollten wir zumin­dest zeigen, dass wir zu den besten Livebands in Europa gehören.

Die Proben für „Rising High“ verliefen super. Als wir die Bühne verlassen wollten, stand ein Mann mit einer unglaublichen Ausstrahlung am Rand und kam auf uns zu. „Great song“, sagte er „really a great song“. Wir schüttelten brav, die uns angebotene Hand und erst beim Weiterlaufen wurde mir klar, dass David Bowie sich gerade unsere Probe angeschaut hatte.

Ich kriege heute noch eine Gänsehaut, wenn ich an diesen Moment denke. Zum einen, weil ich erst viel später realisiert habe, in was für einem Sog wir uns damals befanden. Zum anderen aber deshalb, weil ich merke, dass ich in den ersten Jahren so mit mir selber be­schäftigt war, dass ich diese und viele andere für mich überwältigende Erlebnisse, damals gar nicht so sehr begreifen konnte.

Wenn ich darüberschreibe, dann habe ich kaum noch eine emotionale Verbindung dazu.

Es hat lange gedauert, bis ich gelernt habe, den Moment zu genießen. Vor allem deshalb, weil ich weiß, dass die Möglichkeit besteht, dass so ein Moment nie wiederkommt. Dabei hat mir vor allen anderen meine Frau geholfen. Sie hat für solche Situationen immer „Sekunden­kleber“ dabei, um den Augenblick festzuhalten.

Heute gibt es weniger Awards und leider auch keinen David Bowie mehr, aber die Zeit und das Leben, das ich führen darf, genieße ich mehr denn je!

… das Leben fängt einsam an, hört einsam auf, das ist ganz normal, das nennt man Lebenslauf und zwischendrin macht es durchaus Sinn, zu versuchen den Deckel für den Topf zu finden …“ (aus dem Song „Zombie“)

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