DONOTS – Der Joggingtest

19. März 2018

Vor knapp 25 Jahren entschlossen sich Ingo Knollmann (Ges.), Guido Knollmann (Git.), Alex Siedenbiedel (Git.), Jan-Dirk Pogge­mann (B.) und Eike Herwig (Dr.) im be­schaulichen Örtchen Ibbenbühren dazu, eine Punkband zu gründen. Was damals als Maß­nah­me gegen die Langeweile gewählt wurde, gipfelte in einer erfolgreichen Karriere. Aktuell sind die Jungs mit Platte Nummer elf „Lauter Als Bomben“ am Start, die am 21.03. live in der Großen Freiheit 36 präsentiert wird. Im Interview mit OXMOX plauderten Ingo und Jan aus dem Rocker-Nähkästchen …

Dieses ist euer zweites deutschsprachiges Al­bum – woher kommt der Sinneswandel?

Beide: Wenn du seit 23 Jahre in einer Band un­terwegs bist, dann gibt’s gut gemeinte Routinen. Und wenn du die ganze Zeit auf Englisch ge­sungen hast, wirkt die Komposition irgend­wann so, als würde man nur noch Formeln erstellen – als wenn man was in die Maschine rein sch­m­eißt und unten kommt ein Song raus. Wir waren vor drei oder vier Jahren in den USA mit unserem englischsprachigen Material auf Tour und da ist uns aufgefallen, dass die Menge direkt am Start war. Das lag daran, dass wir auf deren Muttersprache gesungen haben und die Zeilen direkt in den Kopf gingen, ohne dass darüber nachgedacht werden musste.  Da kam uns die Idee, dass wir zum 20-jährigen Band­jubiläum ein Special machen, wo wir mal deu­tsche Stü­cke ausprobieren – dann haben wir „Ka­ra­cho“­ als Seven Inch rausgebracht, mit Tim Mc­Ilrath (Rise Against) als Gastsänger, der sich bei „Das Neue Bleibt Beim Alten“­ eben­falls auf Deutsch probiert. Als wir dann auf Tour gingen, wurden die Shows noch voller und das Pub­likum grölte das neue Material lautstark mit. Wir wären dumm gewesen, wenn wir da nicht angeknüpft hätten.

Wollt ihr auf Deutsch weitermachen?

Beide: So weit haben wir noch nicht gedacht – gene­rell ist Denken nicht so unsere Stärke (lacht). Wir stolpern gerne in solche Sachen rein, denn würden wir einen Plan erstellen, würde so­wieso das Gegenteil eintreten. Da wir un­sere eigene Plat­ten­firma haben und uns selbst managen, haben wir keinen Druck mehr. Den einzigen Anspruch, den wir an uns haben ist der, eine Platte abzuliefern, mit der wir kom­plett zufrieden sind – jedes neue Werk von uns soll das Beste sein, das wir je produziert haben. Die Gruppe MGMT hat sich nach Veröffent­lich­ung einer neuen CD z. B. mal bei den Fans entschuldigt, da sie wussten, dass ihr Album nicht so gut ist. Das fanden wir richtig cool! (lacht)

Behaltet ihr Material in der Hinterhand?

Beide: Wir haben eine Art Giftschrank, in den wir Lie­der stecken, die Potential haben, aber entweder noch nicht zu Ende geschrieben wurden oder nicht zum Rest des Albums gepasst haben. An diesem bedienen wir uns dann regelmäßig.

(Die restliche Band kommt rein)

Ingo: Ach Gott jetzt wird’s richtig scheiße, das tut mir sehr leid, dass ihr das mit ansehen müsst – jetzt kommt der Rest auch noch. (lacht)

Jan: Jedenfalls macht Ingo im Anschluss im­mer den „Joggingtest“, wenn es darum geht, die Playlist zusammenzustellen. Dann zieht er sich die Laufschuhe an und testet während des Joggens, in welcher Aneinanderreihung die Lie­der am besten funktionieren und am meis­ten auf die Kacke hauen.

Ingo: Das dauert dann ca. eine Stunde, weil ich nicht länger durchhalte … (lacht)

Was erwartet ihr für ein Feedback für den Platten-Titel?

Ingo: Ich wäre froh, wenn Reibungen ent­stehen würden und mir die Leute metapho­risch vor die Füße kotzen. Das würde näm­lich heißen, dass sie wenigstens über den Titel nach­ge­dacht haben. Letztes Jahr wur­den wir bei Rock am Ring in eine schwie­rige Situation gebracht: Nach der Terrorwar­nung waren wir eine der ersten Bands, die wieder spielen durfte. Da wir die neue CD bewerben wol­l­t­en, hing hinter uns ein rie­siges Banner mit einer Bombe – darüber hi­naus spielten wir u. a. den Song „Niemand Kommt Hier Lebend Raus“ …

Jan:  Ingo hat dann eine Ansage gemacht, sodass das Publikum keinen Stress gemacht hat.

Welcher Song kommt euch in den Sinn, wenn ihr an das neue Album denkt?

Ingo: „Geschichten Vom Boden“ – da das der Ope­n­er ist, gilt das Lied als Visitenkarte des Albums. Darüber hinaus vereint der Track alles, wofür die Donots stehen – auf der ein­en Seite hart und knackig, auf der anderen Seite poppig, mit Elementen, die sich gut mitsingen lassen.

Könnt ihr schon etwas zu eurem Auftritt am 21.03. verraten?

Ingo: Vorweg würden wir gern fest­halten, dass die Fans in Hamburg und die Stadt an sich was ganz Besonderes sind. Wie die Leu­te auf unseren Konzerten abgehen, ist der Wahnsinn! Die We­lt sollte sich, was das angeht, eine Scheibe von Ham­burg absch­neiden! Ich gehe mal davon aus, dass es laut, schnell und heißt wird. Zum Jah­r­esabschluss haben wir zwei Konzerte in Osnabrück ge­spielt und schon neue Songs getestet – hat super funktioniert! Am Schluss kam unser Lichtmann mit unserem Bühnen­banner auf uns zu und hat uns drum gebeten, dieses mit­zunehmen und aufzuhängen. Das Teil war klitschnass und triefte nur so vor Schweiß! Wir haben das dann ausgewrungen und die Flüssigkeit als Schnaps bei der After­show-Party verkauft. (lacht)

Eike: Danach habe ich das Banner als Bettdecke benutzt. (lacht)

Eure größte Live-Panne?

Jan: Wir haben vor einigen Jahren in Buda­pest in einem einigermaßen gut gefüllten Club gespielt. In der ersten Reihe stand ein Pärchen. Die Frau schien allerdings sehr von Ingo angetan gewesen zu sein … Sie hat während des Auftrittes zuerst seinen Schuh berührt und dann angefangen, ihn am Bein zu streicheln. Irgendwann ging sie mit ihrer Hand immer weiter hoch, bis sie Ingo direkt in den Schritt griff.

Ingo: Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte, da ich so sehr lachen musste! In dem Moment ist ihr Typ auf die Bühne gesprung­en und mir ins Knie gebissen! Das tat sau weh! Wir haben das Konzert dann halbprof­essionell zu Ende gespielt. Danach kam der Typ auf mich zu und hat sich bei mir entsch­ul­digt. Das Pärchen ist dann händchen­haltend nach Hause gegangen – so gab es für die beiden wenigstens ein Happy End! (lacht)

Was macht ihr, wenn ihr in Hamburg seid?

Ingo: Wenn wir auf dem Kiez sind, pennen wir irgendwann auf dem Tresen des Lunacys ein – ist doch klar! (lacht) Ansonsten sind wir gern im Café Mexico – dort habe ich zum ersten Mal Kaktus gegessen! Darüber hinaus haben die über 100 Sorten Tequila. Beim letzten Mal waren wir so lang dort, dass der Kellner im La­den eingeschlafen ist, bevor er uns endlich ab­kas­sieren konnte! (lacht)

Wer sind eure musikalischen Idole?

Ingo: Bei mir ist es Guido! (lacht) Ne, im Ernst: Früher haben wir zu Bad Religion auf­ge­schaut und eines Tages standen wir tatsäch­lich mit denen auf einer Bühne.

Euer spannendstes Tour-Erlebnis?

Ingo: Die Bahamas waren krass! Wir waren auf einer „musikalischen Kreuzfahrt“­ und hab­en auf ein­em riesigen Schiff zusammen mit u. a. Flog­ging Molly und Rancid gespielt. Der Gedanke, dass man gerade im Bermuda­dreieck Punkrock spielt, war ziemlich abge­fahren.

Jan: Es gibt dann auch so Sachen, wie das Punkspring Festival in Japan, wo du vor 20.000­ Leuten in einer Indoor-Halle spielst – und die Japaner sind echt krass! Die hüpfen wie Flummis durch die Gegend und singen alle Texte auswendig mit.

Justine Stock

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