OXMOX Story: Rock n Roll is dead …  Lemmy Kilmister (1945-2015)

OXMOX Story: Rock n Roll is dead … Lemmy Kilmister (1945-2015)

15. Februar 2016

In den späten 80ern habe ich meinen ersten Job in Hamburg angetreten – als technischer Leiter des Docks auf der Reeperbahn. Eines der ersten Konzerte, das ich betreuen durfte, war Motörhead. Schon die technische An­weisung ließ ein besonderes Ereignis erah­nen. „Please notice“, stand da fett gedruckt. Motörhead is a loud band. We are produci­ng 120dBA in the audience. Make sure that the panzers are aware of this.“ 120dBA? An­gesichts der heutigen Vorschriften eine un­mögliche Aussage – schon damals ein State­ment! Ich habe mich also brav beim Produktions­manager der Band vorgestellt, der mich mit den Worten begrüßte: „Hi Michael, nice to meet you, can you get us some gag (Keine Ahnung, ob man das so schreibt)?“ Was zur Hölle ist „gag“? Um nicht wie ein Looser da­zustehen, habe ich natürlich zugesagt und na­ch der Menge gefragt. „Well, 10-15 will do for today, I think.“ Zum Glück wusste unser Booker, was „gag“ bedeutet und hatte auch den passenden Kontakt, der kurze Zeit später mit dem Gewünschten vorstellig wurde und direkt zum Produktionsmanager geführt wurde. Zum Soundcheck habe ich mich dann erneut in die Halle begeben. Eine Wand aus Marshall Boxen für den Gitarristen und ni­cht einer, auch nicht zwei, sondern vier Am­peg Stacks standen zu je zwei Stück neben dem Schlagzeug. Diese Anzahl an Bassboxen ließ vermuten, was gleich folgen sollte: Beim ersten Stück dachte ich, mir fliegen die Ohren weg – der gesamte Saal erzitterte unter „Ace of Spades“. „Wahnsinn“, entfuhr es mir – da erst schob der Fronttechniker die Regler sei­nes Mischpultes nach oben. Das, was ich bis­her gehört hatte, war nur der Bühnensound – das Monitoring für die Künstler – gewesen! Jetzt startete ein Düsenjäger direkt in meinem Kopf. Nach kurzer Schockstarre musste ich grinsen – ja, das ist Rock n Roll und der Grund, warum ich unbedingt in dieser Bran­che arbeiten wollte und mein Studium been­det hatte. Zurück im Büro konnte ich die Diskussionen unseres Gastrochefs mithören: „Nein, du kan­nst heute nicht arbeiten. Ich sichere dir dafür Silvester zu!“ Man muss wissen, dass es an genau zwei Tagen im Jahr die Möglichkeit für Tresenpersonal gab, 100 DM Umsatzbe­teiligung zu verdienen – an Silvester, oder wenn Motörhead auftreten. Das Lager war voll mit Bier, am Ende des Abends sollte der Vorrat zur Neige gehen … Gegen 18 Uhr füllte sich der Spielbudenplatz mit erwar­tungsvollen Rockjüngern – Mädchen in schwarzen Klamotten, Jungs mit albernen Koteletten – unser Disponent hat sich damals auch welche wachsen lassen, und hat sie noch immer … Angesichts der Menschenmassen vor der Tür war uns sehr daran gelegen, pünktlich im 19 Uhr den Club zu öffnen. Lei­der hatten wir übersehen, dass im Foyer ein Geldspielautomat stand. An diesem saß nun ein Mann mit Hut und grimmigem Gesicht und hatte unglücklicherweise gerade eine Freispielserie. Wir konnten also erst mit 20 Minuten Verzögerung öffnen und unser Gas­tropersonal hatte alle Hände voll zu tun, den stechenden Durst der Gäste in Vorfreude um­zuwandeln. „Good evening, we are Motörhead and we play Rock n Roll!” Gitarre, Bass, Schlagzeug, 120dBA, weißes Licht von vorne – fertig. Es folgten 90 Minuten schwitzen, grölen, feiern, glücklich und völlig erschöpft nach Hause gehen … Ich habe in den letzten 25 Jahren ca. 20 Konzerte von Motörhead betreut, das letzte am 09.12.2015 in der Sporthalle. Das war „ruhiger“ als damals, aber weit entfernt von brav und Lichtjahre von den heutigen Künstlern, die mit einem USB Stick auf die Bühne gehen und mit den Armen wedeln – Rock n Roll eben. Nun ist am 28.12. der letzte Vorhang gefallen – es hat uns nicht überrascht. Der Spruch „Live fast, die young“ muss für Lemmy umgeschrieben werden: „Live fast, get old“ passt besser. Er hat mich in den letzten 25 Jahren stets begleitet und wird es auch in Zukunft tun. Wegen Künst­lern wie Motörhead arbeite ich immer noch in dieser Branche: Leidenschaft und Hingabe für das was sie tun, fasziniert! Michael Molt (Geschäftsführer U-Need Ge­sellschaft für Veranstaltungslogistik und -per­sonalservice mbH)

[KS]
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