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Sportfreunde Stiller

Freunde bleiben ja Freunde, auch, wenn sie eine andere Meinung haben“

Nach sechs Jahren kommt das neue Album „Jeder Nur Ein X“ von Peter Brugger (Ges., Git., Dr.), Rüdiger „Rüde“ Linhof (B., Key., Ges.) und Florian „Flo“ Weber (Dr., Ges., Key) 6 Alben in den Top 10, 16 goldene Schallplatten, 5 Platin-Awards, zahlreiche Preise und mehr als 2,5 Millionen verkaufte Tonträger.

Was habt Ihr vermisst?

Auch wenn es zuerst ein sehr unsicherer Zustand war, eine Bühne samt den Raum drumherum wieder zu beschallen, wurde es sehr schnell zu dem überaus süchtig machenden Gefühl, das einen klar vor Augen und in Ohren führt, warum man dieser Leidenschaft nachgeht. Die Pause war für uns nie leicht, aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet hatte jeder auf seine Art damit zu kämpfen. Die Wiederkehr zum Banddasein ist uns glücklicherweise sehr gut gelungen, uns drängt fast schon ein jugendlicher Esprit. Und obwohl wir alte Oldtimer sind, sagen wir ein blitzender Mustang Ford, ein bunter VW-Bulli und ein aerodynamischer Opel Kadett, wollen wir immer noch das Benzin reinlitern, das vom Publikum aus zu uns hochgepumpt wird. Wir sind aber definitiv nachhaltig und ökologisch unterwegs!

Was erwartet die Fans? 

In der Vergangenheit liegen wunderbare Momente voller Emotionen und Ekstasen. Durchaus hatten wir in der Großen Freiheit Konzerte für die Ewigkeit, mit endlosen gemeinsamen Publikumsduetten wie „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“.

Wir haben in unsere Tour-Flotte eine sehr junge Bolide aufgenommen. Ein zweiter Gitarrenspieler, der unseren Sound auf der Bühne ein wenig öffnet und auffettet. Zudem ein inspirierender Antreiber, der in seiner Hauptband Blackout Problems Sänger und Wirbelwind ist. Klar brettern wir alte Evergreens vom Bühnenrand. Wir spielen aber auch vom neuen Album „Jeder nur ein X“ einige Lieder, von denen ja nun schon „I´M Alright!“ zu hören war. Ein Album, das die typischen Sportfreunde-Töne mit sich bringt, diese hier und da gerne mal anders anordnet, klingen und schwingen lässt. Da wird dann eine dancy Pumpnummer von einem rudimentären Punksong abgelöst. Und Hmynen natürlich, Hymnen wie aus tausend elektronischen Auspuffen!

Was macht ihr, wenn ihr nicht gerade Musik macht?

 Wir schreiben Bücher, erfinden Möglichkeiten einer besten Online-Konzertgebung, geben Interviews, bauen Artworks zu unseren Singles und Alben, gehen im Wald spazieren, drehen Videos, spielen hier und da Fußball, radeln vom Ammersee zum Starnbergersee und schwimmen wieder zurück, telefonieren viel, malen Bilder und sehnen uns täglich nach den tollen Sommeruntergängen in Hamburgs Hafen.

Was würdet ihr machen, wenn ihr nicht Sportfreunde Stiller wärt?

Wir wären:

Flo: Leiter der Millerntorgalerie oder wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Reha und Prävention bei Nottingham Forest oder L.A. Galaxy

Rüde: Politikwissenschaftler oder Erfinder von biologisch abbaubaren Musikinstrumenten samt Energiegewinnung

Peter: Gymnasiallehrer für Altgriechisch und Latein oder Sportjournalist bei der Marca (führende spanische Fußballzeitung)

Was war Euer schlimmster Nebenjob bevor ihr von der Musik leben konntet?

Flo: Bierausschank auf der Computermesse München für Tausenden von arroganten, besoffenen Fachmenschen. Wurde stundenlang angebrüllt und beleidigt.

Peter: Tankstellenwart „Freie Tankstelle“ Münchner Vorort. Gluthitze und Benzindämpfe sorgten für Komplettvernebelung.

Rüde: Poststelle München Ost, Großpakete und Sperrgut wuchten. Ohne Gabelstapler.

In ,,Wir stellen einen Wächter“ thematisiert ihr Depressionen.“Was hat euch dazu veranlasst einen Song darüber zu schreiben?

Wir erfuhren von einer zurückliegenden psychischen Beeinträchtigung eines Freundes, von der wir nicht wussten. Als Trost sendeten wir eine Sprachnachricht samt vier gereimten Zeilen. Aus diesen entstand der Zugang zu der Thematik. Eine schwerwiegende, die leider immer noch Tabu zu sein scheint und mit Schamgefühlen der Betroffenen einhergeht. In „Wächter“ erzählen wir von der bedingungslosen Begleitung für geliebte Menschen, denen diese Art von Krankheit widerfährt. Es soll ein Signal von unbedingter Unterstützung senden, aber auch das Zutrauen stärken, das man als Begleiter auch sehr an den Betroffenen und seine Stärken und Wertansichten glaubt und darauf baut, dass diese ihn wieder selbst tragen.

Der erste und wichtigste Weg ist immer die Öffnung, das Mitteilen von beklemmenden Zuständen. Keiner wird für sich ganz alleine diese schlimmen Zweifel besiegen. Aber kein Herz bleibt für immer schwarz, wenn man Hilfe rechtzeitig verlangt und annimmt.

Was hat Dich zur neuen Frisur inspiriert, Peter?

Oh, Danke, dass Du es Frisur nennst! Bei mir isses eher so kürzen oder wachsen lassen und schauen wo überhaupt noch was geht. Als dann beim Lockdown plötzlich die Friseure schließen mussten, hab ich mich einfach mal haartechnisch gehen lassen und mich erinnert, dass ich von 16 bis 23 immer Matte trug. Jetzt bin ich grad einigermaßen zufrieden irgendwo zwischen Dave Mustaine und Andreas Hofreiter und es kitzelt so schön am Rücken

Welches Live-Erlebnis ist Euch immer in Erinnerung geblieben?

Also, sehr lustig und unvergessen war schon, als mich aufm Frequency-Festival in Österreich die Security nach einem äußerst gelungenen Crowdsurf nicht mehr zurück auf die Bühne ließ, weil sie mir nicht glaubten, dass ich der Sänger sei…auch lustig: Holzpeniswurf gegen meine linke Brustwarze, aber hätte auch ins Auge gehen können.

Wie habt Ihr den Lockdown überstanden?

 Lockdown war eine krasse Erfahrung. Ich hätte davor nie für möglich gehalten, dass einfach alles runtergefahren werden kann, aber für mich persönlich ok, weil aufm Land und kein Schulkind. Da konnten wir das einigermaßen unbeschadet durchstehen und es gab sogar ganz schöne innige Momente der Ruhe. Das harte Aufeinanderprallen unterschiedlicher Meinungen und Überzeugungen zum Thema Covid is einfach schlimm und tut uns allen nicht gut. Ich hab selber gemerkt wie verhärtet ich war und dachte ich hätte die Lösung für das Wohl für uns alle und kann die anderen nicht mehr verstehen. Das ist gesellschaftlich gefährlich und wir müssen einfach im Austausch und im Gespräch bleiben und nicht nur in den Bubbles im Netz anonym kommunizieren. Freunde bleiben ja Freunde, auch, wenn sie eine andere Meinung haben. Das kann auch inspirierend sein und Energie freisetzen im Konflikt. In der Sackgasse endet es nur wenn man nix anderes als die eigene Überzeugung mehr gelten lässt.

Für den Herbst hoffe ich, dass die Kultur nicht wieder als erstes eingeschränkt wird, denn sie ist meiner Meinung nach so unglaublich wichtig für die Offenheit unser Gesellschaft und eines gelingenden Zusammenlebens.

Welches Eurer Lieder bedeutet dir am meisten und warum?

Peter: Oh, schwer zu sagen… Live liebe ich immer „wie lange sollen wir noch warten“ sehr. Das saugt mich immer so rein und die Bedeutung des Textes wandelt sich permanent mit dem Leben mit. Dass find ich schon sehr erstaunlich und packt mich jedes Mal. Ansonsten muss ich sagen, dass das „Kompliment” einfach die pure Freude ist, weil sich egal wo wir sind die Leute immer so drüber freuen und austicken, wenn wir losspielen.

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