„WE ARE MOTÖRHEAD AND WE PLAY ROCK‘N‘ROLL!“

„WE ARE MOTÖRHEAD AND WE PLAY ROCK‘N‘ROLL!“

20. Oktober 2018

40 Jahre lang machte die Kultband Musik in einem ganz eigenen Stil und prägte den heu­tigen Heavy Metal nach­haltig. Als Grün­der und Rock’n’Roll-Legende Lemmy Kil­mis­ter am 28.12.2015 im Alter von 70 Jahren an seiner Krebs­er­krankung verstarb, löste Schlagzeuger Mik­key Dee die Band auf …

 

Der Name Motörhead geht auf einen US-am­eri­kanischen Slang zurück, bedeutet „gesch­win­digkeitssüchtig“ und steht für Konsu­men­ten amphetaminhaltiger Drogen. “Das ‘ö’ in Motörhead hat keine besondere Bedeutung. Es sieht einfach gemeiner aus – deutscher.”, sagt Lemmy dazu.

 

Ian „Lemmy“ Kilmister spielte Bass in der britischen Space-Rock-Band Hawkwind, als er während der Nordamerika-Tournee an der Grenze der USA zu Kanada im Mai 1975 wegen Besitzes von Amphetaminen festge­nommen wurde. Die Band stellte die Kaution und flog ihn für den Auftritt nach Toronto ein, weil sich auf die Schnelle kein Ersatz fand. Kurz nach dem Konzert wurde er aus der Band geschmissen. In sein Geburtsland England zu­rückgekehrt, gründete Lemmy im Drogen­nebel als Sänger und Bassist eine neue Band, die den Namen Motörhead trug. Larry Wallis, den er schon von Konzerten der Pink Fairies kannte, spielte Gitarre, gab jedoch die Pink Fairies nie auf. Der Drummer Lucas Fox wur­de Lemmy von einer Freundin empfohlen. Ku­rz darauf begannen die Aufnahmen für das Debütalbum „On Parole“, doch schnell kam es zu Streitigkeiten und anderen Pro­blemen. Der Produzent Dave Edmunds wurde abgeworben und Lucas Fox wurde sich mit den anderen Mitgliedern nicht über Drogen- und Alkoholkonsum einig, weshalb er letztendlich die Gruppe verließ und durch Phil „Philthy Ani­mal“ Taylor ersetzt wurde. Er spielte einige Songs neu ein und das erste Album war fertig. Es wurde jedoch nicht veröffentlicht – United Artists entließ Motörhead aus dem Vertrag. Auch Larry Wallis blieb nicht lange, denn als Eddie Clarke als zweiter Gitarrist von Lemmy her­angezogen wurde, fühlte sich Larry hinter­gangen und verließ die Band, um die Pink Fairies wie­derzubeleben. In dieser Besetzung, die Lemmy später als die „erste Besetzung von Belang“ bezeichnete, wurden zwei Singles bei Stiff Records aufgenommen. Weil auch diese keinen Erfolg hatten, entschied Lemmy, die Band aufzulösen. 1977 fand im Marquee Club in London ein Abschieds­konzert statt, bei dem zufällig Ted Carroll von Chiswick Records anwesend war. Den ange­botenen Platten­ver­trag nahm Motörhead ger­ne an und so sollte eine Single aufgenommen werden. Stattdessen nahmen Lemmy und Co. aber die Basisspuren für elf Songs auf – weil Carroll davon so begeistert war, durften noch der Gesang und weitere Stücke aufgenommen werden, bis nach einigen Tagen ein voll­stän­diges Studioalbum mit 13 Titeln entstanden war. „Motör­headwar mit Platz 43 in den britischen Al­bumcharts und dem Silber-Status für 60.000 verkaufte Einheiten ein voller Erfolg. Für den großen kommerziellen Erfolg sorgte aber erst das zwei Jahre später, über Bronze Records veröffentlichte Album Over­kill (1979), das wieder den Silber-Status erreichte.

 

Lemmys Kindheit war nicht un­bedingt von Erfolgen geprägt. Im Durcheinander direkt nach dem Zweiten Weltkrieg an Heiligabend im mittelenglischen Stoke-On-Trent geboren, verließ Lemmys Vater ihn und seine Mutter sehr früh. Als Bibliothekarin hatte seine Mut­­ter Schwierigkeiten, beide vernünftig durch­zubekommen. Zusammen mit seiner Groß­mutter zogen die beiden etwa zehn Jahre später nach Nord-Wales, wo die Kinder ihm den Spitznamen Lemmy verpassten. Er war ein Eigenbrötler und hatte keine Freunde. Aus diesem Grund fing er an, Musik zu machen. Die ersten von ihm gegründeten Ba­nds lösten sich sehr schnell wieder auf, doch mit den Rockin’ Vicars, denen er 1965 bei­trat, landete er einen ersten großen Erfolg. Während der Europatournee im selben Jahr, spielten sie auch in Jugoslawien, damit sind sie die erste britische Band, die je dort auf­getreten ist. Während dieser Zeit lernte er den für den großzügigen Drogenkonsum be­kannten Rock’n’Roll-Lebensstil kennen und konnte nicht genug davon bekommen. Des­halb stieß er sechs Jahre später als Sänger und Bassist zu Hawkwind. Mit Keuchhusten geboren und durch den hohen Zigaretten­konsum noch weiter gefördert, wurde Lem­mys kratzige Stimme schnell zu einem seiner größten Markenzeichen.

 

Mit „Ace of Spadeslandete Motörhead 1980 einen Riesenerfolg. Unter Kritikern gilt es als das beste Album, das die Band je veröffentlicht hat. Das wird auch durch die über 100.000 verkauften Platten bestätigt, die ihnen den Gold-Status in Großbritannien einbrachten. Vor allem der gleichnamige Ti­telsong ist bis heute noch in vieler Ohren. Der nächste große Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Das erste Live-Album „No Sleep ’til Hammersmith(1981) erreichte Platz 1 der britischen Charts. Die Titel wur­den während der „Short, Sharp, Pain in the Neck-Tour aufgenommen. Für den Namen sorgte Phil Taylor, da er bei einer After-Show-Party auf den Kopf fiel.

 

Eddie Clar­kes Zeit bei Motörhead näherte sich inzwischen dem Ende. In möglichst kur­zer Zeit sollte ein neues Album veröf­fent­licht werden, so wollte es das Plattenlabel Bronze Records, deshalb mussten unter Zeitdruck möglichst viele neue Songs ge­schrieben werden. Währenddessen kam es zwischen Eddie und Lemmy zu Streitig­keiten, aufgrund finanzieller Belange. Mit Vic Maile, dem Produzenten der letzten bei­den Alben, fanden die Proben statt. Phil Taylor hatte ein neues Schlagzeug, dessen Sound er bei den Sessions aber nicht mochte und irgendwann so weit ging, dass er nicht mehr mit Maile zusammenarbeiten wollte. Die Suche nach neuen Produzenten wurde vom Management gestoppt, da alle Kandidaten um die 20.000 Pfund für den Job wollten. Der wahrscheinlichste Grund für Phils Verhalten war sein sehr hoher Drogenkonsum, der von seiner Freundin gefördert wurde. Deswegen konnten später einige Songs nicht aufgenom­men werden. Eddie ging in der Zeit davon aus, dass Lemmy ihn nicht leiden könne, da er eine Beziehung mit einer Frau hatte, mit der Lem­my drei Jahre zuvor ausgegangen war. Als die Idee aufkam, Eddie solle als Produzent fun­gieren, ließ er sich nach ein paar Vorwürfen Lemmys darauf ein. Zusammen mit Will Reid Dick als Engineer, nahm er die Songs auf. Dabei ging jedoch einiges schief, so spielte Phil so schnell wie möglich die Drums ein, um gleich darauf wieder zu verschwinden. Lemmy tauchte häufig gar nicht auf, wenn er aber doch vor Ort war, ging er auch schnell wieder. Auf der 1982-Tour, die noch vor dem Release von „Iron Fist“ stattfand, wurden erst einmal keine neuen Stücke gespielt. Phil drängte die anderen beiden dazu, neue Songs zu spielen, bei den Zuschauern kamen die ihnen unbekannten Stücke allerdings eher schlecht an. Auch die Technik unterschied sich von den früheren Kon­zerten. Auf einer verstellbaren Bühne, die am Anfang des Konzertes hoch- und während der Show runtergestellt war, sollte eine sich öffnende Faust mit Scheinwerfern an den Fin­gerspitzen aufgebaut sein. Das funktio­nierte aber häufig nicht, sodass sie nur bei der aller­ersten Aufführung zum Einsatz kam. Dazu kam noch ein Projekt, das mit Wendy O. Williams, der inzwischen verstorbenen Plas­matics-Sän­gerin, geplant war. Dabei sollten ein Cover von Tammy WynettesStand by your Man“­ entstehen, sowie MotörheadsNo Class und Masterplan“ von den Plasmatics. Eddie war der Meinung, dass die Demos viel zu wenig nach Metal klingen und kriegte sich wieder mit Lemmy in die Haare. Zu den Vocals passte es auch kein bisschen, sodass die Ton­spuren kom­plett geändert wurden. Eddie gefiel es immer noch nicht, was er den beiden an­deren sagte. Er traf nur auf Unverständnis, weshalb er mit sei­nem Ausstieg drohte. Er hätte wohl eine andere Reaktion erwartet. Statt­dessen schlugen sie vor, auf das Cover der Wen­dy-EP zu schreiben, dass er damit nichts zu tun hatte. Für Eddie Clarke war dies der Tropfen, der das Fass zu Überlaufen brachte. 1982 verließ er die Band. Von langer Dauer waren die Streitigkeiten aber nicht. Zwar grün­dete Eddie nach seinem Aus­stieg zusammen mit dem Ex-UFO-Bassisten Pete Way die Rockband Fastway, doch Mot­ör­head blieb immer ein Teil von ihm. Sogar im Jahr 2000 trat er beim Jubiläumskonzert in der Londoner Brixton Academy zusammen mit der Gruppe auf. Im Nachhinein sagt er, dass die Zeit mit Motörhead die beste Zeit seines Lebens war.

 

Eddie Clarke hat die Band entscheidend ge­prägt, denn vor allem durch ihn wurde Mo­törhead einer ganz neuen, Speed Metal ge­nannten Musikrichtung zugeschrieben. Das brachte ihm auch den Spitznamen Fast Eddie Clarke ein, unter dem er bis heute sehr bekannt ist. Lemmy gab ihm diesen Namen in einer Kurzschlusshandlung. Um die Bandmitglieder bei einem Gig im Electric Circus in Man­chester mit Spitznamen vorzustellen, hängte er einfach noch ein “Fast” vor Eddie Clarke. Seine neue Band Fastway war in Groß­britan­nien recht erfolgreich, was wohl an Clarkes Bekanntheit lag, international blieb der Erfolg aus. Etwa ein Jahr lang spielte er hier sogar mit Larry Wallis zusammen. Die Besetzung wech­selte ständig, bis sich die Band 1992 auflöste. 1991 hatte er schon das Solo­album „It ain’t over till it’s over raus­gebracht. Von den Einnahmen von Motörhead konnte er sehr gut leben, weshalb er nicht un­bedingt kommer­ziellen Erfolg brauchte. 2007 rief Clarke eine neue Version von Fastway mit dem ehema­ligen Little Angels-Sänger Toby Jepson ins Leben. Im Januar dieses Jahrs ver­starb mit Eddie Clarke († 67 Jahre) das letzte Mitglied der klassischen Besetzung von Mo­tör­head.

 

Lemmy tätigte nur einen Anruf, um Eddie mit Brian Robertson zu ersetzen. Der 1956 ge­borene Schotte lernte ursprünglich acht Jahre lang Cello und Schlagzeug, bis er zur Gitarre kam. Mit 18 Jahren spielte er für den Posten des Gitarristen von Thin Lizzy vor und wurde kurz darauf Teil der Band. Nach vier Jahren und zwei vorübergehenden Trennungen verließ er die Band wieder, um kurz darauf zusammen mit dem Ex-Rainbow-Bassisten Jimmy Bain die Rockband Wild Horses zu gründen. Nach zwei Alben trennten sie sich aus Erfolg­losigkeit aber wieder.  Während seiner Zeit bei Motörhead, beteiligte er sich viel am Song­writing für das sechste Studioalbum „Another Perfect Day (1983). Das führte dazu, dass vor allem die Gitarre eine viel melodiösere Rolle übernahm. Über dieses Album gab es sehr ge­mischte Meinungen und es beendete die erfolg­reichste Phase von Motörhead. Kurz nach dem Release sagten viele, das Album sei sehr sch­wach und Motörhead wolle nur Geld verdien­en. Inzwischen hat sich der Ruf aber verbessert und wird von vielen sogar als “unentdecktes Juwel” bezeichnet. Auf der nächsten Tour kam es ziemlich schnell zu Spannungen, da Ro­bertson sich weigerte, auf Konzerten die alten Songs zu spielen. Sogar Eddie Clarke wurde wieder hinzugezogen, um auf einem Konzert zu spielen. Robertson blieb nur ein Jahr in der Band, bis Lemmy und Phil ihn 1983 rauss­chmissen und durch Phil Campbell und Mi­chael Burston ersetzten.

 

Der 1949 geborene Burston, besser bekannt unter seinem Spitz­namen Würzel, ist auf sieben Studio- und zwei Livealben vertreten. Durch ihn hat die Gitarre in den Songs eine ganz neue Rolle bekommen. Er schrieb viele Riffs und Soli, wie sie laut dem späteren Schlag­zeuger Mikkey Dee so nie wie­der jemand geschaffen hat. Eigentlich wollte Lemmy nur einen weiteren Gitarristen aufneh­men, doch haben ihn Campbell und Würzel gleichermaßen überzeugt.

 

Phil Campbell wurde 1961 in Wales geboren und begann mit zehn Jahren, Gitarre zu spielen. 1979 gründete er die Band Persian Risk, die nach der zweiten Single einen gewissen Be­kanntheitsgrad erreichte. Mit John Deverill als Sänger veröffentlichte er zwei Alben, bis er die Band verließ. Nach Lemmy hat Phil Campbell die meiste Zeit am Stück bei Mo­törhead verbracht. Das Vorspielen, bei dem letztendlich beide Kandidaten ausgewählt wurden, führte noch zu einem weiteren Be­setzungswechsel. Phil Taylor erschien nicht und erklärte, er wolle lieber aufhören um ein “seriöser Musiker” zu werden. Der Bandma­n­ager wies Lemmy auf den Ex-Saxon-Dr­um­mer Pete Gill hin, den er schon von einer gemeinsamen Tour kannte. Die Blütezeit von Motörhead war vorübergehend vorbei. Es kamen nicht mehr viele neue Fans dazu, es blieb bei den alteingesessenen, die aber teil­weise auch aus ihrer wilden Zeit rausge­wachsen waren. Die Verkaufszahlen gingen langsam zurück, das stellte aufgrund der gro­ßen vorherigen Erfolge aber kein Problem dar. Auch Bronze Records begann zu zweif­eln, vor allem aber an der Besetzung. Des­halb sollte das nächste Album ein Best-Of werden. Die Titel von „No Remorse“ (1984) wurden in ganz unterschiedlichen Besetz­ung­en aufgenommen. Die meisten der von Lemmy ausgewählten älteren Titel (u. a. „Ace of Spades“ und „Louie Louie“) wurden noch von der früheren Besetzung eingespielt, trotzdem erschienen auch einige ganz neue Songs, die die neuen Mitglieder spielten. Als “lauteste Band der Welt” bewarb Bronze Records das neue Album und drehte sogar ein Promotionsvideo, in dem jedes Mitglied auf unterschiedliche Arten hingerichtet wird. Kurz nach der Veröffentlichung verließ Mo­törhead Ende 1984 Bronze Records. Laut Lemmy interessierte sich das Label nicht mehr für die Band. Erstmal konnte kein weiteres Album veröffentlicht werden, bis der Rechtsstreit 1985 geklärt war und ein Vertrag mit dem Plattenlabel des Managers Douglas Smith, GWR Records, ausge­handelt wurde. Im Sommer fand ein Konzert im Hammersmith Odeon zum zehnjährigen Jubiläum statt. Anfang des nächsten Jahres begann die Arbeit für ein weiteres Album, das erst einmal „Riding with the Driver“­ heißen sollte, später jedoch in „Orgasma­tron“­ umbenannt wurde. Für das Zugmotiv auf dem Plattencover hat Lemmy gesorgt, der zu dieser Zeit Zugmodelle sammelte. In Anlehnung daran wurde für die Tour ein fahrbarer Bühnenaufsatz gebaut, der einem Zug ähnlichsah, funktionieren tat dieser aber nicht. Zwar wird „Orgasmatron inzwisch­en als Klassiker der Band angesehen, doch blieb der große Erfolg nach dem Release aus und die Verkaufszahlen lagen sogar weit unter den Erwartungen der Musiker und des Labels.

 

Wegen Streitigkeiten mit Lemmy wurde Pete Gill kurze Zeit später wieder aus der Band geschmissen und Phil Taylor stieß für einige Jahre wieder dazu. In der Zwischen­zeit hatte Taylor zwei Bands gegründet. Die erste mit Brian Robertson und Phil Lynott scheiterte aufgrund des mangelnden Engage­ments Lynotts. Operator war am Anfang zwar auch nicht erfolgreich, weshalb Rob­ert­son die Band dann sogar verließ, aber die anderen Mitglieder hielten durch. Nach der Umbenennung in GMT kam dann doch der Erfolg und die erste EP wurde schnell veröf­fentlicht. Wegen des Bankrotts des Platten­labels musste die Band bis 1991 auf die Ver­öffentlichung der zweiten EP warten. Obwohl er nun wieder bei Motörhead mitspielte, blieb Phil Taylor GMT weiterhin treu. Fünf Jahre lang blieb die Besetzung gleich und drei wie­tere Studioalben wurden veröffentlicht.

 

Das 1991 veröffentlichte „1916weicht ein bis­schen von den früheren Alben ab, da hier zum ersten Mal zwei ruhige Songs zu hören sind. Der gleichnamige Song beschreibt den Ersten Weltkrieg aus Sicht eines sechzehn­jährigen Soldaten und ist sehr untypisch für Motörhead, da hauptsächlich ein Cello zu hören ist. Auch das sehr langsame „Love me forever“ ist etwas Neues in der Geschichte Motörheads. Zwar waren die Verkaufszahlen in den USA und in England sehr enttäuschend für die Band, doch die 100.000 verkauften Ein­heiten in Deutschland und die Nominierung für einen Grammy in der Kategorie „Best Metal Performance“ machten einiges davon wieder wett.

 

Für Phil Taylor war „1916“ das letzte Album. Es mangelte ihm an Engagement und er steckte nie wieder so viel Herzblut in die Band, wie in seiner Anfangszeit, sodass Lem­my ihn 1992 nach langem Hin und Her aus der Band entließ. Danach spielte Taylor einige Jahre als Ses­sionmusiker, bis er 1998 von Mick Farren als Schlagzeuger für die Rockband The Deviants engagiert wurde. Auch bei Motörhead-Covers spielte er teilweise mit. 2015 starb Phil Taylor im Alter von 61 an Leberversagen.  „Ich kannte Phil seit er 21 war und er war ein besonderer Typ. Glücklicherweise haben wir zusammen fantastisch gespielt und ich habe viele schöne Erinnerungen aus dieser Zeit.“, schrieb Eddie Clarke auf Facebook.

 

Nachdem Lemmy schweren Herzens Phil hat gehen lassen, holte er Mikkey Dee an Board. Der 1963 in Göteborg geborene Grieche be­gann seine musikalische Karriere in der Band Nadir. Nach seinem Umzug nach Kopenhagen trat er der Band von King Diamonds bei, verließ diese jedoch nach zwei Alben wieder. Für kurze Zeit spielte er bei Don Dokken, bis er 1992 Lemmys Bitten erhörte und als Dru­mmer zu Motörhead ging. Schon 1985, kurz nach Phil Taylors Ausstieg wollte Lemmy ihn für sich gewinnen, damals lehnte er aber ab. Bei den nächsten Alben beteiligte sich Dee viel am Songwriting. Die Band unterschrieb 1993 einen Plattenvertrag mit dem deutschen Label ZYX Music, weil Deutschland laut Lemmy einer der besten Märkte für Motörhead war und das Label gleichzeitig den größten Vor­schuss angeboten hat. Schnell entstanden aber Probleme mit ZYX, da für eine flächen­deckende Promotion nur in Deutschland ge­sorgt wurde und für andere Länder, wie Japan und die USA andere Vertriebe gefunden wer­den mussten. Trotzdem sind die Kritiken für „Bastards“ sehr gut ausgefallenen und es wird häufiger als der Klassiker unter den neueren Alben bezeichnet.  Es war das vorletzte Album mit zwei Gitarristen, denn Würzel verließ 1995 die Band – angeblich nach einem Streit mit Lemmy. Trotzdem blieben die beiden auch nach seinem Ausstieg immer noch Freunde, was zur Folge hatte, dass Würzel bei diversen Auftritten als Gastmusiker zu sehen war. Laut Lemmys Bass-Techniker Tim Butcher starb Würzel im Juli 2011 an einer Herzerkrankung.

 

Nach seinem Ausstieg wurde an der Besetzung Motörheads nichts mehr verändert. Als Trio veröffentlichten Lemmy, Phil Campbell und Mikkey Dee 1996 „Overnight Sensation, das besonders den alten Fans sehr gefiel, da es wieder viel des schrammeligen Anfangs ent­hielt. In der nächsten Zeit ging vieles wieder seinen alten Gang, z. B. beschreibt Lemmy die Entstehung von „Snake Bite Love als sehr typisch. Innerhalb von sechs Wochen wurden alle Stücke geschrieben. Die Texte schrieb allein Lemmy, für die Musik waren alle zu­ständig. Am erfolgreichsten war das Album in Deutschland, wo es sich für drei Wochen auf Platz 47 der Charts hielt. Die Tour führte dann auch ins Docks in Hamburg. Dort wurde das dritte Live-Album „”Everything louder than Everything Else (1999) aufgenommen. 2002 wandte sich das Blatt und „Ham­mer­ed“­ ver­kaufte sich innerhalb von einem Monat besser als die beiden vorherigen Studioalben zu­sam­men. Die Produktion war vom Terroranschlag 2001 und einem körperlichen Zusammenbruch Lemmys überschattet. Im Gegenteil zur Band, die das Album als eher lahm und düster be­zeichnete und auch mit dem Produzenten nicht wirklich zufrieden war, bezeichneten viele Fans und Kritiker es als etwas Besonderes.

 

Vom großen Erfolg angespornt engagierte der Bandmanager Tony Secunda, einen der da­mals angesagtesten Metal-Produzenten – Ca­m­eron Webb – um mit ihm zusammen „In­ferno“ aufzunehmen. Das nächste, auch von Cameron Webb produzierte Album erreichte in Deutschland Platz 4, für Motörhead eine Premiere. Auch das zwei Jahre später ver­öffentlichte „Motörizer“ wurde in Deutsch­land mit Platz 5 ein voller Erfolg. Der Titel geht auf Mikkey Dee zurück, der diese Idee schon Jahre zuvor hatte. 2005 feierte Motörhead das 30-Jährige Jubiläum. Im Hammersmith Ap­ollo in London eröffneten für sie Saxon und Girlschool, mit denen sie vorher schon viel kooperiert hatten. Auf der Amerika-Tour 2009 wurde Mikkey Dee kurzzeitig durch den Ex-Guns’n’Roses-Gitarristen Matt Sorum er­setzt, da Dee an der schwedischen Ausgabe des Dschungelcamps teilnahm. Als er wieder ver­fügbar war, gründeten Lemmy und Co. ein eig­enes Plattenlabel mit dem Namen Motörhead Music. Anlässlich des 35. Jubiläums und Lem­mys 65. Geburtstages erschien im Dezember 2010 das zwanzigste Studioalbum „The Wör­ld is Yours“. In Los Angeles schrieb Lemmy die Texte im Rekordtempo, doch die Auf­nahmen mussten erst einmal verschoben wer­den, da es Phil Campbells Vater gesundheit­lich immer schlechter ging, bis er schließlich starb. Seine Tonspuren nahm er in Wales auf, sodass Charlie Paulson, der bei den Proben für ihn eingesprungen war, auf der Platte gar nicht zu hören war. Auch die Aufnahmen für das nächste Album waren von Unter­brech­ungen geprägt, da sich Lemmys Gesund­heits­zustand immer weiter verschlechterte. „Aftershock“ (2013) gilt als eines der ab­wechs­lungsreichsten Alben von Motörhead. Danach wurde eine Tour unterbrochen und einige andere Auftritte, wie der auf dem Wacken Open Air, komplett abgebrochen, da Lemmy diese nicht durchhielt. Im August 2015 erschien unter dem Label Motörhead Music das 22. und letzte Studioalbum, bei dem u. a. Brian May als Gastmusiker zu hören ist. Mit „Heroes“ (David Bowie) erschien das zweite Cover. Zum allerersten Mal erreichte ein Album von Motörhead Platz Eins der Charts in Deutschland, Öster­reich und Finnland.

 

Über sich selbst sagte Lemmy: „Ich war immer gesund, abgesehen von Drogen und Alkohol.“ Zwei Tage nach seiner Krebs-Diagnose starb er am 28. Dezember 2015. Auf der extra für ihn eingerichteten Kon­dolenz-Seite schrieb die Band: „Spielt Haw­kwind laut, spielt Motörhead laut, spielt Lemmys Musik laut! Genehmigt euch einen oder mehrere Drinks. Erzählt euch Geschi­cht­en. Feiert das Leben, das dieser wunder­volle Mann, selbst so intensiv gefeiert hat. Er hätte es so gewollt!“  

 

Kurz darauf verkün­dete Mikkey Dee das En­de der Band. Ohne Lemmy ist Mo­tör­head nicht Motörhead. Vor allem für ihn und Phil Campbell war es schwierig, mit dem Verlust umzugehen. Cam­pbell brauchte eine etwa viermonatige Trauerphase, bis er schließlich eine neue Band gründete, die Phil Campbell and the Bastard Sons heißt. Mikkey Dee sollte erst bei Thin Lizzy bei den ab 2016 geplanten Auftritten zu Ehren des 30. Tod­estages von Bandgründer Phil Ly­nott spie­len, kurz darauf wurde aber be­kannt, dass er James Kottak auf der US-Tour der Scor­pions ersetzen würde. Fünf Monate später wurde er ein offizielles Bandmitglied der Scorpions.

[KS]
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